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Macau Portugiesischer Kolonialismus

Macau 1997

Verfasst von Dietrich Köster

Das chinesische Territorium unter portugiesischer Verwaltung – 65 km westlich von Hongkong gelegen – ist jetzt nicht nur mit dem Tragflügelboot (jactoplanador/jetfoil) von Hongkong aus in einstündiger Fahrt zu erreichen, sondern auch auf dem Luftweg. Am 08. Dezember 1995 wurde der Internationale Flughafen Macau in Betrieb genommen. Das Gelände für die Start- und Landebahn ist durch Aufschüttung dem Südchinesischen Meer abgerungen worden. Der Flughafen dient nicht nur als Umsteigestation den Flugreisenden aus Taiwan, die die Volksrepublik China besuchen wollen, sondern auch als Sprungbrett von Südostasien in viele Regionen Festlandchinas. Die Verbindung mit Europa stellt die portugiesische Fluggesellschaft TAP – Air Portugal durch zwei wöchentliche Flüge von Lissabon nach Macau und zurück her. Daneben gibt es verschiedene europäische Fluggesellschaften, die Frachtflüge nach hier durchführen.

Vom Empfangsgebäude auf der Insel Taipa – eine der beiden dem eigentlichen Macau vorgelagerten Inseln – führt eigens eine neue Brücke zum festländischen Teil Macaus. Schon von weitem grüßt das neue Wahrzeichen Macaus, der Hochhausturm der Bank of China, eine der beiden Notenbanken des Territoriums. Daneben nimmt sich das Hotel de Lisboa – früher ein markanter Punkt der Stadtlandschaft – bescheiden aus. Macau ist in den letzten fünfzehn Jahren Hongkong immer ähnlicher geworden. Zahlreiche Hochhäuser beherrschen heute die Stadtsilhouette. Banken, Spielbanken, Versicherungsgesellschaften und andere Dienstleistungseinrichtungen bestimmen stark die Beschäftigungsstruktur der Bevölkerung Macaus. Mit 97% der Einwohner stellen Chinesen die überwältigende Mehrheit, gefolgt von 2% Portugiesen.

Letztgenannte sind häufig aus Portugal auf Zeit entsandt, um in der öffentlichen Verwaltung und im Schulwesen tätig zu sein. Bis 1991 war Portugiesisch die einzige Amtssprache. Seit diesem Jahr besitzt Chinesisch den gleichen Status. Während in der Praxis eine Verständigung auf Chinesisch überall möglich ist, besteht diese Möglichkeit auf Portugiesisch nur in eingeschränktem Maße, da Englisch als Geschäftssprache der Amtssprache europäischen Ursprungs allein schon aufgrund der Nähe zu Hongkong Konkurrenz macht. Hier hat die portugiesische Verwaltung von Macau in der Vergangenheit viel versäumt. Nur in den wenigen portugiesischen und luso-chinesischen Schulen ist Portugiesisch Unterrichtssprache bzw. Pflichtfach. In den zahlreichen chinesischen Schulen wird Portugiesisch nur als Wahlfach angeboten. Trotzdem sind alle öffentlichen Bekanntmachungen und Beschilderungen – auch der Geschäfte – stets in beiden Amtssprachen gehalten. Dem inzwischen erkannten Mißstand versucht die Verwaltung in den letzten Jahren durch verstärkte Ausbildung von Portugiesischlehrern gegenzusteuern. In der Erwachsenenbildung versuchen das Centro de Difusão de Línguas und das Instituto Português do Oriente den mangelnden Portugiesischkenntnissen der Bevölkerung abzuhelfen.

Am 20. Dezember 1999 wird nach dem Vorbild von Hongkong Macau als „Besondere Verwaltungsregion“ an die Volksrepublik China übergeben. Der zwischen Portugal und der VR China 1987 abgeschlossene Vertrag sieht eine Beibehaltung des bisherigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Systems für weitere 50 Jahre vor, so daß erst im Jahre 2049 eine Angleichung an Festlandchina erfolgen dürfte. Die am 22. Juni 1997 durchgeführten Kommunalwahlen waren die letzten vor der Übergabe des Territoriums an China.

Die sogenannte Lokalisierung bezweckt den Ersatz portugiesischer Verwaltungsfachkräfte durch Macau-Chinesen, die im Hinblick auf die Übernahme von Spitzenpositionen in der öffentlichen Verwaltung zur Zeit fortgebildet werden.

© Oktober 1997 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Malaysia Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Papiá Cristang – die portugiesische Kreolsprache von Malakka, Malaysia

Verfasst von Dietrich Köster

Die Portugiesen unter Afonso de Albuquerque eroberten 1511 die Stadt Malakka auf der Halbinsel Malakka (heute: Westmalaysia). Sie mußten 1641 ihre Besitzung den erobernden Niederländern preisgeben.

In diesen 130 Jahren entstand in Malakka eine Mischbevölkerung aus portugiesischen Männern und malaiischen Frauen. Die Nachkommen dieser Bevölkerung, die heute 5.000 Mitglieder zählt und im Portuguese Settlement – einer geschlossenen Siedlung im Südosten der Stadt Malakka – lebt, nahm die portugiesische Sprache an und veränderte sie unter dem Einfluß der malaiischen Sprache zur Kreolsprache Papiá Cristang.

Heute wird diese Sprache auch in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, im benachbarten Stadtstaat Singapur und durch Auswanderung auch vereinzelt in Australien gesprochen.

Während der Wortschatz zu 95% auf dem Portugiesischen fußt, beruht die Grammatik dieser neuen Sprache weitgehend auf dem Malaiischen. Das Ergebnis ist eine vereinfachte Sprache.

Der Plural der Substantive wird in dieser Sprache beispielsweise durch Verdoppelung des Wortes gebildet.

Im übrigen verweise ich auf die entsprechende Grammatik-Seite im Internet:

Gramática do Papiá Cristang de Malaca

http://rcl.com.sapo.pt/malacagramatica.html

In Sachen Wortschatz ist hier aufschlußreich:

Gloçário de Português de Malaca

http://rcl.com.sapo.pt/malacadicionario.html

Als Beispiel für eine Gegenüberstellung von Papiá Cristang mit dem heutigen Portugiesisch Portugals mögen die Texte mit der nachstehenden Web-Anschrift dienen:

Malaca – Chang di Padre – Português sa Cidadi (Papiá Cristang des Portuguese Settlement von Malakka)

und

Malaca – O Bairro Português (Portugiesisch Portugals)

http://rcl.com.sapo.pt/malacapapia.html

© von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Ost-Timor Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Sprachpolitik Osttimors: Die Wiedereinführung des Portugiesischen als Amts- und Unterrichtssprache

Verfasst von Dietrich Köster

1. Kurzer, allgemeiner, historischer Abriß

Osttimor/Portugiesisch-Timor wurde von Portugal ab Anfang des sechzehnten Jahrhunderts kolonisiert. Diese Präsenz dauerte bis August 1975, dem Zeitpunkt des Bürgerkrieges zwischen zwei politischen Parteien, die um die Macht kämpften. Damals zogen sich das portugiesische Verwaltungspersonal und die portugiesischen Angehörigen des Militärs unter Führung des portugiesischen Gouverneurs und damaligen Obersten Mário Lemos Pires auf die benachbarte Insel Ataúro als Zufluchtsort zurück. Am 07. Dezember 1975 wurde Osttimor in einer kombinierten Aktion der drei Teilstreitkräfte der indonesischen Armee auf grausame Weise militärisch angegriffen. Nach fast 24 Jahren hörte das indonesische Besatzungsregime nach der von der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) am 30. August 1999 durchgeführten Volksbefragung auf zu bestehen. Die Unabhängigkeit, von dieser Organisation gefördert, wurde am 20. Mai 2002 proklamiert.

2. Die Sprachpolitik der portugiesischen Kolonialmacht bis 1975

Während der gesamten portugiesischen Kolonialzeit besaß die portugiesische Sprache eine herausragende Rolle. Die ganze Verwaltung bediente sich des Portugiesischen als einzigem mündlichem und schriftlichem Verständigungsmittel. Die Unterrichtssprache in schulischen Einrichtungen war auch ausschließlich das Portugiesische. Diese Einstellung gegenüber der portugiesischen Sprache war Teil der portugiesischen Überseepolitik der sprachlichen und kulturellen Assimilierung der Kolonialzeit.

3. Die Sprachpolitik der FRETILIN 1974-78

Kurz nach der Gründung der Revolutionären Front für ein unabhängiges Osttimor (FRETILIN) im Jahre 1974 begannen die Alphabetisierungskurse, die in der Tetum-Sprache erteilt wurden, die die wichtigste einheimische Sprache darstellt. Diese Kurse hörten bereits 1978 auf, weil die Gefahr bestand, daß die indonesischen militärischen Besatzer sie entdecken könnten. Andererseits hat die Führung dieser Partei immer das Portugiesische als die Amtssprache angesehen.

4. Die Sprachpolitik der indonesischen Besatzungsmacht 1975-1999

Mit der indonesischen Invasion in Gestalt des kombinierten Angriffs der drei Teilstreitkräfte Indonesiens änderte sich die Sprachpolitik abrupt und über Nacht. Die indonesische Sprache, d.h. Bahasa Indonesia – eine Kunstsprache, die auf dem Malaiischen fußt -, wurde in allen Bereichen des öffentlichen Lebens eingeführt. Indonesisch wurde die ausschließliche Sprache der Behörden. In den Schulen wurden alle Fächer auf Indonesisch erteilt. Die Mehrheit der Lehrer waren Zuwanderer, vor allem von der Insel Java, der bedeutendsten und bevölkerungsreichsten Region Indonesiens. Die portugiesische Sprache wurde verboten. Von den neuen Besatzungsherren wurde das Portugiesische als eine verdächtige Sprache angesehen, da sie sie nicht kannten und Portugiesisch nicht erlernen wollten. Deswegen wurde Portugiesisch 1981 ganz aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die einzige Sprache, die neben dem Indonesischen anerkannt und gelehrt wurde, war Englisch, das als Fach im Fremdsprachenunterricht der Sekundarschule erteilt wurde. Alle Aufschriften waren auf Indonesisch, wenn auch die Straßennamen weiter auf portugiesische Weise gebraucht wurden, allerdings unter Voranstellung der indonesischen Bezeichnung jalan statt rua.

Das Ergebnis dieser Besatzungszeit war: Die Mehrheit der Bewohner unter 35 Jahre hat kaum Kenntnisse der portugiesischen Sprache, beherrscht dafür aber die indonesische Sprache gut. Es besteht sogar eine gewisse ablehnende Haltung gegenüber einer neuen Sprache, die nicht ihren Ursprung in Timor hat. 1992 mußte die letzte Schule mit Portugiesisch als Unterrichtssprache – das Externato de São José in der Trägerschaft der Katholischen Kirche – ihre Pforten schließen. Nur die Priesterseminare dieser Kirche konnten weiterhin Portugiesischunterricht erteilen. Aber die portugiesische Sprache der Messe wurde unter dem Druck der Besatzer abgeschafft und 1981 durch Tetum, der am weitesten verbreiteten örtlichen Sprache, ersetzt.

5. Der Beginn eines neuen Zeitalters nach der Volksbefragung: die Diskussion der Sprachenfrage

Mit vier bedeutenden Sprachen besitzt Osttimor eine heikle Problematik. Es sind die Sprachen Tetum, Portugiesisch, Indonesisch und Englisch, die sich gegenseitig Konkurrenz machen:

Die bekannteste und am stärksten im Land verwurzelte Nationalsprache ist Tetum, das von ungefähr 80% der Bevölkerung gesprochen wird. Die traditionelle Amtssprache über Jahrhunderte hinweg ist das Portugiesische, das gegenwärtig nur von 15% der Bevölkerung gesprochen wird. Diese waren in der Zeit der portugiesischen Überseeprovinz oder der Kolonie eingeschult gewesen, obwohl 77% der Bevölkerung im Schulalter die verschiedenen Bildungseinrichtungen im Schuljahr 1973/74 besucht haben. Eine passive Kenntnis der portugiesischen Sprache ist jedoch kennzeichnend für einen Großteil der Bevölkerung. Dies liegt an dem beträchtlichen portugiesischen Anteil an der Tetum-Sprache, die heute von der Mehrheit der Osttimorer gesprochen wird. Es ist daher schier unmöglich, daß ein tetumsprachiger Timorer nichts von einem Gespräch oder einer Ansprache auf Portugiesisch versteht.

Die gegenwärtige politische Elite hat immer ihre aktiven Kenntnisse der portugiesischen Sprache zu erhalten gewußt. Die Führung der Guerilla FALINTIL hat stets auf Portugiesisch als Sprache, die alle Osttimorer eint, gesetzt. Die Sprache der indonesischen Besatzer der Jahre 1975 bis 1999 Bahasa Indonesia ist unter der jungen Generation aufgrund der hohen Einschulungsrate während des indonesischen Regimes ziemlich gut bekannt. Diese Altersschicht möchte gerne weiter Indonesisch als allgemeines Verständigungsmittel benutzen. Schließlich wird Englisch von Menschen der jungen Generation als das internationale Verständigungsmittel angesehen, das für eine berufliche Karriere nützlich ist. Diese Sprache genießt ein großes Prestige, das durch die Anwesenheit der Angehörigen der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen verstärkt wurde. Dieser Personenkreis bediente sich des Englischen.

6. Die Ansprache von Professor Geoffrey Hull anläßlich des Nationalkongresses des CNRT im Jahre 2000

Es war der australische Professor Geoffrey Hull von der Universität von Western Sydney, der der Wiedereinführung der portugiesischen Sprache durch seinen Vortrag, den er auf dem Nationalkongreß des Nationalrates des timorischen Widerstandes (CNRT) am 25. August 2000 hielt, starken Auftrieb verliehen hat. Er meint, daß die wichtigste Nationalsprache Osttimors – Tetum – sich nur zusammen mit dem Portugiesischen entwickeln könne. Es seien diese beiden Sprachen und der christliche Glaube, die die nationale Identität Osttimors gewährleisteten. Andererseits sei Englisch als Amtssprache wenig geeignet, da diese Sprache stets eine beherrschende Rolle spielen möchte, die die örtlichen Sprachen vernichte. Australien, die Philippinen und Malta seien Beispiele für Sprachenvernichtung. Bahasa Indonesia wiederum werde in den Augen der osttimorischen Bevölkerung ganz mit den 24 Jahren Völkermord, Terror und Brutalität gleichgesetzt. So könne diese Sprache nicht als Amtssprache dienen.

Nach dieser Aussprache entschied der Nationalkongreß des CNRT, Portugiesisch als Amtssprache in der zukünftigen Demokratischen Republik Osttimor einzuführen.

7. Die Bestimmungen der Verfassung der Demokratischen Republik Osttimor über die Sprachen

Artikel 13

(Amts- und Nationalsprachen)

1. Tetum und Portugiesisch sind die Amtssprachen der Demokratischen Republik Osttimor.

2. Tetum und die anderen Nationalsprachen werden vom Staat aufgewertet und entwickelt.

Artikel 159

(Arbeitssprachen)

Die indonesische und die englische Sprache sind Arbeitssprachen, die in der öffentlichen Verwaltung neben den Amtssprachen – solange sich dies als notwendig erweist – Verwendung finden.

8. Die Unterstützung Portugals bei der Wiedereinführung der portugiesischen Sprache

Halbamtliche Kontakte zwischen dem Instituto Camões, Portugals Kulturinstitut zur Verbreitung der portugiesischen Sprache im Ausland, und dem CNRT vor dem 30. August 1999 wurden unmittelbar nach der Volksbefragung in offizielle Kontakte in Gestalt von Abkommen zwischen dem portugiesischen Außen- und Erziehungsministerium einerseits und dem CNRT, den beiden Übergangsregierungen bzw. der ersten verfassungsmäßigen Regierung Osttimors andererseits umgewandelt. Diese sehen die Entsendung von 145 Lehrern für die Erteilung von Portugiesischunterricht und Unterricht in weiteren Fächern in portugiesischer Sprache vor. Diese Lehrer sind über die Schulen der dreizehn Distrikte verteilt. Die Zahl der Lehrer schwankt in den Distrikten zwischen drei in Aileu und 49 in Dili. Die Koordinierung des Lehrereinsatzes wird von der Erziehungsattachée der Botschaft Portugals in Díli vorgenommen.

Andererseits stellt das Instituto Camões sechzehn Ausbilder – einschließl. einer Koordinatorin -, die dem Zentrum der portugiesischen Sprache (CLP) angehören und Fachportugiesisch in außerschulischen Kursen unterrichten. Diese Kurse wenden sich vor allem an Angehörige der öffentlichen Verwaltung Osttimors, z.B. an Mitarbeiter der verschiedenen Ministerien, der Polizeiakademie, der Feuerwehr, der Gerichte, der Zentralen Einrichtungen der Verwaltung, der Plankommission und des Banco Nacional Ultramarino. Im Februar 2002 gab es 59 Lerngruppen mit 1250 angemeldeten Teilnehmern mit durchschnittlich 21 Lernenden pro Lerngruppe auf vier Niveaus:
Einführungs-, Grund-, Mittel- und Fortgeschrittenenkurse
Auch private Vereinigungen werden ermutigt, die Einrichtung von Kursen für ihr Fachpersonal zu beantragen. Mindestens zehn Teilnehmer sollten bei einem solchen fachsprachlichen Lehrgang zusammenkommen. Die Angehörigen des Außenministeriums sind verpflichtet, Montag bis Freitag von 9 bis 10 und von 17 bis 18 Uhr an einem Kurs portugiesischer Konversation teilzunehmen.

Fünfzehn Universitätsdozenten erteilen den Studenten Unterricht, die das Studium der portugiesischen Sprache und der lusophonen Kulturen in der Form der Lizentiatur, die 2002 an der Nationalen Universität von Osttimor (UNTIL) eingerichtet wurde, gewählt haben.

Darüber hinaus gibt es sieben portugiesische Lehrer, die die Schüler, die den Sekundarabschluß erlangt haben, auf ein Studium an einer Universität Portugals vorbereiten. Diese Dozenten sind von der Stiftung der portugiesischen Universitäten (FUP) abgeordnet worden.

Schließlich gibt es allgemeine Kurse zur Erlernung der portugiesischen Sprache für alle interessierten Studenten. So wurden Lerngruppen für 5.000 Teilnehmer eingerichtet.

Die zentrale Anlaufstelle für alle Aktivitäten des Portugiesischunterrichts ist das Zentrum der portugiesischen Sprache (CLP), das vom Instituto Camões unterstützt und finanziert wird und einen Teil der Nationaluniversität Osttimors (UNTIL) bildet.

9. Die Einführung der portugiesischen Sprache an den Primar- und Sekundarschulen

Die Primarschule besteht aus den Klassen 1-6. Im Schuljahr 2001/2002 erhielten die Kinder der ersten drei Klassen am Vormittag den Unterricht in allen Fächern in portugiesischer Sprache. Die Tetum-Sprache dient dabei als mündliche Hilfssprache, wenn es Verständigungsprobleme gibt. Jedes Schuljahr kommt eine weitere Klasse mit Portugiesisch als Unterrichtssprache hinzu. Am Nachmittag erhalten alle osttimorischen Lehrer dieser Schule einen Auffrischungskurs in portugiesischer Sprache, der von Lehrern erteilt wird, die aus Portugal stammen und über die dreizehn Distrikte verteilt sind. Während an der Primarschule die Ausweitung der Einführung der portugiesischen Sprache jedes Jahr stärker voranschreitet – zum Nachteil der indonesischen Sprache – wird der Unterricht in der Sekundarstufe 1 (Klassen 7-9) und in der Sekundarstufe 2 (Klassen 10-12) bisher noch überwiegend in indonesischer Sprache erteilt. Andererseits gibt es aber bereits intensiven portugiesischen Sprachunterricht als Lehrfach für alle Schüler, der von Lehrern aus Portugal erteilt wird. Die ersten Lehrbücher kamen aus Macau, einem portugiesischen Territorium bis Ende 1999. In der Zwischenzeit sind die Mehrzahl der Schulbücher für die Schüler Veröffentlichungen, die in Portugal gedruckt wurden. Alle Lehrer erhielten zusätzlich eine „Pädagogische Mappe“ mit mehreren Büchern, die nützliche Hilfsmittel für den Portugiesischunterricht darstellen.

10. Die Einführung des Portugiesischen an der Nationaluniversität von Osttimor (UNTIL)

An der UNTIL ist die indonesische Sprache noch das überwiegende Kommunikationsmittel. Aber mit den angebotenen Portugiesischsprachkursen für Tausende von Studenten erhöhen sich die Portugiesischkenntnisse ständig. Bisher hängt es von den Dozenten ab, welche Sprache gebraucht wird. Bei lusophonen Professoren kann eine Übersetzung in die Tetum-Sprache vorgenommen werden. Grundsätzlich läßt sich sagen, daß die Zahl der Lehrveranstaltungen auf Portugiesisch im Ansteigen begriffen ist.

11. Die Einführung des Portugiesischen als Amtssprache

Ab dem Unabhängigkeitstag sollen alle Dokumente entweder auf Portugiesisch oder Tetum abgefaßt sein. Im Notfall können noch die englische oder indonesische Sprache als Arbeitssprachen benutzt werden. Wichtige Dokumente, die während der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen entstanden sind (November 1999 bis Mai 2002), müssen zumindest vom Englischen ins Portugiesische übersetzt werden.

12. Unterstützungsmaßnahmen der Brasilianischen Agentur für Zusammenarbeit (ABC)

1. Unternehmensförderung und Berufsausbildung in Osttimor

Es handelt sich um ein Berufsbildungszentrum im gewerblich-technischen Bereich im Stadtteil Becora der Hauptstadt Díli. Es wurde vom brasilianischen Außenminister Celso Lafer am 21. Mai 2002, dem Tag nach der Unabhängigkeit Osttimors, seiner Bestimmung übergeben. Der Unterricht wird auf Portugiesisch mit Tetum als mündlicher Hilfssprache erteilt.

2. Alphabetisierung in Osttimor nach dem Modell der brasilianischen Basisgemeinden

Es handelt sich um Alphabetisierungskurse für Erwachsene in allen Distrikten Osttimors mit Lehrmethoden, die im Nordosten Brasiliens entwickelt wurden. Es wird auf Portugiesisch unterrichtet, aber mit Tetum als mündlicher Hilfssprache.

3. Ausbildung von Lehrern und Schülern im Fernunterricht in Osttimor

In diesem Lehrgang werden moderne audiovisuelle Lehrmittel wie Video- und Audiokassetten zusammen mit Lehrbüchern herkömmlicher Art bei Jugendlichen und Erwachsenen für den Unterricht im Primarschulbereich und in der Sekundarstufe 1 eingesetzt. Daneben beabsichtigt man Lehrer, die bereits unterrichten, fortzubilden. Das brasilianische Programm Parámetros em Ação dient dazu, Lehrer im Klassenraum zu qualifizieren. Im Unterricht wird die portugiesische Sprache benutzt. Tetum ist auch hier mündliche Hilfssprache.

13. Zukunftsperspektiven der Wiedereinführung der portugiesischen Sprache in Osttimor

Dank der großzügigen portugiesischen Unterstützung macht die Wiedereinführung der portugiesischen Sprache immer größere Fortschritte. Nach der Planung des Instituto Camões dürfte innerhalb von zehn Jahren jeder zweite Osttimorer die portugiesische Sprache beherrschen. Mit dem Beitritt Osttimors zur Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache (CPLP) am 31. Juli 2002 werden die Beziehungen zu den Ländern mit portugiesischer Amtssprache die Portugiesischsprachigkeit Osttimors weiter erhöhen und festigen.

Bibliographie

Tavares Esperança, João Paulo, Estudos de Linguística Timorense, SUL – Associação de Cooperação para o Desenvolvimento com o Apoio do Comissariado para o Apoio à Transição em Timor, Aveiro 2001, ISBN 972-97434-1-X

Camões, Revista de Letras e Culturas Lusófonas, Nr. 14 – Timor Lorosa’e, Juli-September 2001, Instituto Camões, Lissabon 2002, ISSN 0874-3029

Tinoco, Jacinto, Não haverá unidade nacional sem unidade linguística, in: Boletim de Notícias, Associação Cultural Luso-Timorense, Ausgabe Nr. 3, Seite 1, Díli April 2002

Hull, Geoffrey, Timór-Lorosa’e, Identidade, Lian no Polítika Edukasionál/Timor-Leste, Identidade, Língua e Política Educacional, Instituto Camões, Lissabon 2001

Thomaz, Luis Filipe F.R., Babel Loro Sa’e, O Problema Linguístico de Timor-Leste, Colecção Cadernos Camões, Instituto Camões, Lissabon 2002

Leclerc, Jacques, L’Aménagement linguistique dans le monde: Timor Lorosae (République de Timor Lorosae), Universität Laval, Québec 2004, https://www.axl.cefan.ulaval.ca/asie/timor-1_situation.htm

Siehe auch:

Dietrich Köster (Bona), Política linguística de Timor-Leste: a reintrodução do português como língua oficial e de ensino, Lusorama, 57-58 (Maio de 2004), pág. 172-179, ISSN 0931-9484

Dietrich Köster (Deutsche Gesellschaft für die afrikanischen Staaten portugiesischer Sprache), Política Linguística de Timor-Leste: A Reintrodução do Português como Língua Oficial e de Ensino, Estudos de Línguas e Culturas de Timor-Leste/Studies in Languages and Cultures of East Timor, número 6, 2004, pág. 1-7, Instituto Nacional de Linguística da Universidade Nacional Timor Lorosa’e, ISSN 1441-1105

LUSOPHONIE IN GESCHICHTE UND GEGENWART, Festschrift für Helmut Siepmann zum 65. Geburtstag, editado por Richard Baum e António Dinis, Dietrich Köster, Política linguística de Timor-Leste: a reintrodução do português como língua oficial e de ensino, pág. 123-129, Bona 2003, ISBN 3-86143-145-9 e ISSN 0178-8515

© Juni 2007 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Asien Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Das portugiesische Spracherbe in Asien

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster 

Die portugiesische Sprache war aufgrund der kolonialen Expansion Portugals und des darauf aufbauenden Handels vom 16. bis 18. Jahrhundert an den Küsten des Indischen Ozeans die Handelssprache schlechthin. Portugiesisch wurde in jener Zeit nicht nur in den Städten des Orients, die die Portugiesen erobert hatten benutzt, sondern auch von vielen dort heimischen Herrschern in ihren Beziehungen mit anderen Kolonialmächten wie den Niederländern, Briten und Dänen u.a. eingesetzt.

Zum Bespiel wurde auf Ceylon Portugiesisch für alle Kontakte zwischen Europäern und der Bevölkerung benutzt. Mehrere Könige auf Ceylon sprachen es fließend. Portugiesische Namen wurden Gemeingut unter den Adligen. Als die Niederländer den Küstenbereich Ceylons besetzten, ergriffen sie besonders unter Generalgouverneur van Goens Maßnahmen, um dem Gebrauch des Portugiesischen Einhalt zu gebieten.

Diese Sprache war jedoch unter den Ceylonesen so gut eingeführt, daß sogar die Familien der niederländischen Burgher anfingen, sie zu sprechen. 1704 sagte der Gouverneur Cornelius Jan Simonsz: “Se você fala português no Ceilão, você é entendido em todo lugar.” (Wenn Sie auf Ceylon Portugiesisch sprechen, werden Sie überall verstanden.)

Auch in der niederländischen Hauptstadt des Orients Batavia, heute: Jakarta, war Portugiesisch die Umgangssprache im 17. und 18. Jahrhundert. Missionsgesellschaften trugen wesentlich zur Verbreitung der portugiesischen Sprache bei. Als viele Bevölkerungsgruppen zum Christentum bekehrt worden waren, nahmen sie Portugiesisch als Muttersprache an. Auch die niederländischen, dänischen und britischen protestantischen Missionsgesellschaften, die in Indien wirkten, waren gezwungen, Portugiesisch als ihre Missionssprache einzusetzen.

Die portugiesische Sprache hat viele orientalische Sprachen beeinflußt. Viele portugiesische Wörter wurden zu Lehnwörtern in so mancher Sprache des Orients wie in indischen Sprachen einschließlich Bengali, in Kisuaheli, Bahasa Malaysia, Bahasa Indonesia, Japanisch, Singhalesisch, Tamil, in Tetum auf der Insel Timor und auch in Afrikaans in Südafrika.

Dort wo die portugiesische Präsenz stärker und lang anhaltender war, bildeten sich blühende Gemeinschaften von “Casados” und “Mestizen”, die eine Varietät der portugiesischen Standardsprache annahmen, eine Art von Kreol-Portugiesisch.

Was sich bis heute gehalten hat, ist sehr wenig. Es ist immerhin aufschlußreich zu beobachten, daß kleine Gemeinschaften über Asien verstreut sind, die weiterhin Kreol-Portugiesisch verwenden, obwohl diese seit vielen Jahren – in einigen Fällen seit Jahrhunderten – keinen Kontakt mehr mit Portugal haben. Ein anderer interessanter Gesichtspunkt ist die Tatsache, daß während der Blütezeit der portugiesischen Präsenz in Asien die Zahl der Portugiesen einschließlich der Geistlichen nie größer als 12.000 bis 14.000 war.

Portugiesischsprachige Gemeinschaften in Asien (Blau: Heutige Orte, wo Portugiesisch gesprochen wird, Rot: Orte, wo Gemeinschaften früher Portugiesisch gesprochen haben). Author Marco Ramerini
Portugiesischsprachige Gemeinschaften in Asien (Blau: Heutige Orte, wo Portugiesisch gesprochen wird, Rot: Orte, wo Gemeinschaften früher Portugiesisch gesprochen haben). Author Marco Ramerini

Portugiesischsprachige Gemeinschaften heute

Malakka: Portuguese Settlement, Praya Lane, Bandara Hilir

Etwa 1.000 Personen sprechen Kreol-Portugiesisch (Papia Kristang). 80% davon sind ältere Bewohner des Portuguese Settlement, die regelmäßig Kristang sprechen. Jetzt gibt es auch einige Sprecher in Singapur und Kuala Lumpur. Kristang ist in seiner grammatischen Struktur dem örtlichen Malaiisch sehr ähnlich, aber der Wortschatz geht zu 95% auf das Portugiesische zurück. Noch vor wenigen Jahren wurde Kreol-Portugiesisch auch in Pulau Tikus (Penang) gesprochen, aber jetzt gilt es als ausgestorben. Die Eurasische Gemeinschaft hat auf der Halbinsel Malakka 12.000 Mitglieder. Aktiv sind die Malacca Portuguese Eurasian Association (MPEA) und das Secretariat of the Portuguese/Eurasian Malaysian Associations (SPEMA) mit sieben selbständigen Mitgliedsvereinigungen in Alor Star, Penang, Perak, Malakka, Kuala Lumpur, Seremban und Johor Baru. Es gibt auch eine Eurasische Vereinigung in Singapur. Malakka ging Portugal im Jahr 1641 verloren.

Korlai: In der Nähe von Chaul, Indien

Etwa 900 Personen sprechen ausschließlich Kreol-Portugiesisch. Diese Gemeinschaft hat ihrer Kirche den Namen “Igreja de Nossa Senhora do Monte Carmelo” gegeben. Sie geht auf das Jahr 1520 als Gemeinschaft an der Westküste zurück. Anfänglich war sie von ihren Hindu- und Moslem-Nachbarn durch soziale und religiöse Schranken getrennt. Die kleine Gemeinschaft in Korlai verlor jeglichen Kontakt mit Portugal nach 1740. Chaul ging Portugal im Jahr 1740 verloren.

Damão: Damão Grande oder Praça, Campo dos Remédios, Jumprim, Damão da Cima

Etwa 2.000 Personen sprechen Kreol-Portugiesisch. Damão ging Portugal im Dezember 1961 verloren.

Ceylon: Portugiesische Burghers in Batticaloa (Koolavaddy, Mamangam, Uppodai, Dutch Bar, Akkaraipattu), Trincomalee (Palayuttu) und Kaffir-Gemeinschaften in Mannar und Puttalam

Kreol-Portugiesisch wird nur noch im häuslichen Kreis gesprochen. 1984 wurde es von 250 Familien in Batticaloa gesprochen. Heute gibt es noch 100 Familien in Batticaloa und Trincomalee und etwa 80 afro-singhalesische Familien von Kaffirs, die Kreol sprechen. Von ca. 5.000 Personen, die sich als Batticaloa- und Trincomalee-Kreolen bezeichnen, können nur noch 500 Kreol-Portugiesisch sprechen. Die jüngere Generation kann kein Kreol. Nach Silva Jayasuriya war das Kreol auf Ceylon im Jahr 2000 nahezu ausgestorben. In Batticaloa gibt es den Burgher Recreio Clube “Shamrock” und die Batticaloa Catholic Burgher Union.

Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Nachkommen der Portugiesen im Dorf Waha Kotte in Zentral-Ceylon, sechs Kilometer von Galewala entfernt an der Straße zwischen Galewala und Matale gelegen. Hier sind die Bewohner Katholiken. Aber seit zwei Generationen wird hier kein Kreol-Portugiesisch mehr gesprochen. Ceylon ging Portugal 1658 verloren.

Macau:

An die 2.000 Personen sprechen Portugiesisch als ihre Erstsprache und ungefähr 11.500 als ihre Zweitsprache. Nur ein paar ältere Frauen sprechen Macanesisch, das Kreol-Portugiesisch von Macau. Das “Instituto Cultural de Macau” und die “Fundacão do Oriente” sind aktiv. Es gibt einen Fernseh-Kanal und mehrere Zeitungen ausschließlich auf Portugiesisch.

Macau war eine portugiesische Überseeprovinz. Am 20. Dezember 1999 wurde sie an China rückübertragen.

Hongkong:

Mehrere 100 Personen sprechen Macanesisch. Dies sind hauptsächlich Menschen, die von Macau zugewandert sind. Es gibt hier einen “Clube Lusitano”. Hongkong war nie unter portugiesischer Herrschaft.

Goa:

Die portugiesische Sprache ist im schnellen Rückgang begriffen. Es wird heute nur noch von einem kleinen Teil von Familien der sozialen Oberschicht gesprochen, die 3-5 % der Bevölkerung ausmachen und geschätzte 30.000 bis 50.000 Personen sind. Heute sind 35% von Goas Bevölkerung Zuwanderer aus anderen indischen Bundesstaaten. In den indischen Schulen wird Portugiesisch auf freiwilliger Basis als dritte Sprache unterrichtet. Es gibt eine Abteilung für Portugiesisch an der Universität von Goa. Aktiv sind die “Fundacão do Oriente” und die “Sociedade de Amizade Indo-Portuguesa”. Die letzte portugiesischsprachige Zeitung wechselte 1983 zum Englischen über. In Pangim gibt es noch viele gut sichtbare Schilder über Geschäften und an Verwaltungsgebäuden auf Portugiesisch. Goa ging Portugal im Dezember 1961 verloren.

Diu:

Kreol-Portugiesisch ist hier fast ausgestorben. Nach der Aussage von Maria Luíza de Carvalho Armando wird das Kreol-Portugiesische noch in Diu benutzt und nach ihrer Einschätzung ist Diu der Ort in Indien, wo das portugiesische Erbe sich am besten erhalten hat. Diu ging Portugal im Dezember 1961 verloren.

Timor:

Portugiesisch wurde im Jahre 1950 von weniger als 10.000 Personen gesprochen und 1974 von nur 10-20% der Bevölkerung. 1975 hatte Osttimor 700.000 Einwohner. Von diesen waren 35.000-70.000 in der Lage Portugiesisch zu lesen und zu schreiben. 100.000-140.000 konnten es sprechen und verstehen. Bis 1981 war Portugiesisch die Sprache der Katholischen Kirche auf Timor. In diesem Jahr wurde es durch Tetum ersetzt. Portugiesisch blieb aber die allgemein anerkannte Geschäftssprache in der Hauptstadt Díli. Auch war Portugiesisch die Sprache des anti-indonesischen Widerstandes und diente der Katholischen Kirche in ihren Beziehungen zum Ausland. Das Kreol-Portugiesisch von Timor – Português de Bidau – ist ausgestorben. Es wurde in Díli, Lifau und Bidau gesprochen. Indonesien eroberte Osttimor gewaltsam im Jahre 1975. Jetzt ist Timor eine unabhängige Nation. Sie hat sich für Portugiesisch und Tetum als Amtssprachen entschieden.

Indonesien: Insel Flores mit Larantuka und Sikka

Hier hat sich das Portugiesische in den reliösen Traditionen der Gemeinschaft der Topasses, den Nachkommen von portugiesischen Männern und einheimischen Frauen, in den Gebeten erhalten. An Samstagen sprechen die Frauen von Larantuka den Rosenkranz in einem vereinfachten Portugiesisch. In der Gegend von Sikka soll es Nachkommen von Portugiesen geben, die noch Portugiesisch sprechen sollen. Es gibt dort die Bruderschaft “Reinja Rosari”. Larantuka wurde 1859 vertraglich an die damalige Kolonialmacht der Niederlande abgetreten.

Portugiesischsprachige Gemeinschaften, die bis vor wenigen Jahren bestanden

Ceylon: Kreol-Portugiesisch wurde von der Gemeinschaft der niederländischen Burghers benutzt.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Kreol-Portugiesisch von den Mitgliedern dieser Gemeinschaft gesprochen. Bis nach dem 2. Weltkrieg trafen sich ceylonesische Katholiken in Colombo zu regelmäßigen Gottesdiensten in der Gemeindekirche St. Anthony Dematagoda, die in Portugiesisch gehalten wurden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Gebete für sich ständig verkleinernde Gruppen in einer Anzahl von katholischen Kirchen in der Stadt auf Portugiesisch gehalten (Dermatagoda, Hulftsdorp, Kotahena, Kotte, Nugegoda und Welölawatte). Obwohl es ein gesprochenes Portugiesisch war, verlor diese Sprache schnell ihren ursprünglichen Zweck bei religiösen Andachten in katholischen Kirchen. Es wurde durch die englische Sprache in modernerer Form und mit größerem Schwung ersetzt.

Jakarta-Batavia-Tugu: ein Vorort von Jakarta

Hier wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts eine Art vereinfachtes Portugiesisch noch von der christlichen Bevölkerung in Tugu gesprochen. Der letzte Kreol-Sprecher starb 1978. Tugu war niemals unter portugiesischer Herrschaft.

Cochin: Vypeen

Kreol-Portugiesisch ist in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Die Gemeinschaft von Portugiesen und Indern von etwa 2.000 Personen nimmt ihre Gemeindeaktivitäten in der alten Kirche “Nossa Senhora da Esperança” wahr. Cochin ging Portugal 1663 verloren.

Bombaim oder Nordprovinz: Baçaim, Salcete, Thana, Chevai, Mahim,Tecelaria, Dadar, Parel, Cavel, Bandora-Badra, Govai, Morol, Andheri, Versova, Malvan, Manori, Mazagão)

1906 war dieses Kreol nach dem von Ceylon das wichtigste Indo-Portugiesische Kreol. 1906 gab es noch 5.000 Personen, die Kreol-Portugiesisch als ihre Muttersprache sprachen. Davon lebten 2.000 in Bombay und Mahim, 1.000 in Bandora, 500 in Thana, 100 in Curla, 50 in Baçaim und 1.000 in anderen Dörfern. Damals gab es keine kreol-portugiesischen Schulen und die vermögenderen Bevölkerungsschichten neigten zur Vernachlässigung des Gebrauchs dieser Sprache. Sie gaben Englisch den Vorzug. (Costa 1892 und Dalgado 1906).

Coromandel: Meliapore, Madras, Tuticorin, Cuddalore, Karikal, Pondicherry, Tranquebar, Manapar, Negapatam

An der Koromandel-Küste waren die Abkömmlinge der Portugiesen allgemein unter dem Namen “Topasses” bekannt. Sie waren katholisch und sprachen Kreol-Portugiesisch. Mit dem Beginn der britischen Herrschaft fingen sie an Englisch statt Portugiesisch zu sprechen und anglisierten auch ihre Namen. Sie sind jetzt Teil der Eurasischen Gemeinschaft.

In Negapatam gab es 1883 noch 20 Familien, die Indo-Portugiesisch sprachen (Schuchardt 1883 und Dalgado 1917).

Portugiesischsprachige Gemeinschaften, die schon seit vielen Jahren nicht mehr bestehen

Solor & Adonara

Batavia, Insel Java: Niederländische Gemeinschaft von Batavia, Mardijkers

Die Mardijkers sind die Nachkommen der früheren Sklaven aus Malakka, Bengalen, Koromandel und Malabar, die zum Protestantismus konvertierten und dafür von der Sklaverei befreit wurden. Sie sprachen eine kreolisierte Form des Portugiesischen und stellten die Hauptgruppe der Portugiesischen Gemeinschaft Batavias dar. Nach der niederländischen Eroberung von Malakka und Ceylon erhöhte sich ihre Zahl beträchtlich. 1673 wurde eine protestantische Kirche für die Portugiesische Gemeinschaft Batavias gebaut, und am Ende des 17. Jahrhunderts wurde eine zweite Kirche gebaut. 1713 hatte diese Gemeinschaft an die 4.000 Mitglieder (Lopes). Bis 1750 war Portugiesisch die erste Sprache in Batavia, aber nach diesem Jahr erlangte Malaiisch die Oberhand. 1808 hat Pastor Engelbrecht den letzten Gottesdienst auf Portugiesisch gehalten. 1816 wurde die Portugiesische Gemeinschaft in die Malaiische Gemeinschaft integriert. Auch in den niederländischen Familien wurde die portugiesische Sprache bis 1750 sehr viel gebraucht und dies trotz der Bemühungen des niederländischen Gouverneurs, die gegen den Gebrauch des Portugiesischen gerichtet waren.

Mangalore

Cannanore

Bengalen: Balasore, Pipli, Chandernagore, Chittagong, Midnapore, Hugli

Im 17. und 18. Jahrhunderts war Portugiesisch die “lingua franca” in Bengalen. Bis 1811 war Portugiesisch in allen christlichen Kirchen Kalkuttas, sowohl bei den Katholiken, als auch bei den Protestanten, in Gebrauch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nur noch in einigen Familien eine vereinfachte Form des Portugiesischen gesprochen. Es war durchsetzt mit englischen Wörtern (Campos 1919).

Molukken: Ternate, Ambon, Banda, Makassar

Ternateno, ein Kreol-Portugiesisch , wurde auf den Inseln Ternate und West-Halmahera gesprochen. Es ist jetzt ausgestorben.

Ambon ist ausgestorben, aber einige Portugiesisch-Spuren finden sich in der Sprache, die heute auf Ambon gesprochen wird – im Malaiisch-Ambonesischen. Diese Sprache hat an die 350 Wörter portugiesischen Ursprungs.

Entlang den Küsten des Indischen Ozeans gab es an die 44 Gemeinschaften, wo Portugiesisch gesprochen wurde.

Bibliographie:

– Abdurachman, Paramita Rahayu “Some Portuguese loanwords in the vocabulary of speakers of Ambonese Malay in Christian villages of the Central Moluccas”, 17 pp., LIPI, 1972, Jakarta, Indonesia.

– Clancy, Clements “The genesis of a language: the formation and development of Korlai Portuguese”
XII, 281 pp. maps, Creole language library vol.16, Benjamins, 1996, Amsterdam and Philadelphia.

– Dalgado, S. R. “Estudos sobre os Crioulos Indo-Portugueses” 187 pp. Comissão Nacional para as Comemorações dos Descobrimentos Portugueses 1998 Lisboa, Portugal.
Dialecto Indo-Português de Goa; Dialecto Indo-Português de Damão; Dialecto Indo-Português do Norte; Dialecto Indo-Português de Negapatão; Berço duma cantiga em Indo-Português. The latest edition of the interesting study of Sebastião Rodolfo Dalgado on the Creole languages of Goa, Damão, Negapatam and the Northern Province of India.

– Dalgado, Sebastião Rudolfo “Dialecto Indo-Português de Ceilão”
301p. (Cadernos Ásia) CNCDP, 1998, Lisboa, Portugal.

– Daus, Ronald “Portuguese Eurasian communities in Southeast Asia”
83 pp. Institute of Southeast Asia, 1989, Singapore.
The Portuguese Eurasian communities in Malacca, Tugu, Larantuka and Singapore.

– Goonatilleka, M.H. “A Portuguese Creole on Sri Lanka: A Brief Socio-Linguistic Survey”
In: SOUZA, Teotónio R. de (ed.) “Indo-Portuguese History. Old Issues, New Questions (3 th ISIPH )”
pp. 147-180 Concept, 1985, New Delhi, India.

– Hettiarachchi, A. S. “Influence of Portuguese on the Singhalese Language”
JCBRAS Vol. IX, 1965, pp. 229-238

– Jackson, Kenneth David “Sing without a shame:oral traditions in Indo-Portuguese creole verse: with transcription and analysis of a nineteenth-century manuscript of Ceylon Portuguese Creole”
XXVII, 257 pp. Creole Language Library, Benjamins, 1990, Amsterdam and Philadelphia.

– Lopes, David “A Expansão da Língua Portuguesa no Oriente durante os Séculos XVI, XVII e XVIII”
265 pp. Portucalense Editora, 1969, Porto, Portugal.

– Matos, Luís de “O português, língua franca no Oriente”
In: “Colóquios sobre as províncias do Oriente” Vol. 2 Junta de Investigações do Ultramar, 1968, Lisboa. – pp. 11-23
(Estudos de Ciências Políticas e Sociais ; 81)

– Silva Jayasuriya, Shihan de “Indo-Portuguese of Ceylon: a contact language”
188 pp. Athena Publications, 2001, London, UK.

– Silva Rego, Padre António do “Dialecto português de Malaca e outros escritos”
304 pp. (Cadernos Ásia) CNCDP, 1998, Lisboa, Portugal.
Dialecto Português de Malaca; A Comunidade Luso-Malaia de Malaca e Singapura; A cultura portuguesa na Malaia e em Singapura.

– Teixeira, Pe. Manuel “The Influence of Portuguese on the Malay Language”
In: “Journal of the Malayan Branch of the Royal Asiatic Society”, 1962, vol. XXXV (Pt. 1).

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Deutsche koloniale Bibliographie Deutscher Kolonialismus

Bibliographie zur deutschen Kolonialgeschichte

Verfasst von Dietrich Köster.

Robert Cornevin, Histoire de la Colonisation Allemande, Presses Universitaire de France, Paris 1969

Robert Cornevin, Geschichte der deutschen Kolonisation, Hermann Hübener Verlag, Goslar 1974

Werner Haupt, Deutschlands Schutzgebiete in Übersee 1884-1918, Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1984

Peter Junge, Bibliographie deutscher Kolonialzeitschriften, Veröffentlichungen aus dem Übersee-Museum Bremen, Reihe C, Deutsche Geographische Blätter, N.F. Band 3, Im Selbstverlag des Museums, Bremen 1985

Walther Hubatsch (Herausgeber), Die Schutzgebiete des Deutschen Reiches 1884-1920, Auszug aus Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Band 22: Bundes- und Reichsbehörden, Verlag J.G. Herder-Institut, Marburg/Lahn 1984

Werner Haupt, Die deutsche Schutztruppe 1889-1918, Auftrag und Geschichte, Türmer Verlag, Berg am See 1989

A. Seidel, Deutschlands Kolonien, Koloniales Lesebuch für Schule und Haus, Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl der kolonialen Literatur, Area-Verlag, Erftstadt 2004, Nachdruck der Ausgabe von 1913

Wilfried Westphal, Geschichte der deutschen Kolonien, C. Bertelsmann Verlag, München 1984

Hans Georg Steltzer, Die Deutschen und ihr Kolonialreich, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1984

Karlheinz Graudenz, Hanns Michael Schindler, Die deutschen Kolonien, 100 Jahre Geschichte in Wort, Bild und Karte, Wilhelm Heyne Verlag, München 1982

Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Uni-Taschenbücher 1332, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien Zürich 1985

Horst Gründer (Herausgeber), “… da und dort ein junges Deutschland gründen”, Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1999

Entwicklungspolitische Korrespondenz (Herausgeber), Deutscher Kolonialismus, Materialien zur Hundertjahrfeier 1984, Hamburg 1983

Joachim Zeller, Kolonialdenkmäler und Geschichtsbewußtsein, Eine Untersuchung der kolonialdeutschen Erinnerungskultur, IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 2000

Wolfgang Mayer, Franz Metzger, Jürgen Wilhelmi, Schwarz-Weiss-Rot in Afrika, Die deutschen Kolonien 1883-1918, IDEA, Edition historica, Puchheim 1885

Ulrich S. Soénius, Koloniale Begeisterung im Rheinland während des Kaiserreichs, Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte Band 37, Selbstverlag Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln e.V., Köln 1992

Francesca Schinzinger, Die Kolonien und das Deutsche Reich, Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Besitzungen in Übersee, Wissenschaftliche Paperbacks Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Franz Steiner Verlag Wiesbaden, Stuttgart 1984

Karlheinz Graudenz, Michael Schindler, Die deutschen Kolonien, Geschichte der deutschen Schutzgebiete in Wort, Bild und Karte, Südwest Verlag, München 1982

Bernd G. Längin, Die deutschen Kolonien, Schauplätze und Schicksale 1884-1918, Verlag E.S. Mittler & Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2005

Uwe Timm, Deutsche Kolonien, Verlag Autoren-Edition, München 1981

Jürgen Petschull, Der Wahn vom Weltreich, Die Geschichte der deutschen Kolonien, STERN-Buch, Verlag Gruner + Jahr, Hamburg 1984

Heinrich Schnee (Herausgeber), Deutsches Koloniallexikon in 3 Bänden,
Verlag Quelle und Meyer, Leipzig 1920, Nachdruck 1996

Paul Sprigade, Max Moisel, Herausgeber: Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amts, Grosser Deutscher Kolonialatlas, Verlag Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 1901-1915, Neudruck Archiv Verlag, Braunschweig 2002

Deutsche Kolonien, Herausgegeben vom Cigaretten-Bilderdienst Dresden A.5, Dresden ca. 1935

Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika
Steltzer, Hans Georg, Die Deutschen und ihr Kolonialreich, 1884 bis 1919 – Aufstieg und Ende
Herbert Schroeder, Ostafrikas dreißig deutsche Jahre, Nach hartem Anlauf eine Zeit fruchtbaren Aufbaus
Wolfgang Reith, “Des Reiches Streusandbüchse”, Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft
Michael Engelhard, Größer als das Deutsche Reich, Die deutsche Kolonialzeit Kameruns
Gabriele Wülker, “Musterkolonie” an Afrikas Westküste, Togo unter deutscher Kolonialverwaltung
Heinz-Dietrich Ortlieb, Kolonialismus als Legende und Wirklichkeit, Ein Zerrbild, das eigenständige Leistung verbaut
in: Hundert Jahre Afrika und die Deutschen, Verlag Günther Neske, Pfullingen 1984

Goldküste/Ghana
van der Heyden, Ulrich, Großfriedrichsburg und der Sklavenhandel, Fast vergessene Spuren der Brandenburger Kolonialherren aus dem 17. Jahrhundert werden in Ghana gepflegt, in: Afrika-Post 5-6/96, Bonn Juni 1996

Kamerun
Rudolf Stumpf, La politique linguistique au Cameroun de 1884 à 1960, Comparaison entre les administrations coloniales allemande, française et britannique et du rôle joué par les sociétés missionnaires, Verlag Peter Lang, Bern, Frankfurt am Main, Las Vegas 1979

Kamerun
Max F. Dippold, Une bibliographie du Cameroun, Les écrits en langue allemande, Imprimerie Otto Boeck, Burgau 1971

Kamerun
Max F. Dippold, L’image du Cameroun dans la littérature coloniale allemande, Cahiers d’Etudes Africaines 49, volume XIII, 1er cahier, Ecole Pratique des Hautes Etudes – Sorbonne, sixième section, sciences économiques et sociales, Mouton & Co, Paris 1973

Kamerun
Horst Vitt, Deutsche Grabinschriften in Kamerun, Epitaphes en Langue Allemande en République Fédérale du Cameroun, Rhein-Nahe-Verlag Dr. Bruno Raupach, Bingen am Rhein 1970

Deutsch-Südwestafrika
Walter Nuhn, Sturm über Südwest, Der Herero-Aufstand von 1904 – ein düsteres Kapitel der deutschen kolonialen Vergangenheit Namibias, Bernhard & Graefe Verlag, Koblenz 1989

Deutsch-Südwestafrika
Vom Schutzgebiet bis Namibia 1884-1984, herausgegeben von der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Südwester, Windhoek, Südwestafrika/Namibia 1984
Klaus A. Hess, Klaus J. Becker (Herausgeber), Vom Schutzgebiet bis Namibia 2000, Klaus Hess Verlag, Göttingen/Windhoek 2002

Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika
Imre Josef Demhardt, Deutsche Kolonialgrenzen in Afrika, historisch-geographische Untersuchungen ausgewählter Grenzräume Deutsch-Südwestafrikas und Deutsch-Ostafrikas, Georg Olms Verlasg, Hildesheim, Zürich, New York 1997

Deutsch-Neuguinea
Hans Fischer, Hamburger Südseeexpedition 1908-1910, Ethnographie und Kolonialismus, Verlag Syndikat, Frankfurt am Main 1981

Deutsch-Neuguinea
Peter Sack, Dymphna Clark (Herausgeber), German New Guinea, The Annual Reports 1886-1913, Australian National University Press, Canberra 1979
Peter Sack, Dymphna Clark (Herausgeber), German New Guinea, The Draft Annual Report for 1913-1914, Department of Law Research School of Social Sciences, Australian National University Press, Canberra 1980

Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa
Hermann Joseph Hiery (Herausgeber), Die deutsche Südsee 1884-1914, Ein Handbuch, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien, Zürich 2001

Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa, Deutsches Kiautschou-Gebiet
John A. Moses, Paul M. Kennedy, Germany in the Pacific & Far East 1870-1914, University of Queensland Press, St. Lucia, Queensland 1977

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Deutsche koloniale Bibliographie Deutscher Kolonialismus

Deutsche koloniale Bibliographie

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster.

DEUTSCHES REICH

ALLGEMEINES:

– Verschiedene Autoren: “Germans in the Tropics. Essays in German Colonial History”, 192 pp. Knoll, Arthur J. and Lewis H. Gann ed., Greenwood Press, 1987, Westport, Conn., USA.

Das Buch soll einen Beitrag zur deutschen und Kolonialgeschichte leisten und dabei die Auswirkungen der Kolonisierung auf beide, die Herrscher und die Beherrschten, im einzelnen darstellen. Die neun Aufsätze befassen sich mit Themen von der Anthropologie, der Entscheidungsfindung in den deutschen Kolonien, der Sklavenarbeit in Deutsch-Togo, dem Überbau des kolonialen Staates in Deutsch-Melanesien bis zur Lage der indigenen Bevölkerung in Deutsch-Afrika. Ein abschließendes Kapitel bietet eine historische Perspektive auf den deutschen Imperialismus. Eine Auswahlbibliographie und ein Register vervollständigen das Werk. 1) Eine Randerscheinung im Kolonialismus: Der deutsche Fall von Lewis H. Gann; 2) Die Deutsche Kolonialgesellschaft von Richard V. Pierard; 3) Anthropologie und deutscher Kolonialismus von Woodruff D. Smith 4) Gegner des Kolonialgedankens von Helmuth Stoecker und Peter Sebald, 5) Sklavenarbeit und Lohnarbeit in Deutsch-Togo 1885-1914 von Donna J.E. Maier 6) Das vernachlässigte Kolonialreich: der Überbau des Kolonialstaates in Deutsch-Melanesien von Peter Hempenstall; 7) Die Lage der Afrikaner in den deutschen Kolonien von Helmuth Stoecker, 8) Entscheidungsfindung für die deutschen Kolonien von Arthur J. Knoll, 9) Deutscher Imperialismus in historischer Perspektive von Winfried Baumgart; Auswahlbibliographie.

– Verschiedene Autoren: “Featured attraction: Jerry Grzenda on German colonial money”, The Montgomery County Coin Club Bulletin, August 1999

– Henderson W.O., “The German Colonial Empire 1884-1919” 164 p. illustrierte Karten Longman 1993

– Henderson, W.O., “Studies in German Colonial History” 150 pp. Frank Cass & Co. Ltd, 1962, London, Grossbritannien.

– Woodruff Smith, D., “The German Colonial Empire” 274 pp. maps, University of North Carolina Press, 1978, Chapel Hill, USA.

AFRIKA:

– Gann, L. H. & Duignan, Peter, “The Rulers of German Africa 1884 – 1914” 286 pp. Stanford University Press, 1977, Stanford, USA.

– Prothero, G. W., “German African possessions: Togoland, Cameroon, South West Africa, Tanganyika, German treatment of….”, Vol. XVIII of the Peace Handbooks, Issued by the Historical Section of the British Foreign Office, Tanzania, Africa Munger Library. Munger Africana Library, 1969(1920 1st ed.), Greenwood, NY, USA.

– Stoecker, Helmuth, “German imperialism in Africa : from the beginnings until the second world war”, 446 pp. C. Hurst & Company, 1986, London, Grossbritannien.

Der historische Hintergrund, die Annexionen; die Eroberung von Kolonien; die Errichtung und Erweiterung der deutschen Kolonialherrschaft, die wirtschaftliche Expansion und die politischen Ziele in Südafrika 1884-1898; halb-koloniale Expansion in Marokko 1871-1898; Kolonialherrschaft nach der Niederschlagung der Aufstände; das Deutsche Reich in Afrika vor 1914: allgemeine Fragestellungen, Bemühungen zur Sicherung eines größeren Anteils vor 1914; der Erste Weltkrieg; die kolonialen Ziele der Weimarer Republik; die kolonialen Ziele und Vorbereitungen des Hitler-Regimes 1933-1939; der Zweite Weltkrieg.

TANSANIA (DEUTSCH-OSTAFRIKA):

– Gardner, Brian “German East: The Story of the First World War in East Africa”, X, 213 pp., Cassell, 1963, London, Grossbritannien.

– Illiffe, J. “Tanganyika under German rule 1905-1912”, 315 pp. 1970

TOGO UND KAMERUN:

– Knoll, A. J., “Togo under Imperial Germany 1884-1914. A case study in colonial rule”, XV, 224p. Hoover colonial studies, 1978, Stanford

– Moberly, F. J., “Military Operations, Togoland & the Cameroons, 1918, Vol. III” 584 pp. Battery Press,

– Rudin, Harry, “Germans in the Cameroons 1884-1914. A case study in Modern imperialism” 1938, New Haven, USA.

NAMIBIA (DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA):

– Bley, H., “South West Africa under German rule 1894-1914”, xxxii, 303 pp. 3 maps and 28 plates, Heinemann, 1971, London.

– Calvert, Albert F., ” South West Africa during the German Occupation 1884-1914″, Negro University Press, 1969, New York, USA.

– Collyer, General J. J., “The Campaign in German South West Africa, 1914-1915”, 180 pp., Battery Press, 1997 (1937), Nashville, USA

– Esterhuyse, J. H., ” South West Africa 1880-1894, The Establishment of German Authority in South West Africa”, XII – 262, map, ill. C. Struik, 1968, Kapstadt, Südafrika.

– Seligmann, Matthew S., “Rivalry in Southern Africa, 1893-99; the transformation of German colonial policy” 200 pp. St. Martin’s Press, 1998

Untersucht die Entwicklung der deutschen Politik gegenüber dem Transvaal und dem südlichen Afrika in den 1890er Jahren, untersucht die Wurzeln der deutschen Politik und die sich daraus ergebenden Rivalitäten und Spannungen. Zeigt, dass Deutschland eine Expansionspolitik in aktiver Konfrontation zur britischen Politik der Zeit verfolgte und stellt die Bedeutung des südlichen Afrika für den deutschen Imperialismus heraus und die Rolle, die sie bei der Erweiterung der deutschen imperialen Bestrebungen vor 1914 spielte.

– Voeltz, Richard A., “German Colonialism and the South West Africa Company 1894-1914”, Ohio University, 1988, Athens, USA.

ASIEN:

– Verschiedene Autoren: “Tsingtao – A chapter of German colonial history in China 1897-1914”, 1998, Berlin, Deutschland.

Eine Umfrage über die Epoche der deutschen Kolonisierung in China: Deutsche Interessen und Präsenz in China vor der territorialen Besetzung, die Situation der chinesischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Besetzung der Bucht von Kiautschou und der Bau der Kolonialstadt Tsingtau. Das tägliche Leben der Deutschen und Chinesen in Tsingtau, die Entwicklung des Hinterlandes durch die deutschen Eisenbahn- und Bergbau-Gesellschaften und die Konflikte, die daraus allmählich entstanden. Der Boxer-Aufstand und seine Unterdrückung. Die Nachwirkungen einer Epoche, die durch gegenseitige, wenn auch ungleiche, Beziehungen gekennzeichnet war und die Art und Weise des Umgangs mit der Vergangenheit.

OZEANIEN:

– Verschiedene Autoren: “European impact and Pacific influence: British and German colonial policy in the Pacific Islands and the indigenous response” Ed. by Hermann Hiery and John MacDonald MacKenzie, German Historical Institute in London Tauris Academic Studies, I.B. Tauris Publications, 1997, 347 pages.

Britische und deutsche koloniale Bestrebungen im Pazifik haben sich in den letzten beiden Jahrhunderten manches Mal überschnitten. Dies ist eine Untersuchung dieser Folgen und deren Auswirkungen auf die europäischen Mächte und der betroffenen Inselbewohner des Pazifiks. Das Buch wirft ein Licht auf die Tätigkeit der Missionare in Mikronesien, die Kopfjäger auf Neuguinea, die Abgeordneten in Tonga und den Einfluss der Briten und Deutschen in der Region. Es beschäftigt sich mit den Europäer-Wahrnehmungen der Pazifik-Inselbewohner und umgekehrt; den ökologischen Auswirkungen der Eingriffe der Europäer auf die Umwelt und ihre Bewohner; den Bemühungen eine Herrschaft des Rechts nach europäischen Vorstellungen im Südpazifik durchzusetzen und dem Bereich der Sexualität als einer spezifischen Form pazifisch-europäischer Wechselwirkungen, in denen kulturelle Unterschiede zwischen europäischem und traditionellem Verhalten am stärksten ausgeprägt war.

– Burnell, F.S., “Australia versus Germany. The Story of the Taking of German New Guinea”, 254pp., George Allen & Unwin. 1915, London, Großbritannien.

Bericht über die Einnahme von Deutsch-Neuguinea während des 1. Weltkrieges. Dies war Australiens erste militärische Aktion im 1. Weltkrieg.

– Cass, Philip, “The infallibile engine: indigenous perceptions of Europeans in German New Guinea through the missionary press” Internet article. University of Westminster, 1998, London, Grossbritannien.

– Hempenstall, Peter J., “Pacific Islanders under German rule” xii, 264 pp. 6 maps, 19 plates b/w, Australian National University Press. 1978, Canberra, Australien.

Eine Studie über die Bedeutung des kolonialen Widerstands. Dies ist ein wichtiges Buch. Es erfasst in einem Band die Einstellung der Deutschen zu ihren pazifischen Kolonien und die Reaktion der Inselbewohner auf die Deutschen. Es ist die erste detaillierte Studie über Samoaner, Ponapeer und Neuguineer unter deutscher Herrschaft. Es ist gründlich recherchiert, gut dokumentiert und in einem lesbaren und dennoch durchaus gelehrten Stil geschrieben.

– Emerson, Terence B., “A brief history of Rota: the German period”, Internet article.

– Hiery, Hermann Joseph, “The neglected war. The German South Pacific and the influence of World War I”, xvii, 384 pp. 35 illustrations, University of Hawaii Press, 1995, Honolulu, Hawaii, USA.

Der Autor ist ein ständiger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts in London. In dieser Arbeit beschäftigt er sich mit den pazifischen Inselbewohnern, wie sie den dramatischen Wandel, der durch den Krieg hervorgerufen wurde, bewältigen und wie sie versuchen, die Folgen zu beeinflussen. Dabei stellt der Autor die Politik, die Australien, Neuseeland und Japan verfolgen, genau dar und zeigt auf wie jede dieser Kolonialmächte die indigene Bevölkerung betrachtet und behandelt. Schliesst Neuguinea, West-Samoa und Mikronesien ein.

– Mackenzie, S.S., “Official History of Australia in the War of 1914-1918: Vol. X. The Australians at Rabaul” xvi, 412pp. 55 maps, 91 illustrations, Angus & Robertson, 1940, Sydney, Australien.

Die Einnahme und Verwaltung der deutschen Besitzungen im Südpazifik.

– Moses, John A. and Kennedy, Paul M., Editors, “Germany in the Pacific & Far East 1870-1914” xx, 417pp. University of Queensland Press. St. Lucia, 1977, Brisbane, Australien.

Mit Beiträgen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, beinhaltet Eingeborenenpolitik in den Kolonien, historische Anthropologie und einen wertvollen Leitfaden zu Archiven zur Thematik Deutschland im Pazifik und Fernen Osten. Zum ersten Mal hatten Forscher Zugang zu Akten des deutschen Reichskolonialamtes.

– Sack, Peter, “German New Guinea. A Bibliography”, 298 pp. Department of Social Sciences of the Law Research School, The Australian National University, 1980, Canberra, Australien.

Eine umfassende Auflistung der deutschen Literatur über das “Alte Schutzgebiet” von Deutsch-Neuguinea (später Mandatsgebiet von Neuguinea und jetzt Teil des Unabhängigen Staates Papua-Neuguinea), die während der Zeit des Bestehens von Deutsch-Nauguinea von 1884 bis 1914 veröffentlicht wurde. Ausgewählte Veröffentlichungen von Regierungsbeamten, der Kolonialverwaltung, von Missionaren und Missionsliteratur, von Händlern, Pflanzern und Wirtschaftsliteratur, Fachliteratur, allgemeine Presseerzeugnisse und Kolonialliteratur.

– Staniforth, Smith, “Germany in the Pacific and an account of British New Guinea and the Solomon Islands”, 16pp., F. Cunninghame & Co. 1905, Sydney, Australien.

UNSERDEUTSCH:

– Mühlhäusler, P., “Bemerkungen zum Pidgin-Deutsch von Neuguinea” In: Molony, C., Zobl, H., Stolting, W. (eds.). “German in Contact with other Languages” Scriptor-Verlag, 1977, Kronberg/Taunus, pp. 58-70.

– Volker, Craig A., “Rabaul Creole German Syntax” In: Working Papers in Linguistics University of Hawaii n° 21, 1989, pp.153-189.

– Volker, Craig A., “The rise and decline of Rabaul Creole German, Language and Linguistics in Melanesia”, in: Proceedings of the First International Conference on Oceanic Linguistics, Pacific Linguistics, Canberra, Australien.

– Volker, Craig A., “Short notes: Rabaul Creole German”, in: “The Carrier Pidgin” vol. 25, n° 1-2 Florida International University, Miami, Florida, USA.

BRANDENBURG

– Verschiedene Verfasser: “John Conny & Goombay Drum ignite the imagination of the African Diaspora” From: Angwandah, J. Kwesi “Castles and forts of Ghana” Ghana Museums and Monuments Board, Atlante, 1999, Paris, Frankreich. pp. 84-88

– Angwandah, J. Kwesi, “Castles and forts of Ghana” Ghana Museums and Monuments Board, Atlante, 1999, Paris, Frankreich.

– Grosser Generalstab, “Brandenburg-Preußen an der Westküste von Afrika 1681-1721”, 1912, Leipzig, Deutschland.

– Heyden, Ulrich von der, “Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Westafrika” 105 pp., Selignow-Verlag, Mai 2001, Berlin, Deutschland.

– Lawrence, A. W., “Trade Castles and Forts of West Africa” 390 pp. 48 maps & 158 plates, Jonathan Cape, 1963, London, Grossbritannien

Eine ausführliche Beschreibung von etwa 40 Festungen und Schlössern von Arguin (Mauretanien) bis Ajudá/Whydah/Ouidah (Benin). Viele Abbildungen und Karten von Festungen. Chronologische Geschichte der Festungen. Die Stellung des Festungssystems in der Geschichte, die Zeitvorgaben, Organisation und Personal, das Leben in den Festungen, Beziehungen zwischen Festung und Stadt, die Arten von Gebäuden, Baumaterialien und Bauweise, frühe Bauzeichner, Schloss Elmina, die portugiesischen und später niederländischen Stützpunkte, andere Stützpunkte, Festung Cape Coast, Christiansborg, Princestown; frühe Festungen: Axim, Mori, Cormantin, Gambia, Butre, Shama; Forts um 1700: Akwida, Commenda, Dixcove, Apam, Sekondi, Beraku; Festungen des späten achtzehnten Jahrhunderts: Anomabu, Beyin, Keta.

– Monod,Th. “L’île d’Arguin (Mauritanie), essai historique” 327 pp. 5 maps IICT and CECA 1983 Lissabon, Portugal.

Detaillierte Recherche über die Geschichte der Festung Arguin.

– Van Dantzig, A., “Forts and castles of Ghana” Sedco, 1980, Accra, Ghana.

– Van Dantzig, A. and Priddy, B. “A short history of the forts and castles of Ghana” 59 pp., map and ills. Liberty Press, 1971, Accra, Ghana.

Die portugiesische Zeit, das Eindringen der Niederländer und die Vertreibung der Portugiesen; das Eindringen der Engländer, Schweden und Dänen, das Ansteigen des englischen Handels, die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie, das 18. Jahrhundert, das 19. Jahrhundert.

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Deutscher Kolonialismus

Brandenburg: koloniale Überreste

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster.

Wenn Sie etwas über koloniale Überreste wissen oder Fotos darüber von irgendwo auf der Welt haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Es würde mich freuen, wenn ich solche Dokumente auf dieser Webseite veröffentlichen könnte. Danke, Marco. Meine E-Mail-Anschrift finden Sie auf meiner Homepage.

KOLONIALE ÜBERRESTE BRANDENBURGS

AFRIKA:

GHANA:

Princestown: Ruinen des Forts Gross-Friedrichsburg (1683)

Akwida: Fort Dorothea (1684).

MAURETANIEN:

Arguin: ein paar Ruinenreste des Forts

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Deutscher Kolonialismus Ozeanien Spanischer Kolonialismus

1565 – 1994 Mikronesien-vergessene Inselwelt im Pazifik

Verfasst von Dietrich Köster

Deutsch-Mikronesien – auch Inselgebiet von Deutsch-Neuguinea genannt – ist die weitverstreute Inselwelt, die nördlich des Äquators im westlichen Zentralpazifik liegt und bis 1914/1920 den nördlichen Teil Deutsch-Neuguineas bildete. Hinzu kommt die Insel Nauru, eben südlich des Äquators gelegen. Die Festlandsfläche beträgt nur wenig mehr als 2.500 Quadratkilometer. Die Bevölkerungszahl belief sich 1914 auf 62.000 und liegt heute bei 176.000. Im einzelnen setzte sich Deutsch-Mikronesien aus den Marianen ohne Guam, den Palau-Inseln, den Karolinen und den Marshall-Inseln mit Nauru zusammen. Es gibt dort insgesamt 2.141 Inseln, von denen nur 98 bewohnt sind.

Die Marianen, eine Inselkette nördlich der Insel Guam, waren von 1565 bis 1898 von den Spaniern kolonisiert worden, so daß beim Kauf dieser Inseln durch das Deutsche Reich von Spanien nach dem Spanisch-US-amerikanischen Krieg die neuen deutschen Kolonialherren einen starken spanischen Einfluß vorfanden, der den Verhältnissen in Lateinamerika ähnlich war. Die Marianen wurden übrigens lange Zeit nicht von Spanien direkt, sondern bis zur Unabhängigkeit Mexikos von diesem verwaltet. Danach erfolgte die Verwaltung von Manila aus. Die Marianen liegen auf dem Weg von Mexiko nach den Philippinen, so daß spanische Galeonen hier Proviant aufnahmen. Mit dem Verlust der Philippinen im o.g. Krieg war für Spanien der mikronesische Inselbesitz uninteressant geworden und wurde, wie erwähnt, an das Deutsche Reich verkauft.

Bei der Übernahme der Marianen wurde der Kaiserliche Bezirksamtmann Georg Fritz in Garapan auf der Insel Saipan vom Gouverneur des Schutzgebietes Deutsch-Neuguinea, Rudolf von Bennigsen, eingesetzt. Dieser Bezirksamtmann leistete 1899 bis 1907 aktive Entwicklungsarbeit. So gründete er eine Regierungsschule für Eingeborenenkinder, wobei er bis zum Eintreffen des ersten Lehrers selber Unterricht erteilte.

Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges besetzten japanische Marinetruppen die Inseln. Da es für Deutsch-Neuguinea, wozu die Marianen gehörten, keine Schutztruppe gab, sondern nur eine kleine Polizeitruppe, leisteten die Deutschen den Japanern keinen Widerstand.

Zum Inselgebiet von Deutsch-Neuguinea gehörten auch die Palau-Inseln. Die Flaggenhissung von einem deutschen Kriegsschiff aus im Jahre 1885 mußte nach spanischen Protesten wieder zurückgenommen werden. Die Spanier machten ältere Rechte geltend. Sie behaupteten, diese Inseln schon seit dem 16. Jahrhundert zu besitzen, ohne aber je den Fuß auf diese Inseln gesetzt zu haben. Durch einen Schiedsspruch des Papstes sollte Spanien diese Inseln behalten, allerdings mit der Auflage, Verwaltungs- und Militärpersonal nach hier zu schicken, um die Inseln effektiv in Besitz zu nehmen.

Die gleiche Situation herrschte im Jahre 1885 auf den Inselgruppen Yap, Truk und Ponape, die die Karolinen bilden. Hier wurde Spanien auch jetzt erst kolonisatorisch tätig. Spanische Ordensgeistliche nahmen auf den Inseln ihre Missionsarbeit auf. Mit der spanischen Präsenz war es aber nicht nur auf den Marianen und den Palau-Inseln im Jahre 1899 vorbei. Nach der Niederlage im Spanisch-US-amerikanischen Krieg und dem Verlust der Philippinen verkaufte Spanien in diesem Jahr auch die Karolinen an das Deutsche Reich. In Yap wurde Arno Senft, in Ponape Dr. Albert Hahl als Bezirksamtmann eingesetzt. Palau und Truk erhielten einen Stationsleiter.

1910/11 brach über der Frage der Erbringung von Straßenbauarbeiten ein Aufstand der Eingeborenen auf Ponape aus. Nach der Ermordung des Bezirksamtmanns Gustav Böder wurden vier Kriegsschiffe des in Tsingtau/Deutsches Kiautschou-Gebiet stationierten deutschen Ostasiengeschwaders in Marsch gesetzt. In einem mühsamen Kleinkrieg konnten die Schiffsbesatzungen die Aufständischen auf dem Dschokadsch-Felsen der Sokehs-Halbinsel niederringen. Die Rädelsführer wurden hingerichtet. Andere am Aufstand Beteiligte wurden auf die Palau-Inseln verbannt.

Auch die Palau-Inseln und die Karolinen ereilte zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Schicksal der japanischen Eroberung, ohne daß die Deutschen Widerstand leisteten.

Anders verlief die deutsche Inbesitznahme auf den sich im Osten an die Karolinen anschließenden Marshall-Inseln. Da Spanien hier keine Besitzrechte geltend machte, konnte die Flaggenhissung durch SMS Nautilus im Jahre 1885 aufrechterhalten werden. Hauptinselbereich mit Sitz des Landeshauptmanns des Schutzgebietes Marshall-Inseln wurde Jabwor im Jaluit-Atoll. 1888 wurde auf der weiter südlich gelegenen Insel Nauru ein Kleinkrieg der Eingeborenen von deutscher Seite geschlichtet und diese Insel verwaltungstechnisch zu einem Teil der Marshall-Inseln erklärt.

Bis 1906 war es die private Jaluit-Handelsgesellschaft, die im Auftrage des Deutschen Reiches als beliehene Gesellschaft die Verwaltung der Inselgruppe wahrnahm. Da Australien sich nicht mit dem Handelsmonopol der Jaluit-Gesellschaft abfinden wollte, wurde dieser Gesellschaft nicht nur dieses Monopol aberkannt, sondern ihr auch die Hoheitsrechte über die Marshall-Inseln entzogen. Das Deutsche Reich nahm damit diese Inseln in eigene Verwaltung und setzte einen Bezirksamtmann in Jabwor und einen Stationsleiter auf Nauru ein. Die letztgenannte Insel nahm ab 1906 einen rasanten Aufstieg. Das Auffinden reicher Phosphatlager, die den größten Teil der Insel bedeckten, wurde die Grundlage für eine rasche wirtschaftliche Entwicklung. Auch hier wurde der deutschen Tätigkeit mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein jähes Ende gesetzt. Da die australische Marine hier vor der japanischen eintraf, wurde diese Insel 1914 von den Australiern besetzt. Demgegenüber wurden die Marshall-Inseln im engeren Sinne von den Japanern besetzt.

Durch den Versailler Friedensvertrag, der am 10. Januar 1920 in Kraft trat, wurden die Marianen, die Palau-Inseln, die Karolinen und die Marshall-Inseln ohne Nauru Japan als Mandatsmacht mit dem Völkerbund als Träger der Oberhoheit über diese Inselgruppen zuerkannt (C-Mandat). Eine entsprechende Mandatsverwaltung für Nauru wurde auf Grund dieses Vertrages von Australien eingerichtet. Dies geschah auch im Namen Großbritanniens und Neuseelands.

In der Zwischenweltkriegszeit wurde mit Ausnahme Naurus der gesamte Inselbereich Mikronesiens von den Japanern wirtschaftlich rasch durchdrungen. Obwohl die Marianen mit großen Zuckerrohrpflanzungen und Zuckerfabriken den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit darstellten, wurde der Hauptverwaltungssitz der japanischen Südseegebiete – Nanyo genannt – der Ort Koror in der Palau-Inselgruppe. Hier wurde eine Stadt aus dem Boden gestampft, die sich kaum von einer Provinzstadt in Japan unterschied. Typisch für die Jahre 1920-40 war der Versuch der vollständigen Japanisierung Mikronesiens. So wurde die Zuwanderung von Japanern von offizieller Seite stark gefördert, die die einheimische Bevölkerung zu einer Minderheit im eigenen Inselbereich machte. Ab 1936 war es für einen Nicht-Japaner sehr schwierig, diese Inselgruppen zu bereisen. Die Japaner gingen nämlich im Rahmen ihrer Eroberungspläne daran, ihr Mandatsgebiet im Zentralpazifik zu befestigen. Die Truk-Inseln wurden zum Sitz des Hauptquartiers des Südkommandos der Kriegsmarine. Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor Ende 1941 griff die japanische Flotte weit im Westpazifik aus und eroberte zahlreiche weitere Inseln, zu denen auch Nauru gehörte. Sofort wurde diese Insel befestigt und ein großer Teil der Bevölkerung nach Truk verschleppt.

1944/45 wurde im Zuge der Niederringung der Japaner im Pazifik das gesamte japanische Mandatsgebiet von US-Truppen erobert. Die Australier kehrten im September 1945 nach Nauru zurück.

Da die japanischen Soldaten für ihren Fanatismus bekannt sind – Kamikaze steht als Beispiel dafür -, konnten die Amerikaner erst unter großer Kraftanstrengung das bisherige Nanyo erobern. Besonders erbitterte Kämpfe fanden in Truk, wo die US-Luftwaffe einen großen Teil der japanischen Südflotte versenkte, statt. Schwere Kämpfe entspannen sich um die Inseln Angaur, Peleliu und Koror der Palau-Inseln. Die verbissensten Kämpfe spielten sich um Guam – eine US-Außenbesitzung – und die Marianen-Inseln Rota, Tinian und Saipan ab. Auf Tinian wurde der bisherige japanische Fliegerhorst im Eilverfahren ausgebaut und als Startpunkt für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki verwandt. Auf Saipan waren viele japanische Soldaten nicht bereit zu kapitulieren. Sie stürzten sich von einem hohen Felsen, der heute Suicide Cliff genannt wird. Zahlreiches Kriegsmaterial ließen Japaner und Amerikaner auf dem Kriegsschauplatz zurück.

Im Jahre 1947 erhielten die USA Mikronesien mit Ausnahme von Nauru als Treuhandgebiet Pazifische Inseln von den Vereinten Nationen übertragen. Dabei konnte die US-Regierung durchsetzen, daß dieses Gebiet von einer Seefläche, die mit 7,8 Millionen Quadratkilometern der Landfläche der USA entspricht, zu einem strategischen Gebiet erklärt wurde. Dies war für die USA die Rechtfertigung, bis 1958 auf den Atollen Bikini und Eniwetok der Marshall-Inseln zahlreiche Atombombenversuche durchzuführen. Diese riefen besonders unter den umgesiedelten Bewohnern der Marshall-Inseln zahlreiche Proteste hervor. Auch richteten die USA auf dem Kwajalein-Atoll ein Raketenversuchsgelände ein. Dabei wurden die Bewohner Mikronesiens durch den weitgehenden Verlust der Subsistenzlandwirtschaft zu Wohlfahrtsempfängern der USA. Auf Saipan gibt es trotz der jüngst erfolgten Ansiedlung von Textilbetrieben und des florierenden Fremdenverkehrs – hervorgerufen durch japanische Veteranen des Zweiten Weltkriegs und Hochzeitsreisende – zahlreiche Empfänger von Lebensmittelgutscheinen, den food stamps.

Während das kleine VN-Treuhandgebiet der Insel Nauru unter Aufhebung der VN-Treuhandschaft 1968 als Republik Nauru von Australien unabhängig wurde und immer noch von den Exporteinkünften der zur Neige gehenden Phosphatvorkommen lebt, war das staatsrechtliche und wirtschaftliche Schicksal des US-verwalteten VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln lange Zeit nicht abschließend geklärt.

Die USA bestehen darauf, daß sie auf den Palau-Inseln Atomwaffen stationieren können. 1979 legte die Verfassung von Palau fest, daß diese Inselgruppe atomwaffenfreie Zone sein soll. In mehreren Volksabstimmungen konnte die Dreiviertel-Mehrheit, die zur Aufhebung der Bestimmung über die atomwaffenfreie Zone der Verfassung erforderlich ist, nicht erreicht werden. Dies verhinderte die Ratifizierung des Assoziierungsvertrages (Compact of Free Association) mit den USA. Dieser Vertrag sieht eine weitgehende Selbständigkeit der neuen Republik Palau – auch Belau genannt – vor. Die Außen- und Verteidigungspolitik soll dabei aber weiter von den USA wahrgenommen werden.

Auf der anderen Seite schlossen die Karolinen – jetzt Föderierte Staaten von Mikronesien (FSM) genannt – und die neue Republik Marshallinseln Assoziierungsverträge mit den USA ab. Schließlich ist der staatsrechtliche Status der Nördlichen Marianen so angelegt, daß der jetzige Status eines “Commonwealth” später zur Umwandlung in einen 51. US-Bundesstaat führen kann.

Da Palau mit der Ratifizierung des Assoziierungsvertrages zögerte, haben schließlich der Treuhandschaftsrat der Vereinten Nationen und der Weltsicherheitsrat das System der VN-Treuhandschaft über das gesamte ehemalige Deutsch-Mikronesien nördlich des Äquators – die Palau-Inseln ausgenommen – am 22. Dezember 1990 aufgehoben.

Nach Überwindung verfassungsrechtlicher Hürden ratifizierten die Palau-Inseln doch noch den Assoziierungsvertrag mit den USA. Darauf erfolgte am 01. Oktober 1994 schließlich auch für Palau – jetzt Republik Palau – die Aufhebung der VN-Treuhandschaft.

Die Assoziierungsverträge für die Republik Palau, die Föderierten Staaten von Mikronesien und die Republik Marshallinseln sehen eine starke finanzielle Unterstützung durch die USA und einen freien Zugang zum US-Arbeitsmarkt vor.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Inselgruppen des VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln entweder gar nicht unabhängig werden – dies gilt für die Nördlichen Marianen – oder außen- und militärpolitisch durch Assoziierungsverträge (Compacts of Free Association) in teilweiser Abhängigkeit von den USA gehalten werden. Letzteres trifft für die Republik Palau, die Föderierten Staaten von Mikronesien und die Republik Marshallinseln zu.

Copyright 2005 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Afrika Asien Deutscher Kolonialismus Ozeanien

Politische Fortschreibung der vormaligen deutschen Kolonien seit 1920

Verfasst von Dietrich Köster

KOLONIEN IN AFRIKA

DEUTSCH-OSTAFRIKA, Besitzergreifung 1884/85

Tanganjika-Territorium 1920 an Großbritannien –
1961 Unabhängiger Staat Tanganjika/1962 Republik Tanganjika –
April 1964 Teil der Vereinigten Republik Tanganjika und Sansibar/seit
November 1964 der Vereinigten Republik Tansania
Ruanda-Urundi 1920 an Belgien –
seit 1962 Republik Ruanda (Nordteil)
1962 Königreich Burundi/seit 1966 Republik Burundi (Südteil)
Kionga-Dreieck 1920 zurück an Portugal (Portugiesisch-Ostafrika) –
1975 Teil der Volksrepublik Mosambik/seit 1990 der Republik Mosambik

DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA, Besitzergreifung 1884

1920 an die Südafrikanische Union/1961 Republik Südafrika –
seit 1990 Republik Namibia

KAMERUN, Besitzergreifung 1884

Westkamerun 1920 an Großbritannien –
1960 Teil des Unabhängigen Staates Nigeria/seit 1963 der Bundesrepublik Nigeria (Nordteil) bzw.
1960 Teil des Unabhängigen Staates Nigeria –
1961 Teil der Bundesrepublik Kamerun/1972 der Vereinigten Republik Kamerun/seit 1984 der Republik Kamerun (Südteil)
Ostkamerun 1920 an Frankreich –
1960 Republik Kamerun –
1961 Teil der Bundesrepublik Kamerun/1972 der Vereinigten Republik Kamerun/seit 1984 der Republik Kamerun
Das 1911 Kamerun angegliederte Neukamerun wurde 1920 wieder Teil der Nachbarkolonien von Französisch-Äquatorialafrika (AEF): Tschad (1960 Republik Tschad), Ubangi-Schari (1960 Zentralafrikanische Republik/1976 Zentralafrikanisches Kaiserreich/1979 Zentralafrikanische Republik), Mittel-Kongo (1960 Republik Kongo/1970 Volksrepublik Kongo/1992 Republik Kongo) bzw. Gabun (1960 Gabunische Republik)

TOGO, Besitzergreifung 1884

Westlicher Teil von Togo 1920 an Großbritannien –
1957 Teil des Unabhängigen Staates Ghana/seit 1960 der Republik Ghana
Östlicher Teil von Togo 1920 an Frankreich –
seit 1960 Republik Togo

KOLONIEN IM BEREICH DES PAZIFIKS

DEUTSCH-NEUGUINEA

a) Kaiser-Wilhelmsland, Bismarck-Archipel, Deutsche Salomon-Inseln, Besitzergreifung 1884-1886
1920 an Australien –
seit 1975 Teil des Unabhängigen Staates Papua-Neuguinea
b) Marshall-Inseln (Teil von Deutsch-Mikronesien nördlich des Äquators), Besitzergreifung 1885
1920 an Japan –
1947 unter US-Verwaltung als Teil des VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln –
seit 1990 Republik Marshallinseln
c) Nauru (Deutsch-Mikronesien südlich des Äquators), Besitzergreifung 1888
1920 an Australien, Neuseeland und Großbritannien/Wahrnehmung der Verwaltung durch Australien – seit 1968 Republik Nauru
d) Deutsch-Mikronesien nördlich des Äquators ohne Marshall-Inseln, Besitzergreifung 1899
1920 an Japan –
1947 unter US-Verwaltung als Teil des VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln
aa)seit 1990 US-Commonwealth der Nördlichen Marianen
bb)seit 1994 Republik Palau (Belau/Palau-Inseln)
cc)seit 1990 Föderierte Staaten von Mikronesien (Karolinen)

DEUTSCHES KIAUTSCHOU-GEBIET, Besitzergreifung 1897/98

1920 an Japan –
1922 zurück an China –
seit 1949 Teil der Volksrepublik China

DEUTSCH-SAMOA, Besitzergreifung 1899/1900

1920 an Neuseeland –
1962 Unabhängiger Staat Westsamoa/seit 1997 Unabhängiger Staat Samoa

Anmerkungen:
Deutsch-Mikronesien umfaßt die Marianen außer Guam, die Palau-Inseln, die Karolinen, die Marshall-Inseln und Nauru.
Mit Ausnahme des Deutschen Kiautschou-Gebietes und des Kionga-Dreiecks
wurden alle deutschen Überseebesitzungen 1920 Mandate des Völkerbundes.
Togo und Kamerun wurden B-Mandate jeweils teils mit Frankreich bzw.
Großbritannien als Mandatsinhaber.
Daneben wurden Tanganjika und Ruanda-Urundi B-Mandate mit
Großbritannien bzw. Belgien als Mandatsmacht.
Deutsch-Südwestafrika, Mikronesien nördlich des Äquators und Deutsch-Samoa wurden als C-Mandate der Südafrikanischen Union, Japan bzw. Neuseeland als Mandatar unterstellt.
Nauru als Mikronesien südlich des Äquators erhielt als C-Mandat Großbritannien, Australien und Neuseeland als Mandatsmächte.
Das übrige Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland, Bismarck-Archipel und
Deutsche Salomo-Inseln) wurde als C-Mandat der Verwaltung Australiens unterstellt.
1947 wurden diese Territorien bis zur staatlichen Unabhängigkeit Treuhandgebiete der Vereinten Nationen.
In diesem Jahr lösten nur die Vereinigten Staaten Japan als Verwaltungsmacht ab (VN-Treuhandgebiet Pazifische Inseln).
Für den Gebietsteil der Inselgruppe der Nördlichen Marianen ist eine Unabhängigkeit nicht vorgesehen.
Diese Inseln sind seit 1990 als Commonwealth der Nördlichen Marianen mit den Vereinigten Staaten in politischer Union verbunden.
Die Abtretung der deutschen Überseebesitzungen erfolgte aufgrund des Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919, der am 10. Januar 1920 in Kraft getreten ist.

Copyright March 2004 by Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Afrika Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Wichtige Daten über die Länder Afrikas mit portugiesischer Amtssprache (PALOP)

Verfasst von Dietrich Köster

Kap Verde
amtliche Bezeichnung: Republik Kap Verde
Hauptstadt: Praia
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch, daneben wird Kreol gesprochen.
Einwohnerzahl: 530.000
Fläche: 4.036 km²
Währung: Kapverden-Escudo (CVE)
Unabhängigkeitstag: 05. Juli 1975

Guinea-Bissau
amtliche Bezeichnung: Republik Guinea-Bissau
Hauptstadt: Bissau
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch; daneben werden u.a. Kreol, Mandjaco und Mandinga gesprochen.
Einwohnerzahl: 1.696.000
Fläche: 36.100 km²
Währung: westafrikanischer CFA-Franc (XOF)
Unabhängigkeitstag: 10. September 1974

Äquatorialguinea
amtliche Bezeichnung: Republik Äquatorialguinea
Hauptstadt: Malabo
Sprache: Die Amtssprachen sind Spanisch, Französisch und Portugiesisch; regional werden Fang, Bube und Anobonense gesprochen.
Einwohnerzahl: 676.000
Fläche : 28.050 km²
Währung: zentralafrikanischer Franc CFA (XAF)
Unabhängigkeitstag: 12. Oktober 1968

Insel Gorée, Senegal
Insel Gorée, Senegal

São Tomé und Príncipe
amtliche Bezeichnung: Demokratische Republik São Tomé und Príncipe
Hauptstadt: São Tomé
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch; daneben wird Kreol gesprochen.
Einwohnerzahl: 158.000
Fläche: 1.001 km²
Währung: Dobra (STD)
Unabhängigkeitstag: 12. Juli 1975

Angola
amtliche Bezeichnung: Republik Angola
Hauptstadt: Luanda
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch; daneben werden vor allem
Umbundo, Kimbundo, Kikongo und Tchokwe gesprochen.
Einwohnerzahl: 16.949.000
Fläche: 1.246.000 km²
Währung: Kwanza (AOA)
Unabhängigkeitstag: 11. November 1975

Mosambik
amtliche Bezeichnung: Republik Mosambik
Hauptstadt: Maputo
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch. Es gibt zahlreiche Nationalsprachen: Changane, Lomué, Shona, Tsonga, Chicheva und Macua.
Einwohnerzahl: 21.372.000
Fläche: 799.000 km²
Währung: Metical (MZN)
Unabhängigkeitstag: 25. Juni 1975

© Juni 2012 von Dietrich Köster, D-53113 Bonn

BIBLIOGRAPHIE:

Zusammengestellt mit der Datenbank der Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache (CPLP) und Fischer Weltalmanach 2010 und durch eigenes Wissen.
Siehe auch: https://www.colonialvoyage.com/de/kolonien/portugiesische/ueberseegebiete.html

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Mosambik Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Portugiesisch in Mosambik: Sprachgeschichte, Sprachsituation und Sprachpolitik – ein Überblick

Verfasst von Dietrich Köster

1. Allgemeine Angaben

Mosambik liegt im Südosten Afrikas am Indischen Ozean und besitzt Tansania im Norden, Malawi, Sambia, Simbabwe und Südafrika im Westen und Swasiland sowie Südafrika im Süden als Nachbarländer. Die Republik Mosambik hat nach dem Stand von Juli 2005 19.406.703 Einwohner auf einer Fläche von 801.590 km². Damit beträgt die Bevölkerungsdichte 24 Einwohner/km².

2. Die Portugiesen in Mosambik 1498-1885

Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama erreichte das heutige Mosambik 1498 auf dem Weg nach Indien. Jahrhundertelang beschränkte sich der Einfluß Portugals und der portugiesischen Sprache auf die fast 3.000 km lange Küste und das Tal des Sambesi.

3. Die Portugiesen in Mosambik 1885-1974

Erst mit der von Bismarck einberufenen Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 sollte von den an Afrika interessierten Mächten festgelegt werden, daß ein Kolonialgebiet nur dann völkerrechtlich anerkannt wird, wenn diese Gebiete nicht nur entdeckt worden sind, sondern auch eine tatsächliche Staatsgewalt durch eine Verwaltungsstruktur, Polizei und Militär ausgeübt wird. Erst jetzt sollte Portugal Mosambik flächendeckend – im Süden unter Einsatz militärischer Gewalt – besetzen und eine Verwaltung bis in den letzten Winkel des Gebietes vortreiben. Erst nach dem 1. Weltkrieg hatte Portugal Mosambik voll unter seiner Kontrolle, wobei bis 1942 Teile des Landes unter Kolonialgesellschaften mit vom portugiesischen Staat verliehenen Hoheitsbefugnissen standen. Die Zahl der Portugiesen als Träger der portugiesischen Sprache sollte nur langsam steigen.

Sie betrug 187.000 im Jahre 1970. Einzige Amts- und Unterrichtssprache während der portugiesischen Herrschaft war die portugiesische Sprache. Diese Regelung galt auch für die von den christlichen Missionsgesellschaften betriebenen Missionsschulen. Die Portugiesen unterschieden bis 1961 zwischen civilizados und não-civilizados unter der eingeborenen Bevölkerung. Nur die 1% civilizados beherrschten die portugiesische Sprache in Wort und Schrift. Während die europäische Bevölkerung ihre Kinder fast geschlossen einschulte, lag der Anteil der Analphabeten unter der schwarzen Bevölkerung bei 97%. Weitere Personen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit besaßen durch den Kontakt mit Portugiesen mündliche Kenntnisse der portugiesischen Sprache. Die Bevölkerung Mosambiks betrug bei der Volkszählung Ende 1970 8,233 Millionen, darunter 187.400 Weiße, die fast ausschließlich Portugiesen waren, 39.300 Mestiços (Mischlinge), 18.400 Inder, besonders Goanesen, und 2.700 Chinesen, vor allem aus Macau.

Igreja de Santo António ou Capela, Ilha de Moçambique, Moçambique. Autor Steve Evans. Licensed under the Creative Commons Attribution
St. Antonius Kirche oder Kapelle, Ilha de Moçambique, Mosambik. Autor Steve Evans

4. Die Sprachpolitik der FRELIMO 1962-1974

Der bewaffnete Befreiungskampf wurde aus Tansania über den Grenzfluß Rovuma mit vom Ostblock gelieferten Waffen in den Norden Mosambiks hineingetragen. Dieser Kampf wurde von der 1962 durch Zusammenschluß dreier Organisationen zur Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) ab 1964 durchgeführt. Mit Ausnahme weniger Kämpfer, die in Nachbarländern intensiv mit der englischen Sprache in Berührung gekommen waren, setzte sich die FRELIMO von Anfang an für portugiesisch als einigendes Band – als língua da unidade nacional – ein, um Stammesdenken nicht aufkommen zu lassen.

5. Die Sprachpolitik der FRELIMO-Regierung ab der Unabhängigkeit am 25. Juni 1975

5.1. Portugiesisch als Unterrichts- und Amtssprache

Mit der politischen Unabhängigkeit Mosambiks vom Mutterland Portugal war es das erklärte Ziel der „Befeiungsbewegung an der Macht“, der FRELIMO, die Zahl der Analphabeten herabzusetzen. Da schon vor dem Unabhängigkeitstag die Portugiesen bis auf eine Restzahl von ca. 20.000 das Land überstürzt verlassen hatten, wandte sich die FRELIMO an Staaten des Ostblocks. Auf diese Weise kamen auch Dozenten aus der ehemaligen DDR bei der Lehrerausbildung zum Einsatz. Seit einigen Jahren unterstützt Portugal die Reaktivierung des Schulwesens. Schließlich leistet die Bundesrepublik Deutschland Bildungshilfe in Mosambik, vor allem durch die GTZ*. Alle Bildungsmaßnahmen werden grundsätzlich auf portugiesisch durchgeführt. Überlegungen, die mosambikanischen Schüler in einer einheimischen Sprache zu beschulen, gibt es unter der Federführung der Universidade Eduardo Mondlane (UEM) nur im Versuchsstadium von geringer Tragweite. Trotz aller Anstrengungen, die Zahl der Analphabeten zu senken, liegt die Zahl der Lese- und Schreibunkundigen heute noch bei 70%. Alle staatlichen Einrichtungen bedienen sich monopolartig der portugiesischen Sprache. Dies gilt für alle Behörden, die Gerichte, die Polizei und das Militär. Alle schriftlichen Verlautbarungen erfolgen ausschließlich auf portugiesisch. Ausnahmen sind nur bei mündlicher Kontaktaufnahme zu einzelnen öffentlichen Bediensteten vorstellbar.

Im Artikel 10 der Verfassung von 2004 heißt es ausdrücklich: In der Republik Mosambik ist die portugiesische Sprache die Amtssprache.

* Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit

5.2. Erwachsenenalphabetisierung und portugiesische Sprache

Da die Mehrzahl der Bevölkerung noch auf dem Lande lebt und hier das Netz der Schulen noch weitmaschig ist, ist die Zahl der Analphabeten unter den Erwachsenen hier besonders hoch. Für diesen Personenkreis gibt es zunehmend Alphabetisierungskurse, die in neunmonatigen Grund- und Aufbaukursen Anfangsgründe des Portugiesischen vermitteln. Wer eine reguläre Schullaufbahn absolvieren möchte, hat nur in den Provinzhauptstädten – besonders in Maputo, Beira und Nampula – die Möglichkeit, einen Abschluß einer weiterführenden Schule zu erwerben.

5.3. Die Bedeutung der Presse, des Hörfunks und des Fernsehens für die Verbreitung der portugiesischen Sprache

Die Presse ist bis auf eine kleine Tageszeitung in Beira auf die Hauptstadt Maputo konzentriert. Im wesentlichen handelt es sich um die Tageszeitung notícias, die Sonntagszeitung domingo und die Wochenzeitungen Tempo und SAVANA. Alle Zeitungen erscheinen in portugiesischer Sprache und erreichen in erster Linie die Leserschaft in der Hauptstadt. Während das Fernsehen nur die Ballungsräume des Landes erreicht und in portugiesisch ausgestrahlt wird – ausländische Filme werden im Originalton mit portugiesischen Untertiteln gezeigt -, bedient sich der Hörfunk neben dem Portugiesischen auch der sechs wichtigsten Regionalsprachen, wobei changana als der bedeutendsten einheimischen Sprache eine herausgehobene Stellung zukommt.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß außer im Hörfunk auch bei den Masssenmedien das Portugiesische eine beherrschende Position innehat.

5.4. Das mosambikanische Portugiesisch

Vor der Unabhängigkeit war das Portugiesische des Mutterlandes als Sprachnorm (língua-padrão) für das gesamte öffentliche Leben im Rahmen der portugiesischen Assimilierungspolitik zwingend vorgeschrieben. Schließlich sah die damalige Überseepolitik als langfristiges Ziel vor, alle Mosambikaner sprachlich und kulturell zu Portugiesen zu machen. Sprachabweichungen von der europäischen Norm wurden als pretoguês abqualifiziert. Dieser Zwang der Beachtung der Sprachnorm des Mutterlandes sollte mit der Unabhängigkeit nachlassen. Jetzt wurden Wörter aus den einheimischen Sprachen ins Portugiesische eingeführt. Mit dem Wind des politischen Wandels Anfang der 1990er Jahre sollte das politisch gefärbte Vokabular teilweise wieder aufgegeben werden.

6. Bibliographie

– Leiste, Doris, Die portugiesische Sprache in Moçambique – eine Untersuchung zur Entwicklung der Sprachsituation von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart, Dissertation A, Karl-Marx-Universität, Leipzig 1988

– Perl, Matthias u.a., Portugiesisch und Crioulo in Afrika, Geschichte – Grammatik – Lexik – Sprachentwicklung, Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1994, ISBN 3-8196-0261-5

– Leclerc, Jacques, L’aménagement linguistique dans le monde, Mozambique, Universität Laval, Québec 2006, https://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/mozambique.htm

– Jacob, Ernst Gerhard, Grundzüge der Geschichte Portugals und seiner Übersee-Provinzen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1969

– Klett-Handbuch für Reise und Wirtschaft Afrika, herausgegeben vom Afrika-Verein e.V., Hamburg, Band III Südliches Afrika, Kapitel Moçambique, Seiten 301-324, 2. Auflage, Ernst Klett Verlag, Stuttgart Januar 1975, ISBN 3-12-949020-5

© Mai 2006 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Kapverdische Inseln Portugiesische Sprache

Kapverden – Die soziale und politische Rolle des Kapverden-Kreols

Verfasst von Dietrich Köster

Offizielle Bezeichnung/denominação oficial: República de Cabo Verde
Hauptstadt/capital: Cidade da Praia
Amtssprache ist Portugiesisch./A língua oficial é o Português.
Zahl der Einwohner/número de habitantes: 530.000 (2010)
Fläche/superfície: 4.036 km²
Währungseinheit/unidade monetária: Escudo de Cabo Verde (CVE)
Unabhängigkeitstag/dia da independência: 5. Juli 1975/5 de Julho de 1975

Auch wenn Portugiesisch bisher die einzige Amtssprache ist, gibt es Bestrebungen das Crioulo cabo-verdiano – eine Kreolsprache mit 90% portugiesischem Wortschatz und 10% Vokabular westafrikanischer Sprachen und einer weitgehend afrikanisch geprägten Grammatik – zur zweiten Amtssprache zu entwickeln.
Das kapverdianische Kreol wird als Nationalsprache bezeichnet.

So schreibt Adelaide Monteiro Lima vom Instituto de Investigação e do Património Culturais (IIPC) am 02. Dezember 2010, daß die Verfassung von Kapverde die kapverdianische Sprache – gemeint ist das Kreol – als Amtssprache im Aufbau betrachtet und es notwendig sei, die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Amtssprachenstatus zu schaffen:
<A Constituição de Cabo Verde considera a língua cabo-verdiana, “língua oficial em construção” e diz que é necessário criar condições para a sua oficialização.>

Beim Kapverden-Kreol unterscheidet man zwei Hauptvarianten auf neun bewohnten Inseln:
Crioulo de Barlavento/Kreol der Inseln über dem Winde, das ist der nördliche Inselbogen mit Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal und Boavista
Crioulo de Sotavento/Kreol der Inseln unter dem Winde, der südliche Inselbogen mit Maio, Santiago, Fogo und Brava
Dabei besitzt jede dieser Inseln eine spezifische Ausprägung des Kreols, wobei die lokalen Kreols der Inseln São Vicente und Santiago eine Vorrangstellung besitzen.

Die Unterschiede versucht das Einheitsalphabet für die Schreibweise des Kapverdianischen/Alfabeto Unificado para a Escrita do Caboverdiano (ALUPEC) auszugleichen. Dieses Alphabet ist von der Regierung der Kapverden anerkannt.

Da 99% der Kapverdianer das Kreol als ihre Muttersprache betrachten, gelangen fast alle Kinder nur mit Kreolkenntnissen zur Einschulung.
Der Übergang zur Unterrichtssprache Portugiesisch bereitet den Schülern Mühe. Während vor der Unabhängigkeit der Gebrauch des Kreols auf dem Schulgelände verboten war, können sich die Lehrer heute zur Verdeutlichung des Lehrgegenstandes in der Grundschule (1. bis 6. Schuljahr) des Kreols in einer Unterstützungsfunktion bedienen.

Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß es eine gewisse Arbeitsteilung zwischen der Amtssprache Portugiesisch und der Nationalsprache Kapverden-Kreol gibt:

Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum. Licensed under the Creative Commons Attribution
Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum

Portugiesisch

Es ist die allgemeine Schriftsprache.

Es stellt die Sprache der internationalen Kommunikation dar, besonders mit den anderen Ländern portugiesischer Amtssprache.
Die Presse, der Hörfunk und das Fernsehen bedienen sich nahezu ausschließlich dieser Sprache.
Der staatliche Radiosender bringt aber täglich eine Nachrichtensendung auf Kreol.
Alle schriftlichen Verlautbarungen der Regierung, der Justiz und des Parlaments und aller übrigen Einrichtungen von öffentlichem Interesse wie Bildungseinrichtungen bedienen sich des Portugiesischen.
Repräsentanten staatlicher und kommunaler Dienststellen halten ihre öffentlichen Reden in dieser Sprache.

Kapverdianisches Kreol

Es ist die Sprache der mündlichen Kommunikation.

Im Familienkreis, unter Bekannten und Freunden und auf dem Markt bedient man sich der allgemeinen Umgangssprache des kapverdianischen Kreols.
Schriftsteller, die auf Publikumserfolg setzen, verleihen ihren Werken Lokalkolorit, indem sie Kreol-Begriffe einfließen lassen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß von Regierungsseite Anstrengungen unternommen werden, die kapverdianische Sprache – das Kapverden-Kreol – durch schrittweise Einführung als zusätzliche Amts- und Unterrichtssprache aufzuwerten und dem Portugiesischen gleichzustellen.

Hinzugezogene Literatur:

– LECLERC, Jacques, L’aménagement linguistique dans le monde, Cap-Vert, Université Laval, Québec, décembre 2010 [http://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/Cap-Vert.htm].
– Kapitel “Cabo Verde” in:<http://www.pt.wikipedia.org/wiki/Cabo_Verde>, aufgerufen am 19. Dezember 2010
– Schreiben von Adelaide Monteiro Lima, Mitarbeiterin des Instituto de Investigação e do Património Culturais (IPC) de Cabo Verde vom 02. Dezember 2010

© Januar 2011 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Afrika Portugiesischer Kolonialismus São Tomé und Príncipe

São Tomé und Príncipe: die portugiesischsprachigen Plantageninseln im Golf von Guinea – Situation im Jahr 1990 und Entwicklungsaussichten

Verfasst von Dietrich Köster

Die Inseln São Tomé und Príncipe liegen im Golf von Guinea eben nördlich des Äquators. Sie sind von Lissabon, Libreville (Gabun) und Luanda aus auf dem Luftweg zu erreichen. Am bequemsten gelangt man nach São Tomé , indem man mit SABENA von Brüssel nach Libreville und von dort mit der kleinen Maschine der Fluggesellschaft „Equatorial“ nach São Tomé fliegt.

Die Hauptinsel São Tomé liegt 280 km westlich von Libreville und die kleinere Insel Príncipe ungefähr 140 km nordöstlich der Hauptinsel. Beide Inseln zusammen bilden eine Fläche von 1.001 km² und haben eine Bevölkerung von 114.000 Einwohnern. Die Bewohner sind größtenteils Schwarze, deren Vorfahren als Sklaven von den Portugiesen hierher gebracht wurden. Daneben gibt es etwa 15% Mischlinge von den Kapverden und eine Restgruppe Portugiesen, Ein halbes Jahrtausend portugiesischer Kolonialherrschaft haben die beiden Inseln und ihre Bevölkerung geprägt.

Gleich beim Verlassen des Flugzeugs schlägt dem Reisenden feuchtwarme Luft entgegen. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, die an der Küste nur selten unter 25º C sinken, kennzeichnen das Klima. Das üppige Grün der Vegetation und der schlechte bauliche Zustand der Häuser und Straßen sind die ersten Eindrücke, die ins Auge springen. Die Vermutung liegt nahe, daß seit der Unabhängigkeit im Jahre 1975 keine Bauunterhaltungsmaßnahmen mehr ergriffen worden sind. Das Befahren der Straßen wird so zu einer Slalom-Partie.

Größte Stadt und Hauptstadt des Archipels ist São Tomé mit 20.000 Einwohnern. Es fällt auf, daß das Stadtbild stark von Militär und Polizei geprägt wird. Dabei handelt es sich nicht nur um einheimisches Militär, sondern auch um ein tausend Mann starkes Militärkontingent aus Angola.

Der Präsidentenpalast, der nicht fotografiert werden darf, besitzt eine Wachmannschaft, die feldmarschmäßig ausgerüstet ist und das Bajonett aufgepflanzt hat. Vor dem Wachwechsel ertönt ein Trompetensignal, das jeden Passanten und Autofahrer auffordert, stehen zu bleiben. Die gleiche Habachtstellung gilt für die Augenzeugen der vorbeifahrenden Fahrzeugkolonne des Staatspräsidenten, Dieser hat seinen Amtssitz nicht nur auf zwei Seiten weiträumig absperren lassen, sondern läßt mit sich auch einen ausgeprägten Personenkult treiben. So hängt in vielen Geschäften das Porträt von Präsident Pinto da Costa.

Die Versorgungslage der Bevölkerung läßt zu wünschen übrig. Zwar bietet der Markt der Hauptstadt einheimische landwirtschaftliche Produkte feil, aber der Einzelhandel hat für den Kunden nur wenige Erzeugnisse des gehobenen Bedarfs vorrätig. Nur in der Loja Franca – sie entspricht dem Intershop in der DDR – kann man gegen US$ Qualitätserzeugnisse erwerben.

Eine weitere Oase westlichen Warenangebots bildet das einzige 4-Sterne-Hotel „Miramar“, das einer Schweizer Hotelkette gehört und von Herrn Furrer, einem Schweizer, geleitet wird. Auch hier erfolgt der Zahlungsverkehr nur in konvertibler Währung. Zur Sicherung des hohen Hotelstandards werden zahlreiche Ver- und Gebrauchsgüter aus der Republik Südafrika und Namibia eingeführt. Dieses Hotel, das seinen Gästen viel zu bieten hat, nimmt gleichzeitig die Funktion eines Fremdenverkehrsbüros wahr. So werden von hier verschiedene Inselrundfahrten und in Verbindung mit „Equatorial“ Flugexkursionen nach Príncipe angeboten. Das Hotel „Miramar“ wird von zahlungskräftigen Gästen aus Libreville aufgesucht und ist Treffpunkt der Entwicklungshelfer aus der Sowjetunion, aus Kuba, der DDR, aus der Schweiz, aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, aus Portugal und Spanien.

Auch die Vereinten Nationen stellen durch ihr Entwicklungsprogramm UNDP, durch die Weltgesundheitsorganisation und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation Entwicklungshelfer. Der Schwerpunkt der Hilfstätigkeit liegt im Bereich des Schulwesens, der Berufsausbildung, der Verbesserung der Gesundheitssituation und der Diversifizierung der Landwirtschaft. So bildet die DDR durch ihre FDJ-Freundschaftsbrigade Maurer und Maurerinnen aus.

Ziel der Regierung ist die breitere Auffächerung der landwirtschaftlichen Angebotspalette. Man möchte von der Monokultur des Kakaos wegkommen. Zur Zeit stellen die Kakaoplantagen noch 90% des Ausfuhrwertes. Daneben gehen noch geringe Mengen Kopra, Kaffee und Palmöl in den Export. Die Erzeugung von Kakao ist ab 1975 mit der Flucht der portugiesischen Fachkräfte stark zurückgegangen. Die Verstaatlichung der Plantagen – Roças genannt – hat hieran nichts ändern können. Seit einigen Jahren bemüht sich die Regierung durch ihr Strukturanpassungsprogramm, der Privatinitiative mehr Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen. So gibt es jetzt mehrere Plantagen mit privatem Management. Auch sind Einzelhandelsgeschäfte teilweise wieder im Besitz von Geschäftsleuten. Die Plantage Água Izé zum Beispiel besitzt eine gemischte Eigentumsform und ist erfolgreicher als die rein staatlichen Landwirtschaftsunternehmen.

Neben der Steigerung des Anbaus von Gemüse, Reis, Mais, Maniok, Bananen und von anderen Grundnahrungsmitteln plant man den Ausbau des Fremdenverkehrs. Das warme Klima, die Landschaft mit ihrem immergrünen Pflanzenkleid, einsamen Stränden, Wasserfällen und Vulkanschloten, und nicht zuletzt die freundlichen Inselbewohner, sind günstige Voraussetzungen für den Tourismus.

Für eine Ankurbelung dieses Wirtschaftszweiges ist allerdings eine Instandsetzung bzw. ein Ausbau des Verkehrsnetzes auf beiden Inseln, der Bau eines Tiefwasserhafens und ein besserer Anschluß an das internationale Flugnetz in Libreville erforderlich.

Meines Erachtens ist der Kleinstaat ohne Hilfe von außen nicht lebensfähig. Eine Eingliederung von São Tomé und Príncipe in die Zentralafrikanische Zoll- und Wirtschaftsunion (UDEAC) würde dem Inselstaat den vom französischen Schatzamt garantierten CFA-Franc bringen. São Tomé und Príncipe sollte hier dem Beispiel des benachbarten Äquatorialguinea, das seit 1985 Mitglied der CFA-Zone ist, folgen.

Eine Alternative für die Zeit nach dem Erreichen einer Friedenslösung im südwestlichen Afrika wäre eine engere Anlehnung oder Angliederung von São Tomé und Príncipe an das ebenfalls portugiesischsprachige Angola.

© März 1990 by Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Deutscher Kolonialismus Namibia

Namibia: das deutsche Fort Alte Feste in Windhoek

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster 

Das Fort Alte Feste wurde vom Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika Curt von François 1890 gegründet. Er legte den Grundstein für den Bau des Forts am 18. Oktober 1890. Damit ist es das älteste Gebäude der Stadt Windhoek, der Hauptstadt des heutigen Namibia.

Das Fort liegt auf einer Anhöhe, die einen Rundblick auf das Zentrum Windoeks gewährt. Das ursprüngliche Fort hatte eine rechteckige Form, eine Länge von 62 m und eine Breite von 35 m. An den Ecken wurden vier Türme errichtet. Die beiden Türme auf der Ostseite waren 9 m hoch und die beiden auf der Westseite hatten eine Höhe von 6 m.

Während der deutschen Kolonialzeit wurde das Fort als Hauptquartier der Kaiserlichen Schutztruppe (bis 1915) und danach als Hauptquartier der südafrikanischen Truppen genutzt. 1935 wurde es ein Schülerheim der Windhoek High School/Windhoek Hoërskool (WHS).

Deutsches Fort Alte Feste, Windhoek, Namibia. Author and Copyright: Marco Ramerini
Deutsches Fort Alte Feste, Windhoek, Namibia. Author Marco Ramerini

1957 wurde es zum Nationalen Denkmal erklärt, und seit 1962 beherbergt es das Staatliche Historische Museum, ein Vielzweckmuseum, das Informationen über die Geschichte Namibias von seinen Anfängen (Kunst der San/Buschleute) bis zur Kolonialzeit und Unabhängigkeit enthält. Im Innenbereich sind Möbel, Felsmalereien, Musikinstrumente, Keramik, Gegenstände aus der Kolonialzeit und Fotografien über den Kampf um die Unabhängigkeit Namibias ausgestellt.

Vor dem Fort befindet sich das Reiterdenkmal, welches 1912 eingeweiht wurde, um der Angehörigen der Deutschen Schutztruppe und der Zivilisten zu gedenken, die während des Aufstandes der Hereros und Namas (1903-1907 und 1908) ihr Leben verloren.

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Niederländischer Kolonialismus Sri Lanka

Galle: Eine niederländische Festung in Sri Lanka (Ceylon)

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzung und Fotos von Dietrich Köster.

Die Stadt Galle liegt an der Südwest-Küste von Sri Lanka, ungefähr 120 km von Colombo entfernt. Hier haben erst die Portugiesen und danach die Niederländer eine Festung erbaut, um die Meeresbucht zu kontrollieren.

Die Niederländer haben nach der 1640 erfolgten Eroberung der Stadt die Festung um 1663 wiederaufgebaut. Diese Befestigungsanlage umgibt die ganze Halbinsel und stellt ein bedeutendes strategisches Bollwerk dar. Heutzutage umfaßt es den ältesten Teil der Stadt. Die Altstadt von Galle und ihre Befestigungsanlagen wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und befinden sich in gutem Erhaltungszustand.

In dieser Festung befindet sich das niederländische Gouvernementshaus und die Evangelische Kirche (Groote Kerk), die 1775 im Barockstil erbaut wurde. Sie ist mit Grabsteinen des alten niederländischen Friedhofs (Kerkhof) gepflastert. Hier sind auch einige Häuser im niederländischen Stil gehalten.

Dutch Fort, Galle, Sri Lanka. Author and Copyright Dietrich Köster
Dutch Fort, Galle, Sri Lanka. Author and Copyright Dietrich Köster

Die Verteidigungsanlage besteht aus 14 Bastionen. Mit ihren Mauern umschließt diese Anlage die gesamte Halbinsel. Hier befindet sich die Altstadt von Galle. Das Gelände der Festung umfaßt eine Fläche von ungefähr 52 ha. Ihr Haupteingang lag während der niederländischen Zeit im nordöstlichen Teil des Festungsringes. Er wird heute als Altes Tor (“Old Gate”) bezeichnet. Auf der Innenseite dieses Tores befindet sich eine Inschrift mit der Jahresangabe 1669 und das Symbol der Niederländischen Ostindien-Kompanie (Verenigde Oostindische Compagnie, VOC). Das Tor, das heute “Main Gate” genannt wird, wurde von den Briten 1897 geöffnet und befindet sich zwischen der Mond- und Sonnenbastion.

Nach Angaben der UNESCO ist Galle heute das beste Beispiel für eine befestigte Stadt, die von Europäern in Süd- und Südostasien erbaut wurde.

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Oman Portugiesischer Kolonialismus

Die portugiesischen Festungen im Oman

Verfasst von Marco Ramerini. Fotos von Fritz Gosselck. Übersetzt von Dietrich Köster

Der Oman ist ein Land reich an Festungen. Einige von ihnen wurden von den Portugiesen im 16. und 17. Jahrhundert entlang der Küste des Omans gebaut. Die ursprüngliche Form der Festungen wurde oft geändert. Einige von ihnen, die von den Portugiesen gebaut oder modernisiert wurden, sind noch heute zu sehen.

Zwei eindrucksvolle Festungen befinden sich in Maskat, der Hauptstadt des Sultanats Oman. Es sind die Festungen Jalali (São João) und Mirani, die beide von den Portugiesen um 1580 gebaut wurden. Ein paar Kilometer von hier entfernt gibt es die Festung Matrah, die ebenfalls von den Portugiesen im späten 16. Jahrhundert errichtet wurde. Auf der Halbinsel Musandam im hohen Norden, die die Meeresstraße von Hormuz überblickt, liegt das Dorf Khasab, wo eine weitere Festung von den Portugiesen um 1620 gebaut wurde.

BIBLIOGRAPHIE:

– Al Maamiry, Ahmed Hamoud “Omani – Portuguese history” 80 pp. illustrations, Lancers Publishers, 1982, New Delhi, Indien.

– Andrade, Rui Freire de “Comentários do Grande Capitão Rui Freire de Andrade” XII, 374 pp. [3] maps Ministério das Colónias, Agência Geral das Colónias 1940 Lissabon, Portugal.

– Dias Farinha, António “Os Portugueses no Golfo Pérsico 1507-1538” 266 pp., Dissertação Faculdade de Letras da Universidade de Lisboa, 1990, Lissabon.

– Dinteman, Walter “Forts of Oman” 128 pp., colour photographs . 1993.

– Gonçalves, Júlio “Mascate, Albuquerque e os sultanatos do Oman 1507-1659” In: “Anais” do Clube Militar Naval, pp. 421-435, 1940, Lissabon, Portugal.

– Muir, J. Reminiscências Portuguesas na Arábia Oriental” 13 pp. Separata do Boletim da Sociedade de Geografia de Lisboa 1961 Lissabon, Portugal.

– Ozbaran, Salih “The Ottoman response to European Expansion. Studies on Ottoman-Portugese relations in the Indian Ocean and Ottoman administration in the Arab lands during the sixteenth Century” xv, 222 pp. black-and-white illustrations, 4 maps, Analecta Isisiana XII, The Isis Press, 1994, Istanbul, Türkei.

– Risso, Patricia “Oman and Muscat: an early modern history” xvii + 258 pp., Croom Helm, 1986, London, Vereinigtes Königreich.

– Vine, Peter; Casey and Vine, Paula (editors) “Oman in history” 560 pp., Immel Publishing, 1995, London, Vereinigtes Königreich.

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Brasilien Deutsche Siedler

Deutsche in Brasilien. 1824-2024: 200 Jahre deutsche Einwanderung nach Brasilien

Verfasst von Dietrich Köster

Der Süden des heutigen Brasiliens (die Staaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná) war während des 18. Jahrhunderts ein zwischen den Kolonialmächten Spanien und Portugal umstrittenes Gebiet. 1778 wurde von diesen Nationen ein Abkommen geschlossen, das zu einer Übertragung der Küste des Golfs von Guinea einschließlich der Inseln Fernão do Pó (Fernando Póo) und Ano Bom (Annobón) auf Spanien führte. Andererseits gab Spanien seine Ansprüche auf den Süden des heutigen Brasiliens auf.

Diese Gegend war dünn besiedelt. Das war auch der Grund, daß die Gefahr der ausländischen Besetzung blieb, sogar nach der Unabhängigkeit des von der spanischen Kolonialherrschaft befreiten Argentiniens. Die Bedrohung setzte sich auch nach der Unabhängigkeit Brasiliens, als sich der portugiesische Kronprinz als Dom Pedro I. zum Kaiser von Brasilien erklärte, fort. Seine Gemahlin Kaiserin Dona Leopoldina – Tochter des Kaisers Franz I. von Österreich – förderte nachhaltig die Auswanderung von Menschen aus den verschiedenen Gebieten deutscher Sprache Mitteleuropas. Diese Auswanderung, die sich ab dem 25. Juli 1824 auf den Süden Brasiliens richtete, war ein bedeutender Beitrag für die Verteidigung und die Festigung der südlichen Grenzen des Kaiserreiches Brasilien.

Dieses Tages wird 2024 als des 200. Jahrestages der deutschen Einwanderung nach Brasilien gedacht. So begann die Geschichte der Siedler deutscher Sprache:

Die erste Gruppe der Einwanderer kam aus dem Hunsrück und gründete 1824 São Leopoldo. Sie rodete den Urwald und schuf Bauernhöfe mittlerer Größe (70 ha), ohne Sklaven als Arbeitskräfte zu beschäftigen.

Mit Hilfe ins Vale dos Sinos (Glockental) eingewanderter Handwerker entwickelte sich Novo Hamburgo (Neu-Hamburg) zu einem Zentrum der Schuhindustrie, die heute die bedeutendste in ganz Brasilien ist. Die Geschichte der deutschen Siedlung im Staat Rio Grande do Sul wird im Parque do Imigrante (Einwandererpark) in Nova Petrópolis, einer Stadt mit 90% Deutsch-Brasilianern, dargestellt. In São Leopoldo befindet sich das Museu do Imigrante (Einwanderermuseum) unter der Leitung von Prof. Telmo Lauro Müller. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Siedlung Blumenau von Dr. Blumenau, der aus dem damaligen Herzogtum Braunschweig stammte, gegründet. Pommern ließen sich in der Ortschaft Pomerode, eine Bezeichnung, die darauf hinweist, daß Menschen dieses deutschen Landes (Pommern) den Urwald gerodet haben, nieder. Heute ist Pomerode als die deutscheste Stadt Brasiliens bekannt.

Die Stadt Blumenau entwickelte sich zum bedeutendsten Standort der Textilindustrie von ganz Lateinamerika mit der Firma Hering als dem größten Unternehmen. Die Nachkommen der deutschen Einwanderer dieser Stadt feiern schon seit Jahren das Oktoberfest nach dem Vorbild von München, der Hauptstadt Bayerns.

1843 wurde die Stadt Petrópolis als kaiserliche Sommerresidenz unter Mitwirkung des deutschen Ingenieurs Köhler gegründet. 1845 trafen die ersten deutschen Siedler ein. Die Namen der verschiedenen Stadtteile Petrópolis’ erinnern an die Gebiete und Ortschaften, aus denen die Einwanderer kamen: Renânia (Rheinland), Mosela (Mosel), Simméria (Simmern), Castelânea (Kastellaun), Bingen, Ingelheim, Darmstadt.

Die gesetzliche Vorschrift von der Heydtsches Reskript, die Mißbräuche im Arbeitsleben Brasiliens aufdeckte, führte zu einer zeitweiligen Verringerung der Zahl der Einwanderer aus Preußen, dem damals größten deutschen Staat.

Für die erste Siedlergeneration war das Leben sehr hart. Alles hing von der Eigeninitiative der einzelnen Menschen und der Siedlergemeinschaft ab. Der brasilianische Staat kümmerte sich um nichts. Es war reine Notwendigkeit, daß die Siedler ihre eigenen Schulen und Kultureinrichtungen schufen. Die portugiesische Sprache spielte damals nur eine untergeordnete Rolle, weil die Siedler vom übrigen Brasilien noch recht isoliert waren.

Während in den 1920er Jahren eine kleine Auswanderungswelle nicht nur den Süden des Landes, sondern auch die großen Städte wie São Paulo und Rio de Janeiro erreichte, sahen die 1930er Jahre vor allem eine Zuwanderung von Juden, die von dem nationalsozialistischen Regime Deutschlands und Österreichs verfolgt wurden. So wurde die Stadt Rolândia im Staat Paraná in dieser Zeit von deutschen Juden gegründet.

Mit der Präsidentschaft von Getúlio Vargas (1930-45) mußte sich das private deutsche Schulsystem der deutschen Siedler unter dem Druck der Nationalisierungspolitik in öffentliche Schulen mit national-brasilianischer Ausrichtung umbilden.

1940 ereignete sich mit der militärischen Besetzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland etwas Außerordentliches:

Tausende vom Nazismus verfolgte Personen baten im portugiesischen Konsulat in Bordeaux im Südwesten Frankreichs um ein Visum für die Einreise nach Portugal. Es waren der Konsul Aristides de Sousa Mendes und seine Mitarbeiter, die 30.000 Visen ohne Ermächtigung durch den damaligen Vorsitzenden des Ministerrates António de Oliveira Salazar, der zu jenem Zeitpunkt zusätzlich das Amt des Außenministers bekleidete, ausstellten. Mit diesen Visen konnten die Verfolgten von Lissabon nach Übersee fliehen. Ein großer Teil hatte die Möglichkeit nach Brasilien, einem Land, das im Jahr 1940 noch den Status einer neutralen Macht besaß, auszuwandern. Tausende von Menschenleben wurden auf diese Weise gerettet.

Eine Ausstellung, die den früheren portugiesischen Konsul ehrt, wurde am 21. September 2004 eröffnet und war bis zum 23. Oktober desselben Jahres in der Nationalbibliothek in Lissabon zu sehen.

Während des 2. Weltkrieges – Brasilien schickte als einziges iberoamerikanisches Land ein Expeditionskorps auf den europäischen Kriegsschauplatz (Italien) – war es in Brasilien verboten, in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen.

Nach Ende der Feindseligkeiten entspannte sich die politische Lage. Eine neue deutsche Einwanderungswelle – auch wenn sie klein war – erreichte Brasilien. Dieses Mal handelte es sich um von den Nazis verfolgte Menschen und um alte Nazis, die jetzt eine Bestrafung wegen begangener Kriegsverbrechen befürchteten.

Darüber hinaus unterscheidet man zwei Gruppen:

Die Mennoniten – aus Rußland stammend – und die Donauschwaben, die 1945 aus dem ehemaligen Jugoslawien flüchteten. Beide Einwanderergruppen gründeten eigene Siedlungen im Staat Paraná mit dem Ziel, Landwirtschaft zu betreiben. Diese wirtschaftliche Betätigung ist inzwischen zu einem großen Erfolg und Vorbild für die anderen Einwohner von Paraná geworden.

Andererseits begann schon in den 1930er Jahren eine Einwanderung von qualifiziertem Personal aus Deutschland, das beim Aufbau der brasilianischen Industrie – besonders im Süden und Südosten – mitgewirkt hat. Heute ist die Region São Paulo der Teil Brasiliens mit der höchsten Industriedichte und das Gebiet, wo die deutsche Wirtschaft immer noch mehr investiert als in jedem anderen Teil der Welt.

Nach Schätzungen kamen 250.000 deutsche Auswanderer während der letzten 200 Jahre nach Brasilien, die zu 5 Millionen Nachkommen von Brasilianern deutscher Abstammung geführt haben. Dabei ist aber zu beachten, daß nicht alle der deutschen Sprache mächtig sind.

Copyright Juni 2024 von Dietrich Köster, D-53113 Bonn

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Afrika Amerika Asien Portugiesischer Kolonialismus

Die Unabhängigkeitsdaten der portugiesischen Kolonien

Verfasst von Dietrich Köster

Brasilien – 07. September 1822

Kapverde – 05. Juli 1975

Portugiesisch-Guinea – einseitige Unabhängigkeitserklärung: 24. September 1973, endgültige Unabhängigkeit: 10. September 1974

São João Baptista de Ajudá – Besetzung durch die Republik Dahomey (Benin): 01. August 1961

São Tomé und Príncipe – 12. Juli 1975

Angola – 11. November 1975

Mosambik – 25. Juni 1975

Festung in Diu, Indien
Festung in Diu, Indien

Portugiesischer Indienstaat (Dadrá und Nagar Haveli) – Bemächtigung durch die Indische Union: 02. August 1954

Portugiesischer Indienstaat (Goa, Damão und Diu) – Bemächtigung durch die Indische Union: 19. Dezember 1961

Macau – Übertragung der politischen Befugnisse auf die Volksrepublik China: 20. Dezember 1999

Portugiesisch-Timor – einseitige Unabhängigkeitserklärung: 28. November 1975, Invasion durch die Republik Indonesien: 07. Dezember 1975, endgültige Unabhängigkeit: 20. Mai 2002

Copyright 2004 Dietrich Köster, D-53115 Bonn