Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum. Licensed under the Creative Commons Attribution
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Kapverden – Die soziale und politische Rolle des Kapverden-Kreols

Verfasst von Dietrich Köster

Offizielle Bezeichnung/denominação oficial: República de Cabo Verde
Hauptstadt/capital: Cidade da Praia
Amtssprache ist Portugiesisch./A língua oficial é o Português.
Zahl der Einwohner/número de habitantes: 530.000 (2010)
Fläche/superfície: 4.036 km²
Währungseinheit/unidade monetária: Escudo de Cabo Verde (CVE)
Unabhängigkeitstag/dia da independência: 5. Juli 1975/5 de Julho de 1975

Auch wenn Portugiesisch bisher die einzige Amtssprache ist, gibt es Bestrebungen das Crioulo cabo-verdiano – eine Kreolsprache mit 90% portugiesischem Wortschatz und 10% Vokabular westafrikanischer Sprachen und einer weitgehend afrikanisch geprägten Grammatik – zur zweiten Amtssprache zu entwickeln.
Das kapverdianische Kreol wird als Nationalsprache bezeichnet.

So schreibt Adelaide Monteiro Lima vom Instituto de Investigação e do Património Culturais (IIPC) am 02. Dezember 2010, daß die Verfassung von Kapverde die kapverdianische Sprache – gemeint ist das Kreol – als Amtssprache im Aufbau betrachtet und es notwendig sei, die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Amtssprachenstatus zu schaffen:
<A Constituição de Cabo Verde considera a língua cabo-verdiana, “língua oficial em construção” e diz que é necessário criar condições para a sua oficialização.>

Beim Kapverden-Kreol unterscheidet man zwei Hauptvarianten auf neun bewohnten Inseln:
Crioulo de Barlavento/Kreol der Inseln über dem Winde, das ist der nördliche Inselbogen mit Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal und Boavista
Crioulo de Sotavento/Kreol der Inseln unter dem Winde, der südliche Inselbogen mit Maio, Santiago, Fogo und Brava
Dabei besitzt jede dieser Inseln eine spezifische Ausprägung des Kreols, wobei die lokalen Kreols der Inseln São Vicente und Santiago eine Vorrangstellung besitzen.

Die Unterschiede versucht das Einheitsalphabet für die Schreibweise des Kapverdianischen/Alfabeto Unificado para a Escrita do Caboverdiano (ALUPEC) auszugleichen. Dieses Alphabet ist von der Regierung der Kapverden anerkannt.

Da 99% der Kapverdianer das Kreol als ihre Muttersprache betrachten, gelangen fast alle Kinder nur mit Kreolkenntnissen zur Einschulung.
Der Übergang zur Unterrichtssprache Portugiesisch bereitet den Schülern Mühe. Während vor der Unabhängigkeit der Gebrauch des Kreols auf dem Schulgelände verboten war, können sich die Lehrer heute zur Verdeutlichung des Lehrgegenstandes in der Grundschule (1. bis 6. Schuljahr) des Kreols in einer Unterstützungsfunktion bedienen.

Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß es eine gewisse Arbeitsteilung zwischen der Amtssprache Portugiesisch und der Nationalsprache Kapverden-Kreol gibt:

Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum. Licensed under the Creative Commons Attribution

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Portugiesisch

Es ist die allgemeine Schriftsprache.

Es stellt die Sprache der internationalen Kommunikation dar, besonders mit den anderen Ländern portugiesischer Amtssprache.
Die Presse, der Hörfunk und das Fernsehen bedienen sich nahezu ausschließlich dieser Sprache.
Der staatliche Radiosender bringt aber täglich eine Nachrichtensendung auf Kreol.
Alle schriftlichen Verlautbarungen der Regierung, der Justiz und des Parlaments und aller übrigen Einrichtungen von öffentlichem Interesse wie Bildungseinrichtungen bedienen sich des Portugiesischen.
Repräsentanten staatlicher und kommunaler Dienststellen halten ihre öffentlichen Reden in dieser Sprache.

Kapverdianisches Kreol

Es ist die Sprache der mündlichen Kommunikation.

Im Familienkreis, unter Bekannten und Freunden und auf dem Markt bedient man sich der allgemeinen Umgangssprache des kapverdianischen Kreols.
Schriftsteller, die auf Publikumserfolg setzen, verleihen ihren Werken Lokalkolorit, indem sie Kreol-Begriffe einfließen lassen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß von Regierungsseite Anstrengungen unternommen werden, die kapverdianische Sprache – das Kapverden-Kreol – durch schrittweise Einführung als zusätzliche Amts- und Unterrichtssprache aufzuwerten und dem Portugiesischen gleichzustellen.

Hinzugezogene Literatur:

– LECLERC, Jacques, L’aménagement linguistique dans le monde, Cap-Vert, Université Laval, Québec, décembre 2010 [http://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/Cap-Vert.htm].
– Kapitel “Cabo Verde” in:<http://www.pt.wikipedia.org/wiki/Cabo_Verde>, aufgerufen am 19. Dezember 2010
– Schreiben von Adelaide Monteiro Lima, Mitarbeiterin des Instituto de Investigação e do Património Culturais (IPC) de Cabo Verde vom 02. Dezember 2010

© Januar 2011 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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