Berg Bosavi, Papua-Neuguinea. Author Panvorax. Licensed under the Creative Commons Attribution.
Berg Bosavi, Papua-Neuguinea. Author Panvorax

Koloniale Ausbreitung auf Neuguinea

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Verfasst von Davide Parassoni. Übersetzt von Dietrich Köster

PORTUGIESISCHE ERKUNDUNG

Die Insel Neuguinea wurde das erste Mal vom portugiesischen Forscher António de Abreu 1512 gesichtet und wurde vom portugiesischen Gouverneur der Molukken Jorge de Meneses 1526 erreicht, nachdem Monsunstürme sein Schiff, das nach Waigeo auf Ternate unterwegs war, abgetrieben hatte (Karte 1). Meneses fand einen guten Ankerplatz an der Küste von Vogelkop – der nordwestlichen Halbinsel von Neuguinea -, wahrscheinlich in der Bucht von Geelvink (Karte 1) und taufte die gerade entdeckten Inseln Inseln der Papuas (Inseln der Kraushaarigen).

SPANISCHE ERKUNDUNG

1528 wurden die Schouten-Inseln (Biak Karte 1) und die Insel Manus (Karte 3) vom Spanier Álvaro de Saavedra Cerón bei seinem Versuch, Mexiko von Indien aus anzusteuern, erreicht.

Karte 1

Karte 1

1537 erreichen die beiden spanischen Forscher Grijalva und Alvarado die von de Saavedra vorher besuchten Inseln. Am 20. Juni 1545 werden die Inseln vom Spanier Inigo Ortiz de Retes an Bord des Schiffes “San Juan” erreicht. Es ist die Mündung des Flusses Santo Agustín (Mamberamo Karte 1). Er nahm die Inseln im Namen des spanischen Königs in Besitz. Er tauft die Hauptinsel Neuguinea, weil die örtliche Bevölkerung der afrikanischen Bevölkerung ähnelte. Auf derselben Reise gelangt das Schiff bis zum heutigen Wewak (Karte 3) und entdeckt viele der benachbarten Inseln.

1606 entdecken Prado und Torres, auch Spanier, den heutigen Hafen Port Moresby (Karte 2).

NIEDERLÄNDISCHE ERKUNDUNG

1605 fuhr der Niederländer Willem Jansz auf einer Strecke von 220 Meilen die Südküste Neuguineas entlang. Die Insel Neuirland (Karte 3) und die Admiralitätsinseln wurden 1616 von den niederländischen Seefahrern Willem Corneliszoon Schouten und Jacques Le Maire entdeckt.

1623 landet Jan Carstenszoon mit der Absicht Informationen über den örtlichen Handel zu gewinnen an an der Südküste. Ab 1636 drängen sich die Interessen am nordwestlichen Teil der Insel seitens der niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) geradezu auf. Sie entsendet Gerrit Pool als Agenten. Er soll die Handelspotentiale der Region ausfindig machen.

1705 wird von der VOC eine niederländische Expedition aus den drei Schiffen “Geelvink”, “Kraanvogel” und “Nova Guinea” unter der Führung von Jacob Weyland entsandt. Sie soll die Küsten der Insel weiter erkunden.

NIEDERLÄNDISCHE KOLONISIERUNG

1828 proklamieren die Niederländer die Besitzergreifung über den Teil der Insel, der heute indonesisches Territorium ist.

Die erste ständige Niederlassung wird in Triton Bay gegründet und Merkussoord genannt (Karte 1). Im Zentrum dieser Ansiedlung wird ein Fort aus Stein errichtet: Fort de Bus. Von diesem Fort haben wir eine ausführliche Beschreibung: Direkt am Meer gelegen, war es quadratisch und von zwei Palisadenzäunen umgeben. An den vier Ecken waren vier Kanonen postiert und an der Meerseite waren ein 3-Pfünder und ein 6-Pfünder aufgestellt und dazwischen wehte die niederländische Flagge. Rund um das Fort gab es einen dichten Urwald. Die Niederländer trachteten danach, diesen zu lichten, um so die Wirksamkeit der Geschütze zu erhöhen. Das Fort wurde 1836 nach Angriffen der Eingeborenen aufgegeben. Krankheiten hatten die Bevölkerung, die aus 13 Europäern und zwanzig indischen Soldaten mit ihren Familien bestand, dezimiert. 1846 forderte der britische Kapitän Yule am Kap Possession (Karte 2) die Insel Neuguinea als britische Besitzung. Die Forderung wird von der Britischen Krone nicht bestätigt, aber sie verpflichtet die Niederlande, ihre Gebietsansprüche auf Neuguinea zu rechtfertigen.

1849 hat sich eine Expedition unter Führung von D. J. van den Dungen Gronovius zum Ziel gesetzt, die niederländischen Besitzungen auf Neuguinea zu demarkieren und Eisenflaggen mit der Aufschrift “Indische Nederlanden” und das königliche Wappen an den Anlegestellen der nordwestlichen Küste wie in Dorei (Manokwari Karte 1) anzubringen.

1875 wird die Linie, die von der Humboldt-Bucht nach Süden dem Meridian folgt, als Grenze im Osten angesehen.

1878 befindet sich in Andai ein Warenumschlagplatz.

In den folgenden Jahren dient die Erforschung des Inselinnern rein wissenschaftlichen Zwecken, und die Besitzung auf der Insel wird nicht weiterentwickelt.

BRITISCHE ERKUNDUNG UND BRITISCHER KOLONISATIONSVERSUCH

Karte 2

Karte 2

1700 wird die Insel Neubritannien (Karte 3) von William Dampier entdeckt.

1775 deutet sich der Versuch des Händlers Thomas Forrest an, eine Pflanzung in Dorei in der Geelvink-Bucht anzulegen.

1793 ergreift John McCluer – ein in Indien stationierter Offizier – im Namen der Britischen Krone Besitz von der Insel Gebè. Im Juli desselben Jahres ergreift der britische Kapitän Bampton Besitz von der Insel Darnley (Karte 2), den benachbarten Inseln und der gegenüberliegenden Küste von Neuguinea. Der Kapitän John Hayes von der Marine Bombays und Vertreter der britischen Ostindien-Kompanie ergreift am 25. Oktober 1793 Besitz von der Restoration Bay (Ex-Dorei) und gründet die Ansiedlung New Albion an dem Ort, wo es eine Balken-Palisade gibt, die Fort Coronation genannt wird. Die Niederlassung zählt anfänglich eine Bevölkerung von 40 Europäern. Das beanspruchte Territorium dehnt sich von Waigeo im Westen bis zur Insel Rossel (Karte 2) im Osten aus. im Mai 1795 wird die Ansiedlung aufgegeben, da sie weder das Interesse der Britischen Krone, noch der britischen Ostindien-Kompanie genießt.

1872 wird die Bucht, wo sich heute Rabaul erhebt, erkundet. Im folgenden Jahr wird von Kapitän Moresby die Bucht erkundet, wo sich danach die gleichnamige Stadt erheben wird.

DIE FREIE KOLONIE “NOUVELLE FRANCE”

Die Insel Neuirland ist ab dem 16. Januar 1880 Ort des ersten Versuchs einer ständigen Ansiedlung von Franzosen, die nicht von ihrem Mutterland unterstützt werden, sondern gerazu im Gegensatz zu ihm stehen. Befehligt vom Marquis de Rays wird die in Port-Breton (Port Praslin) gegründete Ansiedlung Kolonie “Nouvelle France” genannt. Das erste Schiff mit Kolonisten, die aus ganz Europa kommen, legt zuerst an der Insel Laughlan an, wovon einige Kolonisten Besitz egreifen. Schließlich gelangt das Schiff im Januar 1880 nach Port Breton. Da der Ort für eine Ansiedlung als ungeeignet erachtet wird, fährt das Schiff nach Likiliki (Metlik) weiter (Karte 3). Da der erste Kommandant der Kolonie – de la Croix – auch diese Lage als unwirtlich erachtet, kehren fast alle an diesem Unternehmen beteiligten 800 Kolonisten nach Sydney zurück. Die 60 Personen starke Kolonie, die entschlossen ist sich anzusiedeln, wird von McLaughlin geleitet, der vom 16. Januar bis 25. August 1880 den Posten des stellvertretenden Kommandeurs innehatte. Nur durch das Eingreifen einiger in Port Hunter stationierter Missionare werden viele Kolonisten vor den dort vorkommenden Tropenkrankheiten bewahrt. Im März 1880 sticht ein zweites Schiff – kommandiert von Rabardy – mit Armeeoffizieren und Polizisten von Barcelona aus in See. Es soll in Kap Breton die Ansiedlung für die Kolonisten bauen, die die Reise bereits bezahlt haben. Die Erweiterung der Siedlung und die teilweise Urbarmachung der ausgesuchten Böden für die Niederlassung reichten nicht aus, um die Kolonie zu stabilisieren. Die fortgesetzten Epidemien führten schließlich im Februar 1882 zur Aufgabe des Siedlungsversuchs und zur Rückkehr der gesamten Kolonistengemeinschaft nach Sydney.

BRITISCHES PROTEKTORAT

Karte 3

Karte 3

Am 03. April 1883 annektiert das Territorium Queensland (Nordost-Australien) die südöstliche Küste von Neuguinea aus Furcht vor Eingriffen seitens feindlicher europäischer Mächte (Deutschland) in seinem Einflußgebiet im Namen des Vereinigten Königsreichs. Die Flagge, die in Port Moresby gehißt wurde, war jene der Briten. Aber die Britische Krone erkannte die Besitzergreifung dieses Gebietes nicht sofort an.

Am 06. November 1884 proklmiert das Vereinigte Königreich das Protektorat über den südöstlichen Teil der Insel, die Neuguinea heißt. Der Sitz des Kommandos ist in Port Moresby. Die Grenze zum deutschen Schutzgebiet wird mehrfach neu festgelegt und schließlich auch an der Ostküste in Mitre Rock (Karte 2). Im Westen bleibt die 1875 mit den Niederländern festgelegte Grenze in Kraft.

BRITISCHE KOLONIE

Am 04. September 1888 wandelt das Vereinigte Königreich das Protektorat in eine Kolonie um.

Ab 01. September 1906 wird die Verwaltung der bisherigen britischen Kolonie Neuguinea auf Australien übertragen.

DEUTSCHES SCHUTZGEBIET

Am 19. November 1878 erwirbt Deutschland seine erste Kolonie im Pazifik: die Ralik-Inseln, die einen Teil der Marshall-Inseln bilden.

Am 26. Mai 1884 wird in Berlin die Neu-Guinea Compagnie (NGK) gegründet.

Am 03. November 1884 erreichen die Kriegsschiffe SMS “Elisabeth” und SMS “Hyäne” die Insel Matupi im Bismarck-Archipel, und Deutschland proklamiert die Schutzherrschaft über den nordöstlichen Teil Neuguineas – Kaiser-Wilhelmsland genannt – nacheinander mit dem Verwaltungssitz in Finschhafen (1885-1891), Friedrich-Wilhelmshafen (1891-1899), Herbertshöhe 1899-1909) und Rabaul (1909-1914) für ganz Deutsch-Neuguinea (Karte 3). Am 04. November 1884 wird auf der Insel Mioko die deutsche Reichsflagge gehißt. Am 23. Dezember 1884 erteilt Bismarck die Anweisung, daß jede neue Erwerbung der NGK unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt wird. Dies schließt auch die Admiralitätsinseln, die Hermit- und Anchorite-Inseln, Neupommern (heute: New Britain), Neumecklenburg (heute: New Ireland), Neuhannover (heute: New Hanover oder Lavongai) ein.

Am 24. November 1884 wird die Ansiedlung Finschhafen gegründet. (Karte 3).

Vom 17. Mai 1885 bis 1899 wird die deutsche Kolonie von der Neu-Guinea Kompagnie verwaltet.

Vom 04. bis 10. März 1885 finden deutsch-britische Gespräche über die Einflußzonen im Pazifik statt.

1886 erkennt das Vereinigte Königreich die deutschen Einflußzonen im Pazifik an. Deutschland werden die Inseln Bougainville, Choiseul und Santa Isabel zuerkannt. 1899 wurden jedoch die beiden letztgenannten Inseln an Großbritannien abgetreten.

1891 wird die Ansiedlung Finschhafen wegen einer Malaria-Epidemie aufgegeben.

Vom 01. April 1899 bis zum 10. November 1914 wird die Kolonie unmittelbar vom Deutschen Reich ohne Zwischenschaltung einer Kolonialgesellschaft verwaltet.

1909 wird der Verwaltungssitz nach Rabaul auf der Insel Neupommern (heute: New Britain) verlegt.

1907 wird eine staatliche Schule in Namanula bei Rabaul eröffnet. 1910 wird eine Sekundarschule auf Saipan eröffnet.

Am 18. Dezember 1910 wird die Grenze zwischen Deutsch- und Niederländisch-Neuguinea nach der Entdeckung von natürlichen Hindernissen im Inneren der Insel neu festgelegt.

Am 11. November 1914 werden die deutschen Territorien von Australien besetzt und kommen als Folge der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg an Australien (offiziell am 10. Januar 1920 nach dem Versailler Vertrag).

BIBLIOGRAPHIE:

– Whittaker, Gash, Hookey and Lacey, Documents and Readings in New Guinea History, The Jacaranda Press, Milton, 1975.© Copyright Whittaker, Gash, Hookey and Lacey, 1975.

Die Karten stammen aus: http://www.papuaweb.org maps pages.© Copyright UNIPA – ANU – UNCEN PapuaWeb Project, 2002-2003.

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