Kathedrale von St. Paul, Macau. Author Whhalbert. Licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike
Kathedrale von St. Paul, Macau. Author Whhalbert

Macau 1997

Verfasst von Dietrich Köster

Das chinesische Territorium unter portugiesischer Verwaltung – 65 km westlich von Hongkong gelegen – ist jetzt nicht nur mit dem Tragflügelboot (jactoplanador/jetfoil) von Hongkong aus in einstündiger Fahrt zu erreichen, sondern auch auf dem Luftweg. Am 08. Dezember 1995 wurde der Internationale Flughafen Macau in Betrieb genommen. Das Gelände für die Start- und Landebahn ist durch Aufschüttung dem Südchinesischen Meer abgerungen worden. Der Flughafen dient nicht nur als Umsteigestation den Flugreisenden aus Taiwan, die die Volksrepublik China besuchen wollen, sondern auch als Sprungbrett von Südostasien in viele Regionen Festlandchinas. Die Verbindung mit Europa stellt die portugiesische Fluggesellschaft TAP – Air Portugal durch zwei wöchentliche Flüge von Lissabon nach Macau und zurück her. Daneben gibt es verschiedene europäische Fluggesellschaften, die Frachtflüge nach hier durchführen.

Vom Empfangsgebäude auf der Insel Taipa – eine der beiden dem eigentlichen Macau vorgelagerten Inseln – führt eigens eine neue Brücke zum festländischen Teil Macaus. Schon von weitem grüßt das neue Wahrzeichen Macaus, der Hochhausturm der Bank of China, eine der beiden Notenbanken des Territoriums. Daneben nimmt sich das Hotel de Lisboa – früher ein markanter Punkt der Stadtlandschaft – bescheiden aus. Macau ist in den letzten fünfzehn Jahren Hongkong immer ähnlicher geworden. Zahlreiche Hochhäuser beherrschen heute die Stadtsilhouette. Banken, Spielbanken, Versicherungsgesellschaften und andere Dienstleistungseinrichtungen bestimmen stark die Beschäftigungsstruktur der Bevölkerung Macaus. Mit 97% der Einwohner stellen Chinesen die überwältigende Mehrheit, gefolgt von 2% Portugiesen.

Letztgenannte sind häufig aus Portugal auf Zeit entsandt, um in der öffentlichen Verwaltung und im Schulwesen tätig zu sein. Bis 1991 war Portugiesisch die einzige Amtssprache. Seit diesem Jahr besitzt Chinesisch den gleichen Status. Während in der Praxis eine Verständigung auf Chinesisch überall möglich ist, besteht diese Möglichkeit auf Portugiesisch nur in eingeschränktem Maße, da Englisch als Geschäftssprache der Amtssprache europäischen Ursprungs allein schon aufgrund der Nähe zu Hongkong Konkurrenz macht. Hier hat die portugiesische Verwaltung von Macau in der Vergangenheit viel versäumt. Nur in den wenigen portugiesischen und luso-chinesischen Schulen ist Portugiesisch Unterrichtssprache bzw. Pflichtfach. In den zahlreichen chinesischen Schulen wird Portugiesisch nur als Wahlfach angeboten. Trotzdem sind alle öffentlichen Bekanntmachungen und Beschilderungen – auch der Geschäfte – stets in beiden Amtssprachen gehalten. Dem inzwischen erkannten Mißstand versucht die Verwaltung in den letzten Jahren durch verstärkte Ausbildung von Portugiesischlehrern gegenzusteuern. In der Erwachsenenbildung versuchen das Centro de Difusão de Línguas und das Instituto Português do Oriente den mangelnden Portugiesischkenntnissen der Bevölkerung abzuhelfen.

Am 20. Dezember 1999 wird nach dem Vorbild von Hongkong Macau als „Besondere Verwaltungsregion“ an die Volksrepublik China übergeben. Der zwischen Portugal und der VR China 1987 abgeschlossene Vertrag sieht eine Beibehaltung des bisherigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Systems für weitere 50 Jahre vor, so daß erst im Jahre 2049 eine Angleichung an Festlandchina erfolgen dürfte. Die am 22. Juni 1997 durchgeführten Kommunalwahlen waren die letzten vor der Übergabe des Territoriums an China.

Die sogenannte Lokalisierung bezweckt den Ersatz portugiesischer Verwaltungsfachkräfte durch Macau-Chinesen, die im Hinblick auf die Übernahme von Spitzenpositionen in der öffentlichen Verwaltung zur Zeit fortgebildet werden.

© Oktober 1997 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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