Die Inseln São Tomé und Príncipe liegen im Golf von Guinea
eben nördlich des Äquators. Sie sind von Lissabon, Libreville (Gabun) und Luanda aus auf
dem Luftweg zu erreichen. Am bequemsten gelangt man nach São Tomé , indem man mit SABENA
von Brüssel nach Libreville und von dort mit der kleinen Maschine der Fluggesellschaft
Equatorial nach São Tomé fliegt.
Die Hauptinsel São Tomé liegt 280 km westlich von
Libreville und die kleinere Insel Príncipe ungefähr 140 km nordöstlich der Hauptinsel.
Beide Inseln zusammen bilden eine Fläche von 1.001 km² und
haben eine Bevölkerung von 114.000 Einwohnern. Die Bewohner sind größtenteils Schwarze,
deren Vorfahren als Sklaven von den Portugiesen hierher gebracht wurden. Daneben gibt es
etwa 15% Mischlinge von den Kapverden und eine Restgruppe Portugiesen, Ein halbes
Jahrtausend portugiesischer Kolonialherrschaft haben die beiden Inseln und ihre
Bevölkerung geprägt.
Gleich beim Verlassen des Flugzeugs schlägt dem
Reisenden feuchtwarme Luft entgegen. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, die an der
Küste nur selten unter 25º C sinken, kennzeichnen das Klima. Das üppige Grün der
Vegetation und der schlechte bauliche Zustand der Häuser und Straßen sind die ersten
Eindrücke, die ins Auge springen. Die Vermutung liegt nahe, daß seit der Unabhängigkeit
im Jahre 1975 keine Bauunterhaltungsmaßnahmen mehr ergriffen worden sind. Das Befahren
der Straßen wird so zu einer Slalom-Partie.
Größte Stadt und Hauptstadt des Archipels ist São
Tomé mit 20.000 Einwohnern. Es fällt auf, daß das Stadtbild stark von Militär und
Polizei geprägt wird. Dabei handelt es sich nicht nur um einheimisches Militär, sondern
auch um ein tausend Mann starkes Militärkontingent aus Angola.
Der Präsidentenpalast, der nicht fotografiert werden
darf, besitzt eine Wachmannschaft, die feldmarschmäßig ausgerüstet ist und das Bajonett
aufgepflanzt hat. Vor dem Wachwechsel ertönt ein Trompetensignal, das jeden Passanten und
Autofahrer auffordert, stehen zu bleiben. Die gleiche Habachtstellung gilt für die
Augenzeugen der vorbeifahrenden Fahrzeugkolonne des Staatspräsidenten, Dieser hat seinen
Amtssitz nicht nur auf zwei Seiten weiträumig absperren lassen, sondern läßt mit sich
auch einen ausgeprägten Personenkult treiben. So hängt in vielen Geschäften das
Porträt von Präsident Pinto da Costa.
Die Versorgungslage der Bevölkerung läßt zu
wünschen übrig. Zwar bietet der Markt der Hauptstadt einheimische landwirtschaftliche
Produkte feil, aber der Einzelhandel hat für den Kunden nur wenige Erzeugnisse des
gehobenen Bedarfs vorrätig. Nur in der Loja Franca sie entspricht dem Intershop in
der DDR kann man gegen US$ Qualitätserzeugnisse erwerben.
Eine weitere Oase westlichen Warenangebots bildet das
einzige 4-Sterne-Hotel Miramar, das einer Schweizer Hotelkette gehört und von
Herrn Furrer, einem Schweizer, geleitet wird. Auch hier erfolgt der Zahlungsverkehr nur in
konvertibler Währung. Zur Sicherung des hohen Hotelstandards werden zahlreiche Ver- und
Gebrauchsgüter aus der Republik Südafrika und Namibia eingeführt. Dieses Hotel, das
seinen Gästen viel zu bieten hat, nimmt gleichzeitig die Funktion eines
Fremdenverkehrsbüros wahr. So werden von hier verschiedene Inselrundfahrten und in Verbindung mit
Equatorial Flugexkursionen nach Príncipe angeboten. Das Hotel
Miramar wird von zahlungskräftigen Gästen aus Libreville aufgesucht und ist
Treffpunkt der Entwicklungshelfer aus der Sowjetunion, aus Kuba, der DDR, aus der Schweiz,
aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, aus Portugal und Spanien.
Auch die Vereinten Nationen stellen durch ihr
Entwicklungsprogramm UNDP, durch die Weltgesundheitsorganisation und die Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation Entwicklungshelfer. Der Schwerpunkt der Hilfstätigkeit liegt
im Bereich des Schulwesens, der Berufsausbildung, der Verbesserung der
Gesundheitssituation und der Diversifizierung der Landwirtschaft. So bildet die DDR durch
ihre FDJ-Freundschaftsbrigade Maurer und Maurerinnen aus.
Ziel der Regierung ist die breitere Auffächerung der
landwirtschaftlichen Angebotspalette. Man möchte von der Monokultur des Kakaos wegkommen.
Zur Zeit stellen die Kakaoplantagen noch 90% des Ausfuhrwertes. Daneben gehen noch geringe
Mengen Kopra, Kaffee und Palmöl in den Export. Die Erzeugung von Kakao ist ab 1975 mit
der Flucht der portugiesischen Fachkräfte stark zurückgegangen. Die Verstaatlichung der
Plantagen Roças genannt hat hieran nichts ändern können. Seit einigen
Jahren bemüht sich die Regierung durch ihr Strukturanpassungsprogramm, der
Privatinitiative mehr Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen. So gibt es jetzt mehrere
Plantagen mit privatem Management. Auch sind Einzelhandelsgeschäfte teilweise wieder im
Besitz von Geschäftsleuten. Die Plantage Água Izé zum Beispiel besitzt eine gemischte
Eigentumsform und ist erfolgreicher als die rein staatlichen Landwirtschaftsunternehmen.
Neben der Steigerung des Anbaus von Gemüse, Reis,
Mais, Maniok, Bananen und von anderen Grundnahrungsmitteln plant man den Ausbau des
Fremdenverkehrs. Das warme Klima, die Landschaft mit ihrem immergrünen Pflanzenkleid,
einsamen Stränden, Wasserfällen und Vulkanschloten, und nicht zuletzt die freundlichen
Inselbewohner, sind günstige Voraussetzungen für den Tourismus.
Für eine Ankurbelung dieses Wirtschaftszweiges ist
allerdings eine Instandsetzung bzw. ein Ausbau des Verkehrsnetzes auf beiden Inseln, der
Bau eines Tiefwasserhafens und ein besserer Anschluß an das internationale Flugnetz in
Libreville erforderlich.
Meines Erachtens ist der Kleinstaat ohne Hilfe von
außen nicht lebensfähig. Eine Eingliederung von São Tomé und Príncipe in die
Zentralafrikanische Zoll- und Wirtschaftsunion (UDEAC) würde dem Inselstaat den vom
französischen Schatzamt garantierten CFA-Franc bringen. São Tomé und Príncipe sollte
hier dem Beispiel des benachbarten Äquatorialguinea, das seit 1985 Mitglied der CFA-Zone
ist, folgen.
Eine Alternative für die Zeit nach dem Erreichen
einer Friedenslösung im südwestlichen Afrika wäre eine engere Anlehnung oder
Angliederung von São Tomé und Príncipe an das ebenfalls portugiesischsprachige Angola.
© March 1990 by Dietrich Köster,
D-53115 Bonn |