Kap Verde ist eine ehemalige Überseeprovinz des früheren portugiesischen Kolonialreiches, die länger als alle anderen portugiesischen Überseeprovinzen bei Portugal verblieb und das kulturell am stärksten portugiesisch geprägte Gebiet ist. Aus diesem Grund war die kapverdianische Literatur in der kultivierten portugiesischen Sprache Teil der portugiesischen Literatur des Mutterlandes Portugal vor der Unabhängigkeit der Kapverden, die von Portugal am 5. Juli 1975 gewährt wurde.
Seit dem Tag der nationalen Unabhängigkeit Kap Verdes – der heutigen Republik Kap Verde – ist die kultivierte portugiesischsprachige Literatur eine autochthone Literatur – eine kapverdianische Nationalliteratur.
Im Gegensatz zu dieser Literatur war die kapverdianische Literatur in Kreol seit ihren Anfängen im 16. Jahrhundert eine authentische lokale Literatur, also eine autochthone kapverdianische Literatur. Schließlich ist die kapverdianische Kreolsprache eine typisch kapverdianische Erscheinung, die ein fester Bestandteil der Kultur und des Volkslebens der Kapverdianer ist. Diese Kreolsprachvarianten der Inseln unter und über dem Winde gibt es nur auf dem Kapverden-Archipel.
Heute sind die portugiesischsprachige Literatur der kultivierten Norm und die Literatur auf Kapverden-Kreol fester Bestandteil der gesamten kapverdianischen Nationalliteratur, d.h. der autochthonen Literatur der Republik Kap Verde im Rahmen der authentischen kapverdianischen Identität.
Es handelt sich um die Kapverden, Guinea-Bissau (ex-Portugiesisch-Guinea), São Tomé und Príncipe, Angola, Mosambik und Osttimor.
Auf den Kapverden vor der westafrikanischen Küste gibt es neben dem Portugiesischen portugiesisches Kreol mit den beiden Hauptvarianten von São Vicente und Santiago, wobei jede der neun bewohnten Inseln aufgrund der Insellage noch eine eigene sprachliche Ausprägung des Kreols besitzt. Die Regierung ist im Rahmen des Projekts ALUPEC dabei, das Kreol der Hauptstadt Praia für den ganzen Archipel der Kapverden zu offizialisieren. Bisher ist Portugiesisch die einzige Amtssprache, die bei allen formellen und offiziellen Anlässen und Einrichtungen wie Regierung, Nationalparlament, Gerichte, Schulen zu 100% zum Tragen kommt. Bei der mündlichen Verständigung spielt dagegen das jeweilige Kreol eine allgemein akzeptierte Rolle, da sie von 99% der Bevölkerung gesprochen wird. Rein afrikanische Sprachen spielen im Kapverden-Archipel keine Rolle. Wegen Einzelheiten verweise ich auf meine Internetdarstellung: https://www.colonialvoyage.com/de/kapverden-kreol-die-soziale-und-politische-rolle-des kapverden-kreols
Etwas anders verhält es sich bei der Sprachsituation in Guinea-Bissau: Auch hier hat das auf dem Portugiesischen fußende Kreol als mündliches Verständigungsmittel eine herausragende Bedeutung, auch wenn daneben besonders im Landesinneren 18 verschiedene indigene Sprachen gesprochen werden. Einen offiziellen Charakter als Amts- und Schulsprache besitzt dagegen lediglich das Portugiesische in der europäischen “norma culta”. Durch die Länder Senegal und Guinea-Conakry mit Amtssprache Französisch, die Guinea-Bissau vollständig umgeben, gewinnt Französisch zunehmende Bedeutung. Wegen Einzelheiten sei auf meine Internetdarstellung verwiesen: : https://www.colonialvoyage.com/de/guinea-bissau-die-sprachen-die-das-land-prägen
São Tomé und Príncipe ist ein Archipel, der nur aus den beiden bewohnten Inseln São Tomé und Príncipe besteht. Hier werden drei portugiesischbasierte Kreolsprachen im mündlichen Verkehr praktiziert: Santomense (Forro), Angolar und Principense. Im offiziellen Sektor bedient man sich auch hier ausschließlich des europäischen Portugiesisch. Alle schriftlichen Verlautbarungen sind ausschließlich auf Portugiesisch gehalten. Bedingt durch eine Einwanderung von Kapverdianern, die bereits in portugiesischer Zeit für die Arbeit auf den Kakaoplantagen angeworben wurden, gibt es noch Restbestände des Kapverdenkreols auf diesen beiden Inseln im Golf von Guinea.
Was Angola betrifft, läßt sich sagen, daß sich in diesem afrikanischen Festlandterritorium keine Kreolsprachen herausgebildet haben. Dafür gibt es aber über 40 sogenannte Nationalsprachen, die durch millionenfache Zuwanderung in die angolanische Hauptstadt Luanda etwas an Bedeutung verloren haben. Etwa ein Drittel der Bevölkerung des Landes spricht Portugiesisch. Auch hier nimmt Portugiesisch im gesamten öffentlichen Bereich eine Monopolstellung ein und dient der Republik Angola bei der Vielzahl von indigenen Sprachen zugleich als einigendes Band und ist damit von gesamtstaatlicher Bedeutung.
Zu Mosambik läßt sich sagen, daß es über 20 indigene Sprachen gibt. Dies hat dazu geführt, daß Portugiesisch im öffentlichen Leben die alles überragende Rolle spielt. Nur sie ist in der Lage das Land zusammen zu halten. Der Versuch der Guerillaorganisation FRELIMO der englischen Sprache mit Erlangung der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 einen offiziellen Status zu verleihen, war kein Erfolg beschieden. Alle Verlautbarungen der Regierung und alle weiteren öffentlichen Institutionen bedienen sich des Portugiesischen und können sich nur so an die gesamte Bevölkerung wenden. Auch wenn im Prinzip das Portugiesische das ganze Land beherrscht, besteht im äußersten Süden des Landes eine gewisse Neigung im Handelsverkehr mit den amtlich englischsprachigen Nachbarländern dem Englischen eine begrenzte Bedeutung einzuräumen. Zu weiteren Einzelheiten sei auf meine Internetseite verwiesen: https://www.colonialvoyage.com/de/portugiesisch-mosambik-sprachgeschichte-sprachsituation-und-sprachpolitik-ein-ueberblick
Osttimor als jüngstes Mitglied der Gemeinschaft portugiesischsprachiger Länder (CPLP) besitzt seit der Unabhängigkeit im Mai 2002 neben Portugiesisch auch die indigene Sprache Tétum als Amtssprache. Neben Tétum gibt es 14 weitere indigene Sprachen, die als Nationalsprachen bezeichnet werden. Dabei ist Portugiesisch als Amtssprache bedeutender, da viele Fachausdrücke der Verwaltung und der Wirtschaft noch keine klare Entsprechung in der Sprache Tétum gefunden haben. Für eine Übergangszeit kann sich die öffentliche Verwaltung auch des Englischen und der Sprache Bahasa Indonesia als Arbeitssprachen bedienen. Auch hier stellt Portugiesisch das einigende Band für ganz Osttimor (ex-Portugiesisch-Timor) dar. Für nähere Einzelheiten verweise ich auf meine Internetdarstellung: https://www.colonialvoyage.com/de/sprachpolitik-osttimors-die-wiedereinfuehrung-des-portugiesischen-als amts-und-unterrichtssprache
Als Ergebnis bleibt für alle Staaten der Gemeinschaft portugiesischsprachiger Länder (CPLP) in Afrika und in Osttimor festzuhalten, daß Portugiesisch das einigende Band schlechthin ist ! Eine jeweils landesweite Verständigung in den Staaten der Lusophonie Afrikas (PALOP) und in Osttimor (Timor-Leste) ist nur durch den Gebrauch der portugiesischen Sprache möglich. Dies ist zugleich ein Angebot für die Kommunikation mit den Ländern außerhalb der CPLP. Als Amtssprache kommt daher nur Portugiesisch in Frage, wobei im Sonderfall Osttimor die Sprache Tétum wegen der bisher begrenzten Fachterminologie nur bedingt Verwendung findet.
Offizielle Bezeichnung/denominação oficial: República de Cabo Verde
Hauptstadt/capital: Cidade da Praia
Amtssprache ist Portugiesisch./A língua oficial é o Português.
Zahl der Einwohner/número de habitantes: 530.000 (2010)
Fläche/superfície: 4.036 km²
Währungseinheit/unidade monetária: Escudo de Cabo Verde (CVE)
Unabhängigkeitstag/dia da independência: 5. Juli 1975/5 de Julho de 1975
Auch wenn Portugiesisch bisher die einzige Amtssprache ist, gibt es Bestrebungen das Crioulo cabo-verdiano – eine Kreolsprache mit 90% portugiesischem Wortschatz und 10% Vokabular westafrikanischer Sprachen und einer weitgehend afrikanisch geprägten Grammatik – zur zweiten Amtssprache zu entwickeln.
Das kapverdianische Kreol wird als Nationalsprache bezeichnet.
So schreibt Adelaide Monteiro Lima vom Instituto de Investigação e do Património Culturais (IIPC) am 02. Dezember 2010, daß die Verfassung von Kapverde die kapverdianische Sprache – gemeint ist das Kreol – als Amtssprache im Aufbau betrachtet und es notwendig sei, die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Amtssprachenstatus zu schaffen:
<A Constituição de Cabo Verde considera a língua cabo-verdiana, “língua oficial em construção” e diz que é necessário criar condições para a sua oficialização.>
Beim Kapverden-Kreol unterscheidet man zwei Hauptvarianten auf neun bewohnten Inseln:
Crioulo de Barlavento/Kreol der Inseln über dem Winde, das ist der nördliche Inselbogen mit Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal und Boavista
Crioulo de Sotavento/Kreol der Inseln unter dem Winde, der südliche Inselbogen mit Maio, Santiago, Fogo und Brava
Dabei besitzt jede dieser Inseln eine spezifische Ausprägung des Kreols, wobei die lokalen Kreols der Inseln São Vicente und Santiago eine Vorrangstellung besitzen.
Die Unterschiede versucht das Einheitsalphabet für die Schreibweise des Kapverdianischen/Alfabeto Unificado para a Escrita do Caboverdiano (ALUPEC) auszugleichen. Dieses Alphabet ist von der Regierung der Kapverden anerkannt.
Da 99% der Kapverdianer das Kreol als ihre Muttersprache betrachten, gelangen fast alle Kinder nur mit Kreolkenntnissen zur Einschulung.
Der Übergang zur Unterrichtssprache Portugiesisch bereitet den Schülern Mühe. Während vor der Unabhängigkeit der Gebrauch des Kreols auf dem Schulgelände verboten war, können sich die Lehrer heute zur Verdeutlichung des Lehrgegenstandes in der Grundschule (1. bis 6. Schuljahr) des Kreols in einer Unterstützungsfunktion bedienen.
Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß es eine gewisse Arbeitsteilung zwischen der Amtssprache Portugiesisch und der Nationalsprache Kapverden-Kreol gibt:
Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum
Portugiesisch
Es ist die allgemeine Schriftsprache.
Es stellt die Sprache der internationalen Kommunikation dar, besonders mit den anderen Ländern portugiesischer Amtssprache.
Die Presse, der Hörfunk und das Fernsehen bedienen sich nahezu ausschließlich dieser Sprache.
Der staatliche Radiosender bringt aber täglich eine Nachrichtensendung auf Kreol.
Alle schriftlichen Verlautbarungen der Regierung, der Justiz und des Parlaments und aller übrigen Einrichtungen von öffentlichem Interesse wie Bildungseinrichtungen bedienen sich des Portugiesischen.
Repräsentanten staatlicher und kommunaler Dienststellen halten ihre öffentlichen Reden in dieser Sprache.
Kapverdianisches Kreol
Es ist die Sprache der mündlichen Kommunikation.
Im Familienkreis, unter Bekannten und Freunden und auf dem Markt bedient man sich der allgemeinen Umgangssprache des kapverdianischen Kreols.
Schriftsteller, die auf Publikumserfolg setzen, verleihen ihren Werken Lokalkolorit, indem sie Kreol-Begriffe einfließen lassen.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß von Regierungsseite Anstrengungen unternommen werden, die kapverdianische Sprache – das Kapverden-Kreol – durch schrittweise Einführung als zusätzliche Amts- und Unterrichtssprache aufzuwerten und dem Portugiesischen gleichzustellen.
Hinzugezogene Literatur:
– LECLERC, Jacques, L’aménagement linguistique dans le monde, Cap-Vert, Université Laval, Québec, décembre 2010 [http://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/Cap-Vert.htm].
– Kapitel “Cabo Verde” in:<http://www.pt.wikipedia.org/wiki/Cabo_Verde>, aufgerufen am 19. Dezember 2010
– Schreiben von Adelaide Monteiro Lima, Mitarbeiterin des Instituto de Investigação e do Património Culturais (IPC) de Cabo Verde vom 02. Dezember 2010