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Afrika Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Das Erbe der portugiesischen Sprache in Afrika

verfasst von Marco Ramerini, übersetzt von Dietrich Köster

Nach der Eroberung der arabischen Festung Ceuta in Marokko im Jahr 1415 waren die Portugiesen die ersten Europäer, die die afrikanische Küste erkundeten, und in den 1460er Jahren errichteten sie in Arguim (Mauretanien) die erste Festung. 1482 wurde die Burg von São Jorge da Mina an der Goldküste (Ghana) errichtet. Im Jahr 1487 umrundete der portugiesische Entdecker Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung, und 1497 umrundete Vasco da Gama den afrikanischen Kontinent und erreichte Indien (1498).

Im 15. und 16. Jahrhundert beherrschten die Portugiesen unbestritten die afrikanische Küste. Die portugiesischen Siedlungen in Afrika dienten den portugiesischen Schiffen als Versorgungsstationen auf dem Weg nach Indien, aber sie waren auch Handelsstationen, an denen die Portugiesen mit den Afrikanern Gold, Sklaven und Gewürze handelten, und die portugiesische Sprache wurde an den Küsten Afrikas als Verkehrssprache verwendet.

Portugiesisch wird heute in mehreren afrikanischen Ländern gesprochen, hauptsächlich in den ehemaligen portugiesischen Kolonien: Es ist Amtssprache in Mosambik, Angola, Äquatorialgiuinea, São Tomé und Príncipe, Guinea-Bissau und Kap Verde. Eine Art portugiesisches Kreol wird in Senegal, Guinea-Bissau, Kap Verde, São Tomé und Príncipe und Äquatorialguinea gesprochen. Eine große Gemeinschaft von Portugiesen aus Portugal, Angola und Mosambik lebt in Südafrika.

Die portugiesische Sprache hat auch mehrere afrikanische Sprachen beeinflußt. Viele portugiesische Wörter wurden dauerhaft aus verschiedenen afrikanischen Sprachen wie Swaheli und Afrikaans entlehnt.

WESTAFRIKANISCHE KÜSTE UND KAPVERDISCHE INSELN

Im 16. Jahrhundert trug die Ansiedlung verschiedener Gruppen von portugiesischen Händlern und Lançados (Mestizen) an der Küste von Senegal, Gambia und Guinea zur Verbreitung der portugiesischen Sprache in diesen Gebieten bei. Heute wird in der Casamance (Ziguinchor-Kreol), in Gambia und in Guinea-Bissau (Bissau-Bolama-, Bafatá- und Cacheu-Kreol) ein portugiesisches Kreol gesprochen, dessen lokaler Name Kriol lautet. Diese Sprache ist die erste Kreolsprache, die aus dem Kontakt zwischen Europäern und afrikanischen Völkern hervorgegangen ist.

In Guinea-Bissau ist Kriol die Landessprache und Portugiesisch ist die offizielle Sprache. Die Kapverdischen Inseln waren bis 1975 eine portugiesische Kolonie, so daß Portugiesisch heute die offizielle Sprache des Archipels ist. Das kapverdische Kreol wird von der gesamten Bevölkerung gesprochen und ähnelt dem von Guinea-Bissau und der Casamance. Portugiesisch ist für viele Menschen eine Zweitsprache.

Kap Verde: Kreolisch ist die erste Sprache von 350.000 Kapverdiern (1990), während Portugiesisch für die Mehrheit die zweite Sprache ist.

Guinea-Bissau: 150.000 Sprecher von Kreol als Erstsprache (1996) und 600.000 Nutzer von Kreol als Zweitsprache; 20.000 Sprecher von Portugiesisch als Erstsprache (1991).

Senegal und Gambia: 55.000 Sprecher des Kreol von Ziguinchor in der Casamance als Erstsprache (1990). Der Dialekt in Senegal ist etwas anders als in Guinea-Bissau. Er enthält einige französische Vokabeln.

Manca la carta geográfica da África ! Portugiesischsprachige Gemeinschaften im heutigen Afrika. Das Erbe der portugiesischen Sprache in Afrika. Autor: Marco Ramerini

GOLF VON GUINEA

Entlang der Küste Ghanas (Goldküste) entwickelte sich eine Art Portugiesisch (Kreol), das von den einheimischen Händlern im 16., 17. und 18. Jahrhundert im Verkehr mit anderen Europäern (Niederländern, Engländern, Dänen, Brandenburgern, Franzosen, Schweden) gesprochen wurde, auch noch einige Jahre nachdem die Portugiesen die Goldküste verlassen hatten. Bis 1961 hatte Portugal ein Fort in Dahomey, dem heutigen Benin. Sein Name ist São João Baptista de Ajudá (Ouidah). Hier wurde in den letzten Jahrhunderten Portugiesisch von einer Gemeinschaft gemischter portugiesischer Nachkommen verwendet. Portugiesisch wurde auch im Königreich Dahomey als Sprache für die Außenbeziehungen mit anderen Europäern verwendet.

Auf einigen Inseln im Golf von Guinea wird auch heute noch portugiesisches Kreol gesprochen. Diese Inseln sind: São Tomé und Príncipe (São Tomé und Príncipe) und Anobom (Äquatorialguinea). Sãotomense (Forró) und Angolar (Moncó) werden auf der Insel São Tomé und Principense auf der Insel Príncipe gesprochen. Diese Kreole unterscheiden sich deutlich von den Kreolen der Kapverden, Guinea-Bissaus, Senegals und Gambias.

Portugiesisch ist die Amtssprache von São Tomé und Príncipe und wurde 1993 von der Mehrheit der Einwohner als Zweitsprache gesprochen; nur 2.580 Personen nutzten sie als Erstsprache. Auf der Insel Anobom (Pagalu, Äquatorialguinea) spricht die Bevölkerung eine besondere Form des portugiesischen Kreols: Anobonense oder Fá d’Ambô genannt, eine seltene Mischung aus angolanischen Bantu-Dialekten und Altportugiesisch, die der Sprache von São Tomé ähnelt. Portugiesisch wurde am 20. Juli 2010 zur dritten Amtssprache Äquatorialguineas.

SÜDLICHES AFRIKA: Kongo, Angola, Südafrika und Mosambik

Im 16. Jahrhundert sprachen im Königreich Kongo viele Mitglieder der herrschenden Klasse fließend Portugiesisch. Diese Sprache war auch der Träger für die Verbreitung des Christentums. Das Zeugnis eines europäischen Reisenden aus dem Jahr 1610 belegt, daß in Soyo alle Kinder Portugiesisch lernten. Im Königreich Kongo gibt es Belege für die Existenz portugiesischer Schulen, die im 17. und 18. Jahrhundert von Missionaren betrieben wurden. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert verbreitete sich der Einfluß und die Verwendung des Portugiesischen als Handelssprache entlang der Küste des Kongo und Angolas von Loango bis Benguela.

In Angola – bis 1975 eine portugiesische Kolonie – ist Portugiesisch die Amtssprache und wird von vielen Menschen gesprochen. Die meisten Mestizen (1995 etwa 1,5 % der angolanischen Bevölkerung, d. h. 170.000) sprechen Portugiesisch als Muttersprache und identifizieren sich mit der portugiesischen Kultur. In Mosambik – bis 1975 auch eine portugiesische Kolonie – ist Portugiesisch die Amtssprache und wird von vielen Menschen gesprochen, hauptsächlich als Zweitsprache. In Südafrika wird Portugiesisch von Menschen portugiesischer Abstammung und von Einwanderern aus Angola, Mosambik und Brasilien (600.000) gesprochen.

Angola: 57.600 Sprecher von Portugiesisch als Erstsprache (1993), und ein großer Teil der Einwohner spricht Portugiesisch als Zweitsprache.

Mosambik: 30.000 Sprecher von Portugiesisch als Erstsprache, und vier Millionen Einwohner sprechen Portugiesisch als Zweitsprache, etwa 30 % der Bevölkerung (1991).

Südafrika: Mehr als eine halbe Million Menschen sprechen Portugiesisch als Erstsprache.

OSTAFRIKA: Kenia und Tansania

Portugiesisch wurde im 17. und 18. Jahrhundert als Verkehrssprache verwendet. Dies war auf die portugiesische Vorherrschaft an der Ostküste Afrikas bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurückzuführen. Mombasa wurde bis 1698 gehalten, und 1728/1729 wurde ein kurzer Wiederbesetzungsversuch unternommen. Ein britischer Leutnant berichtet, daß 1831 ein Mann in Mombasa ein gebrochenes Portugiesisch sprach. Der Kontakt zwischen Portugiesen und Afrikanern beeinflußte auch die Swaheli-Sprache, die heute an der gesamten Ostküste Afrikas gesprochen wird. Es gibt mehr als 120 Wörter portugiesischen Ursprungs in der Suaheli-Sprache.

BIBLIOGRAPHIE ÜBER DIE PORTUGIESISCHE SPRACHE IN AFRIKA

– Chataigner, Abel “Le créole portugais du Sénégal: observations et textes” ?, in: Journal of African languages Vol. 1,1 1963, pp. 44-71

– Cardoso, Eduardo “O Crioulo da Ilha de São Nicolau de Cabo Verde”, 142 pp., Imprensa Nacional, 1989, Lissabon, Portugal.

– Couto, Hildo Honório do. “The genesis of Portuguese creole in Africa”, in: Holm, John & Frank Byrne (eds.).”Atlantic meets Pacific: a global view of pidginization and creolization”, John Benjamins Publishing Company,1993, Amsterdam, Niederlande, pp. 381-389.

– Dalphinis, Morgan, “African language influences in Creoles lexically based on Portuguese, English and French with special reference to Casamance Kriul, Gambian Krio and Saint Lucia Patwa”, 756 pp. PhD. Thesis, University of London, 1981, London, Vereinigtes Königreich.

– Ferraz, Luís Ivens “The creole of São Tomé”, 122 pp., Separata African Studies, 37, Witwatersrand University Press, 1979, Johannesburg, Südafrika.

– Günther, Wilfried “Das portugiesische Kreolisch der Ilha do Príncipe” Selbstverlag, 1973, Marburg an der Lahn.

– Kihm, Alain “Kriyol syntax: the Portuguese-based Creole language of Guinea-Bissau”, VIII, 310 pp. Creole language library n° 14, John Benjamins Publishing Company, 1994, Amsterdam und Philadelphia.

– Lorenzino, Gerardo A., “The Angolar Creole Portuguese of São Tomé: its grammar and sociolinguistic history”, 290 pp. Unpublished Ph.D. Thesis, City University of New York, 1998, This Thesis deals with the genesis and development of the Angolar Creole Portuguese of São Tomé and Príncipe (Gulf of Guinea), off the coast of West Africa. Angolar is the language spoken by descendants of maroon slaves who escaped from Portuguese plantations on São Tomé in the mid-sixteenth century.

– Maurer, Philippe “L’angolar. Un créole afro-portugais parlé à São Tomé”, Buske, 1995, Hamburg.

– Moreau, Marie-Louise “Destino de uma sociedade, destino de uma língua. Balizas para a história do crioulo português em Ziguinchor” in: “PAPIA Revista de Crioulos de Base Ibérica”, Universidade de Brasília, Volume 3, nº 1, 1994

– Perl, Mathias “Acerca de Alguns Aspectos Históricos do Português Crioulo em África”, in: “Biblos”, vol. LVIII (Segunda Parte da Homenagem a M. Paiva Boleo), 1-12 pp. FLUC, 1983, Coimbra, Portugal.

– Perl, Mathias “A reevaluation of the importance of early Pidgin/Creole Portuguese”, pp. 125 – 130, JPCL (Journal of Pidgin and Creole Languages) N° 5/1 (April 1990), John Benjamins Publishing Company, Amsterdam und Philadelphia.

– Ploae-Hanganu, Mariana “Le créole portugais de l’Afrique: sa base portugaise”, 2 vols. (251, 58 f.) : [10] maps, 1991, Lissabon.

– Washabaugh, William and Greenfield, Sidney M. “The Portuguese Expansion and the Development of Atlantic Creole Languages” In: “Luso-Brazilian Review” n. 18 (2),1981, 225-238 pp.

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Angola Guinea-Bissau Kapverdische Inseln Mosambik Ost-Timor Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus São Tomé und Príncipe

Die Stellung der Amtssprache Portugiesisch in den 1974/75 und 2002 von Portugal unabhängig gewordenen ehemaligen sogenannten Überseeprovinzen Portugals

Verfasst von Dietrich Köster, D-53113 Bonn

Es handelt sich um die Kapverden, Guinea-Bissau (ex-Portugiesisch-Guinea), São Tomé und Príncipe, Angola, Mosambik und Osttimor.

Auf den Kapverden vor der westafrikanischen Küste gibt es neben dem Portugiesischen portugiesisches Kreol mit den beiden Hauptvarianten von São Vicente und Santiago, wobei jede der neun bewohnten Inseln aufgrund der Insellage noch eine eigene sprachliche Ausprägung des Kreols besitzt.
Die Regierung ist im Rahmen des Projekts ALUPEC dabei, das Kreol der Hauptstadt Praia für den ganzen Archipel der Kapverden zu offizialisieren.
Bisher ist Portugiesisch die einzige Amtssprache, die bei allen formellen und offiziellen Anlässen und Einrichtungen wie Regierung, Nationalparlament, Gerichte, Schulen zu 100% zum Tragen kommt.
Bei der mündlichen Verständigung spielt dagegen das jeweilige Kreol eine allgemein akzeptierte Rolle, da sie von 99% der Bevölkerung gesprochen wird. Rein afrikanische Sprachen spielen im Kapverden-Archipel keine Rolle.
Wegen Einzelheiten verweise ich auf meine Internetdarstellung:
https://www.colonialvoyage.com/de/kapverden-kreol-die-soziale-und-politische-rolle-des kapverden-kreols

Etwas anders verhält es sich bei der Sprachsituation in Guinea-Bissau:
Auch hier hat das auf dem Portugiesischen fußende Kreol als mündliches Verständigungsmittel eine herausragende Bedeutung, auch wenn daneben besonders im Landesinneren 18 verschiedene indigene Sprachen gesprochen werden.
Einen offiziellen Charakter als Amts- und Schulsprache besitzt dagegen lediglich das Portugiesische in der europäischen “norma culta”.
Durch die Länder Senegal und Guinea-Conakry mit Amtssprache Französisch, die Guinea-Bissau vollständig umgeben, gewinnt Französisch zunehmende Bedeutung.
Wegen Einzelheiten sei auf meine Internetdarstellung verwiesen: :
https://www.colonialvoyage.com/de/guinea-bissau-die-sprachen-die-das-land-prägen

São Tomé und Príncipe ist ein Archipel, der nur aus den beiden bewohnten Inseln São Tomé und Príncipe besteht. Hier werden drei portugiesischbasierte Kreolsprachen im mündlichen Verkehr praktiziert: Santomense (Forro), Angolar und Principense.
Im offiziellen Sektor bedient man sich auch hier ausschließlich des europäischen Portugiesisch. Alle schriftlichen Verlautbarungen sind ausschließlich auf Portugiesisch gehalten.
Bedingt durch eine Einwanderung von Kapverdianern, die bereits in portugiesischer Zeit für die Arbeit auf den Kakaoplantagen angeworben wurden, gibt es noch Restbestände des Kapverdenkreols auf diesen beiden Inseln im Golf von Guinea.

Was Angola betrifft, läßt sich sagen, daß sich in diesem afrikanischen Festlandterritorium keine Kreolsprachen herausgebildet haben. Dafür gibt es aber über 40 sogenannte Nationalsprachen, die durch millionenfache Zuwanderung in die angolanische Hauptstadt Luanda etwas an Bedeutung verloren haben. Etwa ein Drittel der Bevölkerung des Landes spricht Portugiesisch. Auch hier nimmt Portugiesisch im gesamten öffentlichen Bereich eine Monopolstellung ein und dient der Republik Angola bei der Vielzahl von indigenen Sprachen zugleich als einigendes Band und ist damit von gesamtstaatlicher Bedeutung.

Zu Mosambik läßt sich sagen, daß es über 20 indigene Sprachen gibt. Dies hat dazu geführt, daß Portugiesisch im öffentlichen Leben die alles überragende Rolle spielt. Nur sie ist in der Lage das Land zusammen zu halten.
Der Versuch der Guerillaorganisation FRELIMO der englischen Sprache mit Erlangung der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 einen offiziellen Status zu verleihen, war kein Erfolg beschieden.
Alle Verlautbarungen der Regierung und alle weiteren öffentlichen Institutionen bedienen sich des Portugiesischen und können sich nur so an die gesamte Bevölkerung wenden. Auch wenn im Prinzip das Portugiesische das ganze Land beherrscht, besteht im äußersten Süden des Landes eine gewisse Neigung im Handelsverkehr mit den amtlich englischsprachigen Nachbarländern dem Englischen eine begrenzte Bedeutung einzuräumen.
Zu weiteren Einzelheiten sei auf meine Internetseite verwiesen:
https://www.colonialvoyage.com/de/portugiesisch-mosambik-sprachgeschichte-sprachsituation-und-sprachpolitik-ein-ueberblick

Osttimor als jüngstes Mitglied der Gemeinschaft portugiesischsprachiger Länder (CPLP) besitzt seit der Unabhängigkeit im Mai 2002 neben Portugiesisch auch die indigene Sprache Tétum als Amtssprache. Neben Tétum gibt es 14 weitere indigene Sprachen, die als Nationalsprachen bezeichnet werden.
Dabei ist Portugiesisch als Amtssprache bedeutender, da viele Fachausdrücke der Verwaltung und der Wirtschaft noch keine klare Entsprechung in der Sprache Tétum gefunden haben.
Für eine Übergangszeit kann sich die öffentliche Verwaltung auch des Englischen und der Sprache Bahasa Indonesia als Arbeitssprachen bedienen. Auch hier stellt Portugiesisch das einigende Band für ganz Osttimor (ex-Portugiesisch-Timor) dar.
Für nähere Einzelheiten verweise ich auf meine Internetdarstellung:
https://www.colonialvoyage.com/de/sprachpolitik-osttimors-die-wiedereinfuehrung-des-portugiesischen-als amts-und-unterrichtssprache

Als Ergebnis bleibt für alle Staaten der Gemeinschaft portugiesischsprachiger Länder (CPLP) in Afrika und in Osttimor festzuhalten, daß Portugiesisch das einigende Band schlechthin ist !
Eine jeweils landesweite Verständigung in den Staaten der Lusophonie Afrikas (PALOP) und in Osttimor (Timor-Leste) ist nur durch den Gebrauch der portugiesischen Sprache möglich. Dies ist zugleich ein Angebot für die Kommunikation mit den Ländern außerhalb der CPLP.
Als Amtssprache kommt daher nur Portugiesisch in Frage, wobei im Sonderfall Osttimor die Sprache Tétum wegen der bisher begrenzten Fachterminologie nur bedingt Verwendung findet.

Verfasst von Dietrich Köster, D-53113 Bonn

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Ost-Timor Portugiesischer Kolonialismus

Osttimor nach fast einem halben Jahrtausend Fremdherrschaft unabhängig

von Dietrich Köster, Bonn

Dili/Osttimor, 20. Mai 2002

Heute um 00.05 Uhr wurde in Dili/Osttimor die Flagge der Vereinten Nationen eingeholt und die der Demokratischen Republik Timor Lorosae um 00.25 Uhr in Gegenwart des VN-Generalsekretärs, des portugiesischen Staatspräsidenten, der portugiesischen und australischen Premierminister und vieler weiterer Regierungsmitglieder aus aller Welt erstmalig gehißt. Damit enden über 450 Jahre portugiesischer Kolonialherrschaft, 24 Jahre grausamer indonesischer Besatzung und zweieinhalb Jahre Verwaltung durch die Vereinten Nationen. Diese hatten die undankbare Aufgabe, die gröbsten Schäden der indonesischen Kampagne der verbrannten Erde nach der Volksbefragung am 30. August 1999, bei der sich fast 80% der osttimorischen Bevölkerung für eine staatliche Eigenständigkeit außerhalb des indonesischen Staatsverbandes ausgesprochen hatten, zu beheben.

Die indonesische Staatspräsidentin Megawati Sukarnoputri – eine Tochter des Gründungspräsidenten Indonesiens – hielt sich nur vier Stunden in Osttimor auf und wohnte der Unabhängigkeitsfeier nur zwei Stunden bei.
Dafür entpuppte sich ihr Sicherheitsaufgebot von sechs Kriegsschiffen, zwei Düsenjägern als Flugeskorte und 2.000 Soldaten der drei Teilstreitkräfte als Personenschutz als letzte Maßnahme der Einschüchterung und Machtdemonstration gegenüber dem osttimorischen Volk.

Mit dem Abzug der meisten zivilen Fachkräfte und der Umwandlung der VN-Übergangsverwaltung (UNTAET) in eine VN-Unterstützungsmission (UNMISET) drohen den einheimischen Verantwortlichen in Politik und Verwaltung schwere Zeiten, da Erfahrungen in der Handhabung des Regierungsapparates fehlen. Erschwert wird die Durchführung der Regierungsmaßnahmen durch die Tatsache, daß es nicht nur um die Entwicklung der östlichen Inselhälfte von Timor geht, sondern es sich vorrangig noch um den weiteren Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur nach dem Abzug der indonesischen Truppen und der von diesen gebildeten Milizen handelt.

Als vom Volk gewählter Staatspräsident waltet jetzt der langjährige Widerstandskämpfer José Alexandre Xanana Gusmão – hier auch als Mandela Osttimors bezeichnet. Als Regierungschef amtiert Mari Alkatiri, der über 20 Jahre im Exil in Mosambik gelebt hat und die Mehrheitspartei FRETILIN anführt. Als Nationales Parlament fungiert die am 30. August vergangenen Jahres aus Wahlen hervorgegangene Verfassunggebende Versammlung.

Finanziell wird Osttimor die nächsten Jahre noch weitgehend auf die Beiträge der internationalen Gebergemeinschaft angewiesen sein. Danach hofft das Land aus den Einnahmen der Förderung von Erdöl und Erdgas in der Timorsee gemeinsam mit Australien großen Gewinn ziehen zu können.

Erschienen in der “Allgemeinen Zeitung” (Windhoek) am 21. Mai 2002

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Indien Portugiesischer Kolonialismus

Der frühere portugiesische Indienstaat 1997

von Dietrich Köster, Bonn

Von 1498 bis 1961 waren die Portugiesen an der Westküste Indiens nördlich und südlich von Bombay präsent. Es war die 1947 vom Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland unabhängig gewordene Indische Union unter Premierminister Pandit Nehru, die Portugal aus Goa, Damão und Diu – dem Estado Português da Índia – vertrieb. Dies geschah im Zeichen der von Nehru immer wieder beschworenen Gewaltlosigkeit des Nationalhelden Mahatma Ghandi und eigener Erklärungen, daß keine militärische Gewalt angewandt würde.

Tatsächlich ließ Nehru den Terrorbanden der Satyagraha-Bewegung (“Menschen der Gewaltlosigkeit”) freien Lauf. Subversion pur. Der damaligen indischen Regierung fehlte die Geduld. Hätten die Inder die Weisheit ihres Philosophen Rabindranath Tagore praktiziert, hätte die indische Regierung den portugiesischen Indienstaat nach dem Staatsstreich in Lissabon nur 13 Jahre später auf dem silbernen Tablett überreicht bekommen. Auch die Chinesen hätten sich die Inder zum Vorbild nehmen können. Diese haben sich mit der Wiedereingliederung von Hongkong und Macau Zeit gelassen. Statt militärische Gewalt anzuwenden, haben die Chinesen mit den Briten und Portugiesen Rückgabeverträge ausgehandelt. Auf diese Weise ist Hongkong kürzlich (01. Juli 1997) nach China zurückgekehrt. Für Macau ist der 20. Dezember 1999 als Übergabetermin vorgesehen.

Da Indien trotz aller Friedensbeteuerungen wenige Tage vor Weihnachten 1961 Goa, Damão und Diu durch seine Marine, seine Luftwaffe und das Heer erobern ließ, kann von einer Einhaltung der von Nehru auf der Bandung-Konferenz der afro-asiatischen Völker 1955 verabschiedeten hehren Grundsätze der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten der Nachbarstaaten und des Verbots der subversiven Tätigkeit gegenüber Nachbarn keine Rede sein.

So steht Indien seit 1961 als Aggressor vor der Weltöffentlichkeit. Nur das Veto der damaligen Sowjetunion verhinderte eine Verurteilung Indiens durch den VN-Sicherheitsrat. So läßt sich als Fazit nur Imperialismus einer Möchte-gern-Großmacht ausmachen, eines Landes, das nach der Erlangung der Unabhängigkeit bereits drei Kriege gegen seinen Nachbarn Pakistan geführt hat. Bei der widerrechtlichen Besetzung von Goa, Damão und Diu sind 67 Inder – nach indischer Lesart “Märtyrer” – und 25 Portugiesen gefallen. Während in Goa die Kämpfe kaum Opfer forderten, wurde in Damão und Diu erbitterter gekämpft, so daß es hier zu größeren Verlusten und Schäden gekommen ist.

Während bis zur Invasion von Nehrus Truppen Portugiesisch Amtssprache war, sollte diese nach der Annexion Englisch werden. Die einheimischen Sprachen Konkani in Goa und Gudscherati in Damão und Diu spielen im öffentlichen Leben eine untergeordnete Rolle. Schon in portigiesischer Zeit gab es in Goa mehr höhere Schulen mit englischer Unterrichtssprache als mit portugiesischer. Seit der Annexion wird Portugiesisch nur noch in wenigen Schulen als Unterrichtsfach angeboten.

Die letzte portugiesischsprachige Zeitung stellte mit Jahresbeginn 1984 ganz auf Englisch um. So wurde aus “O Heraldo” “Herald”. Die Zeitung “A Vida” hat ihr Erscheinen ganz eingestellt. So gibt es heute nur noch Zeitungen in Englisch und indischen Sprachen. Die einzige Portugiesisch-Lektüre, die ich im Buchhandel erwerben konnte, war die fünfbändige Schulbuch-Serie “UM PASSO NOVO” zum Erlernen der portugiesishen Sprache. Daneben gibt es die Möglichkeit, Portugiesisch auf der Universität von Goa zu studieren. Der vom Instituto Camões entsandte Lektor sprach von 60 Portugiesisch-Studierenden, die er zu betreuen habe.

Erst in jüngster Zeit bemüht sich die Fundação Oriente um eine architektonische Bestandsaufnahme der Sakralbauten von Alt-Goa. Hier ist noch viel zu restaurieren, um den weiteren Verfall der schützenswerten Baudenkmäler aufzuhalten. Auch die Unterschutzstellung als Weltkulturgut der UNESCO hat am baulichen Zustand der Überbleibsel des Goldenen Goa des 16. Jahrhunderts wenig geändert. Damals hieß es:
Quem viu Goa, não precisa mais ver Lisboa. – Wer Goa gesehen hat, braucht Lissabon nicht mehr zu sehen.
Das Museum in Alt-Goa enthält die Porträts von 105 Vizekönigen und Generalgouverneuren des ehemaligen portugiesischen Indienstaates der Jahre 1510-1961. Bezeichnenderweise stehen die überlebensgroßen Statuen von Afonso de Albuquerque, dem zweiten portugiesischen Vizekonig in Indien, und von Camões, dem größten portugiesischen Dichter, statt auf öffentlichen Plätzen heute im erwähnten Museum.

Die offizielle portugiesische Präsenz in Goa beschränkt sich heute auf ein Generalkonsulat und eine jüngst eröffnete Zweigstelle der portugiesischen Kulturstiftung Fundação Oriente. Die Verbreitung der portugiesischen Sprache beschränkt sich heute im wesentlichen auf den christlichen Teil der einheimischen älteren Generation.

Während Goa seit 1987 ein eigener Bundesstaat der Indischen Union ist, bilden Damão und Diu weiterhin ein von Neu-Delhi direkt verwaltetes Unionsterritorium.

In Damão traf ich auf einen ambulanten Händler, dessen Kollege mir erklärte, daß sein Landsmann nach Portugal einreisen möchte, um von dort zur Arbeitsaufnahme nach Großbritannien weiterzureisen. Dafür müsse er nachweisen, daß er vor 1974 in Damão geboren sei. So könne er als portugiesischer Staatsbürger nach Portugal gelangen, um im Rahmen der Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union sich Großbritannien als Land auszusuchen, wo man das meiste Geld verdienen könne. Das Schreiben, das mir der junge Händler zeigte, enthielt geschwärzte Passagen, die die Personalien des Briefempfängers unkenntlich gemacht hatte. Der junge Briefbesitzer erfüllte weder die Altersvoraussetzungen (zu jung, um vor 1974 geboren zu sein), noch besaß er weder portugiesische, noch englische Sprachkenntnisse. Hier handelt es sich um einen Versuch, aus der Tatsache, daß Damão wie Goa und Diu bis 1974 von Portugal als portugiesisches Staatsgebiet betrachtet wurde, persönliches Kapital zu Arbeitszwecken zu schlagen.

Die Küste Goas wird von der Tourismusbehörde von Jahr zu Jahr immer stärker als Standort von Luxushotels für indische und internationale Badegäste ausgebaut, so daß der alte indo-portugiesische Charme zusehends verloren geht.

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Ost-Timor Portugiesischer Kolonialismus

Portugiesisch-Timor – Osttimor – Timor-Leste 1997

von Dietrich Köster, Bonn   

Dili, die Hauptstadt von Osttimor, ist am leichtesten mit der Fluggesellschaft Merpati von Denpassar auf Bali zu erreichen und liegt auf halbem Weg nach Neuguinea. Während Macau von Hochhäusern geprägt ist, gibt es hier in der osttimorischen Hauptstadt – von seltenen Ausnahmen abgesehen – nur Häuser mit ein oder zwei Stockwerken. Daher macht Dili einen eher ländlichen Eindruck. Der zentrale Platz in Meeresnähe wird von den Gebäuden der Verwaltung des Gouverneurs gesäumt. Dieser besitzt zwar einen portugiesischen Namen, ist aber ein treuer Gefolgsmann der Regierung in Jakarta. Er gehört damit zu den wenigen Einheimischen, die die Integration in den indonesischen Staat gutheißen. Die überwältigende Mehrheit der im Lande verwurzelten Timorer verurteilt die militärische Eroberung von Osttimor durch indonesische Truppen im Dezember 1975.

Vorausgegangen war ein Kampf um die Macht zwischen der eher gemäßigten Demokratischen Union Timors (UDT) und der Revolutionären Front von Osttimor für die nationale Unabhängigkeit (FRETILIN). Seit der gewaltsamen Besetzung wehrt sich die Bevölkerung gegen die neuen Herrscher. Es entspann sich ein Guerillakampf zwischen den indonesischen Streitkräften und den Kämpfern der FALINTIL (Streitkräfte der nationalen Befreiung von Osttimor), dem, bedingt durch das brutale Auftreten der indonesischen Truppe, im Laufe von über 20 Jahren etwa ein Drittel der timorischen Bevölkerung zum Opfer gefallen ist.

Auch die junge Generation, die die indonesische Invasion nicht miterlebt hat, setzt sich für die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit Osttimors ein, auch wenn die jungen Leute nur geringe oder gar keine Portugiesischkenntnisse besitzen. Das neue Schulsystem sieht keine Erteilung von Unterricht in dieser Sprache vor. Vielmehr haben alle Schüler die auf dem malaiischen fußende Kunstsprache Bahasa Indonesia zu erlernen. Der einzige Personenkreis, der die Integration in den indonesischen Staat geschlossen begrüßt, sind die Zuwanderer, die im Rahmen des Umsiedlungsprogramms “Transmigrasi” der Regierung in Jakarta nach Osttimor gekommen sind. Dieser Personenkreis spricht im Gegensatz zu den Timorern der mittleren und älteren Generation kein Wort Portugiesisch, so daß sie leicht als landfremde Zuwanderer auszumachen sind. Diese haben zu einem nicht unbeträchtlichen Teil die 1975 nach Australien geflohenen chinesischen Geschäftsleute ersetzt.   

Da das indonesische Regime nicht gefestigt ist, kommt es in der Hauptstadt Dili immer wieder zu Machtdemonstrationen des indonesischen Militärs und der Polizei in Form von Rundfahrten mit vollbesetzten Mannschafts-Transportfahrzeugen mit offenem Verdeck.   

Die gesamte Beschriftung in der Öffentlichkeit und das Verlagswesen sind in Bahasa Indonesia gehalten. Es gibt keine allgemein zugänglichen Veröffentlichungen mehr in portugiesischer Sprache. Lediglich die Straßennamen aus der portugiesischen Zeit wurden beibehalten, indem statt rua oder avenida das indonesische Wort jalan der Straßenbezeichnung vorangestellt wurde. Als einzige weitere Erinnerung gibt es in Dili mehrere Denkmäler mit portugiesischer Inschrift. Eines davon erinnert an die 500-Jahrfeier des Todes von Heinrich dem Seefahrer im Jahre 1960. In Dili und Baucau gibt es daneben sogenannte Integrationsdenkmäler mit Bahasa Indonesia-Inschrift, die dem Betrachter weismachen sollen, daß die Timorer mit der Waffe und der indonesischen Flagge in den Händen bereit waren, für den Anschluß Osttimors an Indonesien ihr Leben zu opfern. Diese beiden Denkmäler werden jeden Tag Lügen gestraft, da indonesische Besatzungssoldaten in regelmäßigen Abständen ausschwärmen, um der letzten FALINTIL-Kämpfer in den Bergen der Insel habhaft zu werden. Während meines Dili-Aufenthaltes war gerade ein Mitglied des Generalstabs der FALINTIL in Baucau nach einer Schußverletzung festgenommen worden und im Militärkrankenhaus von Dili durch Verabreichung einer todbringenden Injektion hingerichtet worden.   

Ferner fanden in dieser Zeit (20./21. Juni 1997) Verhandlungen zwischen Portugal – vertreten durch Außenminister Jaime Gama – und Indonesien – vertreten durch Außenminister Ali Alatas – am Hauptsitz der VN in New York statt, ohne daß diese zu einem konkreten Ergebnis geführt hätten. Eine Einigung zwischen beiden Ländern ist bisher mit schier unüberwindlichen Hindernissen belastet. Während Indonesien Osttimor als 27. indonesische Provinz begreift und damit der Integration in den indonesischen Staatsverband das Wort redet, geht Portugal davon aus, daß die Entkolonisierung Osttimors nur durch einen Volksentscheid unter VN-Aufsicht bewirkt werden könne. Auch die Verleihung des Friedensnobelpreises 1996 an den katholischen Bischof von Dili Dom Carlos Filipe Ximenes Belo  und den Exilpolitiker José Ramos-Horta haben die Lösung des Timor-Konflikts nicht vorangebracht. Dies hat mir Bischof Belo persönlich bestätigt. M.E. kann eine Entkrampfung der Beziehungen zwischen Portugal und Indonesien erst mit dem Einsetzen einer Demokratisierung des indonesischen Staates nach Beendigung der Suharto-Präsidentschaft Platz greifen. 

Ein äußeres Zeichen des Protestes der timorischen Bevölkerung gegen die Willkürherrschaft des Suharto-Regimes war die große Anteilnahme der Bevölkerung an der Beerdigung eines Widerstandskämpfers im November 1991. Obwohl der Trauerzug sich friedlich zum Friedhof Santa Cruz bewegte, nahm das indonesische Militär diesen Massenauflauf zum Anlaß wahllos in die Trauergäste zu schießen. Die hohe Zahl der Todesopfer führte zur Abberufung des Militärkommandeurs für Osttimor. Schon wenig später machte Präsident Suharto diesen zu seinem Stellvertreter. Die Porträts von Präsident und Vizepräsident hängen als äußeres Zeichen der Unterwerfung in vielen Geschäften, Hotels, Speisewirtschaften und in allen Behördengebäuden.   

Wenige Tage vor meinem Eintreffen in Dili war die Markthalle im Stadtzentrum von Dili bis auf das Eingangstor niedergebrannt. Der Brand ist bis heute unaufgeklärt. Doch wird der FRETILIN die Schuld dafür in die Schuhe geschoben.   

Als hervorragende Persönlichkeit habe ich Pater Eduardo Brito von der katholischen Balide-Kirchengemeinde  in Dili kennengelernt. Er stammt aus Margão/Goa und kam 1947 in einer Gruppe von 40 Priestern nach Osttimor. Nur drei Geistliche leben noch und wirken weiterhin in ihrer Wahlheimat. Für seine langjährigen Verdienste wurde Pater Brito 1995 von Gouverneur José Abílio Osório Soares geehrt und ihm bereits zu seinen Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Seine letzte Ruhe soll der Pater in einer Gruft vor diesem Denkmal finden.  

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Portugiesische Sprache

Die weltweite Verbreitung der portugiesischen Sprache und ihre Förderung durch spanischsprachige Länder

von Dietrich Köster, Bonn

Isabel Hub Faria zeigt in ihrem Aufsatz* auf, daß die portugiesische Sprache auf allen Kontinenten Verbreitung gefunden hat.
Während sie in Europa (Portugal), Südamerika (Brasilien) und Afrika (Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe, Angola und Mosambik) jeweils über den Status der einzigen nationalen Amtssprache verfügt, besitzt Portugiesisch in Asien nur in der Sonderverwaltungsregion Macau – seit 1999 ein Teil der Volksrepublik China – und in der Demokratischen Republik Osttimor den Status einer kooffiziellen Amtssprache. Hinzu kommen in Afrika und Asien noch verschiedene Kreolsprachen auf portugiesischer Grundlage (Kreols der Guinea-Küste Afrikas, Indo-, Malayo- und Sinokreols).
In den USA und Kanada, in Venezuela, Argentinien und Australien und in verschiedenen Ländern West- und Mitteleuropas ist Portugiesisch die Sprache zahlreicher portugiesischer Einwanderer.
Auch in der Republik Südafrika und in Namibia gibt es nennenswerte portugiesischsprachige Gemeinschaften.
Während in Guinea-Bissau das Portugiesische Konkurrenz durch die französische Amtssprache der benachbarten Staaten Guinea-Konakry und Senegal erfährt, gilt dies im Hinblick auf Mosambik für die englische Sprache aller sechs Nachbarländer.

Die Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache (CPLP) wäre eigentlich berufen, die internationale Stellung der portugiesischen Sprache zu fördern. Diese Rolle nimmt die CPLP bisher nur zögerlich wahr.

Dessen ungeachtet ist Portugiesisch neben Spanisch Amtssprache im Mercosul, in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) neben Spanisch, Englisch und Französisch, in der Afrikanischen Union (AU) neben Englisch, Französisch und Arabisch, in der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) neben Englisch und in der Europäischen Union (EU) neben 23 weiteren europäischen Sprachen.

Die Förderung der portugiesischen Sprache als Zweit- und Fremdsprache fällt immer noch hinter der des Englischen und Französischen – Sprachen mit einer langen Tradition in diesem Bereich – zurück.
Heute wird Portugiesisch von über 200 Millionen Menschen regelmäßig gesprochen. Damit nimmt es den 5. Rang unter den Weltsprachen ein.

Die Sprachenvielfalt der EU führt immer wieder dazu, daß Übersetzungen von Gebrauchsanweisungen und Montageanleitungen in einer Mischung von Spanisch und Portugiesisch abgefaßt werden, die den Ansprüchen des Konsumenten nicht gerecht werden.

Portugiesischer Sprachunterricht in Spanien

In Spanien lernen nach dem Stand von 2005 14.000 Schüler an Sekundarschulen und Studenten an Universitäten Portugiesisch. Dabei sind 3 Autonome Gemeinschaften besonders hervorzuheben: Die Extremadura mit Badajoz und Cáceres, Madrid mit einer Lektorenstelle des Instituto Camões an der Universidad Autónoma de Madrid und Katalonien.

Für die Extremadura hat das Portugiesische eine besondere Bedeutung, da sie unmittelbar an Portugal grenzt, ein Umstand, der zu zahlreichen grenzüberschreitenden Kontakten besonders mit dem Alentejo und Mittelportugal führt.
In diesem Teil Spaniens lernen allein 10.000 Schüler und Studenten die Sprache des Nachbarlandes mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Regionalen Entwicklungsfonds (FEDER).
In 10 öffentlichen Sprachschulen rangiert Portugiesisch an vorderer Stelle, nur vom Englischen in der Zahl der Lernenden übertroffen.
Auch in Olivença, einer Stadt, die bis 1805 einen Teil Portugals bildete, besteht bei der jungen Generation verstärktes Interesse, die Sprache ihrer portugiesischsprachigen Vorfahren zu erlernen.

Portugiesischer Sprachunterricht in spanischsprachigen Ländern Südamerikas

Mit der Begründung des Gemeinsamen Marktes aus Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien (Mercosul) ist das Interesse an der portugiesischen Sprache in den La-Plata-Staaten gestiegen.
1999 wurde ein Centro de Língua Portuguesa des Instituto Camões im Instituto de Enseñanza Superior de Lenguas Vivas “Juan Ramón Fernandez” in Buenos Aires eröffnet.
Dieses Institut bildet Lehrer für den Portugiesischunterricht an argentinischen Schulen aus und bietet Portugiesisch-Sprachkurse für Geschäftsleute, die Handelsbeziehungen zu Brasilien unterhalten.
Von 1900 bis 1965 sind über 40.000 Portugiesen aus dem Algarve nach Argentinien eingewandert, deren Nachkommen ein besonderes Interesse für die Sprache ihrer Eltern und Großeltern zeigen.
Im November 2005 wurde zwischen den Bildungsministerien Argentiniens und Brasiliens ein Protokoll unterzeichnet, das die Förderung der portugiesischen Sprache in Argentinien und die des Spanischen in Brasilien als Zweitsprache vorsieht. Dabei soll der Unterricht in der Sprache des Vertragspartners in der jeweiligen Grenzregion besondere Förderung erfahren.

In Uruguay wird bereits seit 2008 Portugiesisch in der brasilianischen Variante in den drei obersten Klassen der Primarschule und in den drei ersten Schuljahren der Sekundarschule als Pflichtfach interrichtet und ist dabei, die englische Sprache als erste Pflichtfremdsprache abzulösen.
Besondere Aufmerksamkeit findet Portugiesisch bei den Brasiguayos im Norden des Landes an der Grenze zu Brasilien und in der Hauptstadt Montevideo.
Zusätzlich genießt die portugiesische Sprache eine Förderung durch das Instituto Uruguayo-Brasileiro und den Club Brasil.

Auch in Paraguay wird die portugiesische Sprache gelehrt. Dies gilt für die 15- bis 17-jährigen Schüler. Sie haben die Wahl zwischen den Fremdsprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch. Da es in Paraguay zahlreiche zugewanderte Brasilianer gibt und der Handel mit Brasilien ständig zunimmt, besteht auch hier großes Interesse an der portugiesischen Sprache, das vom Centro de Estudos Brasileiros in der Hauptstadt Asunción unterstützt wird. Ferner besteht in der Hauptstadt ein Studiengang für Portugiesisch mit dem Abschluß der Lizentiatur an der Nationaluniversität Paraguays.

Schließlich gibt es auch in Bolivien, Kolumbien und Venezuela Bestrebungen zur Einführung des Portugiesischen in den jeweiligen Grenzregionen zu Brasilien.
Während in Kolumbien sich der Portugiesischunterricht in Leticia noch im Anfangsstadium befindet, wird in Tabatinga/Brasilien schon seit einigen Jahren Spanischunterricht ab der Primarschule erteilt. Hierbei unterstützen sich die Schulen im grenznahen Bereich über die Grenze hinweg. Dabei ist auch ein Austausch von Lehrern dieser Schulen mit dem Nachbarland vorgesehen.

* Bibliographischer Hinweis:
Isabel Hub Faria, Política linguística da língua portuguesa: o que está a mudar e o que é preciso mudar, Revista Veredas [Universidade Federal de Juiz de Fora] 4,1:9-19

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Brasilien Portugiesische Sprache

Anglizismen im brasilianischen Portugiesisch

von Dietrich Köster

Trotz immer wieder aufflackerndem Anti-US-Amerikanismus ist Brasilien das portugiesischsprachige Land, das besonders viele Begriffe aus dem Englischen der Vereinigten Staaten von Amerika in die eigene Sprache übernommen hat. Dabei kommt es zu sprachlichen Übergriffen, die vermuten lassen, daß die Brasilianer meinen, sie übernähmen mit einer Vielzahl von US-amerikanischen Ausdrücken auch gleich den relativ höheren Lebensstandard der Vereinigten Staaten mit.

Gegen diese sprachlichen Mißstände wendet sich der aus dem brasilianischen Bundesstaat São Paulo stammende Parlamentarier der Abgeordnetenkammer des brasilianischen Kongresses Aldo Rebelo.

Dieser Politiker hat den Gesetzentwurf PL n.° 1676 im März 2001 in die Abgeordnetenkammer eingebracht, der im Artikel 2 festlegt, daß die öffentliche Hand in Verbindung mit der Zivilgesellschaft sich dafür einsetzen soll, daß Fremdwörter – hier ist besonders an Anglizismen des US-amerikanischen Englisch zu denken – portugiesiert werden. Dabei will der Abgeordnete aber nur die Wörter aus dem Englischen ersetzen, die sich leicht ins Portugiesische übertragen lassen.

Der Academia Brasileira de Letras fällt dabei die Aufgabe zu, die Wörter ausländischer Herkunft sprachlich so anzupassen, daß diese Begriffe nicht mehr als Fremdkörper empfunden werden können.

Der erwähnte Gesetzentwurf ist im März 2002 von der Abgeordnetenkammer in Brasília verabschiedet worden. Die Zustimmung des Senats steht noch aus.

Neben dem genannten Parlamentarier setzt sich der Movimento Nacional em Defesa da Língua Portuguesa für die Reinerhaltung der portugiesischen Sprache ein. Es geht darum, von über 5.000 Neueintragungen von Anglizismen der jüngsten Ausgabe des Vocabulário Ortográfico da Língua Portuguesa so viele wie möglich durch portugiesische Begriffe zu ersetzen.

Die Liste der Anglizismen kann unter

http://www.ipv.pt/anglicismos/angl_a.htm

nachgelesen werden.

Als ein besonders abschreckendes Beispiel eines brasilianischen Wortungetüms sei der Begriff blecaute für Stromausfall/corte de energia/apagão genannt.

Schließlich sei erwähnt, daß sich selbst die sprachbewußten Franzosen – verkörpert durch die Académie Française – bei der Eindämmung der Flut von Anglizismen in der französischen Sprache schwertun.

Nur den mustergültigen Isländern gelingt es, ihre Sprache durch Bildung neuer Wörter auf der Grundlage ihres eigenen Sprachschatzes von fremdsprachlichen Einflüssen in Form von Anglizismen freizuhalten.

Aus der Informationsschrift Willkommen in Island sei noch zu den Fremdwörtern zitiert:

Um die Sprache rein und ohne ausländischen Einfluß zu erhalten, ist ein spezielles Komitee dafür zuständig, neue isländische Wörter für neue Konzepte und Technologie zu finden. Das isländische Wort für “Computer” z.B. ist “tölva”, eine Kombination aus den Wörtern “tala” (Zahl) und “völva” (Prophet).

Stand: 2002

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Afrika Guinea-Bissau Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Guinea-Bissau – die Sprachen, die das Land prägen

von Dietrich Köster

Die Republik Guinea-Bissau ist mit 36.100 km² und 1,696 Millionen Einwohnern ein Kleinstaat an der Oberguinea-Küste Westafrikas. Er wird im Norden von der Republik Senegal und im Osten und Süden von der Republik Guinea-Conakry begrenzt. Beide Nachbarländer sind amtlich französischsprachig und wurden von Frankreich bis 1960 bzw. 1958 als Teile Französisch-Westafrikas (AOF) kolonisiert. 1886 sah sich die frühere Kolonialmacht Portugal gezwungen, in einem Vertrag mit Frankreich den nördlichen Teil von Portugiesisch-Guinea als Casamance an die französische Kolonie Senegal abzutreten.

Portugal war die erste europäische Seefahrernation, der es gelang, an der Westküste Afrikas entlang zu segeln. Dabei kam Nuno Tristão 1446 an der Küste des heutigen Guinea-Bissaus an der Stelle an, wo sich heute der Ort Cacheu am gleichnamigen Fluß befindet. Dieser sollte die erste Hauptstadt Portugiesisch-Guineas werden. Nachdem Portugiesisch-Guinea 1879 verwaltungsmäßig von den ebenfalls portugiesischen Kapverden-Inseln getrennt worden war, erhielt die unmittelbar vor der Küste gelegene Insel Bolama den Status der Hauptstadt von Portugiesisch-Guinea, um diesen 1941 an Bissau zu verlieren.

Erst 1915 sollte Portugal die vollständige Kontrolle über das Hinterland seiner Kolonie mit der weitgehend moslemisch-geprägten Bevölkerung erlangen. Ein in Portugal ausgebildeter und in Portugiesisch-Guinea arbeitender kapverdianischer Agraringenieur namens Amilcar Cabral sollte 1956 den Partido Africano para a Independência da Guiné e de Cabo Verde (PAIGC) gründen. Ab 1963 ging diese Partei mit Unterstützung der damaligen Sowjetunion zum bewaffneten Kampf gegen die Portugiesen über. Er beschränkte sich aber auf das von Portugal beherrschte afrikanische Festland. Die Kapverden blieben von diesen militärischen Auseinandersetzungen unberührt.

Im Januar 1973 fiel Amilcar Cabral vermutlich einem Attentat aufgrund von Auseinandersetzungen innerhalb seiner Partei zum Opfer. Im selben Jahr wurde nach der Eroberung von weiten Landstrichen in Madina do Boé von der PAIGC am 24. September einseitig die Unabhängigkeit von Portugal erklärt. Erst nach dem Staatsstreich in Lissabon vom 25. April 1974 – heute auch als Nelkenrevolution bezeichnet – sollte Portugal diese Unabhängigkeit am 10. September 1974 anerkennen. Seitdem ist das Land durch politisch motivierte Morde an Führungspersönlichkeiten wie dem langjährigen Staatspräsidenten Nino Vieira und dem Generalstabschef Mane so stark in die Instabilität abgerutscht, daß es jetzt vor der Republik Benin der Staat mit den meisten Militärputschen in Afrika geworden ist.

Unter diesen Umständen leidet die Festigung der portugiesischen Sprache und des guinea-bissauischen Portugiesisch-Kreols:

Die Situation der portugiesischen Sprache in Guinea-Bissau

Trotz aller Wirren ist die portugiesische Sprache die de facto-Amtssprache, auch wenn der Status dieser Sprache keine Verankerung in der Verfassung besitzt. Sämtliche Behörden, Gerichte und das Parlament Nationale Volksversammlung des Landes verfassen ausnahmslos alle Dokumente stets auf Portugiesisch. Auch die Straßenbezeichnungen und die Denkmäler sind in aller Regel auf Portugiesisch gehalten.

Nach der Volkszählung von 1979 sprechen nur 11,1% der Bevölkerung Portugiesisch als Zweitsprache. Nach Stefanie Höhn sei diese Zahl nicht glaubwürdig, da Angehörige der gehobenen Bevölkerungsschicht automatisch als Portugiesischsprecher eingestuft würden.*

Hierbei muß als wesentlicher Faktor hervorgehoben werden, daß 59% der Bevölkerung Analphabeten sind. Nur 0,15% der Einwohner besitzen Portugiesisch als Muttersprache. Zu Letzteren dürften alle im Lande verbliebenen Portugiesen – hier “tugas” genannt – und die Personen unter den Afrikanern gehören, die in portugiesischer Zeit den Status eines sogenannten “Assimilado” von den damaligen Behörden verliehen bekommen haben. Hinzu kommt noch eine kleine Gruppe von libanesischen Kaufleuten.

Die meisten Portugiesischsprecher finden sich in der Hauptstadt Bissau und hier besonders im zentralen Bereich einschließlich des Geschäftszentrums, bekannt unter der Bezeichnung “a praça”. Während in der portugiesischen Zeit die Sprachnorm des Mutterlandes Portugal – die norma culta da Metrópole – mit viel Energie und großer Konsequenz durchgesetzt wurde, ist die Einstellung der Bissau-Guineer heute wesentlich liberaler.

Seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1974 haben sich zahlreiche Brasilianismen und Nativismen in das Portugiesische des Landes eingeschlichen. Ausdrücke aus den zahlreichen lokalen Sprachen haben sich eingenistet und genießen einen hohen Beliebtheitswert. Diese Variante des Portugiesischen wird als Português guineense bezeichnet. Der Schulunterricht wird ausschließlich auf Portugiesisch erteilt. Da fragt sich Stefanie Höhn, ob dies tatsächlich immer möglich ist, wo doch angeblich nicht jeder Lehrer der portugiesischen Sprache mächtig sein soll.*

Portugiesisch ist auch die Sprache der Werbung und teilweise der Medien. Aufgrund der Lei 7/2007 ist der staatliche Hörfunk verpflichtet, 50% seiner Sendungen auf Portugiesisch auszustrahlen, und im Fernsehen muß der Portugiesisch-Anteil mindestens 80% betragen. Die nationalen elektronischen Medien besitzen Konkurrenz in den Auslandssendern Portugals und Frankreichs. Es handelt sich um:
Rádio Televisão Portuguesa Internacional (RTPI) Portugals und
Radio France International (RFI) und den Fernsehsender Canal France International (CFI) Frankreichs

Ein Zitat Amilcar Cabrals, dem Nationalhelden Guinea-Bissaus und der Kapverden, besagt:
“O português (a língua) é uma das coisas, que os tugas nos deixaram.”

Schließlich möchte ich noch die Umbenennungen einiger Ortschaften in Guinea-Bissau erwähnen:
Aus Aldeia Formosa wurde Quebo,
aus Colina do Norte – Cuntima
aus Duas Fontes – Bangacia
aus Nova Lamego – Gabú und
aus Teixeira Pinto – Canchungo.

Die zunehmende Verbreitung der französischen Sprache in Guinea-Bissau

Erschwerend kommt für die Behauptung des Portugiesischen die Gefahr hinzu, die von der französischen Sprache ausgeht. Das Land ist im Norden, Osten und Süden von den beiden amtlich frankophonen Staaten Senegal und Guinea-Conakry umgeben. Die Kulturabteilung der Französischen Botschaft und das Französische Kulturinstitut in Bissau sind eifrig bemüht, die französische Sprache zu fördern. An den Sekundarschulen ist Französisch Pflichtfach. Hier wird nach einem Lehrbuch, das an der Universität Grenoble speziell für Schüler Guinea-Bissaus entwickelt wurde, Französisch als Fremdsprache erlernt.

Hinzu kommt, daß es eine rege Handelstätigkeit von zugewanderten Senegalesen und Conakry-Guineern gibt, die das Marktgeschehen nicht unbedeutend mitbestimmen. Manch einer im Lande vertritt bereits die Auffassung, daß Französisch eines Tages Portugiesisch den Rang als erste europäische Sprache streitig machen könnte. Die Kulturinstitute Portugals und Brasiliens in Bissau können nur schwer mit dem Bildungsangebot des Französischen Kulturinstituts konkurrieren. Selber wurde ich im Jahre 1990 bei einer Fahrt von Bissau nach Cacheu von einem Einheimischen auf Französisch angesprochen. Ich gab ihm Auskunft in der von ihm bevorzugten Sprache, um ihm aber sogleich zu erklären, daß ich bei einer Fortsetzung des Gesprächs auf die Benutzung der Landessprache Portugiesisch Wert legte.

Im Jahre 1997 wurde der Peso bissau-guineense durch den westafrikanischen CFA-Franc (XOF) ersetzt. Dadurch erhielt Guinea-Bissau eine für afrikanische Verhältnisse stabile Währung. Diese Währung teilt sich das Land mit den ausschließlich amtlich frankophonen Ländern Senegal, Mali, Burkina Faso, Elfenbeinküste/Côte d’Ivoire, Togo, Benin und Niger. Alle in Guinea-Bissau zirkulierenden Banknoten sind nur auf Französisch beschriftet. Mit der Einführung der neuen Währung wurde Guinea-Bissau Mitglied der frankophonen Union économique et monétaire ouest-africaine (UEMOA). Schließlich ist Guinea-Bissau Mitglied der Organisation internationale de la francophonie (OIF) mit Sitz in Paris, die sich u.a. die weltweite Förderung und Verbreitung der französischen Sprache zum Ziel gesetzt hat.

Die Situation des guinea-bissauischen Portugiesisch-Kreols

Das portugiesisch-basierte Kreol Guinea-Bissaus – Crioulo guineense – ist aus dem jahrhundertelangen Kontakt der portugiesischen Kolonialherren mit der von ihnen kolonisierten Bevölkerung hervorgegangen. Der Wortschatz ist fast ausschließlich vom Portugiesischen übernommen worden. Dabei entstammen aber die grammatischen Strukturen den lokalen Sprachen.

Es werden drei Varietäten des Kreols unterschieden:
Crioulo de Bissau – Bolama
Crioulo de Bafatá – Geba
Crioulo de Cacheu – São Domingos – Ziguinchor
Dabei ist das Crioulo von Cacheu – São Domingos – Ziguinchor seit 1886 grenzüberschreitend verbreitet. Es wird auch in der Casamance, einem ehemaligen portugiesischen Kolonialgebiet, gesprochen.

Mit der Unabhängigkeit Guinea-Bissaus von Portugal haben die staatlichen Institutionen versucht sich des Kreols amtlich zu bedienen. Dies endete mit einem Fehlschlag, da Kreol zwar für die Verständigung in Alltagssituationen ausreicht, nicht aber für die präzise Formulierung von juristischen und anderen abstrakten Sachverhalten geeignet ist.
Eine große Rolle als einigendes Band hat das Kreol während des Kampfes der PAIGC gegen das portugiesische Militär in den Jahren 1963 bis 1974 gespielt.

Heutzutage nähert sich das Kreol immer stärker dem Portugiesischen an. Man spricht von decrioulização, die langfristig das Standardportugiesische an Boden gewinnen läßt. Nach Carlos Lopes** vom Instituto dos Estudos e da Pesquisa (INEP) ließe sich durch die Aufwertung des Kreols die erstarkende Stellung des Französischen am besten in Grenzen halten. Das bissau-guineische Kreol krankt im Gegensatz zum Kapverden-Kreol mit seinem ALUPEC – Alfabeto Unificado para a Escrita do Cabo-Verdiano an einer durchgängig fixierten und staatlich anerkannten Rechtschreibung.

Sinnvoll wäre es, wenn das INEP mit seinen teilweise in den 1980er Jahren in der damaligen Sowjetunion und in der früheren DDR ausgebildeten Forschern eine schriftliche Fixierung eines vereinheitlichten Kreols, das sich auf die Lautung des gesprochenen Wortes stützt und etymologische Kriterien unberücksichtigt ließe, zustande brächte. Ein Unterricht in einem derart ausgebauten Kreol könnte dann nach erfolgter Erprobung und Festigung als Grundlage für die Erteilung von Unterricht in der Zweitsprache Portugiesisch als erste Fremdsprache dienen.

Im Vergleich des Portugiesischen mit dem Kreol läßt sich festhalten, daß Portugiesisch seinen Schwerpunkt in der Schriftlichkeit besitzt und die Bedeutung des Kreols auf der Mündlichkeit fußt.

Die Rolle der indigenen Sprachen Guinea-Bissaus

Es gibt ungefähr 40 Bevölkerungsgruppen, die jeweils eine eigene westafrikanische Sprache, die jeweils der westatlantischen Sprachfamilie oder einer Mandesprache zugeordnet werden kann, sprechen.

Darunter sind die größten Ethnien:
die Balantas mit einem Anteil von 30%,
die Fulas mit 20%,
die Maníacas mit 14%,
die Mandingas mit 13% und
die Papéis mit 7%.

Wegen der Vielzahl der lokal gebundenen Sprachen kommt von vorne herein keine der einheimischen Sprachen als Amtssprache in Frage, da keine Ethnie einer anderen gönnte, daß eine dieser Lokalsprachen einen landesweiten offiziellen Charakter erhielte. Diese Sprachen werden vornehmlich in der islamisch geprägten nördlichen Landeshälfte und im Osten des Landes gesprochen. Sie sind ein ausschließlich mündliches Verständigungsmittel. Es gibt noch nicht einmal Ansätze um diese Oralität durch eine Verschriftung dieser Sprachen zu ergänzen. Im fernen Hinterland der Hauptstadt Bissau wird nur in seltenen Fällen Portugiesisch gesprochen.

Zusammenfassung

Als Fazit läßt sich festhalten, daß die portugiesische Sprache von allen 5 Países africanos de Língua oficial portuguesa (PALOP) zusammen mit Osttimor die schwächste Stellung in der Comunidade dos Países de Língua Portuguesa (CPLP) besitzt, auch wenn es faktisch die Amtssprache Guinea-Bissaus ist. Das Kreol besitzt mit 80% Verbreitung unter der Bevölkerung Guinea-Bissaus eine nicht unerhebliche Bedeutung als mündliches Ausdrucksmittel. Die zahlreichen indigenen Sprachen haben nur einen lokalen Charakter und sind auf der gesamtstaatlichen Ebene Guinea-Bissaus nahezu bedeutungslos.

* Stefanie Höhn, Kreolisch, Portugiesisch oder Französisch in Guiné-Bissau?, in: DASP-Hefte 9+10, 1987, Seite 3-5
** Carlos Lopes, Na Guiné-Bissau, Crioulo, Português ou Francês?, in: “Jornal de letras, artes e ideias”, 30. Juni 1986

Bibliographie und Internetographie

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Indien Macau Ost-Timor Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Die Rolle der portugiesischen Sprache im lusophonen Asien

Verfasst von Dietrich Köster

Portugiesischer Indienstaat – Goa, Damão und Diu

Während bis zur Invasion von Nehrus Truppen im Dezember 1961 Portugiesisch Amtssprache war, sollte diese nach der Annexion Englisch werden. Die einheimischen Sprachen Konkani in Goa und Gudscherati in Damão und Diu spielen im öffentlichen Leben eine untergeordnete Rolle. Schon in portugiesischer Zeit gab es in Goa mehr höhere Schulen mit englischer Unterrichtssprache als mit portugiesischer. Seit der Annexion wird Portugiesisch nur noch in wenigen Schulen als Unterrichtsfach in Gestalt einer Zweit- oder Drittsprache angeboten.

Die letzte portugiesischsprachige Zeitung stellte mit Jahresbeginn 1984 ganz auf Englisch um. So wurde aus “O Heraldo” “Herald”. Die Zeitung “A Vida” hat ihr Erscheinen ganz eingestellt. So gibt es heute nur noch Zeitungen in Englisch und indischen Sprachen. Die einzige Portugiesisch-Lektüre, die ich im Buchhandel erwerben konnte, war die fünfbändige Schulbuch-Serie “UM PASSO NOVO” zum Erlernen der portugiesischen Sprache. Daneben gibt es die Möglichkeit, Portugiesisch auf der Universität von Goa zu studieren. Der vom Instituto Camões entsandte Lektor Dr. Lume sprach von über 60 Portugiesisch-Studierenden, die er zu betreuen habe.

Die offizielle portugiesische Präsenz in Goa beschränkt sich heute auf ein Generalkonsulat und eine jüngst eröffnete Zweigstelle der portugiesischen Kulturstiftung Fundação do Oriente. Die Verbreitung der portugiesischen Sprache beschränkt sich heute im wesentlichen auf den christlichen Teil der einheimischen älteren Generation.

Macau

Mit 97% der Einwohner stellen die Chinesen die überwältigende Mehrheit, gefolgt von 2% Portugiesen. Letztgenannte sind häufig aus Portugal auf Zeit entsandt, um in der öffentlichen Verwaltung und im Schulwesen tätig zu sein. Bis 1991 war Portugiesisch die einzige Amtssprache. Seit diesem Jahr besitzt Chinesisch den gleichen Status. Während in der Praxis eine Verständigung auf Chinesisch überall möglich ist, besteht diese Möglichkeit auf Portugiesisch nur in eingeschränktem Maße, da Englisch als Geschäftssprache der Amtssprache europäischen Ursprungs allein schon aufgrund der Nähe zu Hongkong Konkurrenz macht. Hier hat die portugiesische Verwaltung von Macau in der Vergangenheit viel versäumt. Nur in den wenigen portugiesischen und luso-chinesischen Schulen ist Portugiesisch Unterrichtssprache bzw. Pflichtfach. In den zahlreichen chinesischen Schulen wird Portugiesisch nur als Wahlfach angeboten. Trotzdem sind alle öffentlichen Bekanntmachungen und Beschilderungen – auch der Geschäfte – stets in beiden Amtssprachen gehalten. Dem inzwischen erkannten Mißstand versucht die Verwaltung in den letzten Jahren durch verstärkte Ausbildung von Portugiesischlehrern gegenzusteuern. In der Erwachsenenbildung versuchen das Centro de Difusão de Línguas und das Instituto Português do Oriente (IPOR) den mangelnden Portugiesischkenntnissen der Bevölkerung abzuhelfen.

Portugiesisch-Timor – Osttimor

Selbst die junge Generation, die die indonesische Invasion 1975 nicht miterlebt hat, setzt sich für die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit Osttimors ein, auch wenn die meisten jungen Leute nur geringe oder gar keine Portugiesischkenntnisse besitzen. Das neue Schulsystem sieht keine Erteilung von Unterricht in dieser Sprache vor. Vielmehr haben alle Schüler die auf dem Malaiischen fußende Kunstsprache Bahasa Indonesia zu erlernen. Der einzige Personenkreis, der die Integration in den indonesischen Staat geschlossen begrüßt, sind die Zuwanderer, die von der Jakarta-Regierung im Rahmen des Umsiedlungsprogramms “Transmigrasi” nach Osttimor gekommen sind. Dieser Personenkreis spricht im Gegensatz zu den Timorern der mittleren und älteren Generation kein Wort Portugiesisch, so daß sie leicht als landfremde Zuwanderer auszumachen sind. Diese haben zu einem beträchtlichen Teil die 1975 nach Australien geflohenen chinesischen Geschäftsleute ersetzt.

Die gesamte Beschriftung in der Öffentlichkeit und das Verlagswesen sind in Bahasa Indonesia gehalten. Es gibt keine allgemein zugänglichen Veröffentlichungen mehr in portugiesischer Sprache. Lediglich die Straßennamen wurden aus der portugiesischen Zeit übernommen, indem statt rua oder avenida das indonesische Wort jalan der Straßenbezeichnung vorangestellt wurde.
Als einzige weitere Erinnerung gibt es in Dili mehrere Denkmäler mit portugiesischer Inschrift. Eines davon erinnert an die 500-Jahrfeier des Todes von Heinrich dem Seefahrer im Jahre 1960.

Als herausragende Persönlichkeit habe ich Pater Eduardo Brito von der katholischen Balide-Kirchengemeinde in Díli kennengelernt. Er stammt aus Margão/Goa und kam 1947 in einer Gruppe von 40 Priestern nach Osttimor. Nur drei Geistliche leben noch und wirken weiterhin in ihrer Wahlheimat. Für seine langjährigen Verdienste wurde Pater Brito 1995 von Gouverneur Abílio José Osório Soares geehrt und ihm bereits zu seinen Lebzeiten ein Denkmal mit seiner Büste gesetzt. Seine letzte Ruhe soll der Pater in einer Gruft vor diesem Denkmal finden.

Stand: Mitte 1997

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Deutscher Kolonialismus Französischer Kolonialismus Niederländischer Kolonialismus Ozeanien Portugiesischer Kolonialismus Spanischer Kolonialismus

Koloniale Erkundung und Ausbreitung auf Neuguinea

Verfasst von Davide Parassoni. Übersetzt von Dietrich Köster

PORTUGIESISCHE ERKUNDUNG

Die Insel Neuguinea wurde das erste Mal vom portugiesischen Forscher António de Abreu 1512 gesichtet und wurde vom portugiesischen Gouverneur der Molukken Jorge de Meneses 1526 erreicht, nachdem Monsunstürme sein Schiff, das nach Waigeo auf Ternate unterwegs war, abgetrieben hatte (Karte 1). Meneses fand einen guten Ankerplatz an der Küste von Vogelkop – der nordwestlichen Halbinsel von Neuguinea -, wahrscheinlich in der Bucht von Geelvink (Karte 1) und taufte die gerade entdeckten Inseln Inseln der Papuas (Inseln der Kraushaarigen).

SPANISCHE ERKUNDUNG

1528 wurden die Schouten-Inseln (Biak Karte 1) und die Insel Manus (Karte 3) vom Spanier Álvaro de Saavedra Cerón bei seinem Versuch, Mexiko von Indien aus anzusteuern, erreicht.

Karte 1
Karte 1

1537 erreichen die beiden spanischen Forscher Grijalva und Alvarado die von de Saavedra vorher besuchten Inseln. Am 20. Juni 1545 werden die Inseln vom Spanier Inigo Ortiz de Retes an Bord des Schiffes “San Juan” erreicht. Es ist die Mündung des Flusses Santo Agustín (Mamberamo Karte 1). Er nahm die Inseln im Namen des spanischen Königs in Besitz. Er tauft die Hauptinsel Neuguinea, weil die örtliche Bevölkerung der afrikanischen Bevölkerung ähnelte. Auf derselben Reise gelangt das Schiff bis zum heutigen Wewak (Karte 3) und entdeckt viele der benachbarten Inseln.

1606 entdecken Prado und Torres, auch Spanier, den heutigen Hafen Port Moresby (Karte 2).

NIEDERLÄNDISCHE ERKUNDUNG

1605 fuhr der Niederländer Willem Jansz auf einer Strecke von 220 Meilen die Südküste Neuguineas entlang. Die Insel Neuirland (Karte 3) und die Admiralitätsinseln wurden 1616 von den niederländischen Seefahrern Willem Corneliszoon Schouten und Jacques Le Maire entdeckt.

1623 landet Jan Carstenszoon mit der Absicht Informationen über den örtlichen Handel zu gewinnen an an der Südküste. Ab 1636 drängen sich die Interessen am nordwestlichen Teil der Insel seitens der niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) geradezu auf. Sie entsendet Gerrit Pool als Agenten. Er soll die Handelspotentiale der Region ausfindig machen.

1705 wird von der VOC eine niederländische Expedition aus den drei Schiffen “Geelvink”, “Kraanvogel” und “Nova Guinea” unter der Führung von Jacob Weyland entsandt. Sie soll die Küsten der Insel weiter erkunden.

NIEDERLÄNDISCHE KOLONISIERUNG

1828 proklamieren die Niederländer die Besitzergreifung über den Teil der Insel, der heute indonesisches Territorium ist.

Die erste ständige Niederlassung wird in Triton Bay gegründet und Merkussoord genannt (Karte 1). Im Zentrum dieser Ansiedlung wird ein Fort aus Stein errichtet: Fort de Bus. Von diesem Fort haben wir eine ausführliche Beschreibung: Direkt am Meer gelegen, war es quadratisch und von zwei Palisadenzäunen umgeben. An den vier Ecken waren vier Kanonen postiert und an der Meerseite waren ein 3-Pfünder und ein 6-Pfünder aufgestellt und dazwischen wehte die niederländische Flagge. Rund um das Fort gab es einen dichten Urwald. Die Niederländer trachteten danach, diesen zu lichten, um so die Wirksamkeit der Geschütze zu erhöhen. Das Fort wurde 1836 nach Angriffen der Eingeborenen aufgegeben. Krankheiten hatten die Bevölkerung, die aus 13 Europäern und zwanzig indischen Soldaten mit ihren Familien bestand, dezimiert. 1846 forderte der britische Kapitän Yule am Kap Possession (Karte 2) die Insel Neuguinea als britische Besitzung. Die Forderung wird von der Britischen Krone nicht bestätigt, aber sie verpflichtet die Niederlande, ihre Gebietsansprüche auf Neuguinea zu rechtfertigen.

1849 hat sich eine Expedition unter Führung von D. J. van den Dungen Gronovius zum Ziel gesetzt, die niederländischen Besitzungen auf Neuguinea zu demarkieren und Eisenflaggen mit der Aufschrift “Indische Nederlanden” und das königliche Wappen an den Anlegestellen der nordwestlichen Küste wie in Dorei (Manokwari Karte 1) anzubringen.

1875 wird die Linie, die von der Humboldt-Bucht nach Süden dem Meridian folgt, als Grenze im Osten angesehen.

1878 befindet sich in Andai ein Warenumschlagplatz.

In den folgenden Jahren dient die Erforschung des Inselinnern rein wissenschaftlichen Zwecken, und die Besitzung auf der Insel wird nicht weiterentwickelt.

BRITISCHE ERKUNDUNG UND BRITISCHER KOLONISATIONSVERSUCH

Karte 2
Karte 2

1700 wird die Insel Neubritannien (Karte 3) von William Dampier entdeckt.

1775 deutet sich der Versuch des Händlers Thomas Forrest an, eine Pflanzung in Dorei in der Geelvink-Bucht anzulegen.

1793 ergreift John McCluer – ein in Indien stationierter Offizier – im Namen der Britischen Krone Besitz von der Insel Gebè. Im Juli desselben Jahres ergreift der britische Kapitän Bampton Besitz von der Insel Darnley (Karte 2), den benachbarten Inseln und der gegenüberliegenden Küste von Neuguinea. Der Kapitän John Hayes von der Marine Bombays und Vertreter der britischen Ostindien-Kompanie ergreift am 25. Oktober 1793 Besitz von der Restoration Bay (Ex-Dorei) und gründet die Ansiedlung New Albion an dem Ort, wo es eine Balken-Palisade gibt, die Fort Coronation genannt wird. Die Niederlassung zählt anfänglich eine Bevölkerung von 40 Europäern. Das beanspruchte Territorium dehnt sich von Waigeo im Westen bis zur Insel Rossel (Karte 2) im Osten aus. im Mai 1795 wird die Ansiedlung aufgegeben, da sie weder das Interesse der Britischen Krone, noch der britischen Ostindien-Kompanie genießt.

1872 wird die Bucht, wo sich heute Rabaul erhebt, erkundet. Im folgenden Jahr wird von Kapitän Moresby die Bucht erkundet, wo sich danach die gleichnamige Stadt erheben wird.

DIE FREIE KOLONIE “NOUVELLE FRANCE”

Die Insel Neuirland ist ab dem 16. Januar 1880 Ort des ersten Versuchs einer ständigen Ansiedlung von Franzosen, die nicht von ihrem Mutterland unterstützt werden, sondern gerazu im Gegensatz zu ihm stehen. Befehligt vom Marquis de Rays wird die in Port-Breton (Port Praslin) gegründete Ansiedlung Kolonie “Nouvelle France” genannt. Das erste Schiff mit Kolonisten, die aus ganz Europa kommen, legt zuerst an der Insel Laughlan an, wovon einige Kolonisten Besitz egreifen. Schließlich gelangt das Schiff im Januar 1880 nach Port Breton. Da der Ort für eine Ansiedlung als ungeeignet erachtet wird, fährt das Schiff nach Likiliki (Metlik) weiter (Karte 3). Da der erste Kommandant der Kolonie – de la Croix – auch diese Lage als unwirtlich erachtet, kehren fast alle an diesem Unternehmen beteiligten 800 Kolonisten nach Sydney zurück. Die 60 Personen starke Kolonie, die entschlossen ist sich anzusiedeln, wird von McLaughlin geleitet, der vom 16. Januar bis 25. August 1880 den Posten des stellvertretenden Kommandeurs innehatte. Nur durch das Eingreifen einiger in Port Hunter stationierter Missionare werden viele Kolonisten vor den dort vorkommenden Tropenkrankheiten bewahrt. Im März 1880 sticht ein zweites Schiff – kommandiert von Rabardy – mit Armeeoffizieren und Polizisten von Barcelona aus in See. Es soll in Kap Breton die Ansiedlung für die Kolonisten bauen, die die Reise bereits bezahlt haben. Die Erweiterung der Siedlung und die teilweise Urbarmachung der ausgesuchten Böden für die Niederlassung reichten nicht aus, um die Kolonie zu stabilisieren. Die fortgesetzten Epidemien führten schließlich im Februar 1882 zur Aufgabe des Siedlungsversuchs und zur Rückkehr der gesamten Kolonistengemeinschaft nach Sydney.

BRITISCHES PROTEKTORAT

Karte 3
Karte 3

Am 03. April 1883 annektiert das Territorium Queensland (Nordost-Australien) die südöstliche Küste von Neuguinea aus Furcht vor Eingriffen seitens feindlicher europäischer Mächte (Deutschland) in seinem Einflußgebiet im Namen des Vereinigten Königsreichs. Die Flagge, die in Port Moresby gehißt wurde, war jene der Briten. Aber die Britische Krone erkannte die Besitzergreifung dieses Gebietes nicht sofort an.

Am 06. November 1884 proklmiert das Vereinigte Königreich das Protektorat über den südöstlichen Teil der Insel, die Neuguinea heißt. Der Sitz des Kommandos ist in Port Moresby. Die Grenze zum deutschen Schutzgebiet wird mehrfach neu festgelegt und schließlich auch an der Ostküste in Mitre Rock (Karte 2). Im Westen bleibt die 1875 mit den Niederländern festgelegte Grenze in Kraft.

BRITISCHE KOLONIE

Am 04. September 1888 wandelt das Vereinigte Königreich das Protektorat in eine Kolonie um.

Ab 01. September 1906 wird die Verwaltung der bisherigen britischen Kolonie Neuguinea auf Australien übertragen.

DEUTSCHES SCHUTZGEBIET

Am 19. November 1878 erwirbt Deutschland seine erste Kolonie im Pazifik: die Ralik-Inseln, die einen Teil der Marshall-Inseln bilden.

Am 26. Mai 1884 wird in Berlin die Neu-Guinea Compagnie (NGK) gegründet.

Am 03. November 1884 erreichen die Kriegsschiffe SMS “Elisabeth” und SMS “Hyäne” die Insel Matupi im Bismarck-Archipel, und Deutschland proklamiert die Schutzherrschaft über den nordöstlichen Teil Neuguineas – Kaiser-Wilhelmsland genannt – nacheinander mit dem Verwaltungssitz in Finschhafen (1885-1891), Friedrich-Wilhelmshafen (1891-1899), Herbertshöhe 1899-1909) und Rabaul (1909-1914) für ganz Deutsch-Neuguinea (Karte 3). Am 04. November 1884 wird auf der Insel Mioko die deutsche Reichsflagge gehißt. Am 23. Dezember 1884 erteilt Bismarck die Anweisung, daß jede neue Erwerbung der NGK unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt wird. Dies schließt auch die Admiralitätsinseln, die Hermit- und Anchorite-Inseln, Neupommern (heute: New Britain), Neumecklenburg (heute: New Ireland), Neuhannover (heute: New Hanover oder Lavongai) ein.

Am 24. November 1884 wird die Ansiedlung Finschhafen gegründet. (Karte 3).

Vom 17. Mai 1885 bis 1899 wird die deutsche Kolonie von der Neu-Guinea Kompagnie verwaltet.

Vom 04. bis 10. März 1885 finden deutsch-britische Gespräche über die Einflußzonen im Pazifik statt.

1886 erkennt das Vereinigte Königreich die deutschen Einflußzonen im Pazifik an. Deutschland werden die Inseln Bougainville, Choiseul und Santa Isabel zuerkannt. 1899 wurden jedoch die beiden letztgenannten Inseln an Großbritannien abgetreten.

1891 wird die Ansiedlung Finschhafen wegen einer Malaria-Epidemie aufgegeben.

Vom 01. April 1899 bis zum 10. November 1914 wird die Kolonie unmittelbar vom Deutschen Reich ohne Zwischenschaltung einer Kolonialgesellschaft verwaltet.

1909 wird der Verwaltungssitz nach Rabaul auf der Insel Neupommern (heute: New Britain) verlegt.

1907 wird eine staatliche Schule in Namanula bei Rabaul eröffnet. 1910 wird eine Sekundarschule auf Saipan eröffnet.

Am 18. Dezember 1910 wird die Grenze zwischen Deutsch- und Niederländisch-Neuguinea nach der Entdeckung von natürlichen Hindernissen im Inneren der Insel neu festgelegt.

Am 11. November 1914 werden die deutschen Territorien von Australien besetzt und kommen als Folge der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg an Australien (offiziell am 10. Januar 1920 nach dem Versailler Vertrag).

BIBLIOGRAPHIE:

– Whittaker, Gash, Hookey and Lacey, Documents and Readings in New Guinea History, The Jacaranda Press, Milton, 1975.© Copyright Whittaker, Gash, Hookey and Lacey, 1975.

Die Karten stammen aus: http://www.papuaweb.org maps pages.© Copyright UNIPA – ANU – UNCEN PapuaWeb Project, 2002-2003.

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Ost-Timor Portugiesischer Kolonialismus

Chronik der portugiesischen Ausbreitung auf Timor

Verfasst von Davide Parassoni. Übersetzt von Dietrich Köster

18. August 1515: Landung von portugiesischen Händlern in Lifau auf der Insel Timor

26. Januar 1522: Landung der “Victoria” – eines der Schiffe der Flotte von Magellan – in Amabau

1563 beschreiben Garcia da Orta und 1578 Cristóvão da Costa Mena als den besten Hafen für den Sandelholzhandel auf Timor. Die anderen timorischen Häfen, die von den Händlern aufgesucht werden, sind Lifau, Cupão (1595), Bahao in der Bucht von Cupão und Díli. Bahao oder Babao wird bald als der einzige sichere Hafen genutzt.

Die Handelsniederlassungen waren bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts einfache Behausungen, wo sich die Händler für einige Monate niederließen und zwar für die Zeit, die für die Durchführung des Tauschhandels mit der örtlichen Bevölkerung und für das Warten auf den Wechsel der Jahreszeit nötig war.

Karte von Timor, die die erste Landung der Portugiesen und die Stelle, wo das Schiff "Victoria" der Magellan-Expedition eintraf, angibt
Karte von Timor, die die erste Landung der Portugiesen und die Stelle, wo das Schiff “Victoria” der Magellan-Expedition eintraf, angibt

1589-90: Bau einer Kirche in Mena durch den Dominikaner-Missionar Pater Belchior de Antas. Diese Mission wird nur sechs Monate bestehen und wird schrittweise aufgegeben. Es ist der erste Versuch mit einer Mission auf Timor Fuß zu fassen.

1595: Gründung einer portugiesischen Handelsniederlassung in Cupão

1613: Die portugiesischen Handelsposten von Cupão und Mena werden von den Niederländern der VOC unter dem Kommando von Apollonius Schotte besetzt. 1616 werden sie vorübergehend als Folge von Feindseligkeiten durch Einheimische und wegen fortgesetzter Moslem-Übergriffe auf die Insel aufgegeben, wenn auch nur für kurze Zeit. Sie schmälerten die Möglichkeiten der Niederländer sich dauerhaft in Cupão niederzulassen.

Karte der portugiesischen Handelsniederlassungen auf Timor zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und der Mitte des 17. Jahrhunderts
Karte der portugiesischen Handelsniederlassungen auf Timor zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und der Mitte des 17. Jahrhunderts

1642 bauen Pater António de São Jacinto und andere portugiesische Dominikaner – bestärkt durch erfolgreiche Verhandlungen in Mena und Cupão – im letztgenannten Ort ein einfaches Fort, das aus einem befestigten Haus besteht. 1647 beginnt der Bau eines richtigen Forts, das erst von den Niederländern zu Ende gebaut wird. Im selben Jahr Gründung des ersten portugiesischen Militär-Stützpunktes, der im besten Hafen der Insel Timor liegt. 1649 wird nach der Rückkehr von São Jacinto nach Goa der religiöse und und militärische Stützpunkt von Generalkapitän Francisco Carneiro Sequeira befehligt.

Karte der portugiesischen und niederländidschen Handelsniederlassungen auf Timor im Jahr 1613
Karte der portugiesischen und niederländidschen Handelsniederlassungen auf Timor im Jahr 1613

1644 planen die Niederländer einen Angriff auf Cupão, um diese wieder einzunehmen, ohne ihre Absicht zu verwirklichen. Aber im selben Jahr kehren sie mit einer Streitmacht von 300 Männern, darunter Niederländer und Söldner, ohne aber diesmal die portugiesischen Streitkräfte besiegen zu können.

1652 – Cupão wird schließlich von den Niederländern der VOC erobert. Das einfache Fort wird vervollständigt, mit Steinen verstärkt und in Fort Concordia umbenannt. Die Niederlassung Cupão wird in Kupang umbenannt. Der englische Kapitän William Dampier beschreibt in seinem Bericht über seine Reise in Indien, die ihn 1699 nach Timor führt, das Fort Concordia und seine Lage auf einer Felsspitze am Meer mit einem Fluß und einer Brücke, die den Zugang zum Fort darstellt, auf der Ostseite.

Karte der portugiesischen Handels- und Militär-Stützpunkte und der Missionsstationen der Dominikaner auf Timor um 1650
Karte der portugiesischen Handels- und Militär-Stützpunkte und der Missionsstationen der Dominikaner auf Timor um 1650

Ferner bestätigt er die Anwesenheit von ca. 50 Soldaten der VOC als Wache und das Vorhandensein von 50 oder 60 Häusern von Eingeborenen in der Nähe des Forts. Er beschreibt auch einen Garten, der von Steinmauern geschützt wird und 40 Yard östlich des Forts liegt. Darin werden Produkte, die dem Unterhalt der Fortbesatzung dienen, angebaut. Ferner gibt es eine kleine Kirche hinter den Festungsmauern.

Karte der portugiesischen und niederländischen Niederlassungen auf Timor um 1660 und der Mission der Jesuiten in Luca
Karte der portugiesischen und niederländischen Niederlassungen auf Timor um 1660 und der Mission der Jesuiten in Luca

1655 bricht der niederländische Hauptmann Ver Heyden mit 62 Niederländern und einer Eingeborenen-Truppe von Kupang auf und führt eine Spedition gen Amabi und Amakono. Ihm stellen sich die Portugiesen und ihre Verbündeten entgegen. Er wird festgehalten und zusammen mit Lokal-Fürsten von Solor von Gonçalvo Hornay, dem bedeutendsten der Topasse-Fürsten (portugiesische Mestizen) von Timor, erschlagen.

Am 27. Januar 1656 erzwingt der niederländische General Arnold de Vlamingh van Outshoorn die Landung von niederländischen und indischen Soldaten in der Bucht von Kupang bei einem Versuch den niederländischen Einfluß auf die angrenzenden Lokal-Königreiche auszudehnen. Nach dem Vorrücken auf Amarasi und dem Zusammenstoß mit den Portugiesen bei einem Verlust von 170 Europäern ist Vlamingh gezwungen sich nach Solor zurückzuziehen. Trotz dieser Niederlage bleibt Kupang in niederländischer Hand.

1658 zeichnet sich der Versuch der Jesuiten ab, Missionsstationen im Nordosten Timors in Luca und im Lokal-Königreich Motael einzurichten. Diesem Versuch wird von den Dominikanern ein Ende bereitet.

Am 06. August 1661 wird in Den Haag ein Vertrag zwischen den Niederlanden und Portugal besiegelt, der den beiden Streitparteien die Gebiete, die sie bis zu diesem Zeitpunkt auf Timor und Solor besetzt halten, zuweist.

1665 stiftet der Vizekönig von Goa António de Melo e Castro den Rang des Generalkapitäns von Timor, das von Simão Luís bekleidet wird.

1688 verstärken die Niederländer ihre Macht in den an Kupang angrenzenden Lokal-Königreichen.

Am 12. April 1692 stellt der Senat von Macau an die spanische Regierung von Manila die Forderung einer konkreteren Kolonisierung von Timor.

Karte der portugiesischen und niederländischen Niederlassungen auf Timor im 18. Jahrhundert
Karte der portugiesischen und niederländischen Niederlassungen auf Timor im 18. Jahrhundert

1695 ist António de Mesquita Pimentel der erste Gouverneur von Portugiesisch-Timor in Lifau. Er wird 1697 von den Topasse-Rebellen da Costa vertrieben. 1699 beschreibt William Dampier Lifau, indem er die Aufmerksamkeit auf das Vorhandensein von 40 oder 50 Häusern lenkt. Sie sind niedrig und haben Lehmwände und Dächer aus Palmblättern. Er beschreibt außerdem eine kleine katholische Kirche. Auf dem Strand steht eine Baracke mit sechs alten Eisenkanonen, die auf einem schadhaften Fundament und verrotteten Fahrgestellen stehen. Dampier lenkt auch die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß die Kanonenöffnungen so stark abgenutzt sind, daß die Kanonen beim Schießen einen Lärm wie eine Muskete machen. Auf Wache sind nur wenige bewaffnete Männer. Dampier beteuert andererseits, daß das portugiesische Verteidigungssystem auf Bündnissen mit den Topasse beruht und innerhalb 24 Stunden in Lifau 500 oder 600 schwer bewaffnete Männer zusammengetrommelt werden können.

Ab dem 20. Februar 1702 ist Lifau Sitz der Regierung Timors. António Coelho Guerreiro (1702-05) besitzt das bedeutendste Amt: Gouverneur und Generalkapitän der Inseln Timor und Solor. Guerreiro war von Macau im Januar 1702 abgefahren. Er führte nur knapp 100 Soldaten, Militärausrüstung und das für die Verstärkung der Niederlassung Lifau Notwendige mit sich. Lifau besaß bis zu diesem Zeitpunkt kein Fort.

Im 18. Jahrhundert beschränkten sich die portugiesischen Niederlassungen vor der Verlegung der Hauptstadt nach Dili auf Küstenniederlassungen im Norden der Insel.

1756 wurde Maubara – bis dahin unter niederländischem Einfluß stehend – von den Portugiesen auf Initiative des Gouverneurs Manoel Doutel de Figueiredo Sarmento (1750-56) befestigt.

Karte der portugiesischen und niederländischen Niederlassungen auf Timor am Anfang des 19. Jahrhunderts
Karte der portugiesischen und niederländischen Niederlassungen auf Timor am Anfang des 19. Jahrhunderts

1759 – Der Gouverneur Vicento Ferreira de Carvalho verkauft Lifau an die Niederländer, vertreten durch den VOC-Agenten von Plüskow. Darauf erhebt sich die örtliche Bevölkerung (Topasse) gegen die Niederländer. Sie ermorden von Plüskow und die anderen Vertreter der VOC. 1760 ist Lifau wieder portugiesisch. Der neue Gouverneur ist Dionísio Gonçalves Rebelo Galvão, der das Amt bis 1766 bekleidet. Nach zwei Jahren Vakanz auf dem Posten des Gouverneurs wird 1768 António José Teles de Meneses (1768-75) ernannt.

11. August 1769 – Der Aufstand der Topasse gegen den portugiesischen Gouverneur läßt Teles de Meneses die Entscheidung treffen, Lifau zu verlassen. Die gesamte Niederlassung einschließlich der 1.200 Einwohner wird in Richtung Díli verschifft. Die Evakuierung erfolgte an Bord der portugiesischen Schiffe “São Vicente” und “Santa Rosa”, die von Macau eingetroffen waren. Nach der Aufgabe von Lifau wurde von der Gemeinschaft der Macassar, die sich in Lifau aufhielt, Pante Macassar gegründet.

Am 10. Oktober 1769 wird die Hauptstadt nach Díli verlegt. Schon in den ersten Tagen nach dem Umzug der Hauptstadt wird durch die Portugiesen das Vordringen ins Inselinnere vorangetrieben und entfernt sich damit von der eingefahrenen Praxis einer Kolonisierung, die sich lediglich auf den Küstenbereich beschränkt.

Am 22. September 1796 wird die Order vom Gouverneur João Baptista Vesquaim (1784-1800) gegeben, die erste richtige Festung aus Stein und Lehm in Díli zu bauen.

Der nachfolgende Gouverneur José Joaquim de Sousa (1800-04) in Díli stattet die Festung mit Kanonen verschiedenen Kalibers aus und reorganisiert das Heer in drei Kompanien: die Wachmannschaft, Festung São Francisco und São Doménico

Karte der portugiesischen Siedlungen und Zentren von den Briten in Timor besetzt zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts
Karte der portugiesischen Siedlungen und Zentren von den Briten in Timor besetzt zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts

1797 kündigt sich der erste britische Versuch einer Besetzung von Kupang an, der vom örtlichen Kommandanten der VOC – unterstützt von bewaffneten Sklaven – vereitelt wird. Nach der Abwehr eines weiteren Angriffs im Jahr 1810 wird Kupang im darauf folgenden Jahr von den Briten besetzt. 1812 wird auch Atapupo besetzt, das bis zu diesem Zeitpunkt nur nominell unter portugiesischer Kontrolle stand. Am 07. Oktober 1816 wird Kupang in der Folge des Wandels der politischen Situation und des wiederhergestellten Gleichgewichts in Europa an die Niederländer zurückgegeben, und Atapupo wird wieder an die Portugiesen herausgegeben. Die Erfahrung mit der VOC endete 1798 auf Grund des Konkurses der Handelsgesellschaft. Sie wird von der niederländischen Regierung zusammen mit allen Territorien und Rechten, die ihr vom Kap der Guten Hoffnung bis zur Magellan-Straße zustanden, übernommen.

Der neue niederländische Hauptmann Hazaert kommt in einem Versuch, den Gegensatz zu den Portugiesen zu verschärfen am 20. April 1818 mit 30 Soldaten nach Atapupo – nahe dem portugiesischen Fort von Batugadé – herunter, um niederländische Beuteflaggen gegen portugiesische einzutauschen. Mit zwei dicht aufeinander folgenden Verträgen vom 16. Mai und 20. November 1818 kommt Atapupo wieder unter portugiesischen Einfluß. Ab 1851 wird ein Fort in Lautém gebaut. Die einzigen weiteren Forts befinden sich in Díli, Batugadé und Manatuto.

20. April 1859 – Vertrag von Lissabon über die Aufteilung von Timor, Solor und Flores und kleinere Inseln Portugal wird die Enklave Oécussi zugestanden und den Niederlanden die Enklave Maucatar. Portugal tritt den Niederlanden seine Besitzungen auf Flores, Solor, Adonara und Alor ab und verzichtet auf den Einfluß, den Portugal seit 1814 auf Pantar ausgeübt hatte. Die Niederlande verzichten auf ihre Forderung auf Ataúro und treten die Distrikte Maubara und Noimuti an Portugal ab.

1904 schlägt ein neuer Vertrag den Übergang des Distrikts Noemuti an die Niederländer und den von Maucatar an die Portugiesen vor. Die Grenzen werden in Den Haag am 17. August 1916 ratifiziert. 1905 wird die Insel Ataúro von den Portugiesen militärisch besetzt.

BIBLIOGRAPHIE:

– Dampier, William “A continuation of a Voyage to New Holland”, James and John Knapton, London, 1729

– Gunn, Geoffrey “Timor Loro Sae:500 years”, Macao, Livros do Oriente 1999

– Hagerdal, Hans “Historical notes on the Topass leaders in Oecusse”, University of Vaxjo, Sweden

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Ost-Timor Portugiesischer Kolonialismus

Die Kolonialgeschichte Osttimors

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster.

Die Insel Timor erschien erstmalig 1512 auf einer Landkarte unter der Bezeichnung “Insel, wo der Sandelbaum wächst”.

Wahrscheinlich wurde Timor das erste Mal von den Portugiesen 1514-15 besucht. Sie dürften bei dieser Gelegenheit eine chinesische Dschunke benutzt haben.

Sie brachen von ihrem Stützpunkt Malakka auf und führten verschiedene Handelsreisen zur Insel Timor durch. Solche Reisen wurden mit dem Ziel gemacht, das äußerst wertvolle Sandelholz zu erwerben. Es ist eine Art parfümiertes Holz, das im Orient sehr geschätzt wird und für die Gewinnung von Parfum, Salben und Weihrauch gebraucht wird.

Trotz des großen Handelswertes des Sandelholzes für die asiatischen Märkte und die fortgesetzten Handelskontakte mit Timor wurde von den Portugiesen keine ständige Niederlassung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angelegt. Die erste Niederlassung wurde 1561 auf der Insel Solor von Missionaren des Dominikanerordens gegründet. Diese befestigten die Insel 1566. Solor wurde als Stützpunkt für die Evangelisierung der umliegenden Inseln, wo noch heute (Flores) die katholische Religion vorherrscht, genutzt. 1595 wurde eine weitere befestigte Niederlassung von den Fratres auf der Insel Ende Menor auf der Höhe der Südküste von Flores geschaffen. Mit dem Eintreffen der Niederländer und der darauf folgenden Eroberung des Forts von Solor durch sie im Jahr 1613, verlegten die Portugiesen ihren Stützpunkt nach Larantuka auf der Insel Flores. Für den kurzen Zeitraum von 1630 bis 1636 wurde Solor von den Portugiesen erneut besetzt. Aber danach fiel diese Insel erneut in niederländische Hände.

Es war wiederum dank der Fratres, daß die Portugiesen 1646 eine Festung in Kupang bauen konnten. Es war die erste Niederlassung auf der Insel Timor. Auch das Fort von Kupang wurde jedoch bald von den Niederländern angegriffen und erobert (1653). Wenige Jahre nach dem Fall von Kupang ließen sich die Portugiesen in Lifau an der Nordküste Timors nieder (1660/1670). 1668 wurde Dili gegründet, die heutige Hauptstadt von Osttimor.

Das Evangelisierungswerk der Missionare war in den ersten Jahrzehnten für die Festigung der portugiesischen Präsenz auf der Insel sehr wichtig. Schließlich war es erst im Jahre 1702, daß der erste Gouverneur für die Insel – António Coelho Guerreiro – ernannt wurde, und auch dann wurde erst eine effiziente Verwaltungsstruktur für die Kolonie geschaffen. Während des ganzen 18. Jahrhunderts beschränkte sich die portugiesische Präsenz auf einige Niederlassungen an der Küste: Lifau, Dili, Manatuto und Batugadé. Das Inselinnere war nur nominell unter portugiesischer Kontrolle. Das Leben der Insel wurde oft von Aufständen erschüttert. Am 11. August 1769 wurde Lifau – die erste Hauptstadt – aufgegeben.

Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die portugiesische Besetzung auf das ganze Gebiet von Osttimor ausgedehnt. Im 19. Jahrhundert wurde der Kaffeeanbau gefördert. Im Laufe der Zeit ersetzte der Kaffee das Sandelholz und wurde zum wichtigsten Exportartikel der Insel.

1859 wurden in einem Vertrag mit den Niederlanden die Grenzen zwischen den beiden Kolonialmächten, die sich die Insel teilten, und die Abtretung der letzten portugiesischen Besitzungen auf den Inseln Flores (Larantuka, Sikka und Paga), Adonara (Wouré) und Solor (Pamakajo) an die Niederlande geregelt. Anfänglich wurde Osttimor von Macau aus verwaltet und erhielt 1895 eine eigene Kolonialverwaltung.

Portugiesische Niederlassungen auf Timor, Flores und Solor
Portugiesische Niederlassungen auf Timor, Flores und Solor

1940 wurde in Dili eine Diözese geschaffen. Zu jener Zeit waren nur 8% (29.889) der Bevölkerung katholisch. Im zweiten Weltkrieg wurde Timor von japanischen Truppen erobert. Sie besetzten die Insel im Februar 1942. Diese Besetzung kostete zwischen 40.000 und 60.000 Menschen das Leben. 1945 traten die Japaner die Insel an die Australier ab. Der Ostteil wurde von ihnen den Portugiesen und der Westteil den Niederländern übergeben. 1949 wurde der Westteil der Insel ein Teil Indonesiens.

1972 war der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung auf 28% (187.540) bei einer Geamtbevölkerung von 674.550 Einwohnern gestiegen. Ab 1974 erlaubte Portugal im Hinblick auf die Entkolonisierung seiner Kolonien die Bildung von politischen Parteien. Auf Timor bildeten sich drei Hauptparteien: die ASDT oder FRETILIN, die sich die Unabhängigkeit zum Ziel gesetzt hatte, die UDT (União Democrática Timorense), die erst eine Angliederung an Portugal favorisierte, dann aber für die Unabhängigkeit votierte, und die APODETI, die eine Vereinigung mit Indonesien wollte und in der Bevölkerung am wenigsten verwurzelt war.

Im Februar/März 1975 wurden die ersten Wahlen durchgeführt. Dabei errang die FRETILIN 55% der Stimmen, die UDT erzielte 40% und die APODETI 5% der Stimmen. Portugal blieb in Osttimor bis 1975. In der Nacht des 27. August verließ der portugiesische Gouverneur mit fast allen portugiesischen Bewohnern die Insel Timor. Sie flüchteten von Dili auf die Insel Atauro, dann nach Australien und schließlich nach Portugal. In jener Nacht ergriff eine der drei Parteien – die UDT – die Macht. Dagegen wandte sich die FRETILIN, der es allmählich gelang die Oberhand zu gewinnen. Sie erklärte am 28. November 1975 die einseitige Unabhängigkeit der Insel von Portugal.

Am 07. Dezember 1975 überfielen indonesische Truppen Osttimor und besetzten die Hauptstadt Dili, und am 10. Dezember wurde Bacau, die zweitgrößte Stadt des Landes, besetzt, und schließlich wurden Liquisa und Maubara besetzt. Wenige Monate später – am 16. Juli 1976 – erklärte Indonesien Osttimor einseitig zu seiner 27. Provinz.

Zwischen 1975 und 1980 war der Kleinkrieg zwischen dem indonesischen Militär und den Einwohnern Timors, die die Unabhängigkeit der Insel forderten, äußerst verbissen. Schätzungen für die ganze indonesische Besatzungszeit bewegen sich bei 200.000 Opfern unter den Timorern, praktisch ein Drittel der Bevölkerung.

1994 hat der Anteil der katholischen Bevölkerung Osttimors 92% erreicht (722.789 von 783.086 Einwohnern). Die Protestanten stellten 3,7% (28.486), und die Moslems bildeten eine kleine Minderheit von 3,1% (24.124 Einwohner). Dann gab es noch 4.794 Hindus (0,6%) und schließlich 2.312 Buddhisten (0,3%).

Die Katholische Kirche hat eine sehr bedeutende Rolle bei der Herausbildung der kulturellen Identität der osttimorischen Bevölkerung gespielt. Die Osttimorer unterscheiden sich teilweise kulturell und sprachlich von den Indonesiern. Die meistgesprochene Sprache ist Tetum, die die Rolle einer lingua franca für die Timorer besitzt. Natürlich war die portugiesische Sprache bis 1975 die Amtssprache des Staates und der Katholischen Kirche. Nach 1975 war sie die Sprache des timorischen Widerstandes und wurde von der Katholischen Kirche für ihre Beziehungen zur Außenwelt genutzt. Der Gebrauch des Portugiesischen war vor allem in Dili stark. Während der letzten Jahre der portugiesischen Präsenz konnten etwa 10-20% der Bevölkerung Osttimors Portugiesisch sprechen.

Die Zahl der in Osttimor lebenden Portugiesen war immer sehr niedrig. 1950 gab es bei einer Gesamteinwohnerzahl von 442.378 gerade einmal 568 Europäer, 2.022 Mestizen und 3.128 Chinesen. 1970 waren es 1.463 Europäer und 1.939 Mestizen bei einer Gesamtzahl von 650.000 Einwohnern.

1996 wurde zwei Timorern der Friedensnobelpreis verliehen: Carlos Filipe Ximenes Belo, Bischof von Dili, und José Ramos-Horta

OSTTIMOR STIMMT FÜR DIE UNABHÄNGIGKEIT

Ergebnis der Volksbefragung vom 30. August 1999, die von den Vereinten Nationen (VN) organisiert wurde: 78,5% für die Unabhängigkeit, 21,5% für die Autonomie innerhalb Indonesiens.

Nach einigen Wochen des Terrors, der von den proindonesischen Milizen entfesselt worden war, landen VN-Truppen auf Timor. Das indonesische Parlament ratifiziert das Ergebnis der Abstimmung und gibt damit den Weg für die Bildung des unabhängigen Staates Osttimor (Timor-Leste) frei.

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Macau Portugiesischer Kolonialismus

Macau 1997

Verfasst von Dietrich Köster

Das chinesische Territorium unter portugiesischer Verwaltung – 65 km westlich von Hongkong gelegen – ist jetzt nicht nur mit dem Tragflügelboot (jactoplanador/jetfoil) von Hongkong aus in einstündiger Fahrt zu erreichen, sondern auch auf dem Luftweg. Am 08. Dezember 1995 wurde der Internationale Flughafen Macau in Betrieb genommen. Das Gelände für die Start- und Landebahn ist durch Aufschüttung dem Südchinesischen Meer abgerungen worden. Der Flughafen dient nicht nur als Umsteigestation den Flugreisenden aus Taiwan, die die Volksrepublik China besuchen wollen, sondern auch als Sprungbrett von Südostasien in viele Regionen Festlandchinas. Die Verbindung mit Europa stellt die portugiesische Fluggesellschaft TAP – Air Portugal durch zwei wöchentliche Flüge von Lissabon nach Macau und zurück her. Daneben gibt es verschiedene europäische Fluggesellschaften, die Frachtflüge nach hier durchführen.

Vom Empfangsgebäude auf der Insel Taipa – eine der beiden dem eigentlichen Macau vorgelagerten Inseln – führt eigens eine neue Brücke zum festländischen Teil Macaus. Schon von weitem grüßt das neue Wahrzeichen Macaus, der Hochhausturm der Bank of China, eine der beiden Notenbanken des Territoriums. Daneben nimmt sich das Hotel de Lisboa – früher ein markanter Punkt der Stadtlandschaft – bescheiden aus. Macau ist in den letzten fünfzehn Jahren Hongkong immer ähnlicher geworden. Zahlreiche Hochhäuser beherrschen heute die Stadtsilhouette. Banken, Spielbanken, Versicherungsgesellschaften und andere Dienstleistungseinrichtungen bestimmen stark die Beschäftigungsstruktur der Bevölkerung Macaus. Mit 97% der Einwohner stellen Chinesen die überwältigende Mehrheit, gefolgt von 2% Portugiesen.

Letztgenannte sind häufig aus Portugal auf Zeit entsandt, um in der öffentlichen Verwaltung und im Schulwesen tätig zu sein. Bis 1991 war Portugiesisch die einzige Amtssprache. Seit diesem Jahr besitzt Chinesisch den gleichen Status. Während in der Praxis eine Verständigung auf Chinesisch überall möglich ist, besteht diese Möglichkeit auf Portugiesisch nur in eingeschränktem Maße, da Englisch als Geschäftssprache der Amtssprache europäischen Ursprungs allein schon aufgrund der Nähe zu Hongkong Konkurrenz macht. Hier hat die portugiesische Verwaltung von Macau in der Vergangenheit viel versäumt. Nur in den wenigen portugiesischen und luso-chinesischen Schulen ist Portugiesisch Unterrichtssprache bzw. Pflichtfach. In den zahlreichen chinesischen Schulen wird Portugiesisch nur als Wahlfach angeboten. Trotzdem sind alle öffentlichen Bekanntmachungen und Beschilderungen – auch der Geschäfte – stets in beiden Amtssprachen gehalten. Dem inzwischen erkannten Mißstand versucht die Verwaltung in den letzten Jahren durch verstärkte Ausbildung von Portugiesischlehrern gegenzusteuern. In der Erwachsenenbildung versuchen das Centro de Difusão de Línguas und das Instituto Português do Oriente den mangelnden Portugiesischkenntnissen der Bevölkerung abzuhelfen.

Am 20. Dezember 1999 wird nach dem Vorbild von Hongkong Macau als „Besondere Verwaltungsregion“ an die Volksrepublik China übergeben. Der zwischen Portugal und der VR China 1987 abgeschlossene Vertrag sieht eine Beibehaltung des bisherigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Systems für weitere 50 Jahre vor, so daß erst im Jahre 2049 eine Angleichung an Festlandchina erfolgen dürfte. Die am 22. Juni 1997 durchgeführten Kommunalwahlen waren die letzten vor der Übergabe des Territoriums an China.

Die sogenannte Lokalisierung bezweckt den Ersatz portugiesischer Verwaltungsfachkräfte durch Macau-Chinesen, die im Hinblick auf die Übernahme von Spitzenpositionen in der öffentlichen Verwaltung zur Zeit fortgebildet werden.

© Oktober 1997 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Malaysia Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Papiá Cristang – die portugiesische Kreolsprache von Malakka, Malaysia

Verfasst von Dietrich Köster

Die Portugiesen unter Afonso de Albuquerque eroberten 1511 die Stadt Malakka auf der Halbinsel Malakka (heute: Westmalaysia). Sie mußten 1641 ihre Besitzung den erobernden Niederländern preisgeben.

In diesen 130 Jahren entstand in Malakka eine Mischbevölkerung aus portugiesischen Männern und malaiischen Frauen. Die Nachkommen dieser Bevölkerung, die heute 5.000 Mitglieder zählt und im Portuguese Settlement – einer geschlossenen Siedlung im Südosten der Stadt Malakka – lebt, nahm die portugiesische Sprache an und veränderte sie unter dem Einfluß der malaiischen Sprache zur Kreolsprache Papiá Cristang.

Heute wird diese Sprache auch in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, im benachbarten Stadtstaat Singapur und durch Auswanderung auch vereinzelt in Australien gesprochen.

Während der Wortschatz zu 95% auf dem Portugiesischen fußt, beruht die Grammatik dieser neuen Sprache weitgehend auf dem Malaiischen. Das Ergebnis ist eine vereinfachte Sprache.

Der Plural der Substantive wird in dieser Sprache beispielsweise durch Verdoppelung des Wortes gebildet.

Im übrigen verweise ich auf die entsprechende Grammatik-Seite im Internet:

Gramática do Papiá Cristang de Malaca

http://rcl.com.sapo.pt/malacagramatica.html

In Sachen Wortschatz ist hier aufschlußreich:

Gloçário de Português de Malaca

http://rcl.com.sapo.pt/malacadicionario.html

Als Beispiel für eine Gegenüberstellung von Papiá Cristang mit dem heutigen Portugiesisch Portugals mögen die Texte mit der nachstehenden Web-Anschrift dienen:

Malaca – Chang di Padre – Português sa Cidadi (Papiá Cristang des Portuguese Settlement von Malakka)

und

Malaca – O Bairro Português (Portugiesisch Portugals)

http://rcl.com.sapo.pt/malacapapia.html

© von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Ost-Timor Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Sprachpolitik Osttimors: Die Wiedereinführung des Portugiesischen als Amts- und Unterrichtssprache

Verfasst von Dietrich Köster

1. Kurzer, allgemeiner, historischer Abriß

Osttimor/Portugiesisch-Timor wurde von Portugal ab Anfang des sechzehnten Jahrhunderts kolonisiert. Diese Präsenz dauerte bis August 1975, dem Zeitpunkt des Bürgerkrieges zwischen zwei politischen Parteien, die um die Macht kämpften. Damals zogen sich das portugiesische Verwaltungspersonal und die portugiesischen Angehörigen des Militärs unter Führung des portugiesischen Gouverneurs und damaligen Obersten Mário Lemos Pires auf die benachbarte Insel Ataúro als Zufluchtsort zurück. Am 07. Dezember 1975 wurde Osttimor in einer kombinierten Aktion der drei Teilstreitkräfte der indonesischen Armee auf grausame Weise militärisch angegriffen. Nach fast 24 Jahren hörte das indonesische Besatzungsregime nach der von der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) am 30. August 1999 durchgeführten Volksbefragung auf zu bestehen. Die Unabhängigkeit, von dieser Organisation gefördert, wurde am 20. Mai 2002 proklamiert.

2. Die Sprachpolitik der portugiesischen Kolonialmacht bis 1975

Während der gesamten portugiesischen Kolonialzeit besaß die portugiesische Sprache eine herausragende Rolle. Die ganze Verwaltung bediente sich des Portugiesischen als einzigem mündlichem und schriftlichem Verständigungsmittel. Die Unterrichtssprache in schulischen Einrichtungen war auch ausschließlich das Portugiesische. Diese Einstellung gegenüber der portugiesischen Sprache war Teil der portugiesischen Überseepolitik der sprachlichen und kulturellen Assimilierung der Kolonialzeit.

3. Die Sprachpolitik der FRETILIN 1974-78

Kurz nach der Gründung der Revolutionären Front für ein unabhängiges Osttimor (FRETILIN) im Jahre 1974 begannen die Alphabetisierungskurse, die in der Tetum-Sprache erteilt wurden, die die wichtigste einheimische Sprache darstellt. Diese Kurse hörten bereits 1978 auf, weil die Gefahr bestand, daß die indonesischen militärischen Besatzer sie entdecken könnten. Andererseits hat die Führung dieser Partei immer das Portugiesische als die Amtssprache angesehen.

4. Die Sprachpolitik der indonesischen Besatzungsmacht 1975-1999

Mit der indonesischen Invasion in Gestalt des kombinierten Angriffs der drei Teilstreitkräfte Indonesiens änderte sich die Sprachpolitik abrupt und über Nacht. Die indonesische Sprache, d.h. Bahasa Indonesia – eine Kunstsprache, die auf dem Malaiischen fußt -, wurde in allen Bereichen des öffentlichen Lebens eingeführt. Indonesisch wurde die ausschließliche Sprache der Behörden. In den Schulen wurden alle Fächer auf Indonesisch erteilt. Die Mehrheit der Lehrer waren Zuwanderer, vor allem von der Insel Java, der bedeutendsten und bevölkerungsreichsten Region Indonesiens. Die portugiesische Sprache wurde verboten. Von den neuen Besatzungsherren wurde das Portugiesische als eine verdächtige Sprache angesehen, da sie sie nicht kannten und Portugiesisch nicht erlernen wollten. Deswegen wurde Portugiesisch 1981 ganz aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die einzige Sprache, die neben dem Indonesischen anerkannt und gelehrt wurde, war Englisch, das als Fach im Fremdsprachenunterricht der Sekundarschule erteilt wurde. Alle Aufschriften waren auf Indonesisch, wenn auch die Straßennamen weiter auf portugiesische Weise gebraucht wurden, allerdings unter Voranstellung der indonesischen Bezeichnung jalan statt rua.

Das Ergebnis dieser Besatzungszeit war: Die Mehrheit der Bewohner unter 35 Jahre hat kaum Kenntnisse der portugiesischen Sprache, beherrscht dafür aber die indonesische Sprache gut. Es besteht sogar eine gewisse ablehnende Haltung gegenüber einer neuen Sprache, die nicht ihren Ursprung in Timor hat. 1992 mußte die letzte Schule mit Portugiesisch als Unterrichtssprache – das Externato de São José in der Trägerschaft der Katholischen Kirche – ihre Pforten schließen. Nur die Priesterseminare dieser Kirche konnten weiterhin Portugiesischunterricht erteilen. Aber die portugiesische Sprache der Messe wurde unter dem Druck der Besatzer abgeschafft und 1981 durch Tetum, der am weitesten verbreiteten örtlichen Sprache, ersetzt.

5. Der Beginn eines neuen Zeitalters nach der Volksbefragung: die Diskussion der Sprachenfrage

Mit vier bedeutenden Sprachen besitzt Osttimor eine heikle Problematik. Es sind die Sprachen Tetum, Portugiesisch, Indonesisch und Englisch, die sich gegenseitig Konkurrenz machen:

Die bekannteste und am stärksten im Land verwurzelte Nationalsprache ist Tetum, das von ungefähr 80% der Bevölkerung gesprochen wird. Die traditionelle Amtssprache über Jahrhunderte hinweg ist das Portugiesische, das gegenwärtig nur von 15% der Bevölkerung gesprochen wird. Diese waren in der Zeit der portugiesischen Überseeprovinz oder der Kolonie eingeschult gewesen, obwohl 77% der Bevölkerung im Schulalter die verschiedenen Bildungseinrichtungen im Schuljahr 1973/74 besucht haben. Eine passive Kenntnis der portugiesischen Sprache ist jedoch kennzeichnend für einen Großteil der Bevölkerung. Dies liegt an dem beträchtlichen portugiesischen Anteil an der Tetum-Sprache, die heute von der Mehrheit der Osttimorer gesprochen wird. Es ist daher schier unmöglich, daß ein tetumsprachiger Timorer nichts von einem Gespräch oder einer Ansprache auf Portugiesisch versteht.

Die gegenwärtige politische Elite hat immer ihre aktiven Kenntnisse der portugiesischen Sprache zu erhalten gewußt. Die Führung der Guerilla FALINTIL hat stets auf Portugiesisch als Sprache, die alle Osttimorer eint, gesetzt. Die Sprache der indonesischen Besatzer der Jahre 1975 bis 1999 Bahasa Indonesia ist unter der jungen Generation aufgrund der hohen Einschulungsrate während des indonesischen Regimes ziemlich gut bekannt. Diese Altersschicht möchte gerne weiter Indonesisch als allgemeines Verständigungsmittel benutzen. Schließlich wird Englisch von Menschen der jungen Generation als das internationale Verständigungsmittel angesehen, das für eine berufliche Karriere nützlich ist. Diese Sprache genießt ein großes Prestige, das durch die Anwesenheit der Angehörigen der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen verstärkt wurde. Dieser Personenkreis bediente sich des Englischen.

6. Die Ansprache von Professor Geoffrey Hull anläßlich des Nationalkongresses des CNRT im Jahre 2000

Es war der australische Professor Geoffrey Hull von der Universität von Western Sydney, der der Wiedereinführung der portugiesischen Sprache durch seinen Vortrag, den er auf dem Nationalkongreß des Nationalrates des timorischen Widerstandes (CNRT) am 25. August 2000 hielt, starken Auftrieb verliehen hat. Er meint, daß die wichtigste Nationalsprache Osttimors – Tetum – sich nur zusammen mit dem Portugiesischen entwickeln könne. Es seien diese beiden Sprachen und der christliche Glaube, die die nationale Identität Osttimors gewährleisteten. Andererseits sei Englisch als Amtssprache wenig geeignet, da diese Sprache stets eine beherrschende Rolle spielen möchte, die die örtlichen Sprachen vernichte. Australien, die Philippinen und Malta seien Beispiele für Sprachenvernichtung. Bahasa Indonesia wiederum werde in den Augen der osttimorischen Bevölkerung ganz mit den 24 Jahren Völkermord, Terror und Brutalität gleichgesetzt. So könne diese Sprache nicht als Amtssprache dienen.

Nach dieser Aussprache entschied der Nationalkongreß des CNRT, Portugiesisch als Amtssprache in der zukünftigen Demokratischen Republik Osttimor einzuführen.

7. Die Bestimmungen der Verfassung der Demokratischen Republik Osttimor über die Sprachen

Artikel 13

(Amts- und Nationalsprachen)

1. Tetum und Portugiesisch sind die Amtssprachen der Demokratischen Republik Osttimor.

2. Tetum und die anderen Nationalsprachen werden vom Staat aufgewertet und entwickelt.

Artikel 159

(Arbeitssprachen)

Die indonesische und die englische Sprache sind Arbeitssprachen, die in der öffentlichen Verwaltung neben den Amtssprachen – solange sich dies als notwendig erweist – Verwendung finden.

8. Die Unterstützung Portugals bei der Wiedereinführung der portugiesischen Sprache

Halbamtliche Kontakte zwischen dem Instituto Camões, Portugals Kulturinstitut zur Verbreitung der portugiesischen Sprache im Ausland, und dem CNRT vor dem 30. August 1999 wurden unmittelbar nach der Volksbefragung in offizielle Kontakte in Gestalt von Abkommen zwischen dem portugiesischen Außen- und Erziehungsministerium einerseits und dem CNRT, den beiden Übergangsregierungen bzw. der ersten verfassungsmäßigen Regierung Osttimors andererseits umgewandelt. Diese sehen die Entsendung von 145 Lehrern für die Erteilung von Portugiesischunterricht und Unterricht in weiteren Fächern in portugiesischer Sprache vor. Diese Lehrer sind über die Schulen der dreizehn Distrikte verteilt. Die Zahl der Lehrer schwankt in den Distrikten zwischen drei in Aileu und 49 in Dili. Die Koordinierung des Lehrereinsatzes wird von der Erziehungsattachée der Botschaft Portugals in Díli vorgenommen.

Andererseits stellt das Instituto Camões sechzehn Ausbilder – einschließl. einer Koordinatorin -, die dem Zentrum der portugiesischen Sprache (CLP) angehören und Fachportugiesisch in außerschulischen Kursen unterrichten. Diese Kurse wenden sich vor allem an Angehörige der öffentlichen Verwaltung Osttimors, z.B. an Mitarbeiter der verschiedenen Ministerien, der Polizeiakademie, der Feuerwehr, der Gerichte, der Zentralen Einrichtungen der Verwaltung, der Plankommission und des Banco Nacional Ultramarino. Im Februar 2002 gab es 59 Lerngruppen mit 1250 angemeldeten Teilnehmern mit durchschnittlich 21 Lernenden pro Lerngruppe auf vier Niveaus:
Einführungs-, Grund-, Mittel- und Fortgeschrittenenkurse
Auch private Vereinigungen werden ermutigt, die Einrichtung von Kursen für ihr Fachpersonal zu beantragen. Mindestens zehn Teilnehmer sollten bei einem solchen fachsprachlichen Lehrgang zusammenkommen. Die Angehörigen des Außenministeriums sind verpflichtet, Montag bis Freitag von 9 bis 10 und von 17 bis 18 Uhr an einem Kurs portugiesischer Konversation teilzunehmen.

Fünfzehn Universitätsdozenten erteilen den Studenten Unterricht, die das Studium der portugiesischen Sprache und der lusophonen Kulturen in der Form der Lizentiatur, die 2002 an der Nationalen Universität von Osttimor (UNTIL) eingerichtet wurde, gewählt haben.

Darüber hinaus gibt es sieben portugiesische Lehrer, die die Schüler, die den Sekundarabschluß erlangt haben, auf ein Studium an einer Universität Portugals vorbereiten. Diese Dozenten sind von der Stiftung der portugiesischen Universitäten (FUP) abgeordnet worden.

Schließlich gibt es allgemeine Kurse zur Erlernung der portugiesischen Sprache für alle interessierten Studenten. So wurden Lerngruppen für 5.000 Teilnehmer eingerichtet.

Die zentrale Anlaufstelle für alle Aktivitäten des Portugiesischunterrichts ist das Zentrum der portugiesischen Sprache (CLP), das vom Instituto Camões unterstützt und finanziert wird und einen Teil der Nationaluniversität Osttimors (UNTIL) bildet.

9. Die Einführung der portugiesischen Sprache an den Primar- und Sekundarschulen

Die Primarschule besteht aus den Klassen 1-6. Im Schuljahr 2001/2002 erhielten die Kinder der ersten drei Klassen am Vormittag den Unterricht in allen Fächern in portugiesischer Sprache. Die Tetum-Sprache dient dabei als mündliche Hilfssprache, wenn es Verständigungsprobleme gibt. Jedes Schuljahr kommt eine weitere Klasse mit Portugiesisch als Unterrichtssprache hinzu. Am Nachmittag erhalten alle osttimorischen Lehrer dieser Schule einen Auffrischungskurs in portugiesischer Sprache, der von Lehrern erteilt wird, die aus Portugal stammen und über die dreizehn Distrikte verteilt sind. Während an der Primarschule die Ausweitung der Einführung der portugiesischen Sprache jedes Jahr stärker voranschreitet – zum Nachteil der indonesischen Sprache – wird der Unterricht in der Sekundarstufe 1 (Klassen 7-9) und in der Sekundarstufe 2 (Klassen 10-12) bisher noch überwiegend in indonesischer Sprache erteilt. Andererseits gibt es aber bereits intensiven portugiesischen Sprachunterricht als Lehrfach für alle Schüler, der von Lehrern aus Portugal erteilt wird. Die ersten Lehrbücher kamen aus Macau, einem portugiesischen Territorium bis Ende 1999. In der Zwischenzeit sind die Mehrzahl der Schulbücher für die Schüler Veröffentlichungen, die in Portugal gedruckt wurden. Alle Lehrer erhielten zusätzlich eine „Pädagogische Mappe“ mit mehreren Büchern, die nützliche Hilfsmittel für den Portugiesischunterricht darstellen.

10. Die Einführung des Portugiesischen an der Nationaluniversität von Osttimor (UNTIL)

An der UNTIL ist die indonesische Sprache noch das überwiegende Kommunikationsmittel. Aber mit den angebotenen Portugiesischsprachkursen für Tausende von Studenten erhöhen sich die Portugiesischkenntnisse ständig. Bisher hängt es von den Dozenten ab, welche Sprache gebraucht wird. Bei lusophonen Professoren kann eine Übersetzung in die Tetum-Sprache vorgenommen werden. Grundsätzlich läßt sich sagen, daß die Zahl der Lehrveranstaltungen auf Portugiesisch im Ansteigen begriffen ist.

11. Die Einführung des Portugiesischen als Amtssprache

Ab dem Unabhängigkeitstag sollen alle Dokumente entweder auf Portugiesisch oder Tetum abgefaßt sein. Im Notfall können noch die englische oder indonesische Sprache als Arbeitssprachen benutzt werden. Wichtige Dokumente, die während der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen entstanden sind (November 1999 bis Mai 2002), müssen zumindest vom Englischen ins Portugiesische übersetzt werden.

12. Unterstützungsmaßnahmen der Brasilianischen Agentur für Zusammenarbeit (ABC)

1. Unternehmensförderung und Berufsausbildung in Osttimor

Es handelt sich um ein Berufsbildungszentrum im gewerblich-technischen Bereich im Stadtteil Becora der Hauptstadt Díli. Es wurde vom brasilianischen Außenminister Celso Lafer am 21. Mai 2002, dem Tag nach der Unabhängigkeit Osttimors, seiner Bestimmung übergeben. Der Unterricht wird auf Portugiesisch mit Tetum als mündlicher Hilfssprache erteilt.

2. Alphabetisierung in Osttimor nach dem Modell der brasilianischen Basisgemeinden

Es handelt sich um Alphabetisierungskurse für Erwachsene in allen Distrikten Osttimors mit Lehrmethoden, die im Nordosten Brasiliens entwickelt wurden. Es wird auf Portugiesisch unterrichtet, aber mit Tetum als mündlicher Hilfssprache.

3. Ausbildung von Lehrern und Schülern im Fernunterricht in Osttimor

In diesem Lehrgang werden moderne audiovisuelle Lehrmittel wie Video- und Audiokassetten zusammen mit Lehrbüchern herkömmlicher Art bei Jugendlichen und Erwachsenen für den Unterricht im Primarschulbereich und in der Sekundarstufe 1 eingesetzt. Daneben beabsichtigt man Lehrer, die bereits unterrichten, fortzubilden. Das brasilianische Programm Parámetros em Ação dient dazu, Lehrer im Klassenraum zu qualifizieren. Im Unterricht wird die portugiesische Sprache benutzt. Tetum ist auch hier mündliche Hilfssprache.

13. Zukunftsperspektiven der Wiedereinführung der portugiesischen Sprache in Osttimor

Dank der großzügigen portugiesischen Unterstützung macht die Wiedereinführung der portugiesischen Sprache immer größere Fortschritte. Nach der Planung des Instituto Camões dürfte innerhalb von zehn Jahren jeder zweite Osttimorer die portugiesische Sprache beherrschen. Mit dem Beitritt Osttimors zur Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache (CPLP) am 31. Juli 2002 werden die Beziehungen zu den Ländern mit portugiesischer Amtssprache die Portugiesischsprachigkeit Osttimors weiter erhöhen und festigen.

Bibliographie

Tavares Esperança, João Paulo, Estudos de Linguística Timorense, SUL – Associação de Cooperação para o Desenvolvimento com o Apoio do Comissariado para o Apoio à Transição em Timor, Aveiro 2001, ISBN 972-97434-1-X

Camões, Revista de Letras e Culturas Lusófonas, Nr. 14 – Timor Lorosa’e, Juli-September 2001, Instituto Camões, Lissabon 2002, ISSN 0874-3029

Tinoco, Jacinto, Não haverá unidade nacional sem unidade linguística, in: Boletim de Notícias, Associação Cultural Luso-Timorense, Ausgabe Nr. 3, Seite 1, Díli April 2002

Hull, Geoffrey, Timór-Lorosa’e, Identidade, Lian no Polítika Edukasionál/Timor-Leste, Identidade, Língua e Política Educacional, Instituto Camões, Lissabon 2001

Thomaz, Luis Filipe F.R., Babel Loro Sa’e, O Problema Linguístico de Timor-Leste, Colecção Cadernos Camões, Instituto Camões, Lissabon 2002

Leclerc, Jacques, L’Aménagement linguistique dans le monde: Timor Lorosae (République de Timor Lorosae), Universität Laval, Québec 2004, https://www.axl.cefan.ulaval.ca/asie/timor-1_situation.htm

Siehe auch:

Dietrich Köster (Bona), Política linguística de Timor-Leste: a reintrodução do português como língua oficial e de ensino, Lusorama, 57-58 (Maio de 2004), pág. 172-179, ISSN 0931-9484

Dietrich Köster (Deutsche Gesellschaft für die afrikanischen Staaten portugiesischer Sprache), Política Linguística de Timor-Leste: A Reintrodução do Português como Língua Oficial e de Ensino, Estudos de Línguas e Culturas de Timor-Leste/Studies in Languages and Cultures of East Timor, número 6, 2004, pág. 1-7, Instituto Nacional de Linguística da Universidade Nacional Timor Lorosa’e, ISSN 1441-1105

LUSOPHONIE IN GESCHICHTE UND GEGENWART, Festschrift für Helmut Siepmann zum 65. Geburtstag, editado por Richard Baum e António Dinis, Dietrich Köster, Política linguística de Timor-Leste: a reintrodução do português como língua oficial e de ensino, pág. 123-129, Bona 2003, ISBN 3-86143-145-9 e ISSN 0178-8515

© Juni 2007 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Asien Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Das portugiesische Spracherbe in Asien

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster 

Die portugiesische Sprache war aufgrund der kolonialen Expansion Portugals und des darauf aufbauenden Handels vom 16. bis 18. Jahrhundert an den Küsten des Indischen Ozeans die Handelssprache schlechthin. Portugiesisch wurde in jener Zeit nicht nur in den Städten des Orients, die die Portugiesen erobert hatten benutzt, sondern auch von vielen dort heimischen Herrschern in ihren Beziehungen mit anderen Kolonialmächten wie den Niederländern, Briten und Dänen u.a. eingesetzt.

Zum Bespiel wurde auf Ceylon Portugiesisch für alle Kontakte zwischen Europäern und der Bevölkerung benutzt. Mehrere Könige auf Ceylon sprachen es fließend. Portugiesische Namen wurden Gemeingut unter den Adligen. Als die Niederländer den Küstenbereich Ceylons besetzten, ergriffen sie besonders unter Generalgouverneur van Goens Maßnahmen, um dem Gebrauch des Portugiesischen Einhalt zu gebieten.

Diese Sprache war jedoch unter den Ceylonesen so gut eingeführt, daß sogar die Familien der niederländischen Burgher anfingen, sie zu sprechen. 1704 sagte der Gouverneur Cornelius Jan Simonsz: “Se você fala português no Ceilão, você é entendido em todo lugar.” (Wenn Sie auf Ceylon Portugiesisch sprechen, werden Sie überall verstanden.)

Auch in der niederländischen Hauptstadt des Orients Batavia, heute: Jakarta, war Portugiesisch die Umgangssprache im 17. und 18. Jahrhundert. Missionsgesellschaften trugen wesentlich zur Verbreitung der portugiesischen Sprache bei. Als viele Bevölkerungsgruppen zum Christentum bekehrt worden waren, nahmen sie Portugiesisch als Muttersprache an. Auch die niederländischen, dänischen und britischen protestantischen Missionsgesellschaften, die in Indien wirkten, waren gezwungen, Portugiesisch als ihre Missionssprache einzusetzen.

Die portugiesische Sprache hat viele orientalische Sprachen beeinflußt. Viele portugiesische Wörter wurden zu Lehnwörtern in so mancher Sprache des Orients wie in indischen Sprachen einschließlich Bengali, in Kisuaheli, Bahasa Malaysia, Bahasa Indonesia, Japanisch, Singhalesisch, Tamil, in Tetum auf der Insel Timor und auch in Afrikaans in Südafrika.

Dort wo die portugiesische Präsenz stärker und lang anhaltender war, bildeten sich blühende Gemeinschaften von “Casados” und “Mestizen”, die eine Varietät der portugiesischen Standardsprache annahmen, eine Art von Kreol-Portugiesisch.

Was sich bis heute gehalten hat, ist sehr wenig. Es ist immerhin aufschlußreich zu beobachten, daß kleine Gemeinschaften über Asien verstreut sind, die weiterhin Kreol-Portugiesisch verwenden, obwohl diese seit vielen Jahren – in einigen Fällen seit Jahrhunderten – keinen Kontakt mehr mit Portugal haben. Ein anderer interessanter Gesichtspunkt ist die Tatsache, daß während der Blütezeit der portugiesischen Präsenz in Asien die Zahl der Portugiesen einschließlich der Geistlichen nie größer als 12.000 bis 14.000 war.

Portugiesischsprachige Gemeinschaften in Asien (Blau: Heutige Orte, wo Portugiesisch gesprochen wird, Rot: Orte, wo Gemeinschaften früher Portugiesisch gesprochen haben). Author Marco Ramerini
Portugiesischsprachige Gemeinschaften in Asien (Blau: Heutige Orte, wo Portugiesisch gesprochen wird, Rot: Orte, wo Gemeinschaften früher Portugiesisch gesprochen haben). Author Marco Ramerini

Portugiesischsprachige Gemeinschaften heute

Malakka: Portuguese Settlement, Praya Lane, Bandara Hilir

Etwa 1.000 Personen sprechen Kreol-Portugiesisch (Papia Kristang). 80% davon sind ältere Bewohner des Portuguese Settlement, die regelmäßig Kristang sprechen. Jetzt gibt es auch einige Sprecher in Singapur und Kuala Lumpur. Kristang ist in seiner grammatischen Struktur dem örtlichen Malaiisch sehr ähnlich, aber der Wortschatz geht zu 95% auf das Portugiesische zurück. Noch vor wenigen Jahren wurde Kreol-Portugiesisch auch in Pulau Tikus (Penang) gesprochen, aber jetzt gilt es als ausgestorben. Die Eurasische Gemeinschaft hat auf der Halbinsel Malakka 12.000 Mitglieder. Aktiv sind die Malacca Portuguese Eurasian Association (MPEA) und das Secretariat of the Portuguese/Eurasian Malaysian Associations (SPEMA) mit sieben selbständigen Mitgliedsvereinigungen in Alor Star, Penang, Perak, Malakka, Kuala Lumpur, Seremban und Johor Baru. Es gibt auch eine Eurasische Vereinigung in Singapur. Malakka ging Portugal im Jahr 1641 verloren.

Korlai: In der Nähe von Chaul, Indien

Etwa 900 Personen sprechen ausschließlich Kreol-Portugiesisch. Diese Gemeinschaft hat ihrer Kirche den Namen “Igreja de Nossa Senhora do Monte Carmelo” gegeben. Sie geht auf das Jahr 1520 als Gemeinschaft an der Westküste zurück. Anfänglich war sie von ihren Hindu- und Moslem-Nachbarn durch soziale und religiöse Schranken getrennt. Die kleine Gemeinschaft in Korlai verlor jeglichen Kontakt mit Portugal nach 1740. Chaul ging Portugal im Jahr 1740 verloren.

Damão: Damão Grande oder Praça, Campo dos Remédios, Jumprim, Damão da Cima

Etwa 2.000 Personen sprechen Kreol-Portugiesisch. Damão ging Portugal im Dezember 1961 verloren.

Ceylon: Portugiesische Burghers in Batticaloa (Koolavaddy, Mamangam, Uppodai, Dutch Bar, Akkaraipattu), Trincomalee (Palayuttu) und Kaffir-Gemeinschaften in Mannar und Puttalam

Kreol-Portugiesisch wird nur noch im häuslichen Kreis gesprochen. 1984 wurde es von 250 Familien in Batticaloa gesprochen. Heute gibt es noch 100 Familien in Batticaloa und Trincomalee und etwa 80 afro-singhalesische Familien von Kaffirs, die Kreol sprechen. Von ca. 5.000 Personen, die sich als Batticaloa- und Trincomalee-Kreolen bezeichnen, können nur noch 500 Kreol-Portugiesisch sprechen. Die jüngere Generation kann kein Kreol. Nach Silva Jayasuriya war das Kreol auf Ceylon im Jahr 2000 nahezu ausgestorben. In Batticaloa gibt es den Burgher Recreio Clube “Shamrock” und die Batticaloa Catholic Burgher Union.

Es gibt eine kleine Gemeinschaft von Nachkommen der Portugiesen im Dorf Waha Kotte in Zentral-Ceylon, sechs Kilometer von Galewala entfernt an der Straße zwischen Galewala und Matale gelegen. Hier sind die Bewohner Katholiken. Aber seit zwei Generationen wird hier kein Kreol-Portugiesisch mehr gesprochen. Ceylon ging Portugal 1658 verloren.

Macau:

An die 2.000 Personen sprechen Portugiesisch als ihre Erstsprache und ungefähr 11.500 als ihre Zweitsprache. Nur ein paar ältere Frauen sprechen Macanesisch, das Kreol-Portugiesisch von Macau. Das “Instituto Cultural de Macau” und die “Fundacão do Oriente” sind aktiv. Es gibt einen Fernseh-Kanal und mehrere Zeitungen ausschließlich auf Portugiesisch.

Macau war eine portugiesische Überseeprovinz. Am 20. Dezember 1999 wurde sie an China rückübertragen.

Hongkong:

Mehrere 100 Personen sprechen Macanesisch. Dies sind hauptsächlich Menschen, die von Macau zugewandert sind. Es gibt hier einen “Clube Lusitano”. Hongkong war nie unter portugiesischer Herrschaft.

Goa:

Die portugiesische Sprache ist im schnellen Rückgang begriffen. Es wird heute nur noch von einem kleinen Teil von Familien der sozialen Oberschicht gesprochen, die 3-5 % der Bevölkerung ausmachen und geschätzte 30.000 bis 50.000 Personen sind. Heute sind 35% von Goas Bevölkerung Zuwanderer aus anderen indischen Bundesstaaten. In den indischen Schulen wird Portugiesisch auf freiwilliger Basis als dritte Sprache unterrichtet. Es gibt eine Abteilung für Portugiesisch an der Universität von Goa. Aktiv sind die “Fundacão do Oriente” und die “Sociedade de Amizade Indo-Portuguesa”. Die letzte portugiesischsprachige Zeitung wechselte 1983 zum Englischen über. In Pangim gibt es noch viele gut sichtbare Schilder über Geschäften und an Verwaltungsgebäuden auf Portugiesisch. Goa ging Portugal im Dezember 1961 verloren.

Diu:

Kreol-Portugiesisch ist hier fast ausgestorben. Nach der Aussage von Maria Luíza de Carvalho Armando wird das Kreol-Portugiesische noch in Diu benutzt und nach ihrer Einschätzung ist Diu der Ort in Indien, wo das portugiesische Erbe sich am besten erhalten hat. Diu ging Portugal im Dezember 1961 verloren.

Timor:

Portugiesisch wurde im Jahre 1950 von weniger als 10.000 Personen gesprochen und 1974 von nur 10-20% der Bevölkerung. 1975 hatte Osttimor 700.000 Einwohner. Von diesen waren 35.000-70.000 in der Lage Portugiesisch zu lesen und zu schreiben. 100.000-140.000 konnten es sprechen und verstehen. Bis 1981 war Portugiesisch die Sprache der Katholischen Kirche auf Timor. In diesem Jahr wurde es durch Tetum ersetzt. Portugiesisch blieb aber die allgemein anerkannte Geschäftssprache in der Hauptstadt Díli. Auch war Portugiesisch die Sprache des anti-indonesischen Widerstandes und diente der Katholischen Kirche in ihren Beziehungen zum Ausland. Das Kreol-Portugiesisch von Timor – Português de Bidau – ist ausgestorben. Es wurde in Díli, Lifau und Bidau gesprochen. Indonesien eroberte Osttimor gewaltsam im Jahre 1975. Jetzt ist Timor eine unabhängige Nation. Sie hat sich für Portugiesisch und Tetum als Amtssprachen entschieden.

Indonesien: Insel Flores mit Larantuka und Sikka

Hier hat sich das Portugiesische in den reliösen Traditionen der Gemeinschaft der Topasses, den Nachkommen von portugiesischen Männern und einheimischen Frauen, in den Gebeten erhalten. An Samstagen sprechen die Frauen von Larantuka den Rosenkranz in einem vereinfachten Portugiesisch. In der Gegend von Sikka soll es Nachkommen von Portugiesen geben, die noch Portugiesisch sprechen sollen. Es gibt dort die Bruderschaft “Reinja Rosari”. Larantuka wurde 1859 vertraglich an die damalige Kolonialmacht der Niederlande abgetreten.

Portugiesischsprachige Gemeinschaften, die bis vor wenigen Jahren bestanden

Ceylon: Kreol-Portugiesisch wurde von der Gemeinschaft der niederländischen Burghers benutzt.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Kreol-Portugiesisch von den Mitgliedern dieser Gemeinschaft gesprochen. Bis nach dem 2. Weltkrieg trafen sich ceylonesische Katholiken in Colombo zu regelmäßigen Gottesdiensten in der Gemeindekirche St. Anthony Dematagoda, die in Portugiesisch gehalten wurden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Gebete für sich ständig verkleinernde Gruppen in einer Anzahl von katholischen Kirchen in der Stadt auf Portugiesisch gehalten (Dermatagoda, Hulftsdorp, Kotahena, Kotte, Nugegoda und Welölawatte). Obwohl es ein gesprochenes Portugiesisch war, verlor diese Sprache schnell ihren ursprünglichen Zweck bei religiösen Andachten in katholischen Kirchen. Es wurde durch die englische Sprache in modernerer Form und mit größerem Schwung ersetzt.

Jakarta-Batavia-Tugu: ein Vorort von Jakarta

Hier wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts eine Art vereinfachtes Portugiesisch noch von der christlichen Bevölkerung in Tugu gesprochen. Der letzte Kreol-Sprecher starb 1978. Tugu war niemals unter portugiesischer Herrschaft.

Cochin: Vypeen

Kreol-Portugiesisch ist in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Die Gemeinschaft von Portugiesen und Indern von etwa 2.000 Personen nimmt ihre Gemeindeaktivitäten in der alten Kirche “Nossa Senhora da Esperança” wahr. Cochin ging Portugal 1663 verloren.

Bombaim oder Nordprovinz: Baçaim, Salcete, Thana, Chevai, Mahim,Tecelaria, Dadar, Parel, Cavel, Bandora-Badra, Govai, Morol, Andheri, Versova, Malvan, Manori, Mazagão)

1906 war dieses Kreol nach dem von Ceylon das wichtigste Indo-Portugiesische Kreol. 1906 gab es noch 5.000 Personen, die Kreol-Portugiesisch als ihre Muttersprache sprachen. Davon lebten 2.000 in Bombay und Mahim, 1.000 in Bandora, 500 in Thana, 100 in Curla, 50 in Baçaim und 1.000 in anderen Dörfern. Damals gab es keine kreol-portugiesischen Schulen und die vermögenderen Bevölkerungsschichten neigten zur Vernachlässigung des Gebrauchs dieser Sprache. Sie gaben Englisch den Vorzug. (Costa 1892 und Dalgado 1906).

Coromandel: Meliapore, Madras, Tuticorin, Cuddalore, Karikal, Pondicherry, Tranquebar, Manapar, Negapatam

An der Koromandel-Küste waren die Abkömmlinge der Portugiesen allgemein unter dem Namen “Topasses” bekannt. Sie waren katholisch und sprachen Kreol-Portugiesisch. Mit dem Beginn der britischen Herrschaft fingen sie an Englisch statt Portugiesisch zu sprechen und anglisierten auch ihre Namen. Sie sind jetzt Teil der Eurasischen Gemeinschaft.

In Negapatam gab es 1883 noch 20 Familien, die Indo-Portugiesisch sprachen (Schuchardt 1883 und Dalgado 1917).

Portugiesischsprachige Gemeinschaften, die schon seit vielen Jahren nicht mehr bestehen

Solor & Adonara

Batavia, Insel Java: Niederländische Gemeinschaft von Batavia, Mardijkers

Die Mardijkers sind die Nachkommen der früheren Sklaven aus Malakka, Bengalen, Koromandel und Malabar, die zum Protestantismus konvertierten und dafür von der Sklaverei befreit wurden. Sie sprachen eine kreolisierte Form des Portugiesischen und stellten die Hauptgruppe der Portugiesischen Gemeinschaft Batavias dar. Nach der niederländischen Eroberung von Malakka und Ceylon erhöhte sich ihre Zahl beträchtlich. 1673 wurde eine protestantische Kirche für die Portugiesische Gemeinschaft Batavias gebaut, und am Ende des 17. Jahrhunderts wurde eine zweite Kirche gebaut. 1713 hatte diese Gemeinschaft an die 4.000 Mitglieder (Lopes). Bis 1750 war Portugiesisch die erste Sprache in Batavia, aber nach diesem Jahr erlangte Malaiisch die Oberhand. 1808 hat Pastor Engelbrecht den letzten Gottesdienst auf Portugiesisch gehalten. 1816 wurde die Portugiesische Gemeinschaft in die Malaiische Gemeinschaft integriert. Auch in den niederländischen Familien wurde die portugiesische Sprache bis 1750 sehr viel gebraucht und dies trotz der Bemühungen des niederländischen Gouverneurs, die gegen den Gebrauch des Portugiesischen gerichtet waren.

Mangalore

Cannanore

Bengalen: Balasore, Pipli, Chandernagore, Chittagong, Midnapore, Hugli

Im 17. und 18. Jahrhunderts war Portugiesisch die “lingua franca” in Bengalen. Bis 1811 war Portugiesisch in allen christlichen Kirchen Kalkuttas, sowohl bei den Katholiken, als auch bei den Protestanten, in Gebrauch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nur noch in einigen Familien eine vereinfachte Form des Portugiesischen gesprochen. Es war durchsetzt mit englischen Wörtern (Campos 1919).

Molukken: Ternate, Ambon, Banda, Makassar

Ternateno, ein Kreol-Portugiesisch , wurde auf den Inseln Ternate und West-Halmahera gesprochen. Es ist jetzt ausgestorben.

Ambon ist ausgestorben, aber einige Portugiesisch-Spuren finden sich in der Sprache, die heute auf Ambon gesprochen wird – im Malaiisch-Ambonesischen. Diese Sprache hat an die 350 Wörter portugiesischen Ursprungs.

Entlang den Küsten des Indischen Ozeans gab es an die 44 Gemeinschaften, wo Portugiesisch gesprochen wurde.

Bibliographie:

– Abdurachman, Paramita Rahayu “Some Portuguese loanwords in the vocabulary of speakers of Ambonese Malay in Christian villages of the Central Moluccas”, 17 pp., LIPI, 1972, Jakarta, Indonesia.

– Clancy, Clements “The genesis of a language: the formation and development of Korlai Portuguese”
XII, 281 pp. maps, Creole language library vol.16, Benjamins, 1996, Amsterdam and Philadelphia.

– Dalgado, S. R. “Estudos sobre os Crioulos Indo-Portugueses” 187 pp. Comissão Nacional para as Comemorações dos Descobrimentos Portugueses 1998 Lisboa, Portugal.
Dialecto Indo-Português de Goa; Dialecto Indo-Português de Damão; Dialecto Indo-Português do Norte; Dialecto Indo-Português de Negapatão; Berço duma cantiga em Indo-Português. The latest edition of the interesting study of Sebastião Rodolfo Dalgado on the Creole languages of Goa, Damão, Negapatam and the Northern Province of India.

– Dalgado, Sebastião Rudolfo “Dialecto Indo-Português de Ceilão”
301p. (Cadernos Ásia) CNCDP, 1998, Lisboa, Portugal.

– Daus, Ronald “Portuguese Eurasian communities in Southeast Asia”
83 pp. Institute of Southeast Asia, 1989, Singapore.
The Portuguese Eurasian communities in Malacca, Tugu, Larantuka and Singapore.

– Goonatilleka, M.H. “A Portuguese Creole on Sri Lanka: A Brief Socio-Linguistic Survey”
In: SOUZA, Teotónio R. de (ed.) “Indo-Portuguese History. Old Issues, New Questions (3 th ISIPH )”
pp. 147-180 Concept, 1985, New Delhi, India.

– Hettiarachchi, A. S. “Influence of Portuguese on the Singhalese Language”
JCBRAS Vol. IX, 1965, pp. 229-238

– Jackson, Kenneth David “Sing without a shame:oral traditions in Indo-Portuguese creole verse: with transcription and analysis of a nineteenth-century manuscript of Ceylon Portuguese Creole”
XXVII, 257 pp. Creole Language Library, Benjamins, 1990, Amsterdam and Philadelphia.

– Lopes, David “A Expansão da Língua Portuguesa no Oriente durante os Séculos XVI, XVII e XVIII”
265 pp. Portucalense Editora, 1969, Porto, Portugal.

– Matos, Luís de “O português, língua franca no Oriente”
In: “Colóquios sobre as províncias do Oriente” Vol. 2 Junta de Investigações do Ultramar, 1968, Lisboa. – pp. 11-23
(Estudos de Ciências Políticas e Sociais ; 81)

– Silva Jayasuriya, Shihan de “Indo-Portuguese of Ceylon: a contact language”
188 pp. Athena Publications, 2001, London, UK.

– Silva Rego, Padre António do “Dialecto português de Malaca e outros escritos”
304 pp. (Cadernos Ásia) CNCDP, 1998, Lisboa, Portugal.
Dialecto Português de Malaca; A Comunidade Luso-Malaia de Malaca e Singapura; A cultura portuguesa na Malaia e em Singapura.

– Teixeira, Pe. Manuel “The Influence of Portuguese on the Malay Language”
In: “Journal of the Malayan Branch of the Royal Asiatic Society”, 1962, vol. XXXV (Pt. 1).

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Afrika Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Wichtige Daten über die Länder Afrikas mit portugiesischer Amtssprache (PALOP)

Verfasst von Dietrich Köster

Kap Verde
amtliche Bezeichnung: Republik Kap Verde
Hauptstadt: Praia
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch, daneben wird Kreol gesprochen.
Einwohnerzahl: 530.000
Fläche: 4.036 km²
Währung: Kapverden-Escudo (CVE)
Unabhängigkeitstag: 05. Juli 1975

Guinea-Bissau
amtliche Bezeichnung: Republik Guinea-Bissau
Hauptstadt: Bissau
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch; daneben werden u.a. Kreol, Mandjaco und Mandinga gesprochen.
Einwohnerzahl: 1.696.000
Fläche: 36.100 km²
Währung: westafrikanischer CFA-Franc (XOF)
Unabhängigkeitstag: 10. September 1974

Äquatorialguinea
amtliche Bezeichnung: Republik Äquatorialguinea
Hauptstadt: Malabo
Sprache: Die Amtssprachen sind Spanisch, Französisch und Portugiesisch; regional werden Fang, Bube und Anobonense gesprochen.
Einwohnerzahl: 676.000
Fläche : 28.050 km²
Währung: zentralafrikanischer Franc CFA (XAF)
Unabhängigkeitstag: 12. Oktober 1968

Insel Gorée, Senegal
Insel Gorée, Senegal

São Tomé und Príncipe
amtliche Bezeichnung: Demokratische Republik São Tomé und Príncipe
Hauptstadt: São Tomé
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch; daneben wird Kreol gesprochen.
Einwohnerzahl: 158.000
Fläche: 1.001 km²
Währung: Dobra (STD)
Unabhängigkeitstag: 12. Juli 1975

Angola
amtliche Bezeichnung: Republik Angola
Hauptstadt: Luanda
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch; daneben werden vor allem
Umbundo, Kimbundo, Kikongo und Tchokwe gesprochen.
Einwohnerzahl: 16.949.000
Fläche: 1.246.000 km²
Währung: Kwanza (AOA)
Unabhängigkeitstag: 11. November 1975

Mosambik
amtliche Bezeichnung: Republik Mosambik
Hauptstadt: Maputo
Sprache: Die Amtssprache ist Portugiesisch. Es gibt zahlreiche Nationalsprachen: Changane, Lomué, Shona, Tsonga, Chicheva und Macua.
Einwohnerzahl: 21.372.000
Fläche: 799.000 km²
Währung: Metical (MZN)
Unabhängigkeitstag: 25. Juni 1975

© Juni 2012 von Dietrich Köster, D-53113 Bonn

BIBLIOGRAPHIE:

Zusammengestellt mit der Datenbank der Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache (CPLP) und Fischer Weltalmanach 2010 und durch eigenes Wissen.
Siehe auch: https://www.colonialvoyage.com/de/kolonien/portugiesische/ueberseegebiete.html

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Mosambik Portugiesische Sprache Portugiesischer Kolonialismus

Portugiesisch in Mosambik: Sprachgeschichte, Sprachsituation und Sprachpolitik – ein Überblick

Verfasst von Dietrich Köster

1. Allgemeine Angaben

Mosambik liegt im Südosten Afrikas am Indischen Ozean und besitzt Tansania im Norden, Malawi, Sambia, Simbabwe und Südafrika im Westen und Swasiland sowie Südafrika im Süden als Nachbarländer. Die Republik Mosambik hat nach dem Stand von Juli 2005 19.406.703 Einwohner auf einer Fläche von 801.590 km². Damit beträgt die Bevölkerungsdichte 24 Einwohner/km².

2. Die Portugiesen in Mosambik 1498-1885

Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama erreichte das heutige Mosambik 1498 auf dem Weg nach Indien. Jahrhundertelang beschränkte sich der Einfluß Portugals und der portugiesischen Sprache auf die fast 3.000 km lange Küste und das Tal des Sambesi.

3. Die Portugiesen in Mosambik 1885-1974

Erst mit der von Bismarck einberufenen Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 sollte von den an Afrika interessierten Mächten festgelegt werden, daß ein Kolonialgebiet nur dann völkerrechtlich anerkannt wird, wenn diese Gebiete nicht nur entdeckt worden sind, sondern auch eine tatsächliche Staatsgewalt durch eine Verwaltungsstruktur, Polizei und Militär ausgeübt wird. Erst jetzt sollte Portugal Mosambik flächendeckend – im Süden unter Einsatz militärischer Gewalt – besetzen und eine Verwaltung bis in den letzten Winkel des Gebietes vortreiben. Erst nach dem 1. Weltkrieg hatte Portugal Mosambik voll unter seiner Kontrolle, wobei bis 1942 Teile des Landes unter Kolonialgesellschaften mit vom portugiesischen Staat verliehenen Hoheitsbefugnissen standen. Die Zahl der Portugiesen als Träger der portugiesischen Sprache sollte nur langsam steigen.

Sie betrug 187.000 im Jahre 1970. Einzige Amts- und Unterrichtssprache während der portugiesischen Herrschaft war die portugiesische Sprache. Diese Regelung galt auch für die von den christlichen Missionsgesellschaften betriebenen Missionsschulen. Die Portugiesen unterschieden bis 1961 zwischen civilizados und não-civilizados unter der eingeborenen Bevölkerung. Nur die 1% civilizados beherrschten die portugiesische Sprache in Wort und Schrift. Während die europäische Bevölkerung ihre Kinder fast geschlossen einschulte, lag der Anteil der Analphabeten unter der schwarzen Bevölkerung bei 97%. Weitere Personen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit besaßen durch den Kontakt mit Portugiesen mündliche Kenntnisse der portugiesischen Sprache. Die Bevölkerung Mosambiks betrug bei der Volkszählung Ende 1970 8,233 Millionen, darunter 187.400 Weiße, die fast ausschließlich Portugiesen waren, 39.300 Mestiços (Mischlinge), 18.400 Inder, besonders Goanesen, und 2.700 Chinesen, vor allem aus Macau.

Igreja de Santo António ou Capela, Ilha de Moçambique, Moçambique. Autor Steve Evans. Licensed under the Creative Commons Attribution
St. Antonius Kirche oder Kapelle, Ilha de Moçambique, Mosambik. Autor Steve Evans

4. Die Sprachpolitik der FRELIMO 1962-1974

Der bewaffnete Befreiungskampf wurde aus Tansania über den Grenzfluß Rovuma mit vom Ostblock gelieferten Waffen in den Norden Mosambiks hineingetragen. Dieser Kampf wurde von der 1962 durch Zusammenschluß dreier Organisationen zur Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) ab 1964 durchgeführt. Mit Ausnahme weniger Kämpfer, die in Nachbarländern intensiv mit der englischen Sprache in Berührung gekommen waren, setzte sich die FRELIMO von Anfang an für portugiesisch als einigendes Band – als língua da unidade nacional – ein, um Stammesdenken nicht aufkommen zu lassen.

5. Die Sprachpolitik der FRELIMO-Regierung ab der Unabhängigkeit am 25. Juni 1975

5.1. Portugiesisch als Unterrichts- und Amtssprache

Mit der politischen Unabhängigkeit Mosambiks vom Mutterland Portugal war es das erklärte Ziel der „Befeiungsbewegung an der Macht“, der FRELIMO, die Zahl der Analphabeten herabzusetzen. Da schon vor dem Unabhängigkeitstag die Portugiesen bis auf eine Restzahl von ca. 20.000 das Land überstürzt verlassen hatten, wandte sich die FRELIMO an Staaten des Ostblocks. Auf diese Weise kamen auch Dozenten aus der ehemaligen DDR bei der Lehrerausbildung zum Einsatz. Seit einigen Jahren unterstützt Portugal die Reaktivierung des Schulwesens. Schließlich leistet die Bundesrepublik Deutschland Bildungshilfe in Mosambik, vor allem durch die GTZ*. Alle Bildungsmaßnahmen werden grundsätzlich auf portugiesisch durchgeführt. Überlegungen, die mosambikanischen Schüler in einer einheimischen Sprache zu beschulen, gibt es unter der Federführung der Universidade Eduardo Mondlane (UEM) nur im Versuchsstadium von geringer Tragweite. Trotz aller Anstrengungen, die Zahl der Analphabeten zu senken, liegt die Zahl der Lese- und Schreibunkundigen heute noch bei 70%. Alle staatlichen Einrichtungen bedienen sich monopolartig der portugiesischen Sprache. Dies gilt für alle Behörden, die Gerichte, die Polizei und das Militär. Alle schriftlichen Verlautbarungen erfolgen ausschließlich auf portugiesisch. Ausnahmen sind nur bei mündlicher Kontaktaufnahme zu einzelnen öffentlichen Bediensteten vorstellbar.

Im Artikel 10 der Verfassung von 2004 heißt es ausdrücklich: In der Republik Mosambik ist die portugiesische Sprache die Amtssprache.

* Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit

5.2. Erwachsenenalphabetisierung und portugiesische Sprache

Da die Mehrzahl der Bevölkerung noch auf dem Lande lebt und hier das Netz der Schulen noch weitmaschig ist, ist die Zahl der Analphabeten unter den Erwachsenen hier besonders hoch. Für diesen Personenkreis gibt es zunehmend Alphabetisierungskurse, die in neunmonatigen Grund- und Aufbaukursen Anfangsgründe des Portugiesischen vermitteln. Wer eine reguläre Schullaufbahn absolvieren möchte, hat nur in den Provinzhauptstädten – besonders in Maputo, Beira und Nampula – die Möglichkeit, einen Abschluß einer weiterführenden Schule zu erwerben.

5.3. Die Bedeutung der Presse, des Hörfunks und des Fernsehens für die Verbreitung der portugiesischen Sprache

Die Presse ist bis auf eine kleine Tageszeitung in Beira auf die Hauptstadt Maputo konzentriert. Im wesentlichen handelt es sich um die Tageszeitung notícias, die Sonntagszeitung domingo und die Wochenzeitungen Tempo und SAVANA. Alle Zeitungen erscheinen in portugiesischer Sprache und erreichen in erster Linie die Leserschaft in der Hauptstadt. Während das Fernsehen nur die Ballungsräume des Landes erreicht und in portugiesisch ausgestrahlt wird – ausländische Filme werden im Originalton mit portugiesischen Untertiteln gezeigt -, bedient sich der Hörfunk neben dem Portugiesischen auch der sechs wichtigsten Regionalsprachen, wobei changana als der bedeutendsten einheimischen Sprache eine herausgehobene Stellung zukommt.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß außer im Hörfunk auch bei den Masssenmedien das Portugiesische eine beherrschende Position innehat.

5.4. Das mosambikanische Portugiesisch

Vor der Unabhängigkeit war das Portugiesische des Mutterlandes als Sprachnorm (língua-padrão) für das gesamte öffentliche Leben im Rahmen der portugiesischen Assimilierungspolitik zwingend vorgeschrieben. Schließlich sah die damalige Überseepolitik als langfristiges Ziel vor, alle Mosambikaner sprachlich und kulturell zu Portugiesen zu machen. Sprachabweichungen von der europäischen Norm wurden als pretoguês abqualifiziert. Dieser Zwang der Beachtung der Sprachnorm des Mutterlandes sollte mit der Unabhängigkeit nachlassen. Jetzt wurden Wörter aus den einheimischen Sprachen ins Portugiesische eingeführt. Mit dem Wind des politischen Wandels Anfang der 1990er Jahre sollte das politisch gefärbte Vokabular teilweise wieder aufgegeben werden.

6. Bibliographie

– Leiste, Doris, Die portugiesische Sprache in Moçambique – eine Untersuchung zur Entwicklung der Sprachsituation von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart, Dissertation A, Karl-Marx-Universität, Leipzig 1988

– Perl, Matthias u.a., Portugiesisch und Crioulo in Afrika, Geschichte – Grammatik – Lexik – Sprachentwicklung, Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1994, ISBN 3-8196-0261-5

– Leclerc, Jacques, L’aménagement linguistique dans le monde, Mozambique, Universität Laval, Québec 2006, https://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/mozambique.htm

– Jacob, Ernst Gerhard, Grundzüge der Geschichte Portugals und seiner Übersee-Provinzen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1969

– Klett-Handbuch für Reise und Wirtschaft Afrika, herausgegeben vom Afrika-Verein e.V., Hamburg, Band III Südliches Afrika, Kapitel Moçambique, Seiten 301-324, 2. Auflage, Ernst Klett Verlag, Stuttgart Januar 1975, ISBN 3-12-949020-5

© Mai 2006 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Kapverdische Inseln Portugiesische Sprache

Kapverden – Die soziale und politische Rolle des Kapverden-Kreols

Verfasst von Dietrich Köster

Offizielle Bezeichnung/denominação oficial: República de Cabo Verde
Hauptstadt/capital: Cidade da Praia
Amtssprache ist Portugiesisch./A língua oficial é o Português.
Zahl der Einwohner/número de habitantes: 530.000 (2010)
Fläche/superfície: 4.036 km²
Währungseinheit/unidade monetária: Escudo de Cabo Verde (CVE)
Unabhängigkeitstag/dia da independência: 5. Juli 1975/5 de Julho de 1975

Auch wenn Portugiesisch bisher die einzige Amtssprache ist, gibt es Bestrebungen das Crioulo cabo-verdiano – eine Kreolsprache mit 90% portugiesischem Wortschatz und 10% Vokabular westafrikanischer Sprachen und einer weitgehend afrikanisch geprägten Grammatik – zur zweiten Amtssprache zu entwickeln.
Das kapverdianische Kreol wird als Nationalsprache bezeichnet.

So schreibt Adelaide Monteiro Lima vom Instituto de Investigação e do Património Culturais (IIPC) am 02. Dezember 2010, daß die Verfassung von Kapverde die kapverdianische Sprache – gemeint ist das Kreol – als Amtssprache im Aufbau betrachtet und es notwendig sei, die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Amtssprachenstatus zu schaffen:
<A Constituição de Cabo Verde considera a língua cabo-verdiana, “língua oficial em construção” e diz que é necessário criar condições para a sua oficialização.>

Beim Kapverden-Kreol unterscheidet man zwei Hauptvarianten auf neun bewohnten Inseln:
Crioulo de Barlavento/Kreol der Inseln über dem Winde, das ist der nördliche Inselbogen mit Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal und Boavista
Crioulo de Sotavento/Kreol der Inseln unter dem Winde, der südliche Inselbogen mit Maio, Santiago, Fogo und Brava
Dabei besitzt jede dieser Inseln eine spezifische Ausprägung des Kreols, wobei die lokalen Kreols der Inseln São Vicente und Santiago eine Vorrangstellung besitzen.

Die Unterschiede versucht das Einheitsalphabet für die Schreibweise des Kapverdianischen/Alfabeto Unificado para a Escrita do Caboverdiano (ALUPEC) auszugleichen. Dieses Alphabet ist von der Regierung der Kapverden anerkannt.

Da 99% der Kapverdianer das Kreol als ihre Muttersprache betrachten, gelangen fast alle Kinder nur mit Kreolkenntnissen zur Einschulung.
Der Übergang zur Unterrichtssprache Portugiesisch bereitet den Schülern Mühe. Während vor der Unabhängigkeit der Gebrauch des Kreols auf dem Schulgelände verboten war, können sich die Lehrer heute zur Verdeutlichung des Lehrgegenstandes in der Grundschule (1. bis 6. Schuljahr) des Kreols in einer Unterstützungsfunktion bedienen.

Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß es eine gewisse Arbeitsteilung zwischen der Amtssprache Portugiesisch und der Nationalsprache Kapverden-Kreol gibt:

Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum. Licensed under the Creative Commons Attribution
Santiago, Kapverdische Inseln. Author Gagum

Portugiesisch

Es ist die allgemeine Schriftsprache.

Es stellt die Sprache der internationalen Kommunikation dar, besonders mit den anderen Ländern portugiesischer Amtssprache.
Die Presse, der Hörfunk und das Fernsehen bedienen sich nahezu ausschließlich dieser Sprache.
Der staatliche Radiosender bringt aber täglich eine Nachrichtensendung auf Kreol.
Alle schriftlichen Verlautbarungen der Regierung, der Justiz und des Parlaments und aller übrigen Einrichtungen von öffentlichem Interesse wie Bildungseinrichtungen bedienen sich des Portugiesischen.
Repräsentanten staatlicher und kommunaler Dienststellen halten ihre öffentlichen Reden in dieser Sprache.

Kapverdianisches Kreol

Es ist die Sprache der mündlichen Kommunikation.

Im Familienkreis, unter Bekannten und Freunden und auf dem Markt bedient man sich der allgemeinen Umgangssprache des kapverdianischen Kreols.
Schriftsteller, die auf Publikumserfolg setzen, verleihen ihren Werken Lokalkolorit, indem sie Kreol-Begriffe einfließen lassen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß von Regierungsseite Anstrengungen unternommen werden, die kapverdianische Sprache – das Kapverden-Kreol – durch schrittweise Einführung als zusätzliche Amts- und Unterrichtssprache aufzuwerten und dem Portugiesischen gleichzustellen.

Hinzugezogene Literatur:

– LECLERC, Jacques, L’aménagement linguistique dans le monde, Cap-Vert, Université Laval, Québec, décembre 2010 [http://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/Cap-Vert.htm].
– Kapitel “Cabo Verde” in:<http://www.pt.wikipedia.org/wiki/Cabo_Verde>, aufgerufen am 19. Dezember 2010
– Schreiben von Adelaide Monteiro Lima, Mitarbeiterin des Instituto de Investigação e do Património Culturais (IPC) de Cabo Verde vom 02. Dezember 2010

© Januar 2011 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Afrika Portugiesischer Kolonialismus São Tomé und Príncipe

São Tomé und Príncipe: die portugiesischsprachigen Plantageninseln im Golf von Guinea – Situation im Jahr 1990 und Entwicklungsaussichten

Verfasst von Dietrich Köster

Die Inseln São Tomé und Príncipe liegen im Golf von Guinea eben nördlich des Äquators. Sie sind von Lissabon, Libreville (Gabun) und Luanda aus auf dem Luftweg zu erreichen. Am bequemsten gelangt man nach São Tomé , indem man mit SABENA von Brüssel nach Libreville und von dort mit der kleinen Maschine der Fluggesellschaft „Equatorial“ nach São Tomé fliegt.

Die Hauptinsel São Tomé liegt 280 km westlich von Libreville und die kleinere Insel Príncipe ungefähr 140 km nordöstlich der Hauptinsel. Beide Inseln zusammen bilden eine Fläche von 1.001 km² und haben eine Bevölkerung von 114.000 Einwohnern. Die Bewohner sind größtenteils Schwarze, deren Vorfahren als Sklaven von den Portugiesen hierher gebracht wurden. Daneben gibt es etwa 15% Mischlinge von den Kapverden und eine Restgruppe Portugiesen, Ein halbes Jahrtausend portugiesischer Kolonialherrschaft haben die beiden Inseln und ihre Bevölkerung geprägt.

Gleich beim Verlassen des Flugzeugs schlägt dem Reisenden feuchtwarme Luft entgegen. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, die an der Küste nur selten unter 25º C sinken, kennzeichnen das Klima. Das üppige Grün der Vegetation und der schlechte bauliche Zustand der Häuser und Straßen sind die ersten Eindrücke, die ins Auge springen. Die Vermutung liegt nahe, daß seit der Unabhängigkeit im Jahre 1975 keine Bauunterhaltungsmaßnahmen mehr ergriffen worden sind. Das Befahren der Straßen wird so zu einer Slalom-Partie.

Größte Stadt und Hauptstadt des Archipels ist São Tomé mit 20.000 Einwohnern. Es fällt auf, daß das Stadtbild stark von Militär und Polizei geprägt wird. Dabei handelt es sich nicht nur um einheimisches Militär, sondern auch um ein tausend Mann starkes Militärkontingent aus Angola.

Der Präsidentenpalast, der nicht fotografiert werden darf, besitzt eine Wachmannschaft, die feldmarschmäßig ausgerüstet ist und das Bajonett aufgepflanzt hat. Vor dem Wachwechsel ertönt ein Trompetensignal, das jeden Passanten und Autofahrer auffordert, stehen zu bleiben. Die gleiche Habachtstellung gilt für die Augenzeugen der vorbeifahrenden Fahrzeugkolonne des Staatspräsidenten, Dieser hat seinen Amtssitz nicht nur auf zwei Seiten weiträumig absperren lassen, sondern läßt mit sich auch einen ausgeprägten Personenkult treiben. So hängt in vielen Geschäften das Porträt von Präsident Pinto da Costa.

Die Versorgungslage der Bevölkerung läßt zu wünschen übrig. Zwar bietet der Markt der Hauptstadt einheimische landwirtschaftliche Produkte feil, aber der Einzelhandel hat für den Kunden nur wenige Erzeugnisse des gehobenen Bedarfs vorrätig. Nur in der Loja Franca – sie entspricht dem Intershop in der DDR – kann man gegen US$ Qualitätserzeugnisse erwerben.

Eine weitere Oase westlichen Warenangebots bildet das einzige 4-Sterne-Hotel „Miramar“, das einer Schweizer Hotelkette gehört und von Herrn Furrer, einem Schweizer, geleitet wird. Auch hier erfolgt der Zahlungsverkehr nur in konvertibler Währung. Zur Sicherung des hohen Hotelstandards werden zahlreiche Ver- und Gebrauchsgüter aus der Republik Südafrika und Namibia eingeführt. Dieses Hotel, das seinen Gästen viel zu bieten hat, nimmt gleichzeitig die Funktion eines Fremdenverkehrsbüros wahr. So werden von hier verschiedene Inselrundfahrten und in Verbindung mit „Equatorial“ Flugexkursionen nach Príncipe angeboten. Das Hotel „Miramar“ wird von zahlungskräftigen Gästen aus Libreville aufgesucht und ist Treffpunkt der Entwicklungshelfer aus der Sowjetunion, aus Kuba, der DDR, aus der Schweiz, aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, aus Portugal und Spanien.

Auch die Vereinten Nationen stellen durch ihr Entwicklungsprogramm UNDP, durch die Weltgesundheitsorganisation und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation Entwicklungshelfer. Der Schwerpunkt der Hilfstätigkeit liegt im Bereich des Schulwesens, der Berufsausbildung, der Verbesserung der Gesundheitssituation und der Diversifizierung der Landwirtschaft. So bildet die DDR durch ihre FDJ-Freundschaftsbrigade Maurer und Maurerinnen aus.

Ziel der Regierung ist die breitere Auffächerung der landwirtschaftlichen Angebotspalette. Man möchte von der Monokultur des Kakaos wegkommen. Zur Zeit stellen die Kakaoplantagen noch 90% des Ausfuhrwertes. Daneben gehen noch geringe Mengen Kopra, Kaffee und Palmöl in den Export. Die Erzeugung von Kakao ist ab 1975 mit der Flucht der portugiesischen Fachkräfte stark zurückgegangen. Die Verstaatlichung der Plantagen – Roças genannt – hat hieran nichts ändern können. Seit einigen Jahren bemüht sich die Regierung durch ihr Strukturanpassungsprogramm, der Privatinitiative mehr Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen. So gibt es jetzt mehrere Plantagen mit privatem Management. Auch sind Einzelhandelsgeschäfte teilweise wieder im Besitz von Geschäftsleuten. Die Plantage Água Izé zum Beispiel besitzt eine gemischte Eigentumsform und ist erfolgreicher als die rein staatlichen Landwirtschaftsunternehmen.

Neben der Steigerung des Anbaus von Gemüse, Reis, Mais, Maniok, Bananen und von anderen Grundnahrungsmitteln plant man den Ausbau des Fremdenverkehrs. Das warme Klima, die Landschaft mit ihrem immergrünen Pflanzenkleid, einsamen Stränden, Wasserfällen und Vulkanschloten, und nicht zuletzt die freundlichen Inselbewohner, sind günstige Voraussetzungen für den Tourismus.

Für eine Ankurbelung dieses Wirtschaftszweiges ist allerdings eine Instandsetzung bzw. ein Ausbau des Verkehrsnetzes auf beiden Inseln, der Bau eines Tiefwasserhafens und ein besserer Anschluß an das internationale Flugnetz in Libreville erforderlich.

Meines Erachtens ist der Kleinstaat ohne Hilfe von außen nicht lebensfähig. Eine Eingliederung von São Tomé und Príncipe in die Zentralafrikanische Zoll- und Wirtschaftsunion (UDEAC) würde dem Inselstaat den vom französischen Schatzamt garantierten CFA-Franc bringen. São Tomé und Príncipe sollte hier dem Beispiel des benachbarten Äquatorialguinea, das seit 1985 Mitglied der CFA-Zone ist, folgen.

Eine Alternative für die Zeit nach dem Erreichen einer Friedenslösung im südwestlichen Afrika wäre eine engere Anlehnung oder Angliederung von São Tomé und Príncipe an das ebenfalls portugiesischsprachige Angola.

© März 1990 by Dietrich Köster, D-53115 Bonn