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Koloniale Erkundung und Ausbreitung auf Neuguinea

Verfasst von Davide Parassoni. Übersetzt von Dietrich Köster

PORTUGIESISCHE ERKUNDUNG

Die Insel Neuguinea wurde das erste Mal vom portugiesischen Forscher António de Abreu 1512 gesichtet und wurde vom portugiesischen Gouverneur der Molukken Jorge de Meneses 1526 erreicht, nachdem Monsunstürme sein Schiff, das nach Waigeo auf Ternate unterwegs war, abgetrieben hatte (Karte 1). Meneses fand einen guten Ankerplatz an der Küste von Vogelkop – der nordwestlichen Halbinsel von Neuguinea -, wahrscheinlich in der Bucht von Geelvink (Karte 1) und taufte die gerade entdeckten Inseln Inseln der Papuas (Inseln der Kraushaarigen).

SPANISCHE ERKUNDUNG

1528 wurden die Schouten-Inseln (Biak Karte 1) und die Insel Manus (Karte 3) vom Spanier Álvaro de Saavedra Cerón bei seinem Versuch, Mexiko von Indien aus anzusteuern, erreicht.

Karte 1
Karte 1

1537 erreichen die beiden spanischen Forscher Grijalva und Alvarado die von de Saavedra vorher besuchten Inseln. Am 20. Juni 1545 werden die Inseln vom Spanier Inigo Ortiz de Retes an Bord des Schiffes “San Juan” erreicht. Es ist die Mündung des Flusses Santo Agustín (Mamberamo Karte 1). Er nahm die Inseln im Namen des spanischen Königs in Besitz. Er tauft die Hauptinsel Neuguinea, weil die örtliche Bevölkerung der afrikanischen Bevölkerung ähnelte. Auf derselben Reise gelangt das Schiff bis zum heutigen Wewak (Karte 3) und entdeckt viele der benachbarten Inseln.

1606 entdecken Prado und Torres, auch Spanier, den heutigen Hafen Port Moresby (Karte 2).

NIEDERLÄNDISCHE ERKUNDUNG

1605 fuhr der Niederländer Willem Jansz auf einer Strecke von 220 Meilen die Südküste Neuguineas entlang. Die Insel Neuirland (Karte 3) und die Admiralitätsinseln wurden 1616 von den niederländischen Seefahrern Willem Corneliszoon Schouten und Jacques Le Maire entdeckt.

1623 landet Jan Carstenszoon mit der Absicht Informationen über den örtlichen Handel zu gewinnen an an der Südküste. Ab 1636 drängen sich die Interessen am nordwestlichen Teil der Insel seitens der niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) geradezu auf. Sie entsendet Gerrit Pool als Agenten. Er soll die Handelspotentiale der Region ausfindig machen.

1705 wird von der VOC eine niederländische Expedition aus den drei Schiffen “Geelvink”, “Kraanvogel” und “Nova Guinea” unter der Führung von Jacob Weyland entsandt. Sie soll die Küsten der Insel weiter erkunden.

NIEDERLÄNDISCHE KOLONISIERUNG

1828 proklamieren die Niederländer die Besitzergreifung über den Teil der Insel, der heute indonesisches Territorium ist.

Die erste ständige Niederlassung wird in Triton Bay gegründet und Merkussoord genannt (Karte 1). Im Zentrum dieser Ansiedlung wird ein Fort aus Stein errichtet: Fort de Bus. Von diesem Fort haben wir eine ausführliche Beschreibung: Direkt am Meer gelegen, war es quadratisch und von zwei Palisadenzäunen umgeben. An den vier Ecken waren vier Kanonen postiert und an der Meerseite waren ein 3-Pfünder und ein 6-Pfünder aufgestellt und dazwischen wehte die niederländische Flagge. Rund um das Fort gab es einen dichten Urwald. Die Niederländer trachteten danach, diesen zu lichten, um so die Wirksamkeit der Geschütze zu erhöhen. Das Fort wurde 1836 nach Angriffen der Eingeborenen aufgegeben. Krankheiten hatten die Bevölkerung, die aus 13 Europäern und zwanzig indischen Soldaten mit ihren Familien bestand, dezimiert. 1846 forderte der britische Kapitän Yule am Kap Possession (Karte 2) die Insel Neuguinea als britische Besitzung. Die Forderung wird von der Britischen Krone nicht bestätigt, aber sie verpflichtet die Niederlande, ihre Gebietsansprüche auf Neuguinea zu rechtfertigen.

1849 hat sich eine Expedition unter Führung von D. J. van den Dungen Gronovius zum Ziel gesetzt, die niederländischen Besitzungen auf Neuguinea zu demarkieren und Eisenflaggen mit der Aufschrift “Indische Nederlanden” und das königliche Wappen an den Anlegestellen der nordwestlichen Küste wie in Dorei (Manokwari Karte 1) anzubringen.

1875 wird die Linie, die von der Humboldt-Bucht nach Süden dem Meridian folgt, als Grenze im Osten angesehen.

1878 befindet sich in Andai ein Warenumschlagplatz.

In den folgenden Jahren dient die Erforschung des Inselinnern rein wissenschaftlichen Zwecken, und die Besitzung auf der Insel wird nicht weiterentwickelt.

BRITISCHE ERKUNDUNG UND BRITISCHER KOLONISATIONSVERSUCH

Karte 2
Karte 2

1700 wird die Insel Neubritannien (Karte 3) von William Dampier entdeckt.

1775 deutet sich der Versuch des Händlers Thomas Forrest an, eine Pflanzung in Dorei in der Geelvink-Bucht anzulegen.

1793 ergreift John McCluer – ein in Indien stationierter Offizier – im Namen der Britischen Krone Besitz von der Insel Gebè. Im Juli desselben Jahres ergreift der britische Kapitän Bampton Besitz von der Insel Darnley (Karte 2), den benachbarten Inseln und der gegenüberliegenden Küste von Neuguinea. Der Kapitän John Hayes von der Marine Bombays und Vertreter der britischen Ostindien-Kompanie ergreift am 25. Oktober 1793 Besitz von der Restoration Bay (Ex-Dorei) und gründet die Ansiedlung New Albion an dem Ort, wo es eine Balken-Palisade gibt, die Fort Coronation genannt wird. Die Niederlassung zählt anfänglich eine Bevölkerung von 40 Europäern. Das beanspruchte Territorium dehnt sich von Waigeo im Westen bis zur Insel Rossel (Karte 2) im Osten aus. im Mai 1795 wird die Ansiedlung aufgegeben, da sie weder das Interesse der Britischen Krone, noch der britischen Ostindien-Kompanie genießt.

1872 wird die Bucht, wo sich heute Rabaul erhebt, erkundet. Im folgenden Jahr wird von Kapitän Moresby die Bucht erkundet, wo sich danach die gleichnamige Stadt erheben wird.

DIE FREIE KOLONIE “NOUVELLE FRANCE”

Die Insel Neuirland ist ab dem 16. Januar 1880 Ort des ersten Versuchs einer ständigen Ansiedlung von Franzosen, die nicht von ihrem Mutterland unterstützt werden, sondern gerazu im Gegensatz zu ihm stehen. Befehligt vom Marquis de Rays wird die in Port-Breton (Port Praslin) gegründete Ansiedlung Kolonie “Nouvelle France” genannt. Das erste Schiff mit Kolonisten, die aus ganz Europa kommen, legt zuerst an der Insel Laughlan an, wovon einige Kolonisten Besitz egreifen. Schließlich gelangt das Schiff im Januar 1880 nach Port Breton. Da der Ort für eine Ansiedlung als ungeeignet erachtet wird, fährt das Schiff nach Likiliki (Metlik) weiter (Karte 3). Da der erste Kommandant der Kolonie – de la Croix – auch diese Lage als unwirtlich erachtet, kehren fast alle an diesem Unternehmen beteiligten 800 Kolonisten nach Sydney zurück. Die 60 Personen starke Kolonie, die entschlossen ist sich anzusiedeln, wird von McLaughlin geleitet, der vom 16. Januar bis 25. August 1880 den Posten des stellvertretenden Kommandeurs innehatte. Nur durch das Eingreifen einiger in Port Hunter stationierter Missionare werden viele Kolonisten vor den dort vorkommenden Tropenkrankheiten bewahrt. Im März 1880 sticht ein zweites Schiff – kommandiert von Rabardy – mit Armeeoffizieren und Polizisten von Barcelona aus in See. Es soll in Kap Breton die Ansiedlung für die Kolonisten bauen, die die Reise bereits bezahlt haben. Die Erweiterung der Siedlung und die teilweise Urbarmachung der ausgesuchten Böden für die Niederlassung reichten nicht aus, um die Kolonie zu stabilisieren. Die fortgesetzten Epidemien führten schließlich im Februar 1882 zur Aufgabe des Siedlungsversuchs und zur Rückkehr der gesamten Kolonistengemeinschaft nach Sydney.

BRITISCHES PROTEKTORAT

Karte 3
Karte 3

Am 03. April 1883 annektiert das Territorium Queensland (Nordost-Australien) die südöstliche Küste von Neuguinea aus Furcht vor Eingriffen seitens feindlicher europäischer Mächte (Deutschland) in seinem Einflußgebiet im Namen des Vereinigten Königsreichs. Die Flagge, die in Port Moresby gehißt wurde, war jene der Briten. Aber die Britische Krone erkannte die Besitzergreifung dieses Gebietes nicht sofort an.

Am 06. November 1884 proklmiert das Vereinigte Königreich das Protektorat über den südöstlichen Teil der Insel, die Neuguinea heißt. Der Sitz des Kommandos ist in Port Moresby. Die Grenze zum deutschen Schutzgebiet wird mehrfach neu festgelegt und schließlich auch an der Ostküste in Mitre Rock (Karte 2). Im Westen bleibt die 1875 mit den Niederländern festgelegte Grenze in Kraft.

BRITISCHE KOLONIE

Am 04. September 1888 wandelt das Vereinigte Königreich das Protektorat in eine Kolonie um.

Ab 01. September 1906 wird die Verwaltung der bisherigen britischen Kolonie Neuguinea auf Australien übertragen.

DEUTSCHES SCHUTZGEBIET

Am 19. November 1878 erwirbt Deutschland seine erste Kolonie im Pazifik: die Ralik-Inseln, die einen Teil der Marshall-Inseln bilden.

Am 26. Mai 1884 wird in Berlin die Neu-Guinea Compagnie (NGK) gegründet.

Am 03. November 1884 erreichen die Kriegsschiffe SMS “Elisabeth” und SMS “Hyäne” die Insel Matupi im Bismarck-Archipel, und Deutschland proklamiert die Schutzherrschaft über den nordöstlichen Teil Neuguineas – Kaiser-Wilhelmsland genannt – nacheinander mit dem Verwaltungssitz in Finschhafen (1885-1891), Friedrich-Wilhelmshafen (1891-1899), Herbertshöhe 1899-1909) und Rabaul (1909-1914) für ganz Deutsch-Neuguinea (Karte 3). Am 04. November 1884 wird auf der Insel Mioko die deutsche Reichsflagge gehißt. Am 23. Dezember 1884 erteilt Bismarck die Anweisung, daß jede neue Erwerbung der NGK unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt wird. Dies schließt auch die Admiralitätsinseln, die Hermit- und Anchorite-Inseln, Neupommern (heute: New Britain), Neumecklenburg (heute: New Ireland), Neuhannover (heute: New Hanover oder Lavongai) ein.

Am 24. November 1884 wird die Ansiedlung Finschhafen gegründet. (Karte 3).

Vom 17. Mai 1885 bis 1899 wird die deutsche Kolonie von der Neu-Guinea Kompagnie verwaltet.

Vom 04. bis 10. März 1885 finden deutsch-britische Gespräche über die Einflußzonen im Pazifik statt.

1886 erkennt das Vereinigte Königreich die deutschen Einflußzonen im Pazifik an. Deutschland werden die Inseln Bougainville, Choiseul und Santa Isabel zuerkannt. 1899 wurden jedoch die beiden letztgenannten Inseln an Großbritannien abgetreten.

1891 wird die Ansiedlung Finschhafen wegen einer Malaria-Epidemie aufgegeben.

Vom 01. April 1899 bis zum 10. November 1914 wird die Kolonie unmittelbar vom Deutschen Reich ohne Zwischenschaltung einer Kolonialgesellschaft verwaltet.

1909 wird der Verwaltungssitz nach Rabaul auf der Insel Neupommern (heute: New Britain) verlegt.

1907 wird eine staatliche Schule in Namanula bei Rabaul eröffnet. 1910 wird eine Sekundarschule auf Saipan eröffnet.

Am 18. Dezember 1910 wird die Grenze zwischen Deutsch- und Niederländisch-Neuguinea nach der Entdeckung von natürlichen Hindernissen im Inneren der Insel neu festgelegt.

Am 11. November 1914 werden die deutschen Territorien von Australien besetzt und kommen als Folge der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg an Australien (offiziell am 10. Januar 1920 nach dem Versailler Vertrag).

BIBLIOGRAPHIE:

– Whittaker, Gash, Hookey and Lacey, Documents and Readings in New Guinea History, The Jacaranda Press, Milton, 1975.© Copyright Whittaker, Gash, Hookey and Lacey, 1975.

Die Karten stammen aus: http://www.papuaweb.org maps pages.© Copyright UNIPA – ANU – UNCEN PapuaWeb Project, 2002-2003.

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China Deutscher Kolonialismus

Tsingtau im deutschen Pachtgebiet Kiautschou. Skizze über die Entwicklung von Tsingtau

Verfasst von Wilhelm Matzat. Photos von Dietrich Köster

Die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Tsingtau soll hier kurz dargestellt werden. Sie entspricht den Zeiträumen unterschiedlicher Herrschaft in den letzten 100 Jahren:

1. 1897-1914 Deutsche Besetzung und Stadtgründung

2. 1914-1922 Erste japanische Besetzung

3. 1922-1929 Warlord-Periode

4. 1929-1937 Erste Guomindang-Periode

5. 1938-1945 Zweite japanische Besetzung

6. 1945-1949 Zweite Guomindang-Periode

7. seit 1949 Periode der Volksrepublik

Zu 1. Die Besetzung der Halbinsel von Tsingtau durch die Deutschen geschah am 14. November 1897. Andererseits dauerte die Besetzung nur 17 Jahre und so konnte kein Gewinn aus den Investitionen gezogen werden. Durch die annähernd zweihundert Millionen Goldmark, die die Deutschen bei der Anlage der neuen Stadt, des Hafens und der Eisenbahn nach Jinan verbauten, haben sie praktisch ein Entwicklungsgeschenk gemacht, auch wenn die Chinesen nicht darum gebeten hatten. Durch den Vertrag vom 6. März 1898 konnte Deutschland ein Gebiet von rund 550 qkm für 99 Jahre pachten. In diesem Pachtgebiet gab es etwa 300 Dörfer, in denen an die 80.000 Chinesen lebten. Der westliche Zipfel der Halbinsel war für die Anlage der neuen Stadt und des Hafens vorgesehen.

3. Evangelische Christuskirche, 1910 eingeweiht (copyright2007Dietrich Köster)
3. Evangelische Christuskirche, 1910 eingeweiht (copyright2007Dietrich Köster)

Hier wurden rund 20 qkm Boden vom deutschen Gouvernement den Bauern abgekauft. Neun ländliche Siedlungen mußten weichen. Dazu gehörte auch das Fischerdorf Tsingtau. Sein Name wurde auf die neue Stadt übertragen. Diese wurde am 2.9.1898 zum Freihafen erklärt, und nach Erstellung eines Bebauungsplanes konnte seitens der Verwaltung mit dem Verkauf von Grundstücken an europäische und chinesische Interessenten begonnen werden. Um Bodenspekulation zu verhindern, hatte der amtierende Zivilkommissar Schrameier eine besondere Land- und Steuerordnung verfaßt, die neuartig war, da hier weltweit erstmalig eine Besteuerung des zukünftigen, unverdienten Bodenwertzuwachses eingeführt wurde.

Die städtebauliche Konzeption aus den Jahren 1898/99 war praktisch eine Vorwegnahme des Modells der Regionalstadt, wie sie später der Stadtplaner Hillebrecht für Hannover entwickelt hat. An der Tsingtau-Bucht wurde die Europäerstadt begründet mit einem Villenviertel weiter im Osten an der Huiquan-Bucht. An die Europäerstadt schloß sich im Norden das chinesische Geschäftsviertel Dabaodao an, und einige Kilometer entfernt im Westen sowie im Osten wurde je ein Arbeiterviertel angelegt (Taixizhen und Taidongzhen). Nördlich von Dabaodao lag eine breite Schlucht, in der zwei Ziegeleien sich niedergelassen hatten, und daran schloß sich nördlich das Gelände des Großen Hafens an. Als hier 1904 der Hafenbetrieb aufgenommen wurde, entstand als 6. Stadtteil das Hafenviertel, in dem immer mehr deutsche und chinesische Firmen ihre Geschäfts- und Lagerhäuser errichteten. Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung der ersten Mole des Großen Hafens und die Fertigstellung der Bahnstrecke Tsingtau-Jinan, beides im Jahre 1904. Die Entwicklung Tsingtaus von 1898 bis 1914 ist ausführlich in den jährlich von der Verwaltung herausgegebenen Denkschriften festgehalten worden.

Mit Hafen und Eisenbahn waren wichtige infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen worden, Tsingtau zu einem Handelsplatz und Badeort auszubauen. Erst allmählich tauchte der Gedanke auf, diesen Standort auch für größere Industrieanlagen vorzusehen. Die weit gediehenen Pläne, hier zwei Hochöfen zu errichten, wurden durch den 1. Weltkrieg zu Fall gebracht. Am Ende der deutschen Besatzungszeit gab es die staatlich betriebene große Werft, die über ein 16.000 t großes Schwimmdock verfügte, eine Eisenbahnreparaturwerkstatt, zwei Ringofenziegeleien, einen Kalksandstein-Steinbruch, zwei Fabriken für Eiprodukte, eine Strohbortenbleicherei und Strohhutfabrik, eine Seidenspinnerei, ein Sägewerk, eine Seifenfabrik, eine Faßfabrik für autogen geschweißte Fässer, mehrere Getreidemühlen, Druckereien, Mineralwasserfabriken und zwei Brauereien.

1. Früheres Gouvernements-Dienstgebäude des vormaligen Deutschen Kiautschou-Gebietes (copyright2007Dietrich Köster)
1. Früheres Gouvernements-Dienstgebäude des vormaligen Deutschen Kiautschou-Gebietes (copyright2007Dietrich Köster)

Am Ende der deutschen Zeit, im Jahre 1913, wohnten im Tsingtauer Stadtbezirk 58.011 Personen. Diese Bevölkerung setzte sich zusammen aus 53.312 Chinesen, 2.069 Europäern und Amerikanern, 2.400 Soldaten der Garnison, 205 Japanern, 25 anderen Asiaten. Im agrarisch bestimmten Bezirk des Pachtgebietes lebten geschätzte 100.000 Chinesen in 275 Dörfern.

Zu 2. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges erklärte Japan Deutschland den Krieg, belagerte und eroberte die Stadt am 7. November 1914. Bei der Verteidigung Tsingtaus wirkten 183 Offiziere und 4881 deutsche und österreichische Männer des Unteroffiziers- und Mannschaftsstandes mit. Die Verluste betrugen fast 200 Tote und 500 Verwundete. Nahezu alle Verteidiger kamen für 5 Jahre oder länger nach Japan in Gefangenschaft. An Deutschen blieben bis 1920 in Tsingtau rund 300 Frauen und Kinder und ein paar Dutzend ältere Männer zurück. Auch die Japaner hatten die Vorstellung, sie würden sehr lange in Tsingtau bleiben, und so strömten viele japanische Kaufleute und Gewerbetreibende aller Art hierher. Die zwei erwähnten Ziegeleien wurden beseitigt, das Gelände wurde planiert und überbaut, und so entstand ab 1915 zwischen Dabaodao und dem Hafenviertel eine typische Japanerstadt. Hatten 1913 erst 205 Japaner in Tsingtau gelebt, so waren es 1920 schon 17.597. Die zweigeschossige Reihenhausbauweise mit Ziegelsteinen unterschied sich zwar kaum von der in den Chinesenvierteln, doch erkennt man noch heute die ehemaligen japanischen Wohnhäuser an bestimmten Stilelementen. Die Japaner hatten wie die Deutschen den Ehrgeiz, Tsingtau zur Musterkolonie aufzubauen, und so scheuten sie keine Ausgaben, um repräsentative Bank-, Handels-, Schul- und Verwaltungsgebäude zu errichten, die den Vergleich mit den von deutscher Seite geschaffenen Bauten aushalten konnten. Außerdem entstanden neue Fabriken größeren Ausmaßes: Sechs Baumwollspinnereien, Streichholzfabriken, Ölpressen, Knochenmühlen, eine japanische Getas-Schuhfabrik, sowie eine große Zigarettenfabrik einer britisch-amerikanischen Firma.

Durch den Zustrom von Japanern und Chinesen und die nur zweigeschossige, flächenfressende Bauweise entstanden 1915-1922 in erstaunlich kurzer Zeit neue, große Stadtteile. Vor allem das ausgedehnte Industrie- und Wohnviertel zwischen dem Hafen und Taidongzhen und die schon erwähnte Japanerstadt, während das Gelände westlich des Hauptbahnhofes bis nach Taixizhen von Chinesen besiedelt wurde. Anfang der 1920er Jahre war also aus der baulich noch getrennten Mehrkernanlage der Deutschen Zeit eine zusammenhängende Flächenstadt geworden, allerdings in Form eines liegenden V, denn zwischen Hafen- und Industrieviertel im Norden und der Gartenstadt im Süden am Meer schob sich der von den Deutschen angelegte Grüngürtel vom Gouvernements- und Observatoriumshügel, Signalberg (Xinhaoshan), Bismarckberg (Qingdao shan), Forstgarten (heute Zhong shan-Park) bis zu den Iltisbergen (Taiping shan). Um eventuell nach dem 1. Weltkrieg Tsingtau zurückerhalten zu können, erklärte China im Jahre 1917 dem Deutschen Reich vorsorglich den Krieg. Bei den Versailler Friedensverhandlungen zeichnete sich ab, daß die Stadt in der Hand der Japaner bleiben würde, und so kam es am 4. Mai 1919 in Peking zu einer Machtdemonstration von Studenten. Diese hat der neuen Welle nationaler Empörung und Sammlung den Namen gegeben: Die 4. Mai-Bewegung Die Republik China unterzeichnete daraufhin nicht den Versailler Vertrag, und Tsingtau blieb unter der Bezeichnung Die Shandong-Frage ein Zankapfel der internationalen Politik. Auf Drängen der Vereinigten Staaten setzten sich schließlich die Japaner und Chinesen in der Washingtoner Konferenz (12.11.1921 bis 6.2.1922) an den Verhandlungstisch, und Japan erklärte sich bereit, Tsingtau und die Shandong-Eisenbahn an China zurückzugeben. Diese Übertragung erfolgte am 10. Dezember 1922. Mehrere tausend Japaner verließen daraufhin die Stadt. Doch wohnten 1926 immer noch 13.344 von ihnen hier.

4. Ehemalige Deutsch-Chinesische Hochschule (copyright2007Dietrich Köster)
4. Ehemalige Deutsch-Chinesische Hochschule (copyright2007Dietrich Köster)

Zu 3. Die Warlord-Periode 1922-1929 war im wesentlichen eine Zeit des wirtschaftlichen und städtebaulichen Stillstandes, da die neue chinesische Verwaltung und die Provinzregierung in Jinan aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände gar keine Mittel für Investitionen hatten, sondern im Gegenteil die Stadt als Pfründe betrachteten, aus der durch Anziehen der Steuerschraube so viel Geld wie nur möglich herauszupressen sei. Im Jahre 1924 wurde wieder eine Deutsche Schule und Ende 1926 ein Deutsches Konsulat in Tsingtau eingerichtet, das bis 1945 bestand. In den 1920er Jahren gab es rund 250 Deutsche in der Stadt.

Zu 4. Als die Guomindang-Truppen auf ihrem Nordfeldzug 1928 Jinan erreichten, traten ihnen die Japaner entgegen, die mehrere Regimenter in Tsingtau gelandet und per Bahn dorthin gebracht hatten. Es kam zum Jinan-Zwischenfall. So konnte die Guomindang Tsingtau erst 1929 besetzen. Der neue Bürgermeister, Admiral Shen Hung-lieh (1931-1937), hatte den Ehrgeiz zu beweisen, daß nicht nur die Deutschen und Japaner, sondern auch die Chinesen die Stadt voranbringen konnten. Da es in der Provinzhauptstadt die von amerikanischen und britischen Missionaren gegründete Qilu University bereits gab, wurde nun in Tsingtau die Shandong University gegründet. Eine ihrer Studentinnen sollte 1966 im Rahmen der Kulturrevolution weltbekannt werden: Jiang Qing, die Frau Mao Zedongs und Mitglied der Viererbande Vor allem wollte Shen an der Schauseite, der Uferpromenade am Gelben Meer, dort wo Tsingtau besonders deutsch aussieht, städtebauliche Akzente im chinesischen Architekturstil setzen. So erhielt die Landungsbrücke an der Spitze einen Pavillon und an der Laiyang-Straße wurde 1932 das Aquarium mit Pailou (Torbogen) gebaut, auf dem Klara-Berg (Xiaoyüshan) eine buddhistische Lesehalle, in Zhanshan ein buddhistischer Tempel mit Pagode und an der Universitätsstraße die große Anlage der Roten Swastika-Sekte – auch die 5 Religionen-Sekte genannt – in chinesischer Bauweise errichtet. Auch neue Industriebetriebe ließen sich nieder wie ein Eisenwerk und Betriebe der Lederindustrie. Die positive Entwicklung brach ab, als Japan 1937 den Krieg mit China begann. Innerhalb von wenigen Tagen verließen rund 15.000 Japaner die Stadt. Ihre Wohnungen und Geschäfte wurden später zum Teil geplündert, die japanischen Baumwollfabriken bei Sifang und Cangkou angezündet. Trotz umfangreicher Verteidigungsmaßnahmen, bei denen wertvolle Baumbestände im Foushan und Laoshan sinnlos abgeholzt wurden, fiel kein Schuß, als die Japaner Anfang 1938 Tsingtau besetzten. Die chinesischen Soldaten hatten schon Tage vorher die Stadt verlassen.

Zu 5. und 6. Mit den japanischen Truppen kehrten auch viele japanische Zivilisten nach Tsingtau zurück, und die zerstörten Fabriken wurden wieder aufgebaut. Umgekehrt strömten nun zahlreiche Chinesen in die nicht besetzten Gebiete. Im Jahre 1945 lebten rund 400 Deutsche in Tsingtau, und in der gesamten Provinz Shandong wirkten auf den verschiedenen Missionsstationen rund 400 katholische Patres und Nonnen deutscher Staatsangehörigkeit. Nach Kriegsende landeten Streitkräfte der Guomindang und die 6. US-Division der Marine-Infanterie in Tsingtau und repatriierten die japanischen Soldaten und Zivilisten. Das Hinterland und große Teile Shandongs waren bereits von den Kommunisten besetzt. Sie unterbrachen auch die Bahnlinie nach Jinan. Die japanische Besatzungszeit und der anschließende Bürgerkrieg konnten infolgedessen keinen Entwicklungsschub bewirken. Tsingtau selbst konnte nur relativ spät von den Kommunisten besetzt werden, da es Stützpunkt der US-Kriegsmarine war und die letzten amerikanischen Schiffe erst am 24.5.1949 die Hafenstadt verließen. Für die Zeit des Einmarsches der Kommunisten am 2.6.1949 schätze ich die Zahl der Deutschen in Tsingtau auf knapp 70 Personen, einschließlich 11 Patres der Steyler Mission, die von 1951 bis 1953 im Gefängnis saßen.

5. Früheres Kaiserliches Postamt (copyright2007Dietrich Köster)
5. Früheres Kaiserliches Postamt (copyright2007Dietrich Köster)

Zu 7. Schließt man die verheerende Taiping-Rebellion (1850-1864) und den Koreakrieg ein, so kann man von einer hundertjährigen Periode der Kriege, Bürgerkriege und des Banditenunwesens sprechen, die durch die kommunistische Machtübernahme auf dem Festland beendet wurde und nach der Ermordung mehrerer Millionen angeblicher Klassenfeinde und Einrichtung zahlreicher Konzentrationslager endlich eine Befriedung vom Typ Friedhofsruhe brachte und immerhin eine Grundlage für Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung lieferte. Ein vorrangiges Ziel des Aufbaus des Sozialismus war die forcierte Industrialisierung. Als Standort für neue Industriebetriebe kamen vor allem die Städte, damit auch Tsingtau, in Frage.1958 war das Jahr der Bildung der Volkskommunen, deren städtische Variante sich nicht bewährte. Spätestens seit jener Zeit bildete sich die charakteristische, administrative Zweiteilung der großen Städte heraus, die Unterscheidung von städtischem Bezirk im engeren Sinne und den Außenbezirken, meist landwirtschaftlich geprägten Gemeinden, die dem administrativen Stadtgebiet zugeschlagen wurden. Eine wesentliche Aufgabe der Volkskommunen in dieser Außenzone war die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Nahrungsmitteln. Dieser Prozeß der ständigen Eingemeindungen hat sich im Falle von Tsingtau bis 1984 fortgesetzt. Zum engeren Stadtgebiet gehört heute nicht nur die Stadt und Industriezone am östlichen Ufer der Jiaozhou-Bucht, sondern auch ein Areal auf der Westseite der Bucht, der Bezirk Huangdao. Die Außenbezirke umfaßten schon immer den Laoshandistrikt. 1977 kamen noch die Landkreise Jimo, Jiaozhou und Jiaonan hinzu, sowie 1984 Laixi und Pingdu. Tsingtau, dessen Kern am Gelben Meer liegt, reicht jetzt mit seinem Stadtgebiet fast bis zur Nordküste und zerschneidet damit administrativ die Halbinsel Shandong in einen östlichen und westlichen Flügel. Groß-Tsingtau hat jetzt eine Fläche von 10.654 qkm und dürfte mehr als 7,3 Millionen Einwohner haben, von denen rund 2,6 Millionen im eigentlichen Städtischen Bezirk (1.102 qkm) wohnen. Bemerkenswert ist die Zahl der Südkoreaner. Etwa 30.000 leben hier.

Interessant ist, daß Tsingtau in offiziellen Dokumenten des Jahres 1985 als eine Stadt der Leicht- und Textilindustrie bezeichnet wurde. Tatsächlich hat aufgrund der gezielten Entwicklungspolitik nach 1949 die Anzahl und Diversifizierung der Industriebetriebe imposant zugenommen. Aus deutscher Zeit stammen noch die Mineralwasserfabrik, Weinkellerei und Bierbrauerei, und aus der damaligen Eisenbahnreparaturwerkstatt in Sifang ist eine bedeutende Waggon- und Diesellokomotivenfabrik hervorgegangen. Die umfangreiche Textilproduktion geht auf die japanischen Gründungen zurück und umfaßt heute nicht nur Baumwollspinnereien, -webereien, -wirkereien, sondern auch Seidenspinnereien und -stickereien, Teppichknüpfereien und Bekleidungsindustrie (z.B. Sportkleidung). Die Gummindustrie (Autoreifen, Schuhe, Dichtungen, Schläuche) steht an 3. Stelle in China, und die Elektronikindustrie entwickelte sich rasch (Firmen Haier und Hisense). Die Industrieunternehmen produzieren u.a. Fahrräder, Elektromotoren, Maschinen, Eisen- und Stahlwaren, Chemikalien, Lacke und Farben, Büromöbel und Spanplatten, Radio- und Fernsehgeräte, Kühlschränke, Produkte der Meß- und Regeltechnik, Uhren, Computer und Kassettenrecorder. Bedeutend ist auch der Automobil- und Schiffbau.

Eine entscheidende neue Entwicklungsphase wurde 1984 eingeleitet als 14 Küstenorte für ausländische Investoren freigegeben wurden, darunter Tsingtau und Yantai (Chefoo). Auf der Insel Huangdao, die bereits durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist, steht seit längerer Zeit ein Kraftwerk und sind Kais für Öltanker vorhanden. Auf dieser Insel und in der Uferzone wurde das neue Industriegebiet geschaffen. 1990 war die erste Aufbauphase abgeschlossen: Mehr als 100 Industrieunternehmen sowie Einrichtungen der Verwaltung, des Handels und der Dienstleistungen wurden auf 4 qkm angesiedelt. Bis zum Jahr 2000 hoffte man dieses neue Areal der verarbeitenden Industrie bis auf 15 qkm auszudehnen, mit 300-400 Betrieben und einer Belegschaft von 100.000. Die Lage auf der anderen Seite der Bucht erforderte allerdings hohe Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Von Jiaozhou aus mußte eine Stichbahn entlang der Westküste und weitere Hafenanlagen gebaut werden, sowie ein regelmäßiger Fährdienst eingerichtet werden. Doch erfüllte diese Entwicklungszone nicht die in sie gesetzten Erwartungen. Deswegen wurde 1993 östlich der Stadt eine zweite Entwicklungszone für Hightech-Industrie ausgewiesen. Im selben Jahr wurde eine 2,5 qkm große Freihafenzone eingerichtet. Problematisch ist bei dieser forcierten Industrialisierung die Versorgung mit Nutzwasser. Deswegen wurde 1989 ein 290 km langer Kanal fertiggestellt, der täglich 300.000 t Wasser vom Gelben Fluß (Huangho) ins Stadtgebiet liefert. Tsingtau ist auch Standort der chinesischen Kriegsmarine und fünftgrößter Handelshafen Chinas. Der Umschlag betrug 1995 51 Millionen t. Die Kaianlagen wurden ständig erweitert. Ursprüngliches Ausbauziel war eine Umschlagskapazität von 100 Millionen t jährlich. Zu diesem Zweck entstanden für Erdöl, Steinkohle und Erze auf der Südwestseite der Bucht 60 Liegeplätze für Schiffe mit einer Gesamttonnage von 40-60 Millionen t Umschlagkapazität. 2004 lag der Güterumschlag bei 163 Millionen t.

6. Empfangsgebäude des Bahnhofs (Rekonstruktion) (copyright2007Dietrich Köster)
6. Empfangsgebäude des Bahnhofs (Rekonstruktion) (copyright2007Dietrich Köster)

Das zweite Standbein, auf dem die Entwicklung vorangebracht werden soll, ist der Fremdenverkehr. Begonnen hat der Tourismus bereits im Jahre 1902, als die ersten Badegäste eintrafen. So wurde 1904 das Strandhotel an dem berühmten Badestrand der Huiquan-Bucht errichtet, und bald wurde die Stadt die Riviera des Fernen Ostens genannt. Die Kommunisten haben diese Tradition fortgesetzt und das 1920-1945 entstandene Villenviertel an der Taiping-Bucht (German Beach) und Foushanso-Bucht (American Beach) zu einem großen Sanatoriumsviertel umgestaltet. 1979 zählte man dort 18 Sanatorien mit 4.000 Betten. 2 neue Entwicklungsgebiete für den Tourismus sind ausgewiesen worden. Eines liegt rund 12 km östlich der Stadt an der Küste bei dem Dorf Shilaoren. Die Pläne vom Jahre 1984 sahen Hotels und Villen mit Badestrand, Wassersportanlagen, Golfplatz, einen luxuriösen internationalen Club und Konferenzsäle vor. Dieser Plan scheint inzwischen vom ungeheuren Bauboom überrollt worden zu sein, der in den letzten Jahren ausgebrochen ist, und der dazu geführt hat, daß auf der ca. 25 km langen Küstenstrecke am Fuße des Foushan, Wushan und Laoshan unzählige Bungalows und Wohnanlagen entstanden sind, vermutlich hauptsächlich mit dem Kapital von Auslandschinesen errichtet. Die andere Touristen- und Vergnügungszone liegt auf der Südseite der Jiaozhou-Bucht in der Nähe des neuen Industriegebietes von Huangdao, so daß ein Teil der dort Beschäftigten hier wohnen und sich erholen kann. Das Gebiet trägt die Bezeichnung Insel Xuejiadao. Tatsächlich ist es eine Halbinsel (Kap Jaeschke). Man muß sich fragen, ob dieses Auf-zwei-Beinen-Stehen – Entwicklung von Industrie und Fremdenverkehr – dem letzteren überhaupt zuträglich ist. Schließlich hat die weiter zunehmende Konzentration von Industriebetrieben in diesem Raum zu einer enormen Verschmutzung der Luft und des Meerwassers geführt.

Für eine Modernisierung der Wirtschaft sind hochrangige Ausbildungs- und Forschungsinstitute wichtig. Zwar hatte man gleich nach dem 2. Weltkrieg die von den Japanern 1938 geschlossene Universität unter dem alten Namen Shandong University wiedererrichtet, sie wurde aber in den 1950er Jahren nach Jinan verlegt. Immerhin befinden sich in Tsingtau einige Fachhochschulen wie die für Ozeanographie, für Medizin, für Chemie- und für Textilingenieurwesen. Im Jahre 1985 wurde die Qingdao University gegründet, deren Campus liegt weit draußen vor der Stadt am Hang des Foushan. Sie verfügt über geistes- und naturwissenschaftliche Disziplinen, Jura und Wirtschaftswissenschaften. In der Abteilung Literatur werden auch Fremdsprachen gelehrt, darunter Deutsch. Im Jahre 1993 wurden das Medical College, das Teacher’s College und das Shandong Textile Engineering Institute in die Universität eingegliedert, die sich seitdem als Comprehensive University bezeichnen darf. Das Ozeanographische Institut ist zur einzigen Ocean University of China aufgewertet worden. Auch besteht hier das wichtige Ozeanographische Forschungsinstitut, eine Abteilung der Akademie der Wissenschaften der Volksrepublik China. Weitere Hochschulen sind die Petroleum University of China (Qingdao Campus), die Qingdao University of Science and Technology, die Qingdao Technology University, die Shandong University of Economics and Trade, das Qingdao Hotel and Management College und die Laiyang Agricultural University. Der Freistaat Bayern hat mit der Provinz Shandong einen wirtschaftlichen Partnerschaftsvertrag abgeschlossen. Im Oktober 1985 fand deswegen in Tsingtau eine Ausstellung der bayerischen Wirtschaft statt, bei deren Eröffnung Ministerpräsident Franz Josef Strauß anwesend war. Im Gegenzug präsentierte die Wirtschaft Shandongs – und damit auch die Tsingtaus – 1987 eine Leistungsschau in München. Seit 1991 findet jährlich ein Internationales Bierfest in Tsingtau statt, eine Kopie des Münchener Oktoberfestes. 1996 hatte es 930.000 Besucher. Bundeskanzler Helmut Kohl und der chinesische Regierungschef Li Peng statteten Tsingtau am 15. November 1995 einen Besuch ab.

Die Multifunktionalität, die schon die Deutschen ihrer Stadtgründung zugedacht hatten, wurde bis heute bewahrt. Die Hafenstadt Tsingtau ist eine wichtige Handels- und Industriestadt geworden, ein bedeutender Umschlagplatz für Waren und Rohstoffe (Steinkohle, Erdöl, Erze), Standort von Forschungsinstituten und Einrichtungen der akademischen Bildung, außerdem Bade- und Erholungsort sowie Stützpunkt der chinesischen Kriegsmarine.

Copyright von Wilhelm Matzat, Bonn

2. Ehemalige Residenz des deutschen Gouverneurs (copyright2007Dietrich Köster)
2. Ehemalige Residenz des deutschen Gouverneurs (copyright2007Dietrich Köster)
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Britischer Kolonialismus Deutscher Kolonialismus Französischer Kolonialismus Kamerun

Kamerun während der deutschen Kolonisierung und der französischen und britischen Völkerbunds-Mandats- und VN-Treuhandschaft (1884-1961)

Verfasst von Dietrich Köster

Die deutsche Kolonialzeit

Im Jahre 1482 kam der Portugiese Fernão do Pó als erster Europäer an die Küste des inneren Golfs von Guinea und fand einen großen Reichtum an Krabben vor. So nannte er die dortige Mündung des Wuri Krabbenfluß – Rio dos Camarões. Die heutige Bezeichnung für das ganze Land Kamerun ist von dieser portugiesischen Namengebung abgeleitet.

1868 richtet der Hamburger Reeder Woermann eine Schiffahrtslinie nach dem inneren Golf von Guinea ein und fördert damit die Schaffung von Überseeniederlassungen deutscher Kaufleute.

1884 kommt der bisherige deusche Konsul in Tunis hier an und schließt zwei Verträge mit dem Stamm der Duala ab und läßt am 14. Juli des gleichen Jahres die kaiserlich-deutsche Flagge in Kamerunstadt hissen. Auf diese Weise unterstreicht er die Besitzergreifung des Küstenbereichs der Mündung des Wuri. 1902 wird der Ort der Vertragsunterzeichnung in Duala umbenannt.

Der sogenannte britische “Too-late consul” Hewitt kam einige Tage zu spät und konnte nicht mehr für die britische Krone von Kamerun Besitz ergreifen.

1885 wurde Julius Freiherr von Soden zum ersten Gouverneur der Kolonie Kamerun ernannt. Dabei ist der deutsche Fachausdruck Schutzgebiet Kamerun.

Die Erforschung des Kolonialgebietes wurde zwischen 1884 und der Jahrhundertwende in Etappen vorgenommen, wobei von Süden nach Norden vorgegangen wurde. So wurde der Tschadsee 1901 erreicht.

So manche Plantage wurde geschaffen: Kakao-, Bananen-, Kaffee-, Ölpalmen-, Tabak- und Kautschukpflanzungen

1911 wurde der Export von Bananen aus Kamerun für den deutschen Markt mit Kühlschiffen der Woermannlinie aufgenommen.

Während die Amtssprache Kameruns Deutsch war, stellte sich die Rolle des Deutschen als Unterrichtssprache in den Schulen nicht einheitlich dar.
Während die katholische Mission der Pallotiner den Unterricht auf Deutsch anbot, zog die protestantische Basler Mission es vor, den Unterricht in der Sprache Duala zu erteilen. So unterhielten die Pallotiner freundschaftliche Beziehungen zu den Kolonialbehörden, was für die Basler Mission nicht in gleichem Maße zutraf.

Nachdem die Kolonialverwaltung bei der Basler Mission vorstellig geworden war, beschränkten sich die Basler Missionare auf die Erteilung des Religionsunterrichts in der einheimischen Sprache. Alle anderen Fächer wurden von nun an in deutscher Sprache erteilt.

Schließlich existierte während der ganzen deutschen Kolonialperiode ein entscheidendes Problem. Es handelt sich um das sogenannte Pidgin-Englisch als Verständigungsmittel entlang der Küste, eine Erscheinung, die bis auf den heutigen Tag existiert.

1891 versucht Gouverneur von Zimmerer die deutsche Sprache für alle Schulfächer einzuführen, um allmählich Verwaltungspersonal unter deutschsprechenden Kamerunern zu gewinnen. Schließlich bestimmte 1910 ein Erlaß von Gouverneur Seitz, daß keine europäische Sprache außer Deutsch und keine einheimische Sprache mehr in der Schule Verwendung finden dürfe.

Im November 1911 wurde Kamerun um Neu-Kamerun zu Lasten der Nachbarkolonien von Französisch-Äquatorialafrika (AEF) erweitert. Dies war das Ergebnis eines deutsch-französischen Abkommens über Marokko, das den Franzosen freie Hand in Marokko gab.

Mit dem Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 besetzten französische, britische und belgische Truppen, die aus Nigeria, Ubangi-Schari und aus Belgisch-Kongo kamen, Kamerun. Am 18. Februar 1916 war das ganze deutsche Schutzgebiet erobert.
Die deutsche Schutztruppe überquerte die Grenze mit Spanisch-Guinea (Rio Muni), um hier oder in Spanien interniert zu werden.

Vom französisch-britischen Übergangszeitraum zu den Völkerbundsmandaten und den Treuhandgebieten der Vereinten Nationen

Mit der Niederlage der deutschen Schutztruppe für Kamerun haben sich die französischen und britischen Besatzungsstreitkräfte Kamerun auf ungleiche Weise aufgeteilt:
das westliche Fünftel an der Grenze zu Nigeria ging an Großbritannien und die östlichen vier Fünftel an Frankreich
Auf der Grundlage des Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919 hat der Völkerbund den westlichen Teil Großbritannien und den Ostteil Frankreich als Mandat zugeteilt.
Neukamerun wurde wieder in die Territorien von Französisch-Äquatorialafrika (AEF) integriert.

Auf diese Weise begann eine unterschiedliche Entwicklung nach den Vorstellungen der beiden Mandatsmächte:

Ostkamerun

Die Franzosen haben ihr Kolonialsystem der Assimilation auf ihren Teil Kameruns übertragen.

Die Beschulung erfolgte ausschließlich in französischer Sprache. So war es streng untersagt, die einheimischen Sprachen zu gebrauchen.
Gleichzeitig wollte man damit jede Spur der deutschen Sprache auslöschen.

Im Amtsblatt für den Staat Kamerun konnte man 1924 lesen:
Die französische Sprache ist die einzige Sprache, die in der Schule Anwendung findet. Es ist den Lehrern untersagt, sich im Umgang mit ihren Schülern der einheimischen Sprachen zu bedienen.

Um anerkannt zu werden, mußten selbst die Privatschulen die Unterrichtserteilung zwingend auf Französisch vornehmen.
Die protestantische amerilkanische Mission war höchst unzufrieden, daß sie die Sprache der Alphabetisierung Boulou durch Französisch ersetzen mußte und damit den gesamten Unterricht in der Sprache der Mandatsmacht erteilen mußte.

Diese autoritäre Einstellung kam auch klar in dem amtlichen Rundschreiben vom 8. Dezember 1921 zum Ausdruck:
Keine Schule darf ihren Lehrbetrieb durchführen, wenn der Unterricht nicht auf Französisch erteilt wird. Diese Vorschrift bedarf keiner Rechtfertigung.
Zwischen den Eingeborenen und uns kann es nur eine enge Beziehung durch die Einführung der Eingeborenen in unsere Sprache geben.
Folglich achteten der Hochkommissar der Französischen Republik und seine Mitarbeiter auf die strikte Einhaltung des Gebrauchs der französischen Sprache in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Schulwesens.

Während die deutschen Pflanzer 1922 zurückkehren konnten, wurden sie am Tag des Kriegsausbruchs im Jahr 1939 interniert und ihre Pflanzungen beschlagnahmt.
Mit dem deutschen Sieg über Frankreich im Juni 1940 blieb der Südosten Frankreichs unbesetzt. Dieser Teil Frankreichs nannte sich von nun an Französischer Staat /Vichy-Frankreich, wobei das französische Mandatsgebiet Kamerun die Regierung in Vichy anerkannte.
Es waren jedoch die Sendboten des sogenannten Freien Frankreichs des Generals de Gaulle die Offiziere Leclerc und Boislambert, die den Hochkommissar des Vichy-Regimes überzeugten im August 1940 die Seite zugunsten des Freien Frankreichs zu wechseln.

1946 wird das Statut Kameruns, das von Frankreich als Völkerbundsmandat verwaltet worden war, durch ein solches eines Treuhandgebietes unter der Oberaufsicht der Organisation der Vereinten Nationen ersetzt.

1948 wurde die Union des Populations du Cameroun (UPC) als erste politische Formation Kameruns gegründet.

1957 erhielt Kamerun eine Teilautonomie und zwei Jahre später eine volle Autonomie und schließlich am 1. Januar 1960 die Unabhängigkeit.

Während der ganzen Zeit des Völkerbundsmandats und in der Zeit der Treuhandgebietes der Vereinten Nationen blieb das System der sprachlichen Französisierung Kameruns durch die ausschließliche Erteilung jedweden Schulunterrichts in der französischen Sprache unverändert.

Westkamerun

Im von den Briten verwalteten Teil Kameruns wurde das Organisationsprinzip der indirekten Herrschaft (indirect rule) praktiziert, das die traditionellen Häuptlinge in die Kolonialverwaltung einbezog.

Die Sprachpolitik begünstigte die heimischen Sprachen und Englisch wurde vor allem lediglich als Unterrichtsfach erteilt.

Der Wechsel vom Völkerbundsmandat zum Treuhandgebiet der Vereinten Nationen erfolgte in gleicher Weise wie in Ostkamerun.

Die deutschen Pflanzungen, die 1939 beschlagnahmt worden waren, werden 1947 nicht rückerstattet, sondern in ein öffentliches Unternehmen unter der Bezeichnung Cameroon Development Corporation (CDC) umgewandelt.

In Kamerun unter britischer Verwaltung – von den Briten als British Cameroons bezeichnet – muß man zwischen Northern Cameroons mit islamisierter Bevölkerung und Southern Cameroons mit mehrheitlich christianisierter und animistischer Bevölkerung unterscheiden.

1954 wird British Cameroons ein autonomer Teil der britischen Kolonie Nigeria.

Nach Volksabstimmungen im März 1961 schließt sich Northern Cameroons dem unabhängigen Nigeria an und Southern Cameroons wird am 1. Oktober 1961 ein Teil der Bundesrepublik Kamerun.
Die beiden Teile dieser Bundesrepublik behalten ihre eigene Regierung und ihr eigenes Parlament mit ihrer eigenen Amtssprache.
Auf der Bundesebene besteht theoretisch eine amtliche Zweisprachigkeit. In der Praxis besitzt das Französische jedoch als vorherrschende Sprache eine Vorzugsstellung.

Bibliographie

– Rudolf Stumpf, La politique linguistique au Cameroun de 1884 à 1960. Comparaison entre les administrations coloniales allemande, française et britannique et du rôle joué par les sociétés missionnaires. Publications Universitaires Européennes, Série XXVII, Etudes asiatiques et africaines, volume 4, Peter Lang, Bern

– Jacques Leclerc, L’aménagement linguistique dans le monde, Cameroun, https://www.axl.cefan.ulaval.ca/afrique/cameroun.htm, aufgerufen am 24. März 2014

– Dietrich Köster, POLITISCHE FORTSCHREIBUNG DER VORMALIGEN DEUTSCHEN KOLONIEN SEIT 1920, Kolonien in Afrika, Kamerun, März 2004, aufgerufen am 24. März 2014

– Auguste Viatte, La Francophonie, Larousse, Paris 1969

– Robert Cornevin, Geschichte der deutschen Kolonisation, Hermann Hübener, Goslar 1974

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Deutsche koloniale Bibliographie Deutscher Kolonialismus

Bibliographie zur deutschen Kolonialgeschichte

Verfasst von Dietrich Köster.

Robert Cornevin, Histoire de la Colonisation Allemande, Presses Universitaire de France, Paris 1969

Robert Cornevin, Geschichte der deutschen Kolonisation, Hermann Hübener Verlag, Goslar 1974

Werner Haupt, Deutschlands Schutzgebiete in Übersee 1884-1918, Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1984

Peter Junge, Bibliographie deutscher Kolonialzeitschriften, Veröffentlichungen aus dem Übersee-Museum Bremen, Reihe C, Deutsche Geographische Blätter, N.F. Band 3, Im Selbstverlag des Museums, Bremen 1985

Walther Hubatsch (Herausgeber), Die Schutzgebiete des Deutschen Reiches 1884-1920, Auszug aus Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Band 22: Bundes- und Reichsbehörden, Verlag J.G. Herder-Institut, Marburg/Lahn 1984

Werner Haupt, Die deutsche Schutztruppe 1889-1918, Auftrag und Geschichte, Türmer Verlag, Berg am See 1989

A. Seidel, Deutschlands Kolonien, Koloniales Lesebuch für Schule und Haus, Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl der kolonialen Literatur, Area-Verlag, Erftstadt 2004, Nachdruck der Ausgabe von 1913

Wilfried Westphal, Geschichte der deutschen Kolonien, C. Bertelsmann Verlag, München 1984

Hans Georg Steltzer, Die Deutschen und ihr Kolonialreich, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1984

Karlheinz Graudenz, Hanns Michael Schindler, Die deutschen Kolonien, 100 Jahre Geschichte in Wort, Bild und Karte, Wilhelm Heyne Verlag, München 1982

Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Uni-Taschenbücher 1332, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien Zürich 1985

Horst Gründer (Herausgeber), “… da und dort ein junges Deutschland gründen”, Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1999

Entwicklungspolitische Korrespondenz (Herausgeber), Deutscher Kolonialismus, Materialien zur Hundertjahrfeier 1984, Hamburg 1983

Joachim Zeller, Kolonialdenkmäler und Geschichtsbewußtsein, Eine Untersuchung der kolonialdeutschen Erinnerungskultur, IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 2000

Wolfgang Mayer, Franz Metzger, Jürgen Wilhelmi, Schwarz-Weiss-Rot in Afrika, Die deutschen Kolonien 1883-1918, IDEA, Edition historica, Puchheim 1885

Ulrich S. Soénius, Koloniale Begeisterung im Rheinland während des Kaiserreichs, Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte Band 37, Selbstverlag Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln e.V., Köln 1992

Francesca Schinzinger, Die Kolonien und das Deutsche Reich, Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Besitzungen in Übersee, Wissenschaftliche Paperbacks Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Franz Steiner Verlag Wiesbaden, Stuttgart 1984

Karlheinz Graudenz, Michael Schindler, Die deutschen Kolonien, Geschichte der deutschen Schutzgebiete in Wort, Bild und Karte, Südwest Verlag, München 1982

Bernd G. Längin, Die deutschen Kolonien, Schauplätze und Schicksale 1884-1918, Verlag E.S. Mittler & Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2005

Uwe Timm, Deutsche Kolonien, Verlag Autoren-Edition, München 1981

Jürgen Petschull, Der Wahn vom Weltreich, Die Geschichte der deutschen Kolonien, STERN-Buch, Verlag Gruner + Jahr, Hamburg 1984

Heinrich Schnee (Herausgeber), Deutsches Koloniallexikon in 3 Bänden,
Verlag Quelle und Meyer, Leipzig 1920, Nachdruck 1996

Paul Sprigade, Max Moisel, Herausgeber: Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amts, Grosser Deutscher Kolonialatlas, Verlag Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 1901-1915, Neudruck Archiv Verlag, Braunschweig 2002

Deutsche Kolonien, Herausgegeben vom Cigaretten-Bilderdienst Dresden A.5, Dresden ca. 1935

Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika
Steltzer, Hans Georg, Die Deutschen und ihr Kolonialreich, 1884 bis 1919 – Aufstieg und Ende
Herbert Schroeder, Ostafrikas dreißig deutsche Jahre, Nach hartem Anlauf eine Zeit fruchtbaren Aufbaus
Wolfgang Reith, “Des Reiches Streusandbüchse”, Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft
Michael Engelhard, Größer als das Deutsche Reich, Die deutsche Kolonialzeit Kameruns
Gabriele Wülker, “Musterkolonie” an Afrikas Westküste, Togo unter deutscher Kolonialverwaltung
Heinz-Dietrich Ortlieb, Kolonialismus als Legende und Wirklichkeit, Ein Zerrbild, das eigenständige Leistung verbaut
in: Hundert Jahre Afrika und die Deutschen, Verlag Günther Neske, Pfullingen 1984

Goldküste/Ghana
van der Heyden, Ulrich, Großfriedrichsburg und der Sklavenhandel, Fast vergessene Spuren der Brandenburger Kolonialherren aus dem 17. Jahrhundert werden in Ghana gepflegt, in: Afrika-Post 5-6/96, Bonn Juni 1996

Kamerun
Rudolf Stumpf, La politique linguistique au Cameroun de 1884 à 1960, Comparaison entre les administrations coloniales allemande, française et britannique et du rôle joué par les sociétés missionnaires, Verlag Peter Lang, Bern, Frankfurt am Main, Las Vegas 1979

Kamerun
Max F. Dippold, Une bibliographie du Cameroun, Les écrits en langue allemande, Imprimerie Otto Boeck, Burgau 1971

Kamerun
Max F. Dippold, L’image du Cameroun dans la littérature coloniale allemande, Cahiers d’Etudes Africaines 49, volume XIII, 1er cahier, Ecole Pratique des Hautes Etudes – Sorbonne, sixième section, sciences économiques et sociales, Mouton & Co, Paris 1973

Kamerun
Horst Vitt, Deutsche Grabinschriften in Kamerun, Epitaphes en Langue Allemande en République Fédérale du Cameroun, Rhein-Nahe-Verlag Dr. Bruno Raupach, Bingen am Rhein 1970

Deutsch-Südwestafrika
Walter Nuhn, Sturm über Südwest, Der Herero-Aufstand von 1904 – ein düsteres Kapitel der deutschen kolonialen Vergangenheit Namibias, Bernhard & Graefe Verlag, Koblenz 1989

Deutsch-Südwestafrika
Vom Schutzgebiet bis Namibia 1884-1984, herausgegeben von der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Südwester, Windhoek, Südwestafrika/Namibia 1984
Klaus A. Hess, Klaus J. Becker (Herausgeber), Vom Schutzgebiet bis Namibia 2000, Klaus Hess Verlag, Göttingen/Windhoek 2002

Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika
Imre Josef Demhardt, Deutsche Kolonialgrenzen in Afrika, historisch-geographische Untersuchungen ausgewählter Grenzräume Deutsch-Südwestafrikas und Deutsch-Ostafrikas, Georg Olms Verlasg, Hildesheim, Zürich, New York 1997

Deutsch-Neuguinea
Hans Fischer, Hamburger Südseeexpedition 1908-1910, Ethnographie und Kolonialismus, Verlag Syndikat, Frankfurt am Main 1981

Deutsch-Neuguinea
Peter Sack, Dymphna Clark (Herausgeber), German New Guinea, The Annual Reports 1886-1913, Australian National University Press, Canberra 1979
Peter Sack, Dymphna Clark (Herausgeber), German New Guinea, The Draft Annual Report for 1913-1914, Department of Law Research School of Social Sciences, Australian National University Press, Canberra 1980

Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa
Hermann Joseph Hiery (Herausgeber), Die deutsche Südsee 1884-1914, Ein Handbuch, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien, Zürich 2001

Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa, Deutsches Kiautschou-Gebiet
John A. Moses, Paul M. Kennedy, Germany in the Pacific & Far East 1870-1914, University of Queensland Press, St. Lucia, Queensland 1977

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Deutsche koloniale Bibliographie Deutscher Kolonialismus

Deutsche koloniale Bibliographie

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster.

DEUTSCHES REICH

ALLGEMEINES:

– Verschiedene Autoren: “Germans in the Tropics. Essays in German Colonial History”, 192 pp. Knoll, Arthur J. and Lewis H. Gann ed., Greenwood Press, 1987, Westport, Conn., USA.

Das Buch soll einen Beitrag zur deutschen und Kolonialgeschichte leisten und dabei die Auswirkungen der Kolonisierung auf beide, die Herrscher und die Beherrschten, im einzelnen darstellen. Die neun Aufsätze befassen sich mit Themen von der Anthropologie, der Entscheidungsfindung in den deutschen Kolonien, der Sklavenarbeit in Deutsch-Togo, dem Überbau des kolonialen Staates in Deutsch-Melanesien bis zur Lage der indigenen Bevölkerung in Deutsch-Afrika. Ein abschließendes Kapitel bietet eine historische Perspektive auf den deutschen Imperialismus. Eine Auswahlbibliographie und ein Register vervollständigen das Werk. 1) Eine Randerscheinung im Kolonialismus: Der deutsche Fall von Lewis H. Gann; 2) Die Deutsche Kolonialgesellschaft von Richard V. Pierard; 3) Anthropologie und deutscher Kolonialismus von Woodruff D. Smith 4) Gegner des Kolonialgedankens von Helmuth Stoecker und Peter Sebald, 5) Sklavenarbeit und Lohnarbeit in Deutsch-Togo 1885-1914 von Donna J.E. Maier 6) Das vernachlässigte Kolonialreich: der Überbau des Kolonialstaates in Deutsch-Melanesien von Peter Hempenstall; 7) Die Lage der Afrikaner in den deutschen Kolonien von Helmuth Stoecker, 8) Entscheidungsfindung für die deutschen Kolonien von Arthur J. Knoll, 9) Deutscher Imperialismus in historischer Perspektive von Winfried Baumgart; Auswahlbibliographie.

– Verschiedene Autoren: “Featured attraction: Jerry Grzenda on German colonial money”, The Montgomery County Coin Club Bulletin, August 1999

– Henderson W.O., “The German Colonial Empire 1884-1919” 164 p. illustrierte Karten Longman 1993

– Henderson, W.O., “Studies in German Colonial History” 150 pp. Frank Cass & Co. Ltd, 1962, London, Grossbritannien.

– Woodruff Smith, D., “The German Colonial Empire” 274 pp. maps, University of North Carolina Press, 1978, Chapel Hill, USA.

AFRIKA:

– Gann, L. H. & Duignan, Peter, “The Rulers of German Africa 1884 – 1914” 286 pp. Stanford University Press, 1977, Stanford, USA.

– Prothero, G. W., “German African possessions: Togoland, Cameroon, South West Africa, Tanganyika, German treatment of….”, Vol. XVIII of the Peace Handbooks, Issued by the Historical Section of the British Foreign Office, Tanzania, Africa Munger Library. Munger Africana Library, 1969(1920 1st ed.), Greenwood, NY, USA.

– Stoecker, Helmuth, “German imperialism in Africa : from the beginnings until the second world war”, 446 pp. C. Hurst & Company, 1986, London, Grossbritannien.

Der historische Hintergrund, die Annexionen; die Eroberung von Kolonien; die Errichtung und Erweiterung der deutschen Kolonialherrschaft, die wirtschaftliche Expansion und die politischen Ziele in Südafrika 1884-1898; halb-koloniale Expansion in Marokko 1871-1898; Kolonialherrschaft nach der Niederschlagung der Aufstände; das Deutsche Reich in Afrika vor 1914: allgemeine Fragestellungen, Bemühungen zur Sicherung eines größeren Anteils vor 1914; der Erste Weltkrieg; die kolonialen Ziele der Weimarer Republik; die kolonialen Ziele und Vorbereitungen des Hitler-Regimes 1933-1939; der Zweite Weltkrieg.

TANSANIA (DEUTSCH-OSTAFRIKA):

– Gardner, Brian “German East: The Story of the First World War in East Africa”, X, 213 pp., Cassell, 1963, London, Grossbritannien.

– Illiffe, J. “Tanganyika under German rule 1905-1912”, 315 pp. 1970

TOGO UND KAMERUN:

– Knoll, A. J., “Togo under Imperial Germany 1884-1914. A case study in colonial rule”, XV, 224p. Hoover colonial studies, 1978, Stanford

– Moberly, F. J., “Military Operations, Togoland & the Cameroons, 1918, Vol. III” 584 pp. Battery Press,

– Rudin, Harry, “Germans in the Cameroons 1884-1914. A case study in Modern imperialism” 1938, New Haven, USA.

NAMIBIA (DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA):

– Bley, H., “South West Africa under German rule 1894-1914”, xxxii, 303 pp. 3 maps and 28 plates, Heinemann, 1971, London.

– Calvert, Albert F., ” South West Africa during the German Occupation 1884-1914″, Negro University Press, 1969, New York, USA.

– Collyer, General J. J., “The Campaign in German South West Africa, 1914-1915”, 180 pp., Battery Press, 1997 (1937), Nashville, USA

– Esterhuyse, J. H., ” South West Africa 1880-1894, The Establishment of German Authority in South West Africa”, XII – 262, map, ill. C. Struik, 1968, Kapstadt, Südafrika.

– Seligmann, Matthew S., “Rivalry in Southern Africa, 1893-99; the transformation of German colonial policy” 200 pp. St. Martin’s Press, 1998

Untersucht die Entwicklung der deutschen Politik gegenüber dem Transvaal und dem südlichen Afrika in den 1890er Jahren, untersucht die Wurzeln der deutschen Politik und die sich daraus ergebenden Rivalitäten und Spannungen. Zeigt, dass Deutschland eine Expansionspolitik in aktiver Konfrontation zur britischen Politik der Zeit verfolgte und stellt die Bedeutung des südlichen Afrika für den deutschen Imperialismus heraus und die Rolle, die sie bei der Erweiterung der deutschen imperialen Bestrebungen vor 1914 spielte.

– Voeltz, Richard A., “German Colonialism and the South West Africa Company 1894-1914”, Ohio University, 1988, Athens, USA.

ASIEN:

– Verschiedene Autoren: “Tsingtao – A chapter of German colonial history in China 1897-1914”, 1998, Berlin, Deutschland.

Eine Umfrage über die Epoche der deutschen Kolonisierung in China: Deutsche Interessen und Präsenz in China vor der territorialen Besetzung, die Situation der chinesischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Besetzung der Bucht von Kiautschou und der Bau der Kolonialstadt Tsingtau. Das tägliche Leben der Deutschen und Chinesen in Tsingtau, die Entwicklung des Hinterlandes durch die deutschen Eisenbahn- und Bergbau-Gesellschaften und die Konflikte, die daraus allmählich entstanden. Der Boxer-Aufstand und seine Unterdrückung. Die Nachwirkungen einer Epoche, die durch gegenseitige, wenn auch ungleiche, Beziehungen gekennzeichnet war und die Art und Weise des Umgangs mit der Vergangenheit.

OZEANIEN:

– Verschiedene Autoren: “European impact and Pacific influence: British and German colonial policy in the Pacific Islands and the indigenous response” Ed. by Hermann Hiery and John MacDonald MacKenzie, German Historical Institute in London Tauris Academic Studies, I.B. Tauris Publications, 1997, 347 pages.

Britische und deutsche koloniale Bestrebungen im Pazifik haben sich in den letzten beiden Jahrhunderten manches Mal überschnitten. Dies ist eine Untersuchung dieser Folgen und deren Auswirkungen auf die europäischen Mächte und der betroffenen Inselbewohner des Pazifiks. Das Buch wirft ein Licht auf die Tätigkeit der Missionare in Mikronesien, die Kopfjäger auf Neuguinea, die Abgeordneten in Tonga und den Einfluss der Briten und Deutschen in der Region. Es beschäftigt sich mit den Europäer-Wahrnehmungen der Pazifik-Inselbewohner und umgekehrt; den ökologischen Auswirkungen der Eingriffe der Europäer auf die Umwelt und ihre Bewohner; den Bemühungen eine Herrschaft des Rechts nach europäischen Vorstellungen im Südpazifik durchzusetzen und dem Bereich der Sexualität als einer spezifischen Form pazifisch-europäischer Wechselwirkungen, in denen kulturelle Unterschiede zwischen europäischem und traditionellem Verhalten am stärksten ausgeprägt war.

– Burnell, F.S., “Australia versus Germany. The Story of the Taking of German New Guinea”, 254pp., George Allen & Unwin. 1915, London, Großbritannien.

Bericht über die Einnahme von Deutsch-Neuguinea während des 1. Weltkrieges. Dies war Australiens erste militärische Aktion im 1. Weltkrieg.

– Cass, Philip, “The infallibile engine: indigenous perceptions of Europeans in German New Guinea through the missionary press” Internet article. University of Westminster, 1998, London, Grossbritannien.

– Hempenstall, Peter J., “Pacific Islanders under German rule” xii, 264 pp. 6 maps, 19 plates b/w, Australian National University Press. 1978, Canberra, Australien.

Eine Studie über die Bedeutung des kolonialen Widerstands. Dies ist ein wichtiges Buch. Es erfasst in einem Band die Einstellung der Deutschen zu ihren pazifischen Kolonien und die Reaktion der Inselbewohner auf die Deutschen. Es ist die erste detaillierte Studie über Samoaner, Ponapeer und Neuguineer unter deutscher Herrschaft. Es ist gründlich recherchiert, gut dokumentiert und in einem lesbaren und dennoch durchaus gelehrten Stil geschrieben.

– Emerson, Terence B., “A brief history of Rota: the German period”, Internet article.

– Hiery, Hermann Joseph, “The neglected war. The German South Pacific and the influence of World War I”, xvii, 384 pp. 35 illustrations, University of Hawaii Press, 1995, Honolulu, Hawaii, USA.

Der Autor ist ein ständiger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts in London. In dieser Arbeit beschäftigt er sich mit den pazifischen Inselbewohnern, wie sie den dramatischen Wandel, der durch den Krieg hervorgerufen wurde, bewältigen und wie sie versuchen, die Folgen zu beeinflussen. Dabei stellt der Autor die Politik, die Australien, Neuseeland und Japan verfolgen, genau dar und zeigt auf wie jede dieser Kolonialmächte die indigene Bevölkerung betrachtet und behandelt. Schliesst Neuguinea, West-Samoa und Mikronesien ein.

– Mackenzie, S.S., “Official History of Australia in the War of 1914-1918: Vol. X. The Australians at Rabaul” xvi, 412pp. 55 maps, 91 illustrations, Angus & Robertson, 1940, Sydney, Australien.

Die Einnahme und Verwaltung der deutschen Besitzungen im Südpazifik.

– Moses, John A. and Kennedy, Paul M., Editors, “Germany in the Pacific & Far East 1870-1914” xx, 417pp. University of Queensland Press. St. Lucia, 1977, Brisbane, Australien.

Mit Beiträgen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, beinhaltet Eingeborenenpolitik in den Kolonien, historische Anthropologie und einen wertvollen Leitfaden zu Archiven zur Thematik Deutschland im Pazifik und Fernen Osten. Zum ersten Mal hatten Forscher Zugang zu Akten des deutschen Reichskolonialamtes.

– Sack, Peter, “German New Guinea. A Bibliography”, 298 pp. Department of Social Sciences of the Law Research School, The Australian National University, 1980, Canberra, Australien.

Eine umfassende Auflistung der deutschen Literatur über das “Alte Schutzgebiet” von Deutsch-Neuguinea (später Mandatsgebiet von Neuguinea und jetzt Teil des Unabhängigen Staates Papua-Neuguinea), die während der Zeit des Bestehens von Deutsch-Nauguinea von 1884 bis 1914 veröffentlicht wurde. Ausgewählte Veröffentlichungen von Regierungsbeamten, der Kolonialverwaltung, von Missionaren und Missionsliteratur, von Händlern, Pflanzern und Wirtschaftsliteratur, Fachliteratur, allgemeine Presseerzeugnisse und Kolonialliteratur.

– Staniforth, Smith, “Germany in the Pacific and an account of British New Guinea and the Solomon Islands”, 16pp., F. Cunninghame & Co. 1905, Sydney, Australien.

UNSERDEUTSCH:

– Mühlhäusler, P., “Bemerkungen zum Pidgin-Deutsch von Neuguinea” In: Molony, C., Zobl, H., Stolting, W. (eds.). “German in Contact with other Languages” Scriptor-Verlag, 1977, Kronberg/Taunus, pp. 58-70.

– Volker, Craig A., “Rabaul Creole German Syntax” In: Working Papers in Linguistics University of Hawaii n° 21, 1989, pp.153-189.

– Volker, Craig A., “The rise and decline of Rabaul Creole German, Language and Linguistics in Melanesia”, in: Proceedings of the First International Conference on Oceanic Linguistics, Pacific Linguistics, Canberra, Australien.

– Volker, Craig A., “Short notes: Rabaul Creole German”, in: “The Carrier Pidgin” vol. 25, n° 1-2 Florida International University, Miami, Florida, USA.

BRANDENBURG

– Verschiedene Verfasser: “John Conny & Goombay Drum ignite the imagination of the African Diaspora” From: Angwandah, J. Kwesi “Castles and forts of Ghana” Ghana Museums and Monuments Board, Atlante, 1999, Paris, Frankreich. pp. 84-88

– Angwandah, J. Kwesi, “Castles and forts of Ghana” Ghana Museums and Monuments Board, Atlante, 1999, Paris, Frankreich.

– Grosser Generalstab, “Brandenburg-Preußen an der Westküste von Afrika 1681-1721”, 1912, Leipzig, Deutschland.

– Heyden, Ulrich von der, “Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Westafrika” 105 pp., Selignow-Verlag, Mai 2001, Berlin, Deutschland.

– Lawrence, A. W., “Trade Castles and Forts of West Africa” 390 pp. 48 maps & 158 plates, Jonathan Cape, 1963, London, Grossbritannien

Eine ausführliche Beschreibung von etwa 40 Festungen und Schlössern von Arguin (Mauretanien) bis Ajudá/Whydah/Ouidah (Benin). Viele Abbildungen und Karten von Festungen. Chronologische Geschichte der Festungen. Die Stellung des Festungssystems in der Geschichte, die Zeitvorgaben, Organisation und Personal, das Leben in den Festungen, Beziehungen zwischen Festung und Stadt, die Arten von Gebäuden, Baumaterialien und Bauweise, frühe Bauzeichner, Schloss Elmina, die portugiesischen und später niederländischen Stützpunkte, andere Stützpunkte, Festung Cape Coast, Christiansborg, Princestown; frühe Festungen: Axim, Mori, Cormantin, Gambia, Butre, Shama; Forts um 1700: Akwida, Commenda, Dixcove, Apam, Sekondi, Beraku; Festungen des späten achtzehnten Jahrhunderts: Anomabu, Beyin, Keta.

– Monod,Th. “L’île d’Arguin (Mauritanie), essai historique” 327 pp. 5 maps IICT and CECA 1983 Lissabon, Portugal.

Detaillierte Recherche über die Geschichte der Festung Arguin.

– Van Dantzig, A., “Forts and castles of Ghana” Sedco, 1980, Accra, Ghana.

– Van Dantzig, A. and Priddy, B. “A short history of the forts and castles of Ghana” 59 pp., map and ills. Liberty Press, 1971, Accra, Ghana.

Die portugiesische Zeit, das Eindringen der Niederländer und die Vertreibung der Portugiesen; das Eindringen der Engländer, Schweden und Dänen, das Ansteigen des englischen Handels, die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie, das 18. Jahrhundert, das 19. Jahrhundert.

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Deutscher Kolonialismus

Brandenburg: koloniale Überreste

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster.

Wenn Sie etwas über koloniale Überreste wissen oder Fotos darüber von irgendwo auf der Welt haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Es würde mich freuen, wenn ich solche Dokumente auf dieser Webseite veröffentlichen könnte. Danke, Marco. Meine E-Mail-Anschrift finden Sie auf meiner Homepage.

KOLONIALE ÜBERRESTE BRANDENBURGS

AFRIKA:

GHANA:

Princestown: Ruinen des Forts Gross-Friedrichsburg (1683)

Akwida: Fort Dorothea (1684).

MAURETANIEN:

Arguin: ein paar Ruinenreste des Forts

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Deutscher Kolonialismus Ozeanien Spanischer Kolonialismus

1565 – 1994 Mikronesien-vergessene Inselwelt im Pazifik

Verfasst von Dietrich Köster

Deutsch-Mikronesien – auch Inselgebiet von Deutsch-Neuguinea genannt – ist die weitverstreute Inselwelt, die nördlich des Äquators im westlichen Zentralpazifik liegt und bis 1914/1920 den nördlichen Teil Deutsch-Neuguineas bildete. Hinzu kommt die Insel Nauru, eben südlich des Äquators gelegen. Die Festlandsfläche beträgt nur wenig mehr als 2.500 Quadratkilometer. Die Bevölkerungszahl belief sich 1914 auf 62.000 und liegt heute bei 176.000. Im einzelnen setzte sich Deutsch-Mikronesien aus den Marianen ohne Guam, den Palau-Inseln, den Karolinen und den Marshall-Inseln mit Nauru zusammen. Es gibt dort insgesamt 2.141 Inseln, von denen nur 98 bewohnt sind.

Die Marianen, eine Inselkette nördlich der Insel Guam, waren von 1565 bis 1898 von den Spaniern kolonisiert worden, so daß beim Kauf dieser Inseln durch das Deutsche Reich von Spanien nach dem Spanisch-US-amerikanischen Krieg die neuen deutschen Kolonialherren einen starken spanischen Einfluß vorfanden, der den Verhältnissen in Lateinamerika ähnlich war. Die Marianen wurden übrigens lange Zeit nicht von Spanien direkt, sondern bis zur Unabhängigkeit Mexikos von diesem verwaltet. Danach erfolgte die Verwaltung von Manila aus. Die Marianen liegen auf dem Weg von Mexiko nach den Philippinen, so daß spanische Galeonen hier Proviant aufnahmen. Mit dem Verlust der Philippinen im o.g. Krieg war für Spanien der mikronesische Inselbesitz uninteressant geworden und wurde, wie erwähnt, an das Deutsche Reich verkauft.

Bei der Übernahme der Marianen wurde der Kaiserliche Bezirksamtmann Georg Fritz in Garapan auf der Insel Saipan vom Gouverneur des Schutzgebietes Deutsch-Neuguinea, Rudolf von Bennigsen, eingesetzt. Dieser Bezirksamtmann leistete 1899 bis 1907 aktive Entwicklungsarbeit. So gründete er eine Regierungsschule für Eingeborenenkinder, wobei er bis zum Eintreffen des ersten Lehrers selber Unterricht erteilte.

Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges besetzten japanische Marinetruppen die Inseln. Da es für Deutsch-Neuguinea, wozu die Marianen gehörten, keine Schutztruppe gab, sondern nur eine kleine Polizeitruppe, leisteten die Deutschen den Japanern keinen Widerstand.

Zum Inselgebiet von Deutsch-Neuguinea gehörten auch die Palau-Inseln. Die Flaggenhissung von einem deutschen Kriegsschiff aus im Jahre 1885 mußte nach spanischen Protesten wieder zurückgenommen werden. Die Spanier machten ältere Rechte geltend. Sie behaupteten, diese Inseln schon seit dem 16. Jahrhundert zu besitzen, ohne aber je den Fuß auf diese Inseln gesetzt zu haben. Durch einen Schiedsspruch des Papstes sollte Spanien diese Inseln behalten, allerdings mit der Auflage, Verwaltungs- und Militärpersonal nach hier zu schicken, um die Inseln effektiv in Besitz zu nehmen.

Die gleiche Situation herrschte im Jahre 1885 auf den Inselgruppen Yap, Truk und Ponape, die die Karolinen bilden. Hier wurde Spanien auch jetzt erst kolonisatorisch tätig. Spanische Ordensgeistliche nahmen auf den Inseln ihre Missionsarbeit auf. Mit der spanischen Präsenz war es aber nicht nur auf den Marianen und den Palau-Inseln im Jahre 1899 vorbei. Nach der Niederlage im Spanisch-US-amerikanischen Krieg und dem Verlust der Philippinen verkaufte Spanien in diesem Jahr auch die Karolinen an das Deutsche Reich. In Yap wurde Arno Senft, in Ponape Dr. Albert Hahl als Bezirksamtmann eingesetzt. Palau und Truk erhielten einen Stationsleiter.

1910/11 brach über der Frage der Erbringung von Straßenbauarbeiten ein Aufstand der Eingeborenen auf Ponape aus. Nach der Ermordung des Bezirksamtmanns Gustav Böder wurden vier Kriegsschiffe des in Tsingtau/Deutsches Kiautschou-Gebiet stationierten deutschen Ostasiengeschwaders in Marsch gesetzt. In einem mühsamen Kleinkrieg konnten die Schiffsbesatzungen die Aufständischen auf dem Dschokadsch-Felsen der Sokehs-Halbinsel niederringen. Die Rädelsführer wurden hingerichtet. Andere am Aufstand Beteiligte wurden auf die Palau-Inseln verbannt.

Auch die Palau-Inseln und die Karolinen ereilte zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Schicksal der japanischen Eroberung, ohne daß die Deutschen Widerstand leisteten.

Anders verlief die deutsche Inbesitznahme auf den sich im Osten an die Karolinen anschließenden Marshall-Inseln. Da Spanien hier keine Besitzrechte geltend machte, konnte die Flaggenhissung durch SMS Nautilus im Jahre 1885 aufrechterhalten werden. Hauptinselbereich mit Sitz des Landeshauptmanns des Schutzgebietes Marshall-Inseln wurde Jabwor im Jaluit-Atoll. 1888 wurde auf der weiter südlich gelegenen Insel Nauru ein Kleinkrieg der Eingeborenen von deutscher Seite geschlichtet und diese Insel verwaltungstechnisch zu einem Teil der Marshall-Inseln erklärt.

Bis 1906 war es die private Jaluit-Handelsgesellschaft, die im Auftrage des Deutschen Reiches als beliehene Gesellschaft die Verwaltung der Inselgruppe wahrnahm. Da Australien sich nicht mit dem Handelsmonopol der Jaluit-Gesellschaft abfinden wollte, wurde dieser Gesellschaft nicht nur dieses Monopol aberkannt, sondern ihr auch die Hoheitsrechte über die Marshall-Inseln entzogen. Das Deutsche Reich nahm damit diese Inseln in eigene Verwaltung und setzte einen Bezirksamtmann in Jabwor und einen Stationsleiter auf Nauru ein. Die letztgenannte Insel nahm ab 1906 einen rasanten Aufstieg. Das Auffinden reicher Phosphatlager, die den größten Teil der Insel bedeckten, wurde die Grundlage für eine rasche wirtschaftliche Entwicklung. Auch hier wurde der deutschen Tätigkeit mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein jähes Ende gesetzt. Da die australische Marine hier vor der japanischen eintraf, wurde diese Insel 1914 von den Australiern besetzt. Demgegenüber wurden die Marshall-Inseln im engeren Sinne von den Japanern besetzt.

Durch den Versailler Friedensvertrag, der am 10. Januar 1920 in Kraft trat, wurden die Marianen, die Palau-Inseln, die Karolinen und die Marshall-Inseln ohne Nauru Japan als Mandatsmacht mit dem Völkerbund als Träger der Oberhoheit über diese Inselgruppen zuerkannt (C-Mandat). Eine entsprechende Mandatsverwaltung für Nauru wurde auf Grund dieses Vertrages von Australien eingerichtet. Dies geschah auch im Namen Großbritanniens und Neuseelands.

In der Zwischenweltkriegszeit wurde mit Ausnahme Naurus der gesamte Inselbereich Mikronesiens von den Japanern wirtschaftlich rasch durchdrungen. Obwohl die Marianen mit großen Zuckerrohrpflanzungen und Zuckerfabriken den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit darstellten, wurde der Hauptverwaltungssitz der japanischen Südseegebiete – Nanyo genannt – der Ort Koror in der Palau-Inselgruppe. Hier wurde eine Stadt aus dem Boden gestampft, die sich kaum von einer Provinzstadt in Japan unterschied. Typisch für die Jahre 1920-40 war der Versuch der vollständigen Japanisierung Mikronesiens. So wurde die Zuwanderung von Japanern von offizieller Seite stark gefördert, die die einheimische Bevölkerung zu einer Minderheit im eigenen Inselbereich machte. Ab 1936 war es für einen Nicht-Japaner sehr schwierig, diese Inselgruppen zu bereisen. Die Japaner gingen nämlich im Rahmen ihrer Eroberungspläne daran, ihr Mandatsgebiet im Zentralpazifik zu befestigen. Die Truk-Inseln wurden zum Sitz des Hauptquartiers des Südkommandos der Kriegsmarine. Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor Ende 1941 griff die japanische Flotte weit im Westpazifik aus und eroberte zahlreiche weitere Inseln, zu denen auch Nauru gehörte. Sofort wurde diese Insel befestigt und ein großer Teil der Bevölkerung nach Truk verschleppt.

1944/45 wurde im Zuge der Niederringung der Japaner im Pazifik das gesamte japanische Mandatsgebiet von US-Truppen erobert. Die Australier kehrten im September 1945 nach Nauru zurück.

Da die japanischen Soldaten für ihren Fanatismus bekannt sind – Kamikaze steht als Beispiel dafür -, konnten die Amerikaner erst unter großer Kraftanstrengung das bisherige Nanyo erobern. Besonders erbitterte Kämpfe fanden in Truk, wo die US-Luftwaffe einen großen Teil der japanischen Südflotte versenkte, statt. Schwere Kämpfe entspannen sich um die Inseln Angaur, Peleliu und Koror der Palau-Inseln. Die verbissensten Kämpfe spielten sich um Guam – eine US-Außenbesitzung – und die Marianen-Inseln Rota, Tinian und Saipan ab. Auf Tinian wurde der bisherige japanische Fliegerhorst im Eilverfahren ausgebaut und als Startpunkt für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki verwandt. Auf Saipan waren viele japanische Soldaten nicht bereit zu kapitulieren. Sie stürzten sich von einem hohen Felsen, der heute Suicide Cliff genannt wird. Zahlreiches Kriegsmaterial ließen Japaner und Amerikaner auf dem Kriegsschauplatz zurück.

Im Jahre 1947 erhielten die USA Mikronesien mit Ausnahme von Nauru als Treuhandgebiet Pazifische Inseln von den Vereinten Nationen übertragen. Dabei konnte die US-Regierung durchsetzen, daß dieses Gebiet von einer Seefläche, die mit 7,8 Millionen Quadratkilometern der Landfläche der USA entspricht, zu einem strategischen Gebiet erklärt wurde. Dies war für die USA die Rechtfertigung, bis 1958 auf den Atollen Bikini und Eniwetok der Marshall-Inseln zahlreiche Atombombenversuche durchzuführen. Diese riefen besonders unter den umgesiedelten Bewohnern der Marshall-Inseln zahlreiche Proteste hervor. Auch richteten die USA auf dem Kwajalein-Atoll ein Raketenversuchsgelände ein. Dabei wurden die Bewohner Mikronesiens durch den weitgehenden Verlust der Subsistenzlandwirtschaft zu Wohlfahrtsempfängern der USA. Auf Saipan gibt es trotz der jüngst erfolgten Ansiedlung von Textilbetrieben und des florierenden Fremdenverkehrs – hervorgerufen durch japanische Veteranen des Zweiten Weltkriegs und Hochzeitsreisende – zahlreiche Empfänger von Lebensmittelgutscheinen, den food stamps.

Während das kleine VN-Treuhandgebiet der Insel Nauru unter Aufhebung der VN-Treuhandschaft 1968 als Republik Nauru von Australien unabhängig wurde und immer noch von den Exporteinkünften der zur Neige gehenden Phosphatvorkommen lebt, war das staatsrechtliche und wirtschaftliche Schicksal des US-verwalteten VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln lange Zeit nicht abschließend geklärt.

Die USA bestehen darauf, daß sie auf den Palau-Inseln Atomwaffen stationieren können. 1979 legte die Verfassung von Palau fest, daß diese Inselgruppe atomwaffenfreie Zone sein soll. In mehreren Volksabstimmungen konnte die Dreiviertel-Mehrheit, die zur Aufhebung der Bestimmung über die atomwaffenfreie Zone der Verfassung erforderlich ist, nicht erreicht werden. Dies verhinderte die Ratifizierung des Assoziierungsvertrages (Compact of Free Association) mit den USA. Dieser Vertrag sieht eine weitgehende Selbständigkeit der neuen Republik Palau – auch Belau genannt – vor. Die Außen- und Verteidigungspolitik soll dabei aber weiter von den USA wahrgenommen werden.

Auf der anderen Seite schlossen die Karolinen – jetzt Föderierte Staaten von Mikronesien (FSM) genannt – und die neue Republik Marshallinseln Assoziierungsverträge mit den USA ab. Schließlich ist der staatsrechtliche Status der Nördlichen Marianen so angelegt, daß der jetzige Status eines “Commonwealth” später zur Umwandlung in einen 51. US-Bundesstaat führen kann.

Da Palau mit der Ratifizierung des Assoziierungsvertrages zögerte, haben schließlich der Treuhandschaftsrat der Vereinten Nationen und der Weltsicherheitsrat das System der VN-Treuhandschaft über das gesamte ehemalige Deutsch-Mikronesien nördlich des Äquators – die Palau-Inseln ausgenommen – am 22. Dezember 1990 aufgehoben.

Nach Überwindung verfassungsrechtlicher Hürden ratifizierten die Palau-Inseln doch noch den Assoziierungsvertrag mit den USA. Darauf erfolgte am 01. Oktober 1994 schließlich auch für Palau – jetzt Republik Palau – die Aufhebung der VN-Treuhandschaft.

Die Assoziierungsverträge für die Republik Palau, die Föderierten Staaten von Mikronesien und die Republik Marshallinseln sehen eine starke finanzielle Unterstützung durch die USA und einen freien Zugang zum US-Arbeitsmarkt vor.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Inselgruppen des VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln entweder gar nicht unabhängig werden – dies gilt für die Nördlichen Marianen – oder außen- und militärpolitisch durch Assoziierungsverträge (Compacts of Free Association) in teilweiser Abhängigkeit von den USA gehalten werden. Letzteres trifft für die Republik Palau, die Föderierten Staaten von Mikronesien und die Republik Marshallinseln zu.

Copyright 2005 von Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Afrika Asien Deutscher Kolonialismus Ozeanien

Politische Fortschreibung der vormaligen deutschen Kolonien seit 1920

Verfasst von Dietrich Köster

KOLONIEN IN AFRIKA

DEUTSCH-OSTAFRIKA, Besitzergreifung 1884/85

Tanganjika-Territorium 1920 an Großbritannien –
1961 Unabhängiger Staat Tanganjika/1962 Republik Tanganjika –
April 1964 Teil der Vereinigten Republik Tanganjika und Sansibar/seit
November 1964 der Vereinigten Republik Tansania
Ruanda-Urundi 1920 an Belgien –
seit 1962 Republik Ruanda (Nordteil)
1962 Königreich Burundi/seit 1966 Republik Burundi (Südteil)
Kionga-Dreieck 1920 zurück an Portugal (Portugiesisch-Ostafrika) –
1975 Teil der Volksrepublik Mosambik/seit 1990 der Republik Mosambik

DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA, Besitzergreifung 1884

1920 an die Südafrikanische Union/1961 Republik Südafrika –
seit 1990 Republik Namibia

KAMERUN, Besitzergreifung 1884

Westkamerun 1920 an Großbritannien –
1960 Teil des Unabhängigen Staates Nigeria/seit 1963 der Bundesrepublik Nigeria (Nordteil) bzw.
1960 Teil des Unabhängigen Staates Nigeria –
1961 Teil der Bundesrepublik Kamerun/1972 der Vereinigten Republik Kamerun/seit 1984 der Republik Kamerun (Südteil)
Ostkamerun 1920 an Frankreich –
1960 Republik Kamerun –
1961 Teil der Bundesrepublik Kamerun/1972 der Vereinigten Republik Kamerun/seit 1984 der Republik Kamerun
Das 1911 Kamerun angegliederte Neukamerun wurde 1920 wieder Teil der Nachbarkolonien von Französisch-Äquatorialafrika (AEF): Tschad (1960 Republik Tschad), Ubangi-Schari (1960 Zentralafrikanische Republik/1976 Zentralafrikanisches Kaiserreich/1979 Zentralafrikanische Republik), Mittel-Kongo (1960 Republik Kongo/1970 Volksrepublik Kongo/1992 Republik Kongo) bzw. Gabun (1960 Gabunische Republik)

TOGO, Besitzergreifung 1884

Westlicher Teil von Togo 1920 an Großbritannien –
1957 Teil des Unabhängigen Staates Ghana/seit 1960 der Republik Ghana
Östlicher Teil von Togo 1920 an Frankreich –
seit 1960 Republik Togo

KOLONIEN IM BEREICH DES PAZIFIKS

DEUTSCH-NEUGUINEA

a) Kaiser-Wilhelmsland, Bismarck-Archipel, Deutsche Salomon-Inseln, Besitzergreifung 1884-1886
1920 an Australien –
seit 1975 Teil des Unabhängigen Staates Papua-Neuguinea
b) Marshall-Inseln (Teil von Deutsch-Mikronesien nördlich des Äquators), Besitzergreifung 1885
1920 an Japan –
1947 unter US-Verwaltung als Teil des VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln –
seit 1990 Republik Marshallinseln
c) Nauru (Deutsch-Mikronesien südlich des Äquators), Besitzergreifung 1888
1920 an Australien, Neuseeland und Großbritannien/Wahrnehmung der Verwaltung durch Australien – seit 1968 Republik Nauru
d) Deutsch-Mikronesien nördlich des Äquators ohne Marshall-Inseln, Besitzergreifung 1899
1920 an Japan –
1947 unter US-Verwaltung als Teil des VN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln
aa)seit 1990 US-Commonwealth der Nördlichen Marianen
bb)seit 1994 Republik Palau (Belau/Palau-Inseln)
cc)seit 1990 Föderierte Staaten von Mikronesien (Karolinen)

DEUTSCHES KIAUTSCHOU-GEBIET, Besitzergreifung 1897/98

1920 an Japan –
1922 zurück an China –
seit 1949 Teil der Volksrepublik China

DEUTSCH-SAMOA, Besitzergreifung 1899/1900

1920 an Neuseeland –
1962 Unabhängiger Staat Westsamoa/seit 1997 Unabhängiger Staat Samoa

Anmerkungen:
Deutsch-Mikronesien umfaßt die Marianen außer Guam, die Palau-Inseln, die Karolinen, die Marshall-Inseln und Nauru.
Mit Ausnahme des Deutschen Kiautschou-Gebietes und des Kionga-Dreiecks
wurden alle deutschen Überseebesitzungen 1920 Mandate des Völkerbundes.
Togo und Kamerun wurden B-Mandate jeweils teils mit Frankreich bzw.
Großbritannien als Mandatsinhaber.
Daneben wurden Tanganjika und Ruanda-Urundi B-Mandate mit
Großbritannien bzw. Belgien als Mandatsmacht.
Deutsch-Südwestafrika, Mikronesien nördlich des Äquators und Deutsch-Samoa wurden als C-Mandate der Südafrikanischen Union, Japan bzw. Neuseeland als Mandatar unterstellt.
Nauru als Mikronesien südlich des Äquators erhielt als C-Mandat Großbritannien, Australien und Neuseeland als Mandatsmächte.
Das übrige Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland, Bismarck-Archipel und
Deutsche Salomo-Inseln) wurde als C-Mandat der Verwaltung Australiens unterstellt.
1947 wurden diese Territorien bis zur staatlichen Unabhängigkeit Treuhandgebiete der Vereinten Nationen.
In diesem Jahr lösten nur die Vereinigten Staaten Japan als Verwaltungsmacht ab (VN-Treuhandgebiet Pazifische Inseln).
Für den Gebietsteil der Inselgruppe der Nördlichen Marianen ist eine Unabhängigkeit nicht vorgesehen.
Diese Inseln sind seit 1990 als Commonwealth der Nördlichen Marianen mit den Vereinigten Staaten in politischer Union verbunden.
Die Abtretung der deutschen Überseebesitzungen erfolgte aufgrund des Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919, der am 10. Januar 1920 in Kraft getreten ist.

Copyright March 2004 by Dietrich Köster, D-53115 Bonn

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Deutscher Kolonialismus Namibia

Namibia: das deutsche Fort Alte Feste in Windhoek

Verfasst von Marco Ramerini. Übersetzt von Dietrich Köster 

Das Fort Alte Feste wurde vom Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika Curt von François 1890 gegründet. Er legte den Grundstein für den Bau des Forts am 18. Oktober 1890. Damit ist es das älteste Gebäude der Stadt Windhoek, der Hauptstadt des heutigen Namibia.

Das Fort liegt auf einer Anhöhe, die einen Rundblick auf das Zentrum Windoeks gewährt. Das ursprüngliche Fort hatte eine rechteckige Form, eine Länge von 62 m und eine Breite von 35 m. An den Ecken wurden vier Türme errichtet. Die beiden Türme auf der Ostseite waren 9 m hoch und die beiden auf der Westseite hatten eine Höhe von 6 m.

Während der deutschen Kolonialzeit wurde das Fort als Hauptquartier der Kaiserlichen Schutztruppe (bis 1915) und danach als Hauptquartier der südafrikanischen Truppen genutzt. 1935 wurde es ein Schülerheim der Windhoek High School/Windhoek Hoërskool (WHS).

Deutsches Fort Alte Feste, Windhoek, Namibia. Author and Copyright: Marco Ramerini
Deutsches Fort Alte Feste, Windhoek, Namibia. Author Marco Ramerini

1957 wurde es zum Nationalen Denkmal erklärt, und seit 1962 beherbergt es das Staatliche Historische Museum, ein Vielzweckmuseum, das Informationen über die Geschichte Namibias von seinen Anfängen (Kunst der San/Buschleute) bis zur Kolonialzeit und Unabhängigkeit enthält. Im Innenbereich sind Möbel, Felsmalereien, Musikinstrumente, Keramik, Gegenstände aus der Kolonialzeit und Fotografien über den Kampf um die Unabhängigkeit Namibias ausgestellt.

Vor dem Fort befindet sich das Reiterdenkmal, welches 1912 eingeweiht wurde, um der Angehörigen der Deutschen Schutztruppe und der Zivilisten zu gedenken, die während des Aufstandes der Hereros und Namas (1903-1907 und 1908) ihr Leben verloren.

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Brasilien Deutsche Siedler

Deutsche in Brasilien. 1824-2024: 200 Jahre deutsche Einwanderung nach Brasilien

Verfasst von Dietrich Köster

Der Süden des heutigen Brasiliens (die Staaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná) war während des 18. Jahrhunderts ein zwischen den Kolonialmächten Spanien und Portugal umstrittenes Gebiet. 1778 wurde von diesen Nationen ein Abkommen geschlossen, das zu einer Übertragung der Küste des Golfs von Guinea einschließlich der Inseln Fernão do Pó (Fernando Póo) und Ano Bom (Annobón) auf Spanien führte. Andererseits gab Spanien seine Ansprüche auf den Süden des heutigen Brasiliens auf.

Diese Gegend war dünn besiedelt. Das war auch der Grund, daß die Gefahr der ausländischen Besetzung blieb, sogar nach der Unabhängigkeit des von der spanischen Kolonialherrschaft befreiten Argentiniens. Die Bedrohung setzte sich auch nach der Unabhängigkeit Brasiliens, als sich der portugiesische Kronprinz als Dom Pedro I. zum Kaiser von Brasilien erklärte, fort. Seine Gemahlin Kaiserin Dona Leopoldina – Tochter des Kaisers Franz I. von Österreich – förderte nachhaltig die Auswanderung von Menschen aus den verschiedenen Gebieten deutscher Sprache Mitteleuropas. Diese Auswanderung, die sich ab dem 25. Juli 1824 auf den Süden Brasiliens richtete, war ein bedeutender Beitrag für die Verteidigung und die Festigung der südlichen Grenzen des Kaiserreiches Brasilien.

Dieses Tages wird 2024 als des 200. Jahrestages der deutschen Einwanderung nach Brasilien gedacht. So begann die Geschichte der Siedler deutscher Sprache:

Die erste Gruppe der Einwanderer kam aus dem Hunsrück und gründete 1824 São Leopoldo. Sie rodete den Urwald und schuf Bauernhöfe mittlerer Größe (70 ha), ohne Sklaven als Arbeitskräfte zu beschäftigen.

Mit Hilfe ins Vale dos Sinos (Glockental) eingewanderter Handwerker entwickelte sich Novo Hamburgo (Neu-Hamburg) zu einem Zentrum der Schuhindustrie, die heute die bedeutendste in ganz Brasilien ist. Die Geschichte der deutschen Siedlung im Staat Rio Grande do Sul wird im Parque do Imigrante (Einwandererpark) in Nova Petrópolis, einer Stadt mit 90% Deutsch-Brasilianern, dargestellt. In São Leopoldo befindet sich das Museu do Imigrante (Einwanderermuseum) unter der Leitung von Prof. Telmo Lauro Müller. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Siedlung Blumenau von Dr. Blumenau, der aus dem damaligen Herzogtum Braunschweig stammte, gegründet. Pommern ließen sich in der Ortschaft Pomerode, eine Bezeichnung, die darauf hinweist, daß Menschen dieses deutschen Landes (Pommern) den Urwald gerodet haben, nieder. Heute ist Pomerode als die deutscheste Stadt Brasiliens bekannt.

Die Stadt Blumenau entwickelte sich zum bedeutendsten Standort der Textilindustrie von ganz Lateinamerika mit der Firma Hering als dem größten Unternehmen. Die Nachkommen der deutschen Einwanderer dieser Stadt feiern schon seit Jahren das Oktoberfest nach dem Vorbild von München, der Hauptstadt Bayerns.

1843 wurde die Stadt Petrópolis als kaiserliche Sommerresidenz unter Mitwirkung des deutschen Ingenieurs Köhler gegründet. 1845 trafen die ersten deutschen Siedler ein. Die Namen der verschiedenen Stadtteile Petrópolis’ erinnern an die Gebiete und Ortschaften, aus denen die Einwanderer kamen: Renânia (Rheinland), Mosela (Mosel), Simméria (Simmern), Castelânea (Kastellaun), Bingen, Ingelheim, Darmstadt.

Die gesetzliche Vorschrift von der Heydtsches Reskript, die Mißbräuche im Arbeitsleben Brasiliens aufdeckte, führte zu einer zeitweiligen Verringerung der Zahl der Einwanderer aus Preußen, dem damals größten deutschen Staat.

Für die erste Siedlergeneration war das Leben sehr hart. Alles hing von der Eigeninitiative der einzelnen Menschen und der Siedlergemeinschaft ab. Der brasilianische Staat kümmerte sich um nichts. Es war reine Notwendigkeit, daß die Siedler ihre eigenen Schulen und Kultureinrichtungen schufen. Die portugiesische Sprache spielte damals nur eine untergeordnete Rolle, weil die Siedler vom übrigen Brasilien noch recht isoliert waren.

Während in den 1920er Jahren eine kleine Auswanderungswelle nicht nur den Süden des Landes, sondern auch die großen Städte wie São Paulo und Rio de Janeiro erreichte, sahen die 1930er Jahre vor allem eine Zuwanderung von Juden, die von dem nationalsozialistischen Regime Deutschlands und Österreichs verfolgt wurden. So wurde die Stadt Rolândia im Staat Paraná in dieser Zeit von deutschen Juden gegründet.

Mit der Präsidentschaft von Getúlio Vargas (1930-45) mußte sich das private deutsche Schulsystem der deutschen Siedler unter dem Druck der Nationalisierungspolitik in öffentliche Schulen mit national-brasilianischer Ausrichtung umbilden.

1940 ereignete sich mit der militärischen Besetzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland etwas Außerordentliches:

Tausende vom Nazismus verfolgte Personen baten im portugiesischen Konsulat in Bordeaux im Südwesten Frankreichs um ein Visum für die Einreise nach Portugal. Es waren der Konsul Aristides de Sousa Mendes und seine Mitarbeiter, die 30.000 Visen ohne Ermächtigung durch den damaligen Vorsitzenden des Ministerrates António de Oliveira Salazar, der zu jenem Zeitpunkt zusätzlich das Amt des Außenministers bekleidete, ausstellten. Mit diesen Visen konnten die Verfolgten von Lissabon nach Übersee fliehen. Ein großer Teil hatte die Möglichkeit nach Brasilien, einem Land, das im Jahr 1940 noch den Status einer neutralen Macht besaß, auszuwandern. Tausende von Menschenleben wurden auf diese Weise gerettet.

Eine Ausstellung, die den früheren portugiesischen Konsul ehrt, wurde am 21. September 2004 eröffnet und war bis zum 23. Oktober desselben Jahres in der Nationalbibliothek in Lissabon zu sehen.

Während des 2. Weltkrieges – Brasilien schickte als einziges iberoamerikanisches Land ein Expeditionskorps auf den europäischen Kriegsschauplatz (Italien) – war es in Brasilien verboten, in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen.

Nach Ende der Feindseligkeiten entspannte sich die politische Lage. Eine neue deutsche Einwanderungswelle – auch wenn sie klein war – erreichte Brasilien. Dieses Mal handelte es sich um von den Nazis verfolgte Menschen und um alte Nazis, die jetzt eine Bestrafung wegen begangener Kriegsverbrechen befürchteten.

Darüber hinaus unterscheidet man zwei Gruppen:

Die Mennoniten – aus Rußland stammend – und die Donauschwaben, die 1945 aus dem ehemaligen Jugoslawien flüchteten. Beide Einwanderergruppen gründeten eigene Siedlungen im Staat Paraná mit dem Ziel, Landwirtschaft zu betreiben. Diese wirtschaftliche Betätigung ist inzwischen zu einem großen Erfolg und Vorbild für die anderen Einwohner von Paraná geworden.

Andererseits begann schon in den 1930er Jahren eine Einwanderung von qualifiziertem Personal aus Deutschland, das beim Aufbau der brasilianischen Industrie – besonders im Süden und Südosten – mitgewirkt hat. Heute ist die Region São Paulo der Teil Brasiliens mit der höchsten Industriedichte und das Gebiet, wo die deutsche Wirtschaft immer noch mehr investiert als in jedem anderen Teil der Welt.

Nach Schätzungen kamen 250.000 deutsche Auswanderer während der letzten 200 Jahre nach Brasilien, die zu 5 Millionen Nachkommen von Brasilianern deutscher Abstammung geführt haben. Dabei ist aber zu beachten, daß nicht alle der deutschen Sprache mächtig sind.

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